Herzlich willkommen zur TAKTIKTAFEL Analyse des Toto-Pokalspiels unseres TSV 1860 München gegen den FC Ingolstadt 04.

Ingolstadt schickte gegen den TSV 1860 eine zum letzten Ligaspiel auf neun Positionen veränderte Mannschaft auf den Platz. Von einer B-Elf zu sprechen halte ich jedoch für vermessen. Mit Beister und Caiuby stand Erfahrung aus 156 Erstligaspielen in der Ingolstädter Startformation. Innenverteidiger Thomas Keller mit 19 Startelfeinsätzen ist wie Gaus, der bis zu seiner Wadenverletzung im Januar jedes Spiel über die kompletten 90 Minuten machte, wohl auch nicht zum zweiten Anzug zu zählen. Auf den für das Ingolstädter 4-4-2 wichtigsten Positionen war also keineswegs die B-Elf am Start, wie man das vielleicht aufgrund der Rotation von neun Spielern vielleicht hätte meinen können.

Analyse zwischen dem TSV 1860 und Ingolstadt ohne offizielle Zahlen

Ingolstadt spielte im Aufbau mit beiden Außenverteidigern leicht nach vorn verschoben ein 4-3-1-2 variabel sowohl über das Zentrum als auch über die Flügel. Mein Eindruck hier war, dass das Flügelspiel eine leichte Rechtslastigkeit aufwies. Leider versorgt uns unser Datenservice beim Totopokal nicht so schnell wie nach Ligaspielen mit den nötigen Zahlen, sodass ich heute tatsächlich komplett meinen persönlichen Eindruck wiedergebe und mich nicht auf Daten berufen kann, die meinen Eindruck bestätigen oder widerlegen.

Gegen den Ball hatte sich Ingolstadt zwei Varianten parat gelegt. Hohes Angriffspressing mit gleichzeitig hoher Defensivlinie und ein nicht ganz so druckvolles Pressing auf einer etwas tieferen Linie, bei dem die Defensivlinie etwas tiefer stand, sich aber nicht komplett zurückzog. Speziell bei der zweiten Variante wurden die Spielräume im Mittelfeld für die Löwen sehr eng.

So spielten die Löwen

Bei den Sechzgern spielte die sogenannte volle Kapelle. Wer vom Stammpersonal einsatzfähig war, war in der Startelf. Wie üblich wählte Michael Köllner das sehr flexible 4-1-4-1, dass wie gegen Dynamo Dresden im Spielaufbau mit einer rechtsgependelten Viererkette gespielt wurde. Mit Box-to-Box Spieler Neudecker neben Dressel, der auf der Sechserposition immer besser wird, wurde gegen den Ball auf 4-2-3-1 verschoben. Gepresst wurde vornehmlich hoch und wenn ich es in der Fernsehübertragung richtig erkannt habe meist auch mit hoher Defensivlinie gespielt.

Im Aufbauspiel spielte Willsch wieder sehr offensiv, fast auf der Position eines Rechtsaußen. In der ersten Halbzeit fehlte allerdings auf der rechten Seite oft ein Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Mittelfeld, wenn Ingolstadt die Kette der Löwen mit drei Spielern anlief. Deshalb war der Aufbau in der ersten Halbzeit stark zentrumslastig und oft auch etwas behäbig. Schnell und gefährlich wurde das Spiel des TSV 1860 München in Durchgang eins vor allem dann, wenn man entweder Biankadi, der oft als äußerer Zielspieler auf der linken Seite zu finden war, suchte und fand oder das Spiel über Lex lief, der ebenfalls häufig auf dem linken Flügel zu finden war.

Köllner reagiert in der 2.Halbzeit

Das Problem, um die Verbindung auf der rechten Seite im Aufbauspiel herzustellen, löste Köllner während der Halbzeitpause. Nach seiner Ansprache in der Kabine waren in den angesprochenen Situationen bei der Spieleröffnung entweder Neudecker oder manchmal Staude zur Stelle, um sich auf dem rechten Flügel als Anspielstation anzubieten.

Der TSV 1860 München besaß meinem Eindruck nach über die gesamte Partie hinweg sowohl Feldvorteile als auch Ballbesitzvorteile gegenüber dem FC Ingolstadt. Von Anfang an waren die Löwen gut in der Partie und hatten das Spiel bis auf wenige Situationen sehr gut unter Kontrolle. Die üblichen kleinen Schwierigkeiten beim eigenen Spiel im letzten Drittel des Gegners waren gegen konzentriert verteidigende Schanzer allerdings nicht zu übersehen. Auch kleine Schwächen auf der rechten Abwehrseite gegen den Ball konnten von der Mannschaft meist gut kompensiert werden.

Die Tore

Das 0:1

Bei der Situation, die zum 0:1 der Ingolstädter kurz vor dem Pausentee (44.) führte, hätte man zumindest direkt vor der Flanke, die zum Kopfball führte, konsequenter draufgehen können. Aber der Reihe nach:

Staude geht bei einer Aktion gegen den Ball ca. drei Meter in der gegnerischen Hälfte auf der halblinken Ingolstädter Seite nahe des Mittelkreises seinen Gegenspieler Antonitsch nicht konsequent genug an. So kommt der Ball von Antonitsch zu Franke an die linke Seitenlinie. Franke macht das Spiel sofort schnell und spielt steil über etwa 40 Meter auf Beister, der auf der halblinken Seite von seinen Gegenspielern nur begleitet wird. Beister gibt den Ball zu Butler an den Strafraum der Löwen. Dieser dringt etwa zehn Meter entlang der linken Strafraumbegrenzung in die Box ein. Er dreht sich dann nach links und legt das Leder nach außen zurück auf Hawkins. Hier könnte Willsch aggressiver auf Hawkins draufgehen, bevor dieser eine hohe Flanke schön auf Beisters Kopf schlägt. Beisters Kopfball fünf Meter vor dem Tor schlägt im linken Eck zum Führungstreffer für die Ingolstädter ein.

Bei besserem Stellungsspiel, was zugegebenermaßen in diesem Umschaltmoment bis zur Flanke von Hawkins schwer herzustellen gewesen wäre, hätte diese Flanke vielleicht vereitelt werden können. Nichtsdestotrotz kommt auch Beister viel zu frei zum Kopfball. Aber Fußball lebt eben von Fehlern. Bitter nur, wenn sie die eigene Mannschaft treffen. Im Endeffekt war der Spielzug von den Schanzern clever gespielt und perfekt ausgeführt. Den Spielverlauf bis dahin hat dieses Tor komplett auf den Kopf gestellt.

Der 1:1-Ausgleich

TSV 1860 Ingolstadt Totopokal
Mölders trifft zum 1:1

Nach einem Handspiel auf der aus Löwensicht linken Seite im Strafraum der Schanzer erzielt Sascha Mölders per Strafstoß den mehr als verdienten Ausgleich (58.) ins vom Schützen aus gesehen rechte untere Eck.

Das 2:1 durch Salger

In der 68. Minute war es dann soweit. Der längst fällige Führungstreffer durch Salger fällt nach einer Ecke, die Neudecker zuerst auf den Kopf von Lang bringt. Lang köpft das Spielgerät in Richtung Tor, wo Salger noch die Fußspitze hinhält und die Richtung des Balles derart verändert, dass Torhüter Jendrusch keine Chance mehr hat einzugreifen. Hätte Salger nicht die Richtung des Balles entscheidend verändert, wäre der Treffer möglicherweise von Caiuby oder Jendrusch verhindert worden, die beide noch hätten eingreifen können.

Der erneute Ausgleich zum 2:2

TSV 1860 Ingolstadt Totopokal Ausgleich 2:2
Die Gäste bejubeln den Ausgleich

Nur vier Minuten später fällt der Ausgleich für die Donaustädter. Nachdem Neudecker einen Offensivzweikampf gegen Gaus etwa acht Meter vor dem Ingolstädter Strafraum auf der halblinken Seite der Löwen verliert, macht Gaus das Spiel sofort schnell. Er geht mit dem Ball am Fuß in hohem Tempo bis zur Mittellinie und spielt dann steil auf Kaya. Dieser gewinnt zunächst das Laufduell mit Lang, lässt sich dann aber auf die aus Ingolstädter Sicht halbrechte Seite des Strafraums abdrängen. Salger kommt Lang zu Hilfe. Anstatt allerdings nah am Mann zu attackieren, schauen Lang und Salger Kaya beim Verarbeiten des Leders in der Box aus etwa einem Meter Entfernung zu. Kaya sieht den zentral aus dem Hintergrund an die Strafraumgrenze zulaufenden Gaus und spielt ihm den Ball punktgenau in den Lauf. Gaus zieht von der Sechzehnmeterlinie ab und trifft mit einem Sonntagsschuss am Samstag über Hiller hinweg ins rechte Kreuzeck.

Warum kam Gaus so frei an den Ball? In der Szene sieht man, dass Greilinger den Torschützen in der Rückwärtsbewegung überholen konnte. Im eigenen Strafraum ist er dann ein wenig unentschlossen, ob er im Zentrum bleiben oder den auf der rechten Strafraumseite befindlichen Ingolstädter Hawkins decken soll. Willsch deckt zunächst Bilbija, versucht aber nach Kayas Pass direkt vor Gaus’ Schuss diesen noch zu blocken. Neudecker ist einen Schritt langsamer als Gaus und kann den Schuss auch nicht mehr stören. Das war ein wiederum sehr clever gespielter Konter der Schanzer. Gaus hatte allerdings auch eine ordentliche Portion Glück den Ball genau richtig zu treffen.

Die Schlussphase der regulären Spielzeit

Ab diesem Zeitpunkt etwa zwanzig Minuten vor dem Schlusspfiff bekam der FCI ein wenig Oberwasser, ohne allerdings vollends dominant zu werden. Die in der Schlussphase einzige Großchance für Ingolstadt durch Antonitsch nach einem Freistoß von der rechten Strafraumkante (90.+2) vereitelt Hiller bravourös.

Im direkt an die 90 Minuten anschließenden Elfmeterschießen setzten sich die Spieler des TSV 1860 München dann mit 5:4 (Gesamtergebnis 7:6) gegen den FC Ingolstadt 04 durch.

Fazit

Eine sehr willige Ingolstädter Mannschaft, welche die Bezeichnung B-Elf definitiv nicht verdient, verliert knapp aber dem Spielverlauf nach verdient gegen meist souverän verteidigende Löwen im Elfmeterschießen. Die beiden Treffer, die Ingolstadt durch gutes Umschaltspiel unter Mithilfe leichter Fehler der Löwen erzielen konnte, waren sehr glücklich für den FCI. Die Gesamtleistung der Defensive des TSV 1860 München war nämlich sehr ordentlich, die Gäste tauchten nur dreimal wirklich gefährlich vor Hiller auf, wenn ich richtig mitgezählt habe. Schüsse aufs Tor gab es, wenn meine Zählung stimmt, genau sechs Stück. Drei dieser Schüsse waren nicht gut genug, um als klare Chance gewertet zu werden.

Im Vergleich mit dem Spiel gegen die Schanzer zum Abschluss der Hinrunde im Januar war das leistungsmäßig eine gehörige Steigerung. Im Januar hatte Ingolstadt den TSV 1860 München komplett im Griff und sehr unverdient mit 1:0 verloren. Diesmal stimmt der Sieger nach Elfmeterschießen mit der über die gesamte Spielzeit betrachtet besseren Mannschaft überein. Bereits am Dienstagabend müssen sich die Löwen nun mit Türk Gücü duellieren. Sport 1 überträgt die Partie live.

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