Ein herzliches Grüß Gott zur ersten TAKTIKTAFEL der Saison 2021/22 mit dem Auftaktspiel des TSV 1860 München gegen die Würzburger Kickers.

Der Gegner sind die aus der zweiten Liga abgestiegenen Würzburger Kickers, denen die Mannschaft des TSV 1860 München in der vergangenen Saison im ersten Pflichtspiel, dem Finale um den Totopokal, eine Niederlage zufügen konnte. Wie stehen die Chancen, dass die Löwen auch in diesem Jahr das erste Pflichtspiel für sich entscheiden?

Die Vorbereitung bei den Würzburger Kickers

In der Vorbereitung ließ der neue Trainer Torsten Ziegner die Unterfranken stets im 3-5-2 antreten. Das legt nahe, dass dieses System auch gegen die Löwen zum Einsatz kommen wird.
Alles in allem waren die Vorbereitungsergebnisse recht gut. Vier Niederlagen in der Vorbereitungsphase zur neuen Saison stehen fünf Siege gegenüber. Verloren haben die Kickers gegen Aubstadt (RL Bayern), Sandhausen (2. Bundesliga), Mainz (1. Bundesliga) und Jena (RL Ost). Gewonnen wurde gegen den TSV Karlburg (Bayernliga Nord ), FSV Hollenbach (Verbandsliga BW), FC Juniors Oberösterreich (2. Liga Österreich), Fortuna Düsseldorf (2. Bundesliga) und die SpVgg Greuther Fürth (1. Bundesliga). Grundsätzlich sind ja Testspielergebnisse ohne zugehörige Fakten eher nichtssagend. Wenn man nicht weiß wer in den Spielen eingesetzt wurde, wie viele Wechsel vollzogen wurden, wann gewechselt wurde und wie die Modalitäten des Spiels insgesamt waren, sind diese Ergebnisse nichts als Zahlen auf Papier, in die man hineininterpretieren kann, was man möchte.

Als Beispiel sei hier das Spiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf zum Trainingslagerabschluss genannt. Dabei wurden zweimal 60 Minuten gespielt und in beiden Halbzeiten standen bis auf Hendrik Bonmann (#1) und Lars Dietz (#4) bei den Kickers, die jeweils erst nach 90 Minuten ausgewechselt wurden, bei beiden Mannschaften komplett verschiedene Teams auf dem Rasen.

Interessant ist auf alle Fälle, dass die Würzburger Kickers in jedem ihrer Vorbereitungsspiele mindestens einmal getroffen haben. Der Sieg gegen die später in die Vorbereitung gestarteten Fürther sollte den kommenden Gegner der Löwen auch nicht zu euphorisch stimmen, denn außer dem Kontertor der Kickers kurz vor der Halbzeitpause hatten die Gäste aus Fürth die Partie größtenteils sicher im Griff. Würzburg parkte den Bus vor dem eigenen Strafraum und beschränkte sich über weite Teile der Partie darauf, Abwehrverhalten zu üben.

Das System 3-5-2 allgemein

Ein 3-5-2 wie Würzburg es spielt hat im Gegensatz zum 3-1-4-2, das die Löwen zu Beginn der Vorbereitung gespielt haben, zwei feste Sechser im defensiven Mittelfeld. Von diesen nimmt meist einer die Rolle des tiefen Sechsers oder Abräumers vor der Abwehr ein. Der andere gibt den zurückgezogenen Spielmacher oder den sogenannten “Regista”. Je nach taktischer Anweisung verschiebt einer oder beide Außenspieler aus dem Mittelfeld gegen den Ball zurück in die Abwehrkette. In den von mir gesehenen Spielen gegen Mainz und Düsseldorf war die Fünferkette gegen den Ball klar erkennbar. Wir dürfen also davon ausgehen, das wir keine gependelte Viererkette und somit auch keine Asymmetrie bei Würzburg in der Rückwärtsbewegung zu sehen bekommen.

Mit dem offensiver ausgerichteten zweiten Sechser und den schnellen Außenspielern im Mittelfeld kann im 3-5-2 schnell ein Übergewicht im Mittelfeld erzeugt werden. So ergeben sich im Positionsspiel viele für Kombinationsspiel gut geeignete Passdreiecke.

Was sind die taktischen Kniffe der Würzburger Kickers im 3-5-2?

Würzburg zeigte in den von mir gesehenen Spielen eine gewisse Rotation der Mittelfeldspieler im Zentrum. So ist zumindest im Spiel gegen Düsseldorf in der Offensive keiner der drei zentralen Mittelfeldspieler zu 100% auf seine Rolle eingenordet gewesen. Die Flexibilität der Spieler in der Mittelfeldzentrale ist eine große Stärke der Würzburger.

Man kann also sagen: David Kopacz (#29) schafft Räume über erfolgreiche Eins gegen Eins-Situationen im Mittelfeld. Fanol Përdedaj (#20) nutzt seine Antizipation für sich entwickelnde Situationen. Er schafft es, mit präzisem Passspiel seine Vorderleute in Szene zu setzen. Dominik Meisel (#25) füllt offensiv den Raum, der bei dieser zentralen Rotation jeweils frei wird. So hält er – unauffällig aber effektiv – die offensive Formation zusammen, die sowohl in der Tiefe als auch in der Breite gut auf dem Platz steht. Er weiß auch genau, wann er eine Eins gegen Eins-Situation offensiv annehmen kann, damit er sie erfolgreich gestaltet. Zudem spielt er auch kluge Pässe in die Spitze durch bzw. hinter die letzte Reihe des Gegners.

Wenn die Löwen das starke Mittelfeldzentrum unter Kontrolle haben, wird das schon die halbe Miete sein, um defensiv sicher zu stehen.

Sollten die Würzburger Kickers es schaffen, sich bis ins letzte Drittel des Gegners vorzuarbeiten, wird mit den schnellen Außenspielern und dem Zweiersturm oft eine Viererreihe im Sturm etabliert. Saliou Sané (#11), der nach einer halbjährigen Leihe von Magdeburg an den Main zurückkam, dürfte dort gesetzt sein. Mit Maximilian Breunig (#10), Moritz Heinrich (#21) und Vladimir Nikolov (#8) hoffen drei Spieler auf den Platz neben Sané.

Mit zwei in der Offensive hinter den Spitzen agierenden torgefährlichen Mittelfeldspieler, die ebenfalls den Abschluss suchen, ist von den Sechzgern im eigenen letzten Drittel gegen den Absteiger aus der Universitätsstadt am Main höchste Konzentration gefordert.

Stärken und Schwächen des 3-5-2

Stärken

Das System ermöglicht bei Ballbesitz eine gute Staffelung in der Breite und Tiefe. Dadurch kann eine für Passkombinationen gute Raumaufteilung entstehen.

Zwei Stürmer in der Spitze bringen starke Präsenz im Zentrum des gegnerischen Abwehrdrittels. Durch ein kompaktes Mittelfeldzentrum lässt man dem Gegner gegen den Ball wenig Raum.

Schwächen

Es ergeben sich bei Ballverlust teilweise weite Abstände, die der Gegner bei schnellem Spiel gut ausnutzen kann.

Die für die Flügelsspieler langen Laufwege können in einem dynamischen Spiel mit viel Ballbesitzwechsel zu verfrühtem Kraftverlust der Außenspieler führen. Damit erlahmt der Druck, der über die Flügel aufgebaut werden soll.

Die Flügel sind nur einfach besetzt, deshalb können entweder Defensive oder Offensive dort schwächeln.

Gegen Systeme, in denen mit zwei oder mehr Stürmern agiert wird, kann es bei Kontern des Gegners oder zügigen Positionsangriffen leicht zu einer Unterzahl in der Hintermannschaft kommen.

Schlüsselspieler

Hendrik Bonmann (#1) im Tor bedarf vermutlich keiner weiteren Vorstellung. Lange hat er unter Michael Köllners Vorgänger Daniel Bierofka das Tor der Löwen als Nummer eins hüten dürfen. Nun steht er beim Gegner aus Unterfranken zwischen den Pfosten. Seine Vorzüge und Schwächen dürften allen Lesern bekannt sein. Freuen wir uns auf das Duell der beiden ehemaligen Mannschaftskameraden im Tor.

Christian Strohdiek (#32): Der 33-jährige Routinier und neuer Kapitän der Würzburger im Abwehrzentrum mit einem Gardemaß von 1,92 m ist, was bei der Größe nicht verwunderlich ist, ein kopfballstarker Innenverteidiger und mit der Positionierung als zentraler Mann in der Dreierkette auch der Chef in der Abwehr. Er weiß genau wie man einen Gegner mit fairen Mitteln vom Ball trennt bzw. wie man einen Gegner gar nicht erst an den Ball kommen lässt. Gut, dass er nur Mölders oder Bär decken kann und nicht beide gleichzeitig.

Der routinierte Regisseur Fanol Përdedaj (#20) ist wie oben bereits erwähnt eine Passmaschine, die beim Abspiel selten Fehler macht und auch das Auge für sich entwickelnde Momente und Situationen hat. Ihn sollte man in der Zentrale nicht zur Entfaltung kommen lassen.

Saliou Sane (#11), seines Zeichens Mittelstürmer und sehr, sehr schnell, trifft laut Statistik auf Spielminuten heruntergerechnet in jedem vierten Spiel in seiner Karriere das Tor. In der vergangenen Rückrunde beim 1.FCM traf er in zwölf Spielen allerdings nur zwei mal.

Fazit: was ist drin für den TSV 1860 gegen die Würzburger Kickers?

Ein Fazit und eine Prognose für das Auftaktspiel einer Saison zu ziehen bzw. zu geben ist immer schwer. Der genaue Leistungsstand der beiden Teams ist für Menschen, die nicht wirklich nah an der jeweiligen Mannschaft dran sind, eher schwer einzuschätzen.

Wo wir uns sicher sein können ist die Tatsache, dass vor den zugelassenen Zuschauern im Sechzgerstadion jeder Spieler der Löwen bis in die Haarspitzen motiviert sein wird.

Hoffen wir, dass es keine Übermotivation ist.

Aufstiegskandidat gegen Vorjahresauf- und gleich wieder Absteiger. Bayrisch – fränkisches Duell. Es wird auf alle Fälle spannend. Wenn die Mannschaft des TSV 1860 München die in den Vorbereitungsspielen aufgetretene eigene Konteranfälligkeit im Griff hat, bin ich guter Dinge, dass unsere Sechzger dem Gegner Paroli bieten. So könnte der Auftakt vor Fans in Giesing mit drei Punkten versüßt werden.

Mögliche Aufstellung der Gäste

Aufstellung Würzburger Kickers gegen den TSV 1860 München 2021/22

2 KOMMENTARE

  1. Ich lese die Taktiktafel von sechzger.de und möchte mit 4 Freunden zum Spiel morgen, weil ich unbedingt die neue Saison mit einläutenmöchte

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