Gemeinsam mit den Bergsportlern des TSV 1860 ist zukünftig auch die Durchführung von Skitouren möglich. In diesem Artikel erfahrt ihr, welche Ausrüstung ihr dafür benötigt und wer daran teilnehmen kann.

Bergsport-Abteilung existiert seit 121 Jahren

Die Abteilung Bergsport des TSV München von 1860 e.V. gibt es bereits seit 121 Jahren und wurde von zwölf bergbegeisterten Turnern des TSV gegründet. Im Fokus standen die Pflege des aktiven Bergwanderns, der freundschaftliche Zusammenhalt und die Erhaltung der Liebe zu den Bergen. Im Jahre 1910 wurde die Jagdhütte an der „Blauen Gumpe“ im Zugspitz-Gebiet erworben, die dann in den Jahren 1922 und 1923 von Mitgliedern der Riege aus eigenen Mitteln neu gebaut und vollständig neu eingerichtet wurde. Auch Klettern und Bouldern bietet die Abteilung inzwischen an und veranstaltet regelmäßig Touren und Kurse.

TSV München von 1860 e.V. bietet jetzt Skitouren an

Jetzt hat die Bergsport-Abteilung des TSV 1860 eine weitere Sparte ins Programm aufgenommen: Skitouren.

Was ist eine Skitour?

Heruntergebrochen kann man es so bezeichnen: eine Berg-Wanderung auf Ski, auf die eine Abfahrt – im Idealfall durch unberührten Pulverschnee der sonnengeküssten Bergwelt – ins Tal folgt.

Die Bergsport-Abteilung bietet beim TSV 1860 derzeit Skitouren mit ca. 1.500-1.800 HM Aufstieg / 1.500-1.800 HM Abfahrt im freien alpinen Gelände an.

An wen richtet sich das Skitouren-Angebot?

Grundsätzlich können alle Mitglieder des TSV München von 1860 e.V. das Angebot nutzen, sollten jedoch die folgenden Voraussetzungen mitbringen:

Skitouren für Fortgeschrittene, Anforderungen

  • ca. 1.500-1.800 HM Aufstieg / 1.500-1.800 HM Abfahrt im freien alpinen Gelände
  • Skibeherrschung im freien unpräparierten Gelände (z.B. Spitzkehrentechnik)
  • Beherrschung der Ski für Aufstieg und Abfahrt im steilen und sehr steilen Gelände (40-45°)
  • Körperliche Grundkondition für Aufstieg und Abfahrt von knapp 1.500 – 1.800 HM und eine Skitourendauer von > 6 Stunden
  • Notwendige Ausrüstung und richtiger Umgang mit der Ausrüstung
  • Ausgewählte Touren erfordern Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und das richtige Gehen mit Steigeisen

Die Nachricht der Bergsport-Abteilung im Wortlaut:

Hallo liebe Bergfreunde,

wir freuen uns, dass wir eine neue Sparte innerhalb der Bergsportabteilung anbieten können. Skitouren – das ist das Besteigen von Bergen im Winter mit Ski und das Befahren von unberührtem Pulverschnee jenseits der Pisten – das ist die Verbindung aus Naturgenuss und sportlicher Action! Wir freuen uns, dass zwei erfahrene Skitouren-Guides zu unserem Team gestoßen sind und diese Sparte beim TSV aufbauen.

Unsere Touren findet Ihr unter dem Reiter „Winterprogramm“ und könnt dort auch direkt buchen. Sollte eine Tour bereits ausgebucht sein, meldet euch bitte per Mail unter skitouren@tsv1860.org um auf die Warteliste aufgenommen zu werden. 

Skitour: Was brauche ich dafür?

Der Ski

Der Touren-Ski unterscheidet sich hier jedoch in gewissen Punkten vom klassischen Alpin-Ski, mit dem man die Pisten der Skigebiete bewältigt: Er ist einerseits leichter, um so wenig Gewicht wie möglich beim Aufstieg an den Füßen zu haben. Dennoch muss er auch etwas aushalten, denn nicht immer sind die Abfahrten wie im Märchenbuch von tiefen Schwüngen durch hüfthohen Pulverschnee gesegnet. Oftmals muss man sich mit Firn (komprimierter Altschnee), Bruchharsch (Schneeoberfläche, die nach Erwärmung, beispielsweise durch direkte Sonneneinstrahlung, antaut und durch Abkühlung, meist nachts, wieder verfestigt wurde und unter welcher feiner Pulverschnee ist), Sulz (erwärmter Schnee durch Warmlufteinbruch, Regen oder Sonneneinstrahlung; also schwerer, nasser Schnee), Verwehungen und auch Eisflächen herumschlagen – Natur pur eben. Daher lautet die Devise wohl: So leicht wie möglich, so stabil wie nötig.

Die Stöcke

Hier gibt es im Vergleich zum Pisten stock nur zwei wesentliche Unterschiede: einerseits sollte ein Tourenstock immer sehr breite Teller haben (die runden Scheiben am unteren Ende kurz vor der Spitze), um in sehr tiefem Schnee mehr Widerstand zu haben. Zudem sollten Tourenstöcke stets Teleskop-Stöcke, also längenverstellbar sein. Dies hat den Grund, dass man in meisten Fällen den Hang nicht auf direkter Linie, sondern schräg querend in sogenannten Kehren nach oben geht. Je nach Steilheit und Schneetiefe kann es also sein, dass man auf der Bergseite einen sehr kurzen, auf Talseite aber einen umso längeren Stock benötigt.

Die Bindung

Bekannterweise muss beim Pistenski der Skistiefel immer “fest im Sattel sitzen”, also fest in der Bindung fixiert sein und – je nach Fahrkönnen und Einstellung der Bindung – bei mehr oder weniger starken Schlägen oder Verdrehungen selbstständig auslösen (öffnen) und den Skifahrer so vor Verletzungen bewahren.

Beim Touren-Ski kommen speziellere Bindungen zum Einsatz, da man ja einerseits zunächst lange mit dem Ski an den Füßen bergauf wandert und danach eine Abfahrt absolviert. Daher müssen die Touren-Ski-Bindungen variabler einsetzbar sein: beim Aufstieg ist nur die Schuhspitze in der Bindung fixiert, die Ferse kann – wie beim “normalen” Bergwandern auch – gehoben werden. Die Bindung bietet je nach Modell verschiedene Stufeneinstellungen an der Ferse, sodass diese nicht bei jedem Schritt wieder ganz auf den Boden zurückkommt, sondern je nach Steilheit vorher eine Abstützmöglichkeit erhält.

Bild: Pixabay

Der Skistiefel

Touren-Skistiefel sind etwas weicher als gängige Pistenmodelle. Sie haben aber zudem zwei Besonderheiten: der Stiefel hat eine sogenannte “Walk-Funktion”, das bedeutet, beim Aufstieg kann man ihn so einstellen, dass er nicht aufgrund seiner Härte und Steifigkeit den normalen Bewegungsablauf beim Gehen blockiert, sondern im Bereich des Fußgelenks nachgibt, um so die Schritte zum Ziel zu erleichtern. Vor der Abfahrt sollte man jedoch nicht vergessen, den Schuh wieder “scharf” zu stellen..

Die Sohle besitzt zudem ein stärkeres Profil, damit bei Skitouren bei Eis oder im hochalpinen Gelände, bei denen am Ende des Tages die letzten Meter zum Gipfel geklettert werden müssen, auch nach Abschnallen vom Ski möglichst viel Grip unter den Füßen bleibt.

Der Autor auf den letzten Metern zum Gipfel des Piz Buin (3312 m.ü.M.) mit Steigeisen und am Seil

Die Felle

Ja, richtig gelesen. Beim Tourengehen spannt man sich für den Aufstieg Felle unter die Ski. Wofür in den Anfängen dieses Sports Seehundfelle oder andere Tierfelle verwendet wurden, bestehen die Felle heutzutage aus Fellflor, der i.d.R. aus Synthetikfasern (meistens Polyamid) oder Mohair gewoben ist. Ihren Namen haben die Felle dennoch behalten.

Die Felle bieten dem Tourengeher beim Aufstieg durch den Schnee den nötigen Halt, um nicht nach einem Schritt nach oben, bei dem man den Ski bergauf nach vorne schiebt, wieder zurück zu rutschen. Möglich macht dies die Struktur der Felle. Während sie nach vorne, also in Schrittrichtung problemlos (meist mit einem leisen Summen) gleiten, haften sie am Untergrund in die andere Richtung. Daher kann man Felle auch nur in einer Richtung aufspannen und sollte dies stets kontrollieren. Bei neueren Ski & Fellen ist eine Verwechslung jedoch nahezu ausgeschlossen. Für die Abfahrt nimmt man die Felle ab und verstaut sie im Rucksack.

Der Rucksack

Dies hängt natürlich von Wetter, Ort und Dauer der Tour ab. Für eine klassische Tagestour im Gelände (also außerhalb von Skigebieten) sollte man einen Rucksack mit sich führen, der groß genug für ein Erste-Hilfe-Set, Wechselwäsche, eine Thermoskanne, Brotzeit sowie ggf. das weitere Sicherheitsequipment (siehe Beschreibung unten) ist. Zudem sollte man die Möglichkeit haben, die Stöcke außen am Rucksack zu befestigen (z.B. für Kletterpassagen).

Das weitere (Sicherheits-)equipment

  • Ein Helm bietet sich auch bei Skitouren an und ist insbesondere in felsigen, waldigen Gebieten und bei ausgesetzten, lawinenanfälligen Hängen absolut empfehlenswert.
  • Bei Skitouren im Gelände sollte stets ein Lawinensuchgerät (auch “PIEPS” genannt) von ALLEN Tourengehern (eingeschaltet auf “Senden”) mitgeführt werden (Batterien vor Tourstart auswechseln und keine Akkus verwenden), um Verschüttete schnell orten zu können
  • Zudem sollte bei Skitouren im Gelände eine Lawinen-Sonde sowie eine Schaufel mitgeführt werden, um Verschüttete zu orten und befreien zu können. Nach einem Lawinenabgang kann die Schneedecke betonhart sein, sodass an ein Graben mit den bloßen Händen nicht zu denken ist.
  • Ein Mobiltelefon sollte stets mitgeführt werden
  • Skikleidung mit integriertem “RECCO” erleichtern die Suche nach Verschütteten.
  • Sogenannte Airbags, die nach Auslösung durch den Fahrer ein großes Luftkissen in sekundenschnelle aus dem Rucksack drücken, können bei Lawinenabgang sogar eine Verschüttung verhindern. Dank Ablauf des “Airbag-Patents” sind diese auch nicht mehr so teuer und von verschiedenen Anbietern erhältlich.
  • Steigeisen können notwendig sein, sollte der Boden am Gipfel eisig sein oder man Kletterpassagen einbauen möchte/muss.
  • Ein Seil sowie Hüftgurte sind bei Kletterpassagen oder bei Überquerung (bergauf wie bergab) von (insbesondere frisch verschneiten) Gletschern notwendig

 

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