Herzlich willkommen zur Taktiktafel! Heute gibt es die Nachbetrachtung des Spiels TSV 1860 München gegen den MSV Duisburg. Wie erwartet standen sich beide Teams in der gleichen taktischen Ausrichtung gegenüber. Sowohl Thorsten Lieberknecht als auch Michael Köllner schickten ein 4-1-4-1 aufs Feld.

Das Spiel hat mit seinem Endergebnis von 0:2 aus Sicht der Löwen definitiv einen anderen Verlauf genommen, als man es aufgrund des Spielgeschehens und der optischen Überlegenheit der Sechzger vermuten würde. Ähnlich wie auch schon gegen Saarbrücken und Magdeburg gelang es der Mannschaft leider nicht, die gegnerische Abwehr im letzten Drittel entscheidend auszuhebeln.

Die Vorgaben was Stellungsspiel, Balleroberung, Ballbesitz und Offensive betrifft, setzten die Sechzger teilweise brilliant um, allerdings ohne das so wichtige Führungstor zu erzielen.

 

So lief die erste Halbzeit

 

Die Münchner Löwen legten eine sehr überlegene erste Halbzeit aufs Parkett, die in der Defensive fast nicht besser hätte gespielt werden können. Die Abschirmung der eigenen Box funktionierte bestens. Ganze sieben Ballkontakte standen für die Duisburger im Löwenstrafraum während der ersten 45 Minuten zu Buche. Sieht man von den zwei Schüssen, die zugelassen wurden – einer geblockt, einer links am Tor vorbei – ab, hatte Sechzig das Spiel gegen die Duisburger vollkommen im Griff.

 

Der MSV hingegen kam mit den Offensivbemühungen der Sechzger überhaupt nicht zurecht und sollte sich bei den Weißblauen recht herzlich bedanken, dass vor dem gegnerischen Tor, bzw. auf dem Weg dorthin entweder fahrlässig, ungenau oder überhastet gehandelt wurde. Allein in den ersten neun Minuten gab es fünf Ballkontakte für Sechzig in der gegnerischen Box. Im weiteren Verlauf der ersten Viertelstunde kamen beim TSV 1860 München noch einmal zwei Ballkontakte im Strafraum hinzu, in dieser Zeit setzte Sechzig drei Schüsse ab, einer aufs Tor.

 

Bis zum Halbzeitpfiff flachte die Anfangsoffensive der Löwen dann etwas ab, und so stehen zwischen Minute sechzehn und Minute fünfundvierzig ebenfalls sieben Ballkontakte im Strafraum und weitere vier Schüsse zu Buche.

 

Die erste Halbzeit in Zahlen

 

58% Ballbesitz, eine Passgenauigkeit von 82% sowie Dominanz im Kopfballspiel mit 58% gewonnener Luftduelle. Auch die PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) für den TSV 1860 war mit 12.29 absolut im Rahmen dessen, was man in einem Duell mit einer, von Trainer Köllner als “Aufstiegskader” betitelten, Mannschaft erwarten kann.

 

Lediglich Tore wollten für die Löwen nicht fallen. MSV-Keeper Weinkauf war auf Duisburger Seite in der ersten Halbzeit eindeutig der beste Mann auf dem Platz. Einen fehlerfreien Auftritt mit einem gehaltenen Schuss, sowie gute Antizipation in der Situation wo er mit dem Fuß den Ball vor angreifenden Löwen klären muss, und 100% Quote bei hohen Bällen hat er auf seinem Konto vorzuweisen.

 

 

Woran es haperte

 

Wo war also in diesen 45 dominanten Minuten das Haar in der Suppe zu finden? Die Genauigkeit im letzten Spielfelddrittel, bezüglich Pässe und Flanken in die Box und die durchaus vorhandene Abschlussschwäche der Sechzger muss man bemängeln.

 

Aber der Reihe nach: Bei sechzehn Positionsangriffen und vier Ecken kamen die Löwen auf gerade einmal drei Schüsse. Die fünf genauen Flanken in die Box von Willsch, Steinhart und Pusic konnten allesamt durch die vielbeinige Duisburger Abwehr noch bei oder kurz nach der Verarbeitung entschärft werden, ganz abgesehen von den zwölf Hereingaben in der ersten Halbzeit, die gar nicht erst zum Adressaten gelangten.

 

Knapp die Hälfte seiner Offensivzweikämpfe (48,4%) gewann das Team – trotzdem gelang es nicht, aus der daraus resultierenden, kurzfristigen, personellen Überlegenheit im Raum Kapital zu schlagen. Vier Ecken, von denen keine auch nur die geringste Gefahr für das Tor von Weinkauf darstellte, runden das schlechte Gesamtbild im letzten Drittel vor dem Duisburger Tor ab. Eine bis 30 Meter vor dem Tor total dominante Löwenmannschaft lässt sich den Schneid in der roten Zone Duisburgs komplett abkaufen. Das war leider sehr enttäuschend anzusehen.

 

 

Die zweite Halbzeit

 

In der zweiten Halbzeit sah das Ganze nicht viel anders aus – offensiv zumindest. Nochmal 2% mehr Ballbesitz – insgesamt also 60%, allerdings nur zehn abgegebene Schüsse bei 20 Positionsangriffen und fünf Ecken. Knapp 57% gewonnene Offensivzweikämpfe stehen positiv zu Buche. Negativ wiederum das Spiel im letzten Drittel vor des Gegners Kasten. Es konnten zwar einige Bälle auf das Tor der Zebras gebracht werden, allerdings sind drei Schüsse aufs Tor von zehn insgesamt abgegebenen Schussversuchen noch lang kein Grund, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

 

Nur drei angekommene Flanken und wieder kein Ball aufs Tor nach einem Eckball stellen der Offensive der Löwen in diesem Spiel ein desaströses Zeugnis in der roten Zone über die gesamten 90 Minuten aus. In einer Liga, in der alle Teams leistungsmäßig so dermaßen eng beisammen sind, müssen Chancen wie der Pfostentreffer von Pusic (zählt statistisch übrigens nicht als Schuss aufs Tor), oder einer der vier Schüsse aufs Ziel während der 90 Minuten einfach versenkt werden.

 

 

Die Entstehung der Gegentore

 

Warum fielen bei so viel Feldüberlegenheit des TSV 1860 München also die Tore auf der anderen Seite? Das erste Tor entstand auf ziemlich kuriose Weise bei einem Eckstoß. Die von Duisburgs rechter Angriffsseite in den Strafraum getretene Ecke wurde von Jansen aus halbrechter Position, auf halbem Weg zwischen Fünfer und Begrenzung der Box, hoch in den Torraum der Löwen verlängert. Sowohl Torhüter Hiller als auch Mittelfeldspieler Dressel versuchten zum Ball zu gehen. Hiller konnte sich hierbei nicht gegen den eigenen Mann durchsetzen, weshalb Dressels Kopfball gefährlich auf das eigene Tor ging. Daraufhin wurde der Ball von Moll auf der Linie geklärt, fliegt jedoch dem Duisburger Fleckstein ins Gesicht und von dort in die Maschen.

 

Wäre das zu verhindern gewesen und wenn ja, wie? Aus meiner Sicht ist das relativ klar: Wenn Hiller in dieser Situation zum Ball geht, muss er diesen ohne Rücksicht auf Verluste klären. Leider zeigen die zur Verfügung stehenden Bilder nicht, ob er ein Rauskommen seinerseits durch ein Kommando an die Vorderleute ankündigt und Dressel somit vom Ball hätte wegbleiben sollen oder nicht.

 

Letztlich ist das aber nebensächlich. Wenn er hingeht, muss er sich auch gegen den eigenen Mann ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen und ihn zur Not im eigenen Fünfer abräumen. Wäre Hiller jedoch auf der Linie geblieben, hätte wiederum Moll nicht klären müssen, denn Hiller hätte entweder Dressels verunglückte Kopfballabwehr mit Leichtigkeit gehabt oder aber Dressels Kopfballabwehr wäre sehr viel gezielter vonstatten gegangen und hätte nicht für Gefahr gesorgt.

 

Möglicherweise fehlende Kommunikation beim Rauslaufen gepaart mit zu wenig Mut, sich gegen den eigenen Mitspieler durchzusetzen, oder falsches Reagieren auf Jansens Eckballverlängerung. Man kann es sich aussuchen, aber wie man es dreht und wendet, dieses Tor geht leider auf Hillers Kappe.

 

Der Konter, den sich die Löwen dann zum 0:2 einfingen, war eine logische Folge der totalen Offensive, die mit der Herausnahme von Willsch für Djayo eingeleitet wurde. Die Sechzger hatten es nach dem ersten Gegentreffer noch schwerer, in des Gegners Strafraum einzudringen, geschweige denn dort in Ballbesitz zu gelangen.

 

Torhüter Weinkauf schlägt nach einer Balleroberung der Zebras, den Ball mit viel Übersicht lang auf die wegen Willschs Herausnahme mehr oder weniger verwaiste rechte Abwehrseite. Moll versucht zwar, sich Vermeij entgegenzustellen, kommt aber, während der Niederländer den Ball in hohem Tempo an ihm vorbeilegt, ins Straucheln und wird somit bei der Aktion des Stürmers gnadenlos düpiert.

 

Vermeij kann daraufhin unbedrängt an der Grundlinie entlang auf Hiller, der die linke Seite seines Kastens öffnen muss, um sich Vermeij entgegenzustellen, zulaufen und einen Schuss absetzen, den Hiller mit dem rechten Fuß nur ins Strafraumzentrum parieren kann.

 

Djayo ist zwei Schritte zu weit von Scepanik weg, der den Ball vor die Füße bekommt. Somit kann dieser den Treffer zum 0:2-Endstand verbuchen. Um diesen Treffer zu verhindern, muss entweder Moll Vermeij an der Außenlinie mit einem Foul aus dem Spiel nehmen, oder Djayo seinen temporären Gegenspieler Scepanik besser bewachen.

 

Dieses Tor würde ich aber tatsächlich den Löwen nicht als Fehler ankreiden. Da hat Duisburg einfach die durch das offensive Dauerfeuer der Löwen entstandenen Räume clever genutzt und zu seinem Vorteil ausnutzen können.

 

 

Das Fazit zum Spiel

 

Eine komplett feldüberlegene Löwenmannschaft hat es zuhause wieder einmal nicht geschafft den massiven Defensivblock eines Gegners entscheidend zu knacken. Die fehlende Durchschlagskraft bei den Offensivspielern in allen bisherigen Heimspielen abgesehen vom Aufeinandertreffen mit dem VfB Lübeck, wird langsam zum Problem. Die verschiedenen Gegner können sich mehr und mehr darauf einstellen wie sie die Angiffsbemühungen der Löwen zerstören können.

 

Dass Duisburg aus drei Bällen auf Hillers Kasten zwei Tore macht, ist ähnlich bitter wie auch die Ergebnisse gegen Magdeburg und Saarbrücken. Eines muss man den Zebras aber auch klar zugestehen: dass sie gegen den Ball und besonders in der roten Zone durch das punktgenaue Ausschalten der Anspielstationen des Gegners in der Box und mit einem gut aufgelegten Torwart die Null absolut verdient gehalten haben.

 

Alle Gegner, die bisher Punkte von der Grünwalder Straße entführen konnten, haben sehr diszipliniert nach hinten gearbeitet und obendrein das nötige Glück vorne gehabt. Der MSV Duisburg reiht sich hier nahtlos bei Magdeburg und Saarbrücken ein. Ein spezielles Rezept, diese massiven Abwehrblöcke zu knacken, habe ich nicht. Die Offensivtaktik der Löwen geht grundsätzlich so gut auf, wie sie nur aufgehen kann. Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten kann leider kein Trainer der Welt herbeizaubern.

 

Wenn man auf Teams trifft, die ihr Spiel auf dynamische oder direkte Konter ausgelegt haben und nicht mehr vom eigenen Spiel erwarten, als das des Gegners zu zerstören bis sie zum Tempogegenstoß ansetzen und Standards rausholen können, hat man es per se extrem schwer. Bei personell etwa gleich starken Teams werden diese Standards dann schnell das Zünglein an der Waage – siehe vergangenen Samstag!

 

Mit dieser Niederlage allzu sehr zu hadern, ist weder für Fans noch für die Mannschaft zielführend. Es gilt für Michael Köllner, die Kaltschnäuzigkeit und Genauigkeit beim Abschluss im Strafraum zu verbessern und weiter am eigenen Spiel im letzten Drittel zu feilen.

 

Nächste Woche empfangen die Löwen den Halleschen FC. In diesem Spiel haben wir dann hoffentlich schon besseres Zielwasser in der Offensive, damit dann a) von den vielen abgegebenen Schüssen mehr auf den Kasten des Gegners gehen, und wir b) in Folge dessen auch Treffer verbuchen können, bevor wir welche kassieren.

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