Gestern war ein seltsamer Tag. Die ersten 45 Minuten gehörten spielerisch wohl zum Besten, was man von den Löwen in letzter Zeit gesehen hat — und das ausgerechnet bei der heimstärksten Mannschaft der 3. Liga. Umso bitterer, dass man genau dieses Spiel am Ende verliert. Die Liga ist so eng beieinander, dass man die Saison noch nicht abschreiben darf. Trotzdem war diese Niederlage natürlich ein massiver Dämpfer für die Aufstiegshoffnungen. Andererseits war die Saison bislang viel zu sehr eine Achterbahnfahrt, um sie jetzt schon für beendet zu erklären.
Gestern war ein seltsamer Tag
Wie eine Aufholjagd aussehen kann, hat gestern Dominik Krause von den Grünen gezeigt. Er fällt nicht nur durch seinen verbindenden Ton und sein positives Auftreten auf, sondern auch durch progressive Ideen. Das heutige Interview mit ihm in der SZ ist sehr empfehlenswert, weil er genau den Ton anschlägt, den man sich von einem Politiker wünscht. Natürlich hat er auch von der “FC-Bayern-Äffare” um Alt-OB Reiter profitiert — und ja, es ist immer noch schön, “FC-Bayern-Affäre” zu schreiben.
Dass Krause in Giesing wohnt und sich bislang sehr positiv zum Sechzgerstadion und dessen Entwicklung geäußert hat, macht Hoffnung, dass man auch hier zu besseren Lösungen kommen kann, als sie mit Dieter Reiter möglich gewesen wären.
Wie geht es weiter mit den Löwen?
Was progressive Bürgermeister mit Visionen bewegen können, zeigen Städte wie Paris (dieser Weg wurde durch die Wahl gestern bestätigt) oder Kopenhagen. Und damit bin ich bei der Frage, welche Vision es für die Entwicklung von Sechzig gibt. Dort wird gerade vieles richtig gemacht. Es ist beeindruckend, wie viele neue Sparten und Abteilungen in letzter Zeit gegründet wurden.
Das zeigt sich auch am neuen Mitgliederhöchststand von knapp 27.500. Die Zahl der aktiven Mitglieder wächst stetig. Allein die neu gegründete Radsportabteilung zählt bereits 115 Mitglieder, Cricket und Rugby jeweils 50. Die Boxer sind aktuell sogar einer der besten Boxvereine Deutschlands. Viele Abteilungen mussten inzwischen einen Aufnahmestopp verhängen, weil sie an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.
Jetzt gilt es, mit den Strukturen nachzuziehen. Dafür braucht es auch die Unterstützung eines visionären Oberbürgermeisters. Da dürfte es kaum ein Nachteil sein, wenn der neue OB aus Giesing kommt und die Infrastrukturprobleme — beziehungsweise die vielerorts fehlende Infrastruktur — aus eigener Anschauung kennt. Eine neue Halle als Heimat für verschiedene Abteilungen und Mitglieder ist dringend notwendig.
Bis zu 30.000 Zuschauer in Giesing möglich?
Beim Stadion ist man schon einen Schritt weiter. Bald soll das Ergebnis der Machbarkeitsstudie veröffentlicht werden. Dem Vernehmen nach scheint eine Kapazität von 25.000 bis 30.000 Zuschauern am Standort des Grünwalder Stadions durchaus möglich zu sein. Auch für die stärkere Einbindung von Spielern aus dem eigenen NLZ hat man mit Manfred Paula als neuem Geschäftsführer der KGaA den richtigen Mann.
In Kombination mit Markus Kauczinski, den er als Trainer verpflichtet hat und der durch seine sympathische und bodenständige Art der erste Trainer seit langer Zeit ist, hinter dem die ganze Fanlandschaft steht, ist man hier sehr gut aufgestellt. Wenn man dieser Saison eines zugutehalten kann, dann, dass die Spieler aus dem NLZ alle Erwartungen übererfüllt und das in sie gesetzte Vertrauen mehr als gerechtfertigt haben — allen Unkenrufen aus manchen Ecken des Internets zum Trotz.
Die Hoffnung auf eine gemeinsame Vision
In Deutschland können, abgesehen von vielleicht drei oder vier Vereinen, letztlich nur die Klubs dauerhaft überleben, die Transfererlöse erzielen. Am nachhaltigsten funktioniert das mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum. Gleichzeitig stärkt das auch die Identifikation der Fans mit der Mannschaft. Eine wirklich nachhaltige Strategie lässt sich allerdings erst dann entwickeln, wenn endlich Klarheit über die künftige Gesellschafterstruktur herrscht.
Aber auch schon vor dieser Klärung wäre es wichtig, dass sich die Fans hinter einer gemeinsamen Vision versammeln. Konstruktive Kritik an einem eingeschlagenen Weg ist jederzeit legitim. Dann sollte man jedoch bitte auch einen realistischen alternativen Weg aufzeigen. Nur dagegen zu sein, reicht nicht — und vergiftet am Ende lediglich das Klima.
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.
Titelbild: CR-Fotos








































