Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel unseres TSV 1860 München gegen den SV Türkgücü München. Der Aufsteiger, dessen Trainingsgelände sich an der Heinrich-Wieland-Straße in München-Perlach befindet, ist wie auch Verl und Saarbrücken stark in die Saison gestartet und hat schon für einige Überraschungen gesorgt. Momentan befindet man sich mit vier Siegen, fünf Unentschieden und nur einer Niederlage aus zehn bisher gespielten Spielen (zwei Partien müssen Coronabedingt nachgeholt werden) mit siebzehn Punkten auf Platz acht der Tabelle.

In den meisten Spielen trat der 1975 gegründete Sportverein offensiv in einem 4-3-1-2 System an, das defensiv situations- und gegnerabhängig zu einem 4-1-4-1 oder einem 4-4-2 (flach) verschoben werden kann. Allerdings traten die Kicker von der Bezirkssportanlage am Ostpark auch jeweils einmal als 3-5-2 und 4-5-1 in Erscheinung. Taktische Variabilität hat die Mannschaft von Trainer Alexander Schmidt also durchaus vorzuweisen. Kein Wunder bei fünfunddreißig Profis im Kader. Die „Perlacher“ um Kapitän Aaron Berzel (#22) sind mit vielen Kickern bestückt, die auch höherklassig schon massig Erfahrung sammeln konnten. Es kommt hier also kein „normaler“ Aufsteiger auf die Sechzger zu, sondern eine mit viel Geld zusammengekaufte, gute Mannschaft, die in der Liga sicher ihren Weg gehen wird.

Was kommt am Samstag auf unsere Löwen zu?

Sowohl technisch als auch kämpferisch muss sich der Gegner der Löwen bisher nichts vorwerfen lassen.

In der Offensive geht der Großteil der Attacken mit 42,5% im Aufbau über die rechte Seite. Steinhart wird also bei den Löwen wieder einen stressigen Nachmittag erleben und stark gefordert dabei sein, den Flügel dichtzuhalten. 31% der Angriffe erfolgen über links und mit 26,5% verzeichnet Türkgücü ein wenig mehr Angriffe durch das Zentrum als der Ligadurchschnitt.
Die im Angriff durchaus variabel spielende Mannschaft sucht als erste Station im Aufbau der Positionsangriffe, von denen pro Spiel im Schnitt vierundzwanzig vorgetragen werden, meist den defensiven Mittelfeldmann Erhardt als Anspielstation. Dieser steuert dann mit viel Übersicht das weitere Geschehen im Spiel nach vorne und versteht es gut, seine Vordermänner mit genauen Pässen in Szene zu setzen.
Die beiden in der Halbzentrale aktiven Mittelfeldakteure im 4-3-1-2 können sowohl auf den Flügeln als auch im Zentrum das weitere Spielgeschehen mit Pässen klug steuern und ihrer Mannschaft auch mit Tempodribblings eine Überzahl verschaffen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Spiel von Türkgücü darauf ausgelegt ist durch schnelles Spiel eine Überzahl im letzten Drittel herzustellen. Sercan Sararer (#10) ist dann der Spieler der meist im letzten Drittel gesucht wird um entweder selbst den Abschluss zu suchen oder die Sturmspitzen (allen voran Petar Sliskovic (#25)) in Szene zu setzen.

Regelmäßig schalten sich auch die Außenverteidiger in die Offensive mit ein, um einerseits auf den Flügeln variabler agieren zu können und andererseits Lücken in die Defensivformationen  von Mannschaften, die nicht tief verteidigen, zu reißen.

Zwei bereits abgesessene Gelbsperren (Berzel und Sararer) zeugen von dem kämpferischen Willen, den man bei Türkgücü hat, um sich gegen die Kontrahenten durchzusetzen. Trotzdem muss man am Samstag nicht erwarten, dass es von Türkgücü hauptsächlich auf die Hölzer gibt wenn sie verteidigen. Vor dem Strafraum kann man beobachten, wie die Räume geschickt eng gemacht werden um den Gegner im Passspiel vor Probleme zu stellen. Die Außenverteidiger haben ihre Flügel nicht ganz so gut im Griff, daher finden relativ viele Flanken den Weg in den Strafraum. Erschwerend kommt die offensichtliche Kopfballschwäche der Verteidiger hinzu. Nur knapp 50% der defensiven Luftduelle kann Türkgücü für sich entscheiden.

Auch sonst lässt Türkgücü die Defensive gern ein wenig schleifen und muss öfter als der Durchschnitt der Liga zu unfairen Mitteln greifen, um Gefahr zu verhindern. Fast jeder 2. Angriff des Gegners wird durch ein Foul unterbrochen. Die Gesamtzahl gelber Karten gegen Türkgücü könnte mit erst 25 ein faireres Gebaren vermuten lassen. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Stärken und Schwächen des 4-3-1-2

In der Offensive hat das 4-3-1-2 vor allem durch die beiden Stoßstürmer, die bei Angriffen nur schwer gedoppelt werden können, einen großen Vorteil und ist gegen alle Abwehrformationen ein probates Mittel um gehörigen Druck zu erzeugen. Da der offensive Mittelfeldspieler direkt hinter den Spitzen agiert, kann schnell eine Überzahl gegen die Kette erzeugt werden, wenn er mit ins Sturmzentrum aufrückt oder auf die Flügel ausweicht. Verhindert werden kann dies durch ein aufmerksames defensives Mittelfeld; Unkonzentriertheiten oder Schläfrigkeit ist also verboten.

Schwächen der Offensive sind oft fehlende Anspielstationen auf den Außenpositionen, wenn die Flügel nicht aus der Abwehrkette heraus verstärkt werden. Das kann, wenn der Gegner gut gestaffelt verteidigt, zu einer Verschleppung bis hin zur Erlahmung der Angriffsbemühungen führen.

Um im Spiel gegen den Ball eine kompakte Formation herzustellen, muss stark verschoben werden, was eine hohe Spielintelligenz und Laufbereitschaft der Akteure voraussetzt. Im Fall des 4-1-4-1, auf das Türkgücü im Rückzugsgefecht meist umstellt, müssen gleich drei Spieler ihren Platz gegen den Ball zu finden. Sobald das geschehen ist, kann man davon ausgehen, dass die Mannschaft von Schmidt gut gegen den Ball arbeitet. Ausnahmen ergeben sich durch individuelle Fehler. Wie schon öfter erwähnt hat ein 4-1-4-1 im Spiel gegen den Ball keine taktischen Schwächen, wenn vor allem der defensive Mittelfeldspieler seinen Job gut macht.

Die wichtigsten statistischen Zahlen von Türkgücü

  • 45% Ballbesitz
  • 78,5% Passquote
  • 58% gewonnene Defensivzweikämpfe (schlechter Wert)
  • 53% gewonnene Dribblings in der roten Zone (sehr guter Wert)
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 11,93

Die Schlüsselspieler

Torwart René Vollath (#1) kam vor der Saison vom KFC Uerdingen als sicherer Rückhalt. Er ist souverän in der Strafraumbeherrschung und reaktionsschnell; Schwächen zeigt er im Eins gegen Eins.

Aaron Berzel (#22) ist Kapitän und Ankerpunkt in der Innenverteidigung. Er schwächelt dieses Jahr bei den defensiven Zweikämpfen generell und bei den Kopfballduellen im Besonderen. Seine bekannten antizipatorischen Stärken gegen das Passspiel sind hingegen weiterhin präsent. Als Kartensammler Nummer eins – 7 mal gelb in zehn Spielen – führt er hier ligaweit die Statistik an.

Phillipp Erhardt (#24), defensiver Mittelfeldspieler, kam wie bei uns Pusic von Mattersburg nach München und ist meist die erste Anspielstation bei Angriffen. Mit einer Passquote von 84% sorgt er für Sicherheit im Aufbau bevor die Attacken jenseits der Mittellinie von seinen Mitspielern weitergeführt werden. Seine Defensivqualitäten stellt er, wenn man seine Zweikampfstatistiken betrachtet, allerdings noch nicht hundertprozentig unter Beweis.

Sercan Sararer (#10) ist seit dem Wintertransferfenster der vergangenen Saison die offensive Schaltzentrale Nummer eins bei Türkgücü. Bereits acht Vorlagen und drei Treffer hat der dribbelstarke offensive Mittelfeldspieler in dieser Spielzeit auf dem Konto und führt damit die ligaweite Scorerliste an. So sehr er auch in Dribblings glänzt, in Laufduellen zieht er meist den Kürzeren gegen seine Kontrahenten. Wenn die Passwege zu seinen Mitspielern effektiv zugestellt werden können, sinkt seine Effektivität enorm.

Petar Sliskovic (#25) kam im Sommer aus Duisburg. Acht erzielte Tore machen ihn zum Torjäger Nr. 1 in Liga 3, hinzu kommen zwei Vorlagen. Vor diesem Spieler, der sich zur Not den Ball auch im Mittelfeld abholt, um dann im Alleingang den Strafraum zu entern, ist allerhöchste Vorsicht geboten. Mehr als die Hälfte seiner Schüsse zwangen die gegnerischen Torhüter zum eingreifen.

Fazit

Es kommt ein torgefählicher Gegner mit offensichtlichen Defiziten in der Defensive auf die Sechzger zu. Wenn die Löwen ihr Spiel so durchziehen wie man es gewohnt ist, sollten drei Punkte möglich sein. Unkonzentriertheiten darf man sich gegen den Ball keine erlauben. Die technisch gute, schnell und offensiv intelligent spielende Mannschaft aus Perlach wird Fehler in der Abwehr gnadenlos bestrafen.

Auf welches System Michael Köllner gegen Türkgücü zurückgreifen wird werden wir sehen. Mir persönlich hat die 4-2-3-1 Grundformation, die gegen Verl zum Zug kam, sehr gut gefallen. Vielleicht gibt es auch wieder das bewährte 4-1-4-1 zu sehen. Michael Köllner wird auf jeden Fall einen guten Matchplan haben. Hoffen wir, dass die Mannschaft den auch vernünftig umsetzt.

Diese Aufstellung erwarten wir für morgen von unseren Gästen:

Auf die Löwen!

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