Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel TSV 1860 – FSV Zwickau.

Die Zwickauer, trainiert von Joe Enochs, spielen diese Saison vornehmlich in einem 4-4-2 mit Doppel sechs. Es verschiebt sich offensiv je nach Situation variabel auf ein 4-1-3-2, 4-2-2-2 oder auch auf ein asymmetrisches 4-1-2-3. Aber auch im letzten Jahr beliebtesten System der Liga, dem 4-2-3-1, ist der FSV Zwickau schon aufgelaufen. Welches System Joe Enochs sich für den Samstag in Giesing überlegt hat, ist daher mal wieder nicht sicher zu sagen. Mit dem vorhandenen Spielermaterial wäre auch ein System möglich, das gegen den Ball mit Fünferkette agiert, die unseren Löwen wie wir wissen nicht liegt.

Die wichtigsten statistischen Werte des FSV Zwickau

  • Ballbesitz 42%
  • Passgenauigkeit 75%
  • Defensive Zweikampfquote 62,9%
  • Flankengenauigkeit 41,7%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 8,71

Was kann der FSV Zwickau?

In bisher sieben Spielen hat es der FSV Zwickau bisher nicht geschafft einen Dreier einzufahren. Das liegt aber nicht daran, dass die Mannschaft von Joe Enochs schlechten Fußball spielen würde oder offensiv nichts zu bieten hätte. Das einzige Problem, mit dem Zwickau zu kämpfen hat, ist Pech beim Abschluss. Als Beispiele dafür dienen Duelle wie das Heimspiel gegen Verl oder das Auftaktspiel der Schwäne gegen Dortmund. Gegen Dortmund hatte der FSV 37 Ballkontakte im Strafraum und schoss nur ein Tor. Gegen Verl 30 Ballkontakte in der Box und ebenfalls nur ein Treffer.

Die Offensive

Zieht man die expected Goals (xG) Statistik heran, sieht man, dass Zwickau im Schnitt pro Spiel auf über 2 Tore kommen müsste. Tatsächliche Ausbeute pro Spiel im Schnitt ist aber nur ein Tor. Wenn der Torschussknoten bei Zwickau platzen sollte, kann diese Mannschaft eine richtige Maschine werden, sofern die gegnerische Box weiterhin so gut penetriert wird, wie es momentan der Fall ist.

Trotz geringerem Ballbesitz können die Zwickauer in den meisten Spielen mehr zu Ende gespielte Positionsangriffe verzeichnen als ihre Gegner. Dabei spielen die Westsachsen ohne Präferenz für eine bestimmte Seite vornehmlich über die Flügel.

Das Aufbauspiel der Zwickauer kann durchaus als etwas behäbig bezeichnet werden, wenn man die Passfrequenz als Indikator heranzieht. Das versuchen die Schwäne mit progressiven Läufen auszugleichen. Wenn die Spieler des FSV Zwickau also genügend Raum angeboten bekommen, um Meter zu machen, werden sie das dem Passspiel vorziehen.

Das Passspiel für großen Raumgewinn ist jedoch äußerst präzise. Nur der FC Saarbrücken hat hier eine bessere Erfolgsquote vorzuweisen.

Die Spieler von Joe Enochs erkennen also offensichtlich, wann welches Mittel zum Raumgewinn das vernünftigere ist.

Die Defensive

Die Pressingintensität ist bei Zwickau mit 8,74 sehr hoch und wäre verglichen mit den Werten der letzten Saison die zweithöchste in der Liga. Dazu kommt eine sehr gute Zweikampfbilanz, in der die Zwickauer momentan Ligaweit Platz vier einnehmen.

Desweiteren lassen die Schwäne mit knapp zehn Gegenschüssen pro Spiel im Ligavergleich sehr wenige Chancen für den jeweiligen Gegner zu.

Sowohl defensiv als auch offensiv ist Zwickau momentan das kopfballstärkste Team der Liga.

Die Knackpunkte

Man kann die Zwickauer – das haben die Spiele, die ich mir angesehen habe deutlich gezeigt – allerdings mit starkem Pressing gut aus ihrem offensiven Konzept bringen. Um die Defensive des FSV zu durchdringen, müssen die Löwen allerdings ideenreicher am und um den Strafraum der Schwäne agieren als in den Spielen zuvor gegen Meppen oder Halle.

Welches System können wir vom FSV Zwickau erwarten?

Taktikfuchs Joe Enochs wird sicherlich registriert haben, dass der TSV 1860 München bisher mit Teams Probleme hatte, die mit Fünferkette auf der letzten Linie verteidigen. Meiner Meinung nach wird er das versuchen auszunutzen. Ich erwarte daher, dass die Kicker aus der Trabistadt zumindest gegen den Ball so (5-4-1 oder 5-3-2) agieren werden.

Nun stellt sich die Frage: Sind die Spieler des FSV erstens taktisch in der Lage die offensive Verschiebung so zu gestalten, dass die Routine aus den vergangenen Spielen nicht verloren geht, sodass trotzdem oft in die gegnerische Box gespielt werden kann? Und haben die Schwäne zweitens das Spielermaterial, um die Fünferkette asymmetrisch zu gestalten, damit im Aufbau wieder ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1 entstehen kann?

Ich sage in beiden Fällen klar ja. Mit Nkansah und Brandt hat man zwei Außenverteidiger, die in der Innenverteidigung ebenfalls gut funktionieren. Mit Butzen und Coskun, die auf der Außenbahn sowohl im Mittelfeld als auch in der Abwehr spielen können, hat man optimale Optionen, wenn sich immer der ballferne Mittelfeldaußen in die Fünferkette fallen lässt, um gegen den Ball in der letzten Reihe auf Fünferkette zu verschieben und in der Offensive wie gewohnt flexibel nach vorn zu spielen.

Ich würde das – wäre ich in der Haut von Enochs – genau so probieren.

Stärken und Schwächen dieses Mischsystems

Stärken

In der Defensive ist die Fünferkette ein schwer zu durchdringendes und engmaschiges Abwehrbollwerk. Tief und breit gestaffelt gibt es kaum ein Durchkommen für die gegnerische Mannschaft.

Offensiv ist das, was mir für Zwickau vorschwebt, wegen der Flexibilität bei den möglichen Verschiebungen nach vorne ebenfalls sehr stark. Im 4-4-2 mit Doppelsechs kann einer der Sechser, wenn genügend Raum da ist, gut die Rolle des Box-to-Box Spielers einnehmen. Wenn Gomez oder Starke eine Position im offensiven Mittelfeld einnehmen, kann im letzten Drittel durch Aufrücken eines der beiden ein 4-3-3 hergestellt werden.

Beim 4-2-3-1 ist der Sachverhalt ähnlich. Ich vermute dann aber eher eine Verschiebung des ballfernen Mittelfeldaußen in den Halbraum und den Vorstoß des offensiven Mittelfeldspielers auf die Position der hängenden Spitze.

Die Unberechenbarkeit ist also die große Stärke hier.

Schwächen

Wenn sich Joe Enochs für die asymmetrische Fünferkette entscheiden sollte, die offensiv zum 4-4-2 oder 4-2-3-1 wird, haben wir in der Defensive wenig Hebel, an denen eine Schwäche im System ausgemacht werden könnte. Abstimmungsschwierigkeiten im Rückzugsverhalten auf der ballfernen Seite mal ausgenommen.

Sollte sich Enochs dann offensiv für das 4-2-3-1 entscheiden, haben wir natürlich das altbekannte Solostürmerproblem, dem durch torgefährliche Mittelfeldspieler allerdings abgeholfen werden kann.

Die Schlüsselspieler des FSV Zwickau

Johannes Brinkies (#1), Kapitän und seit Jahren die klare Nummer eins der Schwäne, ist eine absolute Bank bei hohen Bällen in den Strafraum. Leichte Schwächen hat er auf der Linie und im eins gegen eins.

Die Zweikampfmaschine der Schwäne in der Innenverteidigung ist Steffen Nkansah (#25). Er hat letztes Jahr nach der Systemumstellung Stabilität in die Hintermannschaft des FSV gebracht. Auch in der Spieleröffnung ist der 25-jährige Abwehrchef sicher und mit einem guten Auge für den freien Mitspieler ausgestattet. Hinzu kommt, dass der 1,88 m große Nkansah mit einer Quote von 84% der kopfballstärkste Spieler der ganzen Liga ist.

Maximilian Jansen (#6), Neuzugang aus Duisburg, der mittlerweile Möker den Rang abgelaufen zu haben scheint und Marco Schikora (#21) auf der Doppelsechs sind eine mögliche Schwachstelle im Team der Westsachsen. Trotz bereits drei Treffern von Schikora (alle per Kopf), zwei davon in den letzten beiden Spielen, steht und fällt die Defensive der Trabistädter mit der Leistung im defensiven Mittelfeldzentrum. Die ist momentan klar noch nicht da, wo sie sein sollte.

Mit Manfred Starke (#10) und Johan Gomez (#18) hat Zwickau zwei Spieler, die auf der Zehnerposition gestaltend tätig sein können. Die beiden tauschen dort geschickt untereinander zwischen Halbposition Flügel und Zentrale. So kreieren sie als initiativer Ausgangspunkt viele der Strafraumballkontakte des FSV Zwickau.

Ronny König (#15): Der Mittelstürmer ist ein ständiger Unruheherd und geht auch “dahin wo’s wehtut”. Bisher hat er erst zwei Treffer auf dem Konto, aber dadurch dass er Räume für seine Mitspieler schafft, indem er einen Innenverteidiger bindet, ist König auch mit mäßigem Torerfolg der wahrscheinlich wichtigste Offensivspieler bei Zwickau.

Fazit

Mit Zwickau kommt ein aufgrund der Tabellensituation leicht zu unterschätzendes Team nach Giesing, das uns mit Sicherheit einen heißen Tanz liefern wird. Sowohl von der offensiven Spielanlage als auch wie die Schwäne gegen den Ball arbeiten wird diese Partie kein leicht zu lutschender Drops.

Nichtsdestotrotz müssen die Löwen, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden wollen, dieses Spiel gewinnen. Von vornherein einen Sieg zu erwarten ist allerdings einerseits aufgrund dessen, was Joe Enochs Team bisher gezeigt hat und andererseits aufgrund dessen, was der TSV 1860 München bisher vermissen ließ, vermessen.

Aber: Wir spielen zuhause. Für Zwickau ist es wegen des Nachholspiels vom Mittwoch eine Englische Woche und der TSV hat bis zu 10.000 Fans im Rücken, welche die Mannschaft nach vorne schreien werden. Also nicht den Kopf in den Sand stecken und positiv denken. Wie jede andere Mannschaft auch ist Zwickau für die Sechzger, wenn sie konzentriert zu Werke gehen, bezwingbar.

Mit dem richtigen Matchplan, den Michael Köllner sicher hat und der richtigen Einstellung aller elf Spieler auf dem Platz werden wir siegen.

Mögliche Aufstellung vom FSV Zwickau am morgigen Samstag

FSV Zwickau Mögliche Aufstellung Gegen Den TSV 1860 München

Datenquelle: wyscout

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