Während sich unsere Löwen Anfang Januar unter der türkischen Sonne von Belek für den weiteren Drittliga- & DFB-Pokal-Saisonverlauf fitmachten, weilte ich selbst in Spanien und fand dabei meine ganz eigene Variante, mich auf das heutige Pokalspiel gegen den Karlsruher SC vorzubereiten. Eine Rundreise durch Andalusien endete in Madrid und da gerade das 1/16-Finale der Copa del Rey auf dem Spielplan stand, musste ich nicht lange über einen Stadionbesuch nachdenken.

Blick ins noch spärlich gefüllte Rund.

Drittligist im Pokal – da kennen wir uns aus

CF Rayo Majdahonda, ein Klub aus einem westlichen Vorort von Madrid hatte nach Siegen in den ersten beiden Pokalrunden das große Los gezogen: Den amtierenden La Liga-Meister. Da das eigentliche Stadion des Drittligisten den Ansprüchen für ein solches Spiel allerdings nicht genügt, wurde das Heimrecht kurzerhand getauscht und die Partie fand im großen Wanda Metropolitana – seit fünf Jahren die Heimstatt von Atletico – statt. Für Majadahonda war der Umzug übrigens nichts ganz neues: Als man in der Saison 2018/19 für ein Jahr der zweiten spanischen Liga angehörte, musste man für die Heimspiele bereits in das große Stadion umziehen, das ein wenig den – zweifelhaften – Charme der Allianz Arena in München versprüht: Irgendwo im nirgendwo vor den Toren der Stadt steht es und von Außen kann es illuminiert werden. Ich fühlte mich am 6. Januar 2022 ganz stark an unselige Löwenzeiten am Fröttmaninger Müllberg erinnert.

20.000 Zuschauer am wichtigen Dreikönigs-Abend

Der Dreikönigstag ist in Spanien der im Prinzip wichtigste Weihnachtsfeiertag, an dem – wie bei uns am Heiligabend – die Familie zusammenkommt. Daher – und wohl auch aufgrund der generell eher geringen Popularität des Pokals in Spanien – fanden sich an jenem Abend zum Anpfiff um 21.30 Uhr nur rund 20.000 Zuschauer im weiten Rund zusammen. Die hohe, steile Haupttribüne wurde erst gar nicht geöffnet. Die anwesenden Fans verbreiteten aber – trotz eisiger Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt – eine fröhliche erwartungsvolle Stimmung. Auch aus Majadahonda hatten sich einige Anhänger quer durch die Stadt in den Nordosten begeben.

Engagierter Drittligist ohne Chance…

Für den extrem engagiert auftretenden Drittligisten begann das Spiel gleich ganz blöd: In der 2. Spielminute verletzte sich der Keeper bei einem Luftkampf im Fünfmeterraum an der Hand und musste nach längerer Behandlungspause direkt ausgewechselt werden. Was für ein Schreck! Die formalen Gastgeber konnten dem Zauberfußball des Championsleague-Achtelfinalisten immerhin 17 Minuten Paroli bieten, sie verteidigten mit Mann und Maus und warfen sich in jeden Abschlussversuch, dass dies sogar den Atletico-Fans spürbar Respekt abverlangte. Und dann war es – wie so oft – ausgerechnet ein kapitaler Abwehrschnitzer, der den Favoriten auf die Siegerstraße führte. Neun Minuten nach der Führung und dann kurz vor der Pause erhöhte Atletico auf 3:0. In der 2. Halbzeit folgten zwei weitere Treffer und für Majadahonda war das Pokalabenteuer diese Saison beendet.

Zur Pause ist schon alles entschieden: Der Atletico-Block freut sich über ein 3:0

Anders machen, Löwen!

Welche Lehren habe ich persönlich aus dem Pokalabend im fernen Madrid für die heutige Herausforderung für den TSV 1860 gezogen? Wir Löwen sind zwar auch nur Drittligist, haben aber heute Abend keineswegs einen so überlegenen Gegner vor der Brust. Zum Vorbild könnten sich Neudecker & Co. auf jeden Fall den Einsatzwillen von Rayo Majadahonda am 6. Januar nehmen. Auf der Anzeigentafel im Sechzgerstadion wünsche ich mir natürlich ein ganz anderes Resultat!

Zum Abschied leuchtet sogar das Stadion (endlich) in der richtigen Farbe!

 

 

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