„Du bist nichts für schwache Nerven…“ wird sich gestern so mancher von Euch gedacht haben. Besonders während der zweiten Halbzeit. Aber am Ende verließen unsere Löwen das Ostseestadion mit einem glücklichen Punkt und dürfen sich weiterhin Tabellenführen nennen. Dass es so kam lag vor allem an drei Faktoren: Rostocker Ineffektivität vor dem Tor, Schiedsrichter Oldhafer und Marco Hiller im Löwentor.

Viel Pressing im Mittelfeld

Aber der Reihe nach. Von Beginn an entwickelte sich vor der gestrigen bundessweiten Rekordkulisse von 7.500 Zuschauern ein fußballerischer Fight. Die Löwen starteten taktisch im gewohnten 4-1-4-1, Rostock in einem 3-5-2. Beide Mannschaften versuchten durch frühes Pressing den Spielaufbau des Gegners zu unterbinden. Das gelang beiden Mannschaften recht gut, so dass kaum Spielfluß entstand. Wenn etwas ging, dann meist durch lange Bälle. So kamen auch die Löwen in der 13. Minute durch einen langen Ball von Steinhart auf Lex zur ersten Chance. Lex scheiterte aber am Rostocker Keeper Kolke. Kurz drauf kam Hansa zur ersten Chance (17. Minute). Litka zog unbedrängt von links im Strafraum in die Mitte und entschied sich direkt zu schießen, anstatt auf den frei vor dem von Hiller verlassen Kasten stehenden Breier zu passen.

Rostock machte das Pressing im Mittelfeld zunehmend besser und so gewannen sie mit zunehmender Spielzeit die Kontrolle über das Spiel und erarbeiteten sich zwei weitere Chancen. Ein gefährlich hereingetretener Freistoß ging knapp an Freund und Feind vorbei und landete im Aus. Breier verzog aus halbrechter Position sträflich frei einen Schuss.

Erdmann köpft das Führungstor

Dann musste Daniel Wein in der 39. Minute wegen eines Pferdekusses ausgewechselt werden. Für ihn kam Dennis Erdmann. Dieser Wechsel machte sich gleich bezahlt, denn Erdmann köpfte in der 42. Minute die Führung der Löwen. Vorausgegangen war eine Ecke von Richy Neudecker. So ging es mit etwas glücklicher Führung in die Pause.

Rostock dreht nach der Pause auf

Die Viertelstunde nach der Halbzeit zeigen sich die Löwen in dieser Saison am verwundbarsten. Und so war es auch gestern. Die Kogge kam mit mächtig Wind in den Segeln aus der Kabine und machte sofort Druck. Nach einem feinen Spielzug über rechts passte Neidhart etwa auf Strafraumhöhe in die Mitte, wo die Löwen durch Unsortiertheit und Passivität glänzten. So kam Bahn aus dem Rückraum angerauscht und konnte durch einen platzierten Flachschuss aus 18 Metern Marco Hiller zum Ausgleich überwinden (50. Minute).

Danach wurde die Partie hitziger und emotionaler. Sechzig wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Rostocker Übermacht. Rostock kam zu einigen guten Gelegenheiten, verfehlte aber glücklicherweise immer das Tor. Breier hatte dabei in der 62. Minute die beste Einschussmöglichkeit für die Norddeutschen. Den Löwen gelangen keine nennenswerten Entlastungsangriffe.

Die strittigste Spielszene

Dann kam die denkwürdige 75. Minute. Zunächst konnte Hiller eine Flanke von rechts nicht richtig klären. Im Getümmel danach schoss Breier auf das Tor, Dressel klärte auf der Linie. Oder dahinter? Die TV-Bilder konnten das nicht eindeutig klären.

Was in der Diskussion um auf oder hinter der Linie zunächst etwas unterging: Salger ging im Fünfmeterraum liegend klar mit der Hand zum Ball und fälscht diesen minimal ab. Über einen Elfmeter (oder das gegebene Tor) hätten sich die Münchner nicht beschweren brauchen.

Abwehrschlacht in der Schlussphase

Das Spiel blieb zum Schluss intensiv. Steinhart kassierte in der 84. Minute eine ärgerliche gelb-rote Karte. Sah er doch die erste gelbe Karte wegen Ballwegschlagens. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die totale Abwehrschlacht eröffnet. Sechzig konnte sich nur durch lange Befreiungsschläge kleine Atempausen verschaffen, Mölders hing vorne komplett in der Luft.

Hansa hatte in der Nachspielzeit noch zwei große Chancen, um das Siegtor zu erzielen. Willsch klärte gegen den Ex-Löwen Vollmann und Omlagic scheiterte nach gutem Solo an Marco Hiller, der so den Punkt sicherte.

Fazit

Dieser zugegebenermaßen glückliche Punkt könnte in der Endabrechnung noch ganz wichtig werden. Nachdem in den letzten Spielen die spielerische Komponente bei Sechzig überwog, war gestern an der Ostsee Kampf und Robustheit gefordert. Auch hier zeigten die Löwen, dass sie mit einem der Schwergewichte der Liga mithalten können. Und das auswärts. Das lässt uns auf einen weiterhin positiven Verlauf der Saison hoffen. So ein Spiel muss man erst mal nicht verlieren!

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Absolut richtig zusammengefasst ! Wir sind auf der Tribünen auch 1860 Tode in der 2. HZ gestorben. Was uns nachdenklich machte ist das wir in der 2. HZ nicht einen wirklich gefährlichen Spielzug mit Abschluss hatten.
Die Angriffe wurden viel zu überhastet abgeschlossen und Sascha Mölders hing komplett in der Luft und viel nur durch Scharmützel mit Gegner und Schiedsrichter auf.
Starker Gegner , aber kämpferisch voll dagegengehalten.
Somit aufgrund erster HZ nicht ganz unverdienter Punkt.