Herzlich Willkommen zur Taktiktafelanalyse des Auswärtsspiels unseres TSV 1860 München beim Halleschen FC. Ein hochverdienter Auswärtspunkt, der sich aber aufgrund des Spielverlaufs als zu geringe Ausbeute anfühlt.

Die Systematik

Michael Köllner bzw. seine Vertreter Günter Brandl und Oliver Beer schickten den TSV 1860 beim Halleschen FC in einem 4-1-4-1 aufs Feld. Dieses verschob sich mit Tallig und Neudecker, die sich in der Position des Box to Box Spielers situationsabhängig abwechselten, defensiv auf ein 4-2-3-1 und vor der eigenen Box zum 4-5-1. Offensiv wurde es zu einem 4-1-3-2, im letzten Drittel des FC Halle bisweilen zum 4-1-2-3.

Der Trainer des Halleschen FC, Florian Schnorrenberg setzte zu Beginn auf ein 4-2-3-1, das bei eigenem Ballbesitz zu einem 4-1-3-2 mit Eberwein als hängender Spitze wurde. Gegen den Ball im eigenen letzten Drittel verteidigten die Hallenser ebenfalls mit 4-5-1.

Die wichtigsten Statistiken des Spiels Hallescher FC – TSV 1860 München

  • Ballbesitz 68%:32% (zugunsten des TSV 1860)
  • Passgenauigkeit TSV 1860 86% – Hallescher FC 71%
  • Defensive Zweikampfquote TSV 1860 68% – Hallescher FC 49%
  • Schüsse/aufs Tor TSV 1860 21/6 – Hallescher FC 8/1
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) TSV 1860 6.74 – Hallescher FC 13,53

Die Phasen des Spiels

Das Spiel TSV 1860 beim Halleschen FC kann man in zwei Phasen unterteilen, die sich beide zumindest von den Statistiken her nicht sehr voneinander unterscheiden. Die einzige wirkliche Diskrepanz fällt bei der PPDA der Hausherren ins Auge. Vor dem Platzverweis für Boyd war dieser Index für Halle bei 9,4. Danach zuerst bei 22 und nach der Halbzeitpause, als Halle auf 5-3-1 umgestellt hatte, bei 17.

Phase eins

Zu Beginn der Partie spielten die Hallenser gegen den Ball mit einem sehr hoch angelegten Pressing. Mit diesem Anlaufverhalten der Gastgeber hatten die Löwen durchaus Probleme, sich aus dem eigenen letzten Drittel zu befreien. Aufgrund des Drucks, den die Saalestädter gegen den Ball aufbauten, waren auch Schwierigkeiten im Spiel nach vorne zu erkennen. Präzise nach vorne zu spielen bereitete den Löwen Probleme. Im Positionsspiel die durchaus vorhandene technische Überlegenheit und Schnelligkeit der Spieler auszunutzen, machte der Hallesche FC den Löwen nicht leicht.

Trotz klarer Überlegenheit beim Ballbesitz waren die Löwen in der Anfangsphase des Spiels in Puncto Offensive nicht auf dem gleichen Level wie ihre Gegner. In fast allen Bereichen konnte Halle die Löwen zunächst übertrumpfen. Jedes Anspiel der Hallenser in die Box des TSV 1860 führte auch zu einem Ballkontakt. Nur einmal nicht zu einem Schuss. Der einzige Schuss der Hallenser, der während dieser Phase tatsächlich gefährlich aufs Tor der Löwen ging, war dann auch prompt drin.

Die Offensive

Der TSV 1860 München konnte während der ersten halben Stunde einerseits weniger Anspiele in die Box verzeichnen. Andererseits führten auch nur 60% dieser Anspiele zu einem Ballkontakt im Strafraum.

Die Überlegenheit beim Ballbesitz konnte nicht in schlagkräftige Offensivaktionen umgemünzt werden. Das hohe Anlaufen der Saalestädter und die Aggressivität des FC Halle gegen den Mann bei Ballbesitz der Löwen im Mittelfeld sorgten immer wieder für Quer- und Rückpässe, die den Spielfluss bei den Sechzgern logischerweise nicht in Schwung bringen konnten.

Die Defensive

Gegen den Ball muss man den Löwen ankreiden, dass die Positionen, in denen die Hallenser in der Box an die Kugel kamen, wieder zu sehr gefährlichen Aktionen für das eigene Tor hätten führen können. Mehr als die Hälfte der Ballkontakte für Halle im Strafraum der Löwen waren in zentraler oder halbzentraler Position.

Ansonsten sah man aber gegen den Ball relativ aggressive Löwen. Vielleicht hätte man das ein oder andere Foul mehr begehen können. Damit wären die nadelstichartigen Vorstöße des FC Halle im Keim unterbunden worden.

Die Statistiken und der Eindruck am Platz sehen im Defensivverhalten in dieser ersten Phase des Spiels allerdings eine klare Steigerung zum Spiel gegen den SV Meppen.

Nur vier Defensivduelle wurden am Boden verloren. Die Überlegenheit bei den Luftzweikämpfen ist mit einem Vorsprung von 21% für die Löwen eklatant. Musste ein Sechzger die Grätsche auspacken, war hier die Erfolgsquote sogar bei 100%.

Das sind Zahlen, die mich positiv auf die nächsten Aufgaben blicken lassen. Ein Gegentor nach einer Standardsituation kann man sich immer fangen. Die Frage ist hier einzig, ob man diesen Eckball in der kleinen Box nicht doch vielleicht ein wenig aufmerksamer verteidigen kann.

Phase zwei

Die zweite Phase des Spiels sah nur ein Team, das Fußball spielte. Das waren die Löwen. Die Hausherren beschränkten sich in Unterzahl darauf, vor und im eigenen Strafraum den Bus zu parken. Sie setzen größtenteils darauf, mögliche Kontergelegenheiten auszunutzen. Das gelang nur sporadisch und führte zu keinerlei Erfolg mehr.

Wenn die Hallenser die Kugel aus der eigenen Spielfeldhälfte herausbefördern konnten, wurden in dieser guten Stunde zwischen dem Platzverweis für Boyd und dem Schlusspfiff ganze fünf Positionsangriffe und zwei Konterattacken von den Hausherren zu Ende gespielt.

Was war positiv?

Der TSV 1860 München zeichnete sich in Phase zwei vor allem im Spiel gegen den Ball ein ums andere mal aus. Kaum hatte Halle die Kugel erobert, war sie auch schon wieder weg.

Die Hallenser hatten kaum Zeit zum Luftholen und ständig brandeten die Angriffswellen auf das Abwehrbollwerk der Saalestädter.

Sowohl im Abwehrverhalten als auch im Positionsspiel bis zum Sechzehner waren die Löwen bärenstark.

38 bis ins letzte Drittel der Hallenser gespielte Positionsangriffe führten zu lediglich acht Schüssen der Löwen. Die Weiteren entsprangen neun Schüsse des TSV 1860 entweder Standardsituationen oder Ballgewinnen im letzten Drittel der Hallenser.

Die tief verteidigenden Saalestädter ließen den Löwen keinen Raum, um in vernünftige Abschlusspositionen zu kommen. Der Treffer von Daniel Wein zum Ausgleich war, weil er durch die Beine eines Verteidigers geschossen war, noch dazu ein wenig glücklich. Allerdings aufgrund der sehr deutlichen Überlegenheit in allen Bereichen auch hochverdient.

Was war negativ?

Der TSV 1860 München war den Hallensern in allen Belangen derart überlegen, dass sich die Frage stellt, warum man nur ein Tor erzielen konnte.

Bemängeln muss man die Positionen, aus denen aufs Tor des Gegners gefeuert wurde. Von siebzehn Schüssen, die in Überzahl insgesamt abgegeben wurden, schossen die Löwen – inklusive des Elfmeters – nur sechsmal innerhalb des Strafraums ungeblockt aufs Tor des Halleschen FC.

Acht Schüsse inklusive des Ausgleichstreffers kamen von außerhalb der Box. Der einzige Spieler der Sechzger, der mit Weitschüssen das Spielgerät so aufs Tor brachte, dass Müller im Kasten eingreifen musste, war Daniel Wein. Zwei seiner drei Schussversuche gingen auf den Kasten, einer konnte geblockt werden.

Es ist natürlich eine Binsenweisheit, dass das Spiel vor und in der Box gegen eine Mannschaft, die mit Mann und Maus verteidigt, kein Zuckerschlecken ist. Dennoch muss man bald Möglichkeiten finden, um auch so ein Abwehrbollwerk öfter als nur einmal zu bezwingen.

Gelegenheiten herauszuspielen, indem man den Gegner durch ruhigeres Spiel etwas aus der eigenen Abwehr herauslockt, um dann mit präzisem schnellen Spiel nach vorne bis zur Grundlinie durchzustoßen und die Bälle flach in kleine Box bringt, kann ein Mittel sein um, das in Zukunft besser zu gestalten.

Die Tore

Das 1:0

Der Treffer für die Hausherrren in der 13. Minute besorgte Neuzugang Jan Löhmannsröben per Kopfball nach einer durch Nietfeld von rechts getretenen Ecke. Er konnte zwischen sich und Sascha Mölders, der offensichtlich in dieser Situation sein Gegenspieler war, in dessen Rücken etwa Abstand herstellen und dadurch unbedrängt zum Torerfolg einnetzen.

Das 1:1

Den Ausgleich für den TSV 1860 beim Halleschen FC schoss, wie oben bereits erwähnt, Einwechselspieler Daniel Wein bei seinem Saisondebüt in der Liga.

Ein von Salger zunächst über rechts auf Neudecker eingeleiteter Positionsangriff, bei dem der TSV 1860 München über die komplette Breite des Spielfelds agierte, sorgte für den hochverdienten Ausgleich. Neudecker spielte das Leder wieder über Salger auf halblinks, der danach Biankadi auf dem linken Flügel bediente.

Nachdem Biankadi mit dem Leder am Fuß in die Box zog, bediente er Dressel zentral am Fünfer, der den Abschluss suchte. Dessen Schuss konnte allerdings noch vom starken Löhmannsröben geblockt werden. Den geblockten Ball erreichte Wein an der Strafraumgrenze und bedient Greilinger weiter hinten an der linken Seitenauslinie, der eine hohe Flanke in den Sechzehner der Hallenser schlägt.

Kastenhofer und Badije können diese Flanke unbedrängt per Kopball klären. Allerdings direkt zu Daniel Wein. Der fackelt nicht lange und schießt aus etwa 18 Metern durch Nietfelds Beine hindurch ins linke untere Eck. Kein harter Schuss aber platziert und mit einer gewissen Portion Glück des Tüchtigen. Zwischen den Pfosten und den Ball auf der einen Seite und der Hand von Torhüter Müller auf der anderen Seite des Balles hätte jeweils kein Stück Papier mehr gepasst.

Fazit

Bis zum Platzverweis haben wir im Spiel unseres TSV 1860 beim Halleschen FC zwei durchaus gleichwertige Teams gesehen. Die größeren Spielanteile, jedoch ohne damit viel anfangen zu können, waren auf Seiten der Löwen. Der Hallesche FC war mit seinen klug ausgespielten Positionsangriffen zunächst die effektivere Mannschaft, die auch verdient führte. Ob der Platzverweis tatsächlich berechtigt war oder nicht, darüber lässt sich sicherlich vortrefflich streiten. Terrence Boyd wurde jedenfalls inzwischen für zwei Partien gesperrt.

Nach dem Platzverweis konnte Halle für die passive Spielweise leider nicht hart genug von den Löwen bestraft werden.

Ein zweites Tor wäre dem Spielverlauf nach absolut verdient gewesen. Sehen wir uns die Schusspositionen auf Seiten der Löwen an: Nach dem Eindringen in die gegnerische Box hapert es daran, die Mitspieler öfter in gute in Schusspositionen zu bringen.

Woran haperts?

Die Spieler, die auf der Halbposition den Strafraum penetrieren, treffen manchmal falsche Entscheidungen im Abspiel. Es wird z.B. der Ball oft zu früh ins Zentrum gespielt. Wenn der Weg zur Grundlinie versperrt ist, kann ein Abspiel mit Doppelpass über die Außenpositionen oder früheres Steilschicken des Außenbahnspielers in solchen Situationen eine Lösung sein.

Eine der wenigen Situationen, in denen das Eindringen in die Box gegen die tief verteidigenden Hallenser gut ausgespielt wurde, war jene, als Biankadi, vor dem Ausgleichstreffer von links diagonal in die Box zog und dann Dressel in Szene setzte.

Im Vorfeld wäre ich klar mit einem Punkt zufrieden gewesen. Wie gegen Braunschweig fühlt sich der Punkt aber nicht wie ein Erfolg an. Zu deutlich war die Überlegenheit der Sechzger nach dem Platzverweis.

Lob von mir für Linsbichler

Ein kurzes Wort noch zum Einsatz von Tim Linsbichler. Für die kurze Zeit, in der er auf dem Platz war, hat er eine für meine Begriffe sehr gute Leistung gezeigt. Mit deutlich mehr gelungenen als misslungenen Aktionen und großem Einsatz gegen den Ball sowie keinem verlorenen Kopfballduell, zeigte er bei seinem zweiten Ligaspieleinsatz in den zehn Minuten, die er inklusive Nachspielzeit auf dem Platz stand, sehr deutlich, dass er mit zunehmender Spielpraxis absolut ein Kandidat für einen Stammplatz sein kann. Mit seiner Größe und der damit verbundenen Kopfballstärke kann er mehr als jeder andere Spieler – abgesehen vom gleich großen Belkahia – speziell bei Standardsituationen ein Waffe werden, die schwer zu verteidigen ist.

Datenquelle: Wyscout

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