Nach dem Spiel gegen Hertha BSC wollte der FC Bayern noch am gleichen Abend vom Flughafen in Richtung Katar abheben. Passt ja – am Boden geblieben ist beim deutschen Rekordmeister offensichtlich niemand mehr, wie man an den anschließenden Wortmeldungen erkennen konnte. Ein Kommentar.

Die holprige Anreise des FC Bayern nach Katar

Kaum zu glauben. Am gestrigen Freitagabend konnte der FC Bayern mal wieder gewinnen. Im Schneetreiben von Berlin reichte dem Tabellenführer ein Schuss, um drei Punkte in der Hauptstadt einzusammeln. Die Partie wurde extra um 30 Minuten vorverlegt und direkt nach Abpfiff ging es für den Bayern-Tross zum neuen Flughafen BER. Ziel war Doha, die Hauptstadt von Katar.

Bekanntlich trägt der Wüstenstaat die Fußball-WM 2022 aus. Die nun anstehende Klub-WM, an der u.a. der FC Bayern teilnimmt,  möchte Katar nutzen und der Welt die neuen Stadien sowie die entstandene Infrastruktur präsentieren. Auf den Baustellen dafür mussten nach aktuellen Schätzungen bereits über 1.000 Menschen ihr Leben lassen. Richtig gelesen: es kam vor allem wegen der enormen Hitze zu zahlreichen Todesfällen, damit überbezahlte Fußballer auf grünem Rasen mitten in der Wüste gegen das runde Leder treten können. Darüber berichtet neben einer Reportage von 2019 nun auch ein Podcast des WDR.

Schon lange steht der FC Bayern in der Kritik, dass er mit Katar beziehungsweise der staatseigenen Airline Qatar Airways kooperiert. Mit der Ausrichtung der Weltmeisterschaft möchte Katar sein Image weiter aufpolieren – koste es, was es wolle.

Nun mussten die Spieler und Verantwortlichen sieben Stunden am neuen Flughafen BER warten. Ein unzumutbarer Zustand. So empfindet es zumindest Karl-Heinz Rummenigge und äußert sich wie folgt:

 

“Wir fühlen uns von den zuständigen Stellen bei der brandenburgischen Politik total verarscht. Die Verantwortlichen wissen gar nicht, was sie unserer Mannschaft damit angetan haben.”

 

Zugegeben: Wegen 30 Sekunden die Startfreigabe zu verweigern, erscheint etwas kleinlich. Sich dann aber so zu äußern, zeigt wieder einmal klar auf, wie sehr sich der Fußball von der Gesellschaft entfernt hat. Im Endeffekt wurde das bestehende Nachtflugverbot von 0 bis 5 Uhr konsequent umgesetzt. Das kann jeden treffen. Aber nicht jeder hat damit so ein Riesenproblem wie der FC Bayern auf seinem Weg nach Katar.

Der Unterschied zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern

Letzte Woche gewann der TSV 1860 München souverän mit 3:0 in Magdeburg. Nach dem Spiel ging es mit dem Bus noch am späten Abend zurück nach Giesing. Mit dem Bus. Nachts. Das ist ja fast schon unmenschlich! Dann kam es noch dicker: damit die Spieler am Donnerstag nicht am Vormittag bereits wieder zum Training erscheinen mussten, begab sich die Mannschaft mitten in der Nacht in den Kraftraum.

Sechzig München – mein Verein für alle Zeit

Diese zwei Ereignisse zeigen mir so deutlich wieder auf, warum der TSV 1860 mein Verein für alle Zeit ist. Während unsere Profis mitten in der Nacht trainieren, macht der FC Bayern wegen einer Wartezeit, die jedem im Leben einmal unterkommt, einen medialen Aufstand. Man habe der Mannschaft etwas angetan. Deutlicher kann man nicht aufzeigen, dass man in einer Blase lebt. Der FC Bayern hätte sich in den sieben Stunden lieber einmal überlegen sollen, ob man solch eine Reise antreten sollte und Katar mit seinem Vorhaben unterstützen will. Aber die SZ hat es 2019 schon richtig formuliert: Mit Katar wählt Bayern mal wieder Geld statt Moral.

Die Fußball-WM 2022: Ohne mich!

Nicht nur die Klub-WM in der kommenden Woche, sondern auch die Weltmeisterschaft 2022 ist ein Wettbewerb, den man komplett boykottieren sollte. Wie gut, dass mir die deutsche Nationalmannschaft schon lange egal ist. Für Löwen- und Nationalmannschaft-Fans gibt es nämlich eine weitere schlechte Nachricht: ein vorbestrafter, ehemaliger Würstchenfabrikant wird TV-Experte. Bei der Fußball-WM im Jahr 2022 sollte sich jeder, wirklich jeder, genauestens überlegen, ob er dieses Event verfolgen und damit unterstützen möchte.

An den Stadien in Katar klebt Blut, das muss man – so martialisch es auch klingt – in aller Deutlichkeit sagen. Und damit dann irgendwie auch am FC Bayern.

 

Titelbild: Merveille Biankadi nach dem 2:0 gegen den FC Bayern II

7 KOMMENTARE

  1. ich bin auch bei uns für sportlichen Erfolg. warum? weil wir das als tsv aus meiner Sicht brauchen. und unser Ziel sollte als nächstes der Aufstieg in die zweite Liga sein. deswegen kann ich nicht sagen, dass der Profifußball das letzte ist. für mich ist das auch nicht so. was für mich eher das letzte ist ist was sich die roten versuchen raus zu nehmen: das fängt bei Kirch 2003? (wenn ich mich nicht täusche) an. geht bei der Arena weiter ggeht über den für mich nicht reguleren Verkauf der Anteile. geht weiter bei dem Grundstück (wie haben sie das bekommen?) für ihren Campuss. aktuelles ende in Kirchheim bei München. mit dieser Firma hatten deren Baskettballer schon einen Sponsoren- Vertrag über 1,5 Millionen? € abgeschlossen. die AG hatte dies dann auch versucht über 7 Millionen für drei Jahre. steht heute in der sz. freut mich nur schade, dass da wiedermal das Glück scheinbar geholfen hat. unglaublich ist auch deren arogantes Verhalten des angeblichen Ex-Präsidenten.

  2. Ach Gottchen, da mussten diese Mimosen tatsächlich mal im Flieger schlafen, und dann auch noch eine Zwischenlandung in München, nein welch ein Schaden wurde da angerichtet. Und Schafkopfen konnten sie auch nicht zum Zeitvertreib mangels entsprechenden bayerischem Spielermaterials.
    Dieser rotbäckige Dummschwätzer, der sich nicht mal leisten konnte, seine Rolex ordnungsgemäss zu verzollen, wir mir immer unsympathischer (falls das überhaupt noch möglich ist).

  3. Ha ich Lach mich kaputt das ist genau das richtige , es ist wieso eine Absolute Frechheit das Profiteams durch die Welt reisen dürfen . Das eine Club WM gespielt wird mit Vereinen die vielleicht nicht ein Mal echte Coronatests vorlegen .
    Außerdem sollte man Mal überlegen wieviele Profivereine ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben und ihre Profis weiter das gleiche bezahlt haben . Der Profisport ist das letzte !!!!

  4. Hoffentlich konnten sie sich wenigstens während dieser Tortur einen Privatfrisör kommen lassen. Kalle wird ganz schön aggressiv wenn der Rolexladen im Duty Free geschlossen ist.

  5. Danke für deinen Kommentar. Leider wird sich nichts ändern, solange bei den Roten und deren Fans der Erfolg das allerwichtigste ist, egal um welchen Preis…

    • Dass sich vieles im Fußball mittlerweile um Geld dreht, ist wohl nichts Neues. Aber ein bisschen Anstand bei der Auswahl der Sponsoren wäre schon wirklich wünschenswert.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here