Von Florian K.

In neun Tagen sollte die 3. Liga der Spielzeit 19/20 eigentlich mit dem 38. Spieltag zu Ende gehen, doch der Ball rollt bekanntlich schon lange nicht mehr und die Diskussion über eine Fortführung erscheint immer kontroverser und komplexer zu werden.

Während der 1. und 2. Bundesliga gestern durch die Politik grünes Licht für einen baldigen Neustart gegeben wurde, tappen die Drittligisten nämlich noch weitestgehend im Dunkeln:

Der DFB sieht die Frauen-Bundesliga und die Liga 3 in der Entscheidung ganz pragmatisch – um nicht zu sagen naiv – inkludiert, da man sich auf das identische und nunmehr bestätigte Hygienekonzept geeinigt habe. Ein genauerer Blick in das Hygienekonzept eröffnet jedoch, dass die Umsetzung jenseits der 2. Liga viele Vereine vor große Herausforderungen stellt: so müssen beispielsweise hauptamtliche Mannschaftsärzte – über die nicht alle Drittligisten verfügen – verantwortlich für die Umsetzung der Maßnahmen zeichnen. Auch können einige Vereine voraussichtlich den räumlichen Anforderungen, welche sich aus den Abstandsregularien ableiten, so wohl nicht gerecht werden. Und auch die Anforderung an ein Trainingslager vor dem Neustart sowie nötige Umbaumaßnahmen in den Stadien stellt finanziell und organisatorisch ein Problem für einige Vereine dar.

Vielleicht ist gerade deshalb den Beschlüssen des Politik-Gipfels offenbar zu entnehmen, dass ein „tragfähiges Konzept“ für Liga 3 und die Frauen-Bundesliga vom DFB erwartet wird. Im heutigen Drittligaausschuss wird eventuell das Bild klarer, doch die Lage scheint prekär. Erschwerend kommt nämlich der Umstand hinzu, dass nach derzeitigem Stand offenbar letztlich die lokalen Gesundheitsämter ihre Zustimmung zu möglichen Geisterspielen der 3. Liga erteilen müssen – und hier gibt es insbesondere bei einigen ostdeutschen Teams große Hürden. In Sachsen-Anhalt wurde beispielsweise jeglicher Wettkampf bis zum 27.5. pauschal untersagt und auch die Stadt Münster sieht die Wiederaufnahme des Spielbetriebs sehr kritisch. Dies bewegte den Halleschen FC und den 1. FC Magdeburg sogar dazu, den Trainingsbeginn nach wie vor nicht wiederaufzunehmen, obwohl ein Trainingsbetrieb in Kleingruppen vermutlich umsetzbar wäre – so, wie ihn 1860 oder der MSV Duisburg bereits seit mehr als vier Wochen betreiben.

Vor einigen Wochen zeigte sich bereits, dass es zwei große Lager gibt – ostdeutsche Vereine oder auch der SV Waldhof auf der einen Seite, die Münchner Teams und weitere Klubs auf der anderen. So stellt sich nicht zu Unrecht die Frage, welchen Ansporn die Gruppe der Neustartgegner hat, sich hier konstruktiv einzubringen – insbesondere wenn sie sich vom Aufstiegsgeschehen nicht berührt fühlen aber hohe finanzielle und organisatorische Belastungen eingehen müssen.

Wie geht es nun weiter? Sollte der Drittligaausschuss heute keine Lösungen bringen – wovon wohl schwer ausgegangen werden muss – so dürfte vermutlich erst der DFB-Sonderbundestag verbindlichere Ergebnisse bringen. Dieser soll am 25.5. stattfinden, ein Neustart könnte also noch weiter entfernt liegen als viele Beteiligte es sich derzeit erhoffen. Selbst ein Abbruch ist nach wie vor nicht komplett auszuschließen, so sehr wie die Liga gespalten und die Beschlusslage regionaler Behörden variiert. Und wie ein fairer Wettbewerb oder Saisonabschluss gefunden werden soll, scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. Am Ende könnte die verschiedenartige Interessenslage die Liga gar ins Chaos stürzen.

Wie seht ihr das Thema? Kann es eine gerechte Lösung geben? Wie stark könnten Wettbewerbsverzerrungen auftreten? Seht ihr 1860 im Vorteil oder Nachteil? Lasst es uns wissen!

Florian K.

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