Heute vor 60 Jahren krönte sich der TSV 1860 München durch ein 1:1 gegen den Hamburger SV zum Deutschen Meister. sechzger.de hat einige Zeitzeugen gebeten, ihre Erinnerungen an diesen besonderen Tag und diese unvergessliche Spielzeit in der Historie der Löwen niederzuschreiben. Im zweiten Teil berichtet Euch Hajo Fietzek, wie er die Meistersaison erlebte.

Zeitzeuge Hajo Fietzek erinnert sich

Nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1964 und dem 4. Platz in der Saison 1964/65, war die Erwartungshaltung natürlich hoch, zumal der Spielerkader mit Perusic perfekt ergänzt wurde. Meines Erachtens beruhte der Erfolg der Mannschaft jedoch darauf, dass mit Wagner, Steiner, Zeiser, Reich, Grosser, Rebele, Heiß und Brunnenmeier 8 Spieler aus München und der näheren Umgebung spielten, die sich natürlich des Löwen auf der Brust bewusst waren. Meine Lieblingsspieler waren der Radi, Heiß, Brunnenmeier und Perusic. Letzterer war ein wahres Konditionswunder. Beim Fredi Heiß ist mir bis heute unerklärlich, warum er nicht mehr Länderspiele bestreiten durfte.

Wehrdienst statt Meisterfeier

Höhepunkt war natürlich gleich der 1. Spieltag, als es gegen die Nebenstraßler ging. Timo Konietzka erzielte bereits nach 30 Sekunden das 1:0 Siegtor für die Löwen. Über das Rückspiel gegen die Roten (0:3) reden wir lieber nicht. Am 2. Spieltag folgte ein 4:1 Sieg in Nürnberg und am 3. Spieltag ein 5:0 gegen Hannover. Mit 6:0 Punkten und 10:1 Toren waren die Löwen Tabellenführer und die Euphorie entsprechend groß. Am 29. Spieltag gewannen unsere Jungs mit 9:1 bei der Borussia in Neunkirchen. Die Tore erzielten Heiß 4, Grosser 2, Küppers, Konietzka und Rebele. Am vorletzten Spieltag mussten die Löwen zum direkten Meisterschaftskonkurrenten Borussia Dortmund. Unsere Löwen behielten die Nerven und gewannen durch Tore von Brunnenmeier und Grosser.

Am letzten Spieltag genügte ein 1:1 im heimischen Grünwalder Stadion zum Gewinn der Meisterschaft. Wie wichtig das Grünwalder Stadion war, zeigt sich an der Heimbilanz der Saison 65/66. So konnten 11 Siege und 6 Unentschieden erzielt werden, bei keiner einzigen Niederlage. Das Bitterste für mich war, dass ich an der Meisterschaftsfeier am 28.05.66 nicht teilnehmen konnte, da ich zum 01.04.66 zum Wehrdienst einberufen worden war. Während der dreimonatigen Grundausbildung war es uns untersagt, den unmittelbaren Kreis des Standortes Ansbach zu verlassen.

Pokalfinale und Europapokalhalbfinale als Highlights

Bei vielen Spielen war ich jedoch live dabei, immer in der Westkurve, direkt unter der Anzeigetafel. In der Regel beschränkte sich das Spieltagserlebnis aber tatsächlich auf den Besuch des Stadions. Als Lehrling verdiente ich damals 120 Mark im Monat, wovon dann auch noch Essensmarken, Monatsticket für Tram und Bus sowie eben die Eintrittskarten gekauft werden mussten. Viel blieb da nicht übrig, obwohl ich damals natürlich noch zuhause in der Tegernseer Landstraße wohnte. Ausflüge wie zum Pokalfinale 1964 oder zum Entscheidungsspiel im Europapokal-Halbfinale gegen Turin in Zürich waren absolute Ausnahmen und Höhepunkte.

Wer während der Saison einen Teil der Löwenmannschaft privat erleben wollte, ging in die Zwickmühle, eine Kneipe an der Barer/Ecke Theresienstraße. Hier traf man unsere Idole fast immer an und konnte so manches Gespräch führen. Das waren halt noch Zeiten!

Livetalk mit Blick zurück

Auch in der dritten Ausgabe des sechzger.de Livetalks haben wir einen Blick zurück in die Vergangenheit gewagt und mit Zeitzeugen gesprochen. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung im Bamboleo findet Ihr auf unserem YouTube-Channel.

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