Einbruch, Ansturm oder Massenproteste im Stadion?

Das sind die drei Szenarien für die Wiedereröffnung der Stadien für Fans, die die beiden Fanforscher Prof. Harald Lange und Prof Gunter A. Pilz im Gespräch mit dem MDR skizzieren. Nach den neuesten Infos könnte dies aber erst im nächsten Sommer soweit sein.

Lange, der an der Universität Würzburg lehrt, geht davon aus, dass sich die Fans „abwenden – und das millionenfach“, denn nicht nur Ultras, sondern auch „Normalos“ würden sich zunehmend vom modernen Fußball entfremden. Ein kalter Entzug, wie es Corona für viele war, würde diesen Prozess seiner Meinung nach noch fördern.
Pilz, auf der anderen Seite, geht davon aus, dass die Fans zu Hauf und quasi unverändert zu ihrer alten Liebe zurückkehren werden, um endlich wieder die Emotionen zu leben, die einem nur ein Stadionbesuch geben kann. Sollten die Fans bzw. die aktiven Fanszenen mit Änderungen unzufrieden sein, erwartet er massive Proteste im Stadion.

Klingt alles sehr plausibel. Könnte alles so passieren. Hat aber dieselbe Aussagekraft wie die Vorhersage, dass bei einem Münzwurf entweder Kopf oder Zahl kommen wird. Auf gut Bairisch hätte man es auch prägnanter ausdrücken können: „nix gwiß woas ma ned“. So unnötig Artikel mit solch leerem Fazit erscheinen mögen, die Frage ist berechtigt.

Wie geht es weiter mit der schönsten Nebensache der Welt?

Schon (lange) vor Corona gab es für mich als Stadiongänger immer mehr Dinge, die mir sauer aufgestoßen sind. Peu à peu etablierten sich Dinge wie mehr Kameras, mehr Polizei, überteuerte Tickets, überteuerte Bierpreise (!), Anstoßzeiten zur Prime-Time usw. usf. Corona war jetzt Katalysator für die Umsetzung bzw. dem Andenken einiger weiterer, teilweise altbekannter, Perversitäten: personalisierte Tickets (mal wieder), Verbot von Gästefans (mal wieder) oder gefühlt tausend Ideen um die Fans zu melken, es aber ja nicht „freiwillige Spende an eine millionenschwere Fußball-Firma“ nennen zu müssen. (#12terMann #Geistertickets #4Trikotsprosaison).

Die neueste Idee betrifft die große Bühne des europäischen Fußballs und ist auch gar nicht so neu: die UEFA will einen neuen Wettbewerb einführen. Quasi eine 3. Liga für Europa. Hintergrund ist letztendlich die Clubs aus Ländern, die „international nicht konkurrenzfähig“ sind, aus den Königsklassen des europäischen Clubfußballs auszuschließen, damit die Branchenkrösusse noch mehr vom Kuchen abkriegen können. Die Schere zwischen arm und reich wird also noch weiter aufgemacht. Das alles ist allerdings weder neu, noch kommt es überraschend.

Mir bleibt der TSV auf jeden Fall erhalten!

Ich für meinen Teil fühle mich seit Corona etwas mehr vom Fußball entfremdet. Die Spiele am TV schaue ich nur noch, weil es halt Sechzig ist, die Freundin eh Magenta hat und weil man aktuell auch nicht viel anderes machen kann. Wenn ich mal eines verpasse finde ich das auch nicht so dramatisch – das wäre vor ein paar Monaten noch anders gewesen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen hat mich die Situation aber auch näher an den Fußball, beziehungsweise Sechzig gebracht, denn Sechzig ist mehr als nur eine Profi-Mannschaft in der 3. Liga. Die Kontakte zu den Leuten im Stadion hielten. Man trifft sich, soweit es geht auch ohne Fußball und wenn es sein muss halt digital. Die Gemeinschaft ist, wenn auch verändert, geblieben und das hätte ich in dem Ausmaß eigentlich gar nicht erwartet.

Wie jeder andere in der aktuellen Situation auch, müssen wir Fans uns anpassen und irgendwann auch Entscheidungen treffen. Ich persönlich kann diese Entscheidung aber aktuell noch nicht treffen, sondern erst dann, wenn es denn wirklich soweit ist. Aktuell wissen wir weder wann noch unter welchen Konditionen ein Stadionbesuch wieder möglich sein wird. Und wenn es dann einmal soweit ist, muss jeder für sich selbst wissen ob er wieder ins Station gehen will oder nicht.

Ich für meinen Teil bin auf jeden Fall froh, dass es „nur“ um meine Freizeitgestaltung geht und nicht um meine berufliche/finanzielle Zukunft. Und dass der glorreiche TSV München von 1860 auch abseits des Profisports so viel zu bieten hat (mehr dazu hier). Auch wenn es mit mir und dem „Produkt Fußball“ nichts mehr werden sollte (was ich nun wirklich nicht hoffe!), der Verein wird mit Sicherheit ein Teil meines Lebens bleiben!

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