Wir schreiben den 03.12.2002, Dienstag Abend, Olympiastadion München. Es ist zugegebenermaßen ziemlich frisch draußen, aber was stört einen das, wenn man für ein paar Euro Eintritt Weltstars wie Thomas Häßler und Davor Suker oder hoffnungsvolle Talente wie den jungen Benjamin Lauth sehen kann?

Oly statt Sechzger

An diesem Abend empfängt der Bundesligist TSV 1860 München im Achtelfinale des DFB-Pokals den Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen. Klar, klingt ein wenig unsexy, aber bei der großen Fanbasis, die die Löwen haben, sollten stimmungsvolle 90 Minuten (oder mehr) im Olympiastadion doch trotzdem möglich sein, oder? Im Vorfeld hatten sich einige Fangruppierungen für eine Austragung im Grünwalder Stadion ausgesprochen, um der Partie einen besonderen Rahmen zu geben und weil dann eventuell ein paar Zuschauer mehr kämen, aber nein, das Spiel musste unbedingt am Oberwiesenfeld ausgetragen werden.

Gähnende Leere

So und nun stehe ich hier in der Nordkurve, das Spielfeld einen gefühlten Kilometer entfernt und friere. Zugig ist es hier und das Stadion leer. Ganze 4.320 (hier nochmal ausgeschrieben, um es sich auf der Zunge zergehen lassen zu können: viertausenddreihundertzwanzig!) Menschen haben den Weg ins weite Rund gefunden, die meisten davon vermutlich auch noch aus Pflichtbewusstsein, um irgendwelche Serien aufrecht zu erhalten oder weil nix Gscheids im Fernsehen kommt.

Langeweile pur

Und dann das: Die von Trainer-Legende Aleksandar Ristic bestens eingestellten Gäste zeigen eine ordentliche Leistung gegen enttäuschende Löwen und führen zur Pause nicht ganz unverdient mit 1:0. Eine Blamage droht! Aber immerhin hätten die viele gar nicht gesehen… Bei Sechzig geht wenig und es wird nicht wärmer. Oida, is des fad!

Suker rettet die Löwen

Nach einer Stunde wird Davor Suker eingewechselt und bringt die Wende. Keine drei Minuten nach seiner Einwechslung trifft der Kroate nach Vorlage von Stranzl zum Ausgleich. Kurzer Jubel, dann Weiterfrieren. Die Gäste machen keine Anstalten, sich aufzugeben, kämpfen leidenschaftlich weiter, das Spiel indes bleibt trotz des Zwischenstandes enttäuschend, Spannung kommt nicht auf. Man hat das Gefühl, der einzige Wunsch der anwesenden Zuschauer ist der, dass es nur bitte keine Verlängerung geben möge.

Häßler per Elfmeter

Das Flehen wird erhört: Suker wird in der 85. Minute im RWO-Strafraum zu Fall gebracht, der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt und Häßler verwandelt den fälligen Elfmeter zum 2:1. Noch während des Jubels wird er ausgewechselt, für ihn kommt Verteidiger Marco Kurz. Was für eine trostlose Veranstaltung.

Aufstellung der Löwen
Jentzsch – Cerny, Ehlers, Votava (24. Wiesinger), Pürk (60. Suker) – Meyer, Stranzl, Weissenberger, Häßler (85. Kurz) – Lauth, Schroth
Bank: Hofmann, Hoffmann, Borimirov, Agostino
Trainer: Pacult

Die Geschichte wiederholt sich

Wer nun aber glaubt, es könne nicht mehr schlimmer werden, der täuscht sich. Im Februar 2003 haben die Löwen wieder ein Heimspiel im DFB-Pokal, diesmal geht es im Viertelfinale gegen Werder Bremen. Man stelle sich das mal vor: Da spielst als 1860 München um den Einzug ins Pokal-Halbfinale und dann kommen gerade mal 4.000 (nein, da fehlt keine Null!) Leute, um sich das anzuschauen. Ja, das Olympiastadion war schon wahnsinnig beliebt bei den Fans! Für mich nicht nachvollziehbar, wie man im Jahr 2020 erneut ernsthaft fordern kann, dass die Löwen da ihre Spiele austragen sollen… Und zur Vervollständigung: Gegen Werder setzt es eine schmerzhafte 1:4-Niederlage nach Verlängerung. Es bleibt einem einfach gar nix erspart!

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