Der TSV 1860 München ist zurecht stolz auf seine Nachwuchsarbeit. Zahlreiche Talente haben den Sprung in den bezahlten Fußball geschafft und spielen nicht nur in Deutschland, sondern auch quer über Europa verteilt bei Spitzenvereinen. Wie gut die Einbindung aktuell in die Profimannschaft ist, zeigt sich im Vergleich mit den anderen 55 Profiteams im deutschen Fußball. Der TSV 1860 belegt hier einen hervorragenden zweiten Platz, wenn man die Gesamtanzahl an Jugendspielern im Kader betrachtet.

Löwen setzen auf die Jugend

Finanziell ist die Lage beim TSV 1860 weiterhin nicht rosig. Alles muss gut kalkuliert sein, damit keine neuen Schulden aufgebaut werden und die KgaA langsam, aber stetig gesunden kann. Viel Geld für externe Transfers ist dabei einfach nicht drin, der TSV 1860 bedient sich daher bei seinen Jugendspielern. Das klingt jetzt zunächst einmal negativer, als es ist. Denn die Löwen haben eines der besten Nachwuchsleistungszentren von ganz Deutschland. Darauf ist man zurecht stolz – und profitiert davon freilich gerne.

Früher waren die Talente wie Volland oder Weigl (leider) immer wieder eine Option, um schnell an Geld zu kommen. Da die Verkäufe meist in Drucksituationen entstanden, fielen die Ablösen entsprechend niedrig aus. Für Volland, der mittlerweile in Frankreich auf Torejagd geht, wurde 2011 eine Ablöse von 700.000€ erzielt. Weigl wechselte für immerhin 2,5 Millionen Euro zu Dortmund. Beide brachten ihren neuen Vereinen jeweils etwa fünf Jahre später allerdings 20 Mio. € ein. Dank eingebauter Klauseln verdiente der TSV 1860 an seinen ehemaligen Jugendspielern immerhin kräftig mit.

TSV 1860 mit über 50% Jugendspielern

Diese Zeiten sollen möglichst der Vergangenheit angehören. So wurde von einem Verkauf von Dennis Dressel nach Darmstadt abgesehen, obwohl der Vertrag des Junglöwen im Sommer ausläuft. Man war mit der Ablösesumme nicht einverstanden und bevorzugte daher, dass Dressel mit seinen sportlichen Leistungen dem TSV 1860 behilflich ist. Während dieser Schritt bei einigen als kritisch angesehen wurde, kann Sport-Geschäftsführer Gorenzel im Nachhinein zufrieden mit seiner Wahl sein. Dressel ist klarer Stammspieler bei den Löwen und nimmt nicht nur im taktischen Sinne eine zentrale Rolle ein.

Nach der jüngsten Kritik am Österreicher äußerte sich Alfons Seeler im Wochenanzeiger mit einem lesenswerten Kommentar. Tenor ist, dass Gorenzel aus den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten und Rahmenbedingungen das Maximale herausholt. Ein Fakt, den der Autor in einem Absatz erwähnt, soll an dieser Stelle noch einmal deutlich hervorgehoben werden.

Nur ein Verein mit mehr Eigengewächsen im deutschen Profifußball

Bereits in der Saison 2021/22 warf sechzger.de einen Blick auf die vielen Junglöwen. Der Kader des TSV 1860 war mit Jugendspielern geradezu gespickt, daran hat sich auch in der aktuellen Spielzeit nicht viel geändert. So befinden sich im Profikader aktuell nicht weniger als 15 Akteure, die bereits einen Teil ihrer fußballerischen Ausbildung beim TSV 1860 genossen. Das entspricht einem Anteil von über 50%. Eine weitere Zahl ist dagegen noch beeindruckender: nur ein einziger anderer Verein¹ im deutschen Profifußball hat aktuell so viele Eigengewächse in seine 1.Mannschaft integriert wie der TSV 1860 München. Der SC Freiburg II führt diese Kategorie mit 22 Spielern an. Da das Team als Ausbildungsmannschaft für die Bundesliga-Truppe gedacht ist, überrascht die Zahl nicht.

Umso höher einzuordnen ist die Platzierung der Löwen. Die hohe Quote an Junglöwen im Team zeigt zum einen die Qualität des Nachwuchsleistungszentrums, zum anderen aber auch, dass Jugendspieler in Giesing durchaus die Chance besitzen, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. 15 von 27 Spielern mit einer Vergangenheit in Giesing – einmal Löwe, immer Löwe ist eben nicht nur ein dahingesagter Spruch.

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¹ Die Auswertung bezieht sich auf die Angaben von transfermarkt.de (Bundesliga, 2.Liga, 3.Liga). Für die Plattform muss ein Spieler mindestens in der B-Jugend für den jeweiligen Verein eingesetzt werden. Platz 3 in dieser Wertung teilen sich Werder Bremen und der FC Ingolstadt 04 (je 11).

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