Heute vor 60 Jahren wurde der TSV 1860 München durch ein 1:1 gegen den Hamburger SV Deutscher Meister. sechzger.de hat einige Zeitzeugen gebeten, ihre Erinnerungen an diesen besonderen Tag und diese unvergessliche Spielzeit in der Historie der Löwen niederzuschreiben. Im ersten Teil berichtet Euch Wolfgang Mittermair, wie er die Meistersaison erlebte.

Zeitzeuge Wolfgang Mittermair erinnert sich

Zum diesjährigen Meisterjubiläum ist für jüngere Fans vielleicht besonders spannend, wie klein der Kader damals war: Die Löwen wurden mit nur 15 Spielern Deutscher Meister. Aus heutiger Sicht ist das kaum vorstellbar. Heute sprechen wir von breiten Kadern, Belastungssteuerung, Rotation und fünf möglichen Auswechslungen. Damals war Fußball deutlich einfacher organisiert – und zugleich viel härter.

Keine Auswechslungen im Punktspiel

Was viele vielleicht gar nicht wissen: Bei Punktspielen durfte damals nicht ausgewechselt werden. Ganz egal, ob ein Spieler verletzt war oder einen schlechten Tag erwischt hatte. Wer auf dem Platz stand, musste weiterspielen. Diese Regel wurde erst zur Saison 1967/68 geändert, zunächst allerdings nur für den Fall einer Verletzung. Das führte später nicht selten dazu, dass Verletzungen auch einmal vorgetäuscht wurden.

Für die Spieler bedeutete das: durchbeißen, auch wenn es weh tat. Für die Mannschaft bedeutete es: improvisieren, umstellen, zusammenhalten. Genau solche Umstände machen die Leistungen der damaligen Löwen aus heutiger Sicht noch beeindruckender.

Rudi Steiner verletzt – und trotzdem weiter dabei

Ein Beispiel dafür ist das Pokalfinale 1964 gegen Eintracht Frankfurt. Verteidiger Rudi Steiner war am rechten Oberschenkel schmerzhaft verletzt, musste aber weiterspielen, weil eben nicht gewechselt werden durfte.

Die Folge war eine Notlösung auf dem Platz: Steiner rückte nach links außen, während der eigentliche Linksaußen Fredi Heiß auf die Position des linken Verteidigers ging. Im Grunde spielten die Löwen in dieser Phase fast nur noch mit zehn Mann – und mussten trotzdem bestehen.

Als Radi einen Ausflug machte

Auch aus dem letzten Oberliga-Jahr 1963 ist mir eine Szene besonders in Erinnerung geblieben. In München lagen die Löwen gegen Borussia Dortmund mit 0:1 zurück. Torhüter Radi machte einen Ausflug über das halbe Spielfeld – und prompt stand es 0:2 durch ein Tor des Dortmunders Wosab.

Trainer Max Merkel ging daraufhin hinter Radis Tor. Gelobt hat er ihn dort wohl eher nicht. Eine Coaching-Zone gab es damals schließlich auch noch nicht.

Doch die Löwen zeigten Moral. Aus dem 0:2 machten sie noch ein 3:2. Diese Mannschaft konnte Rückschläge wegstecken, weil sie zusammenhielt und nie aufgab. Ob so etwas heute noch gelingen würde? Man darf zumindest schmunzelnd darüber nachdenken.

Begegnung mit Rudi Brunnenmeier

Ich habe auch noch ein Foto, das wir Jahre später persönlich von Rudi Brunnenmeier bekommen haben. Es entstand im Zusammenhang mit einem Treffen im Donisl am Marienplatz, zu dem Karl-Heinz Wildmoser eingeladen hatte.

Laut Rudi Brunnenmeier mussten die Anwesenden ihre Rechnung allerdings selber zahlen. Auch das passt irgendwie zu Sechzig: große Namen, große Geschichten – und am Ende bleibt immer noch eine kleine Pointe.

Eine andere Zeit, derselbe Verein

Wenn man heute auf diese Erinnerungen blickt, wird deutlich, wie sehr sich der Fußball verändert hat. Die Kader sind größer, die Regeln andere, das Umfeld professioneller. Aber die Geschichten von damals erzählen etwas, das bis heute gültig ist: Sechzig war nie nur ein Verein für die glatten Wege.

Die Löwen mussten improvisieren, kämpfen, einstecken und wieder aufstehen. Genau darin liegt ein großer Teil ihrer Geschichte – und vielleicht auch ihrer Faszination.

Einmal Löwe, immer Löwe!

Livetalk mit Blick zurück

Auch in der dritten Ausgabe des sechzger.de Livetalks haben wir einen Blick zurück in die Vergangenheit gewagt und mit Zeitzeugen gesprochen. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung im Bamboleo findet Ihr auf unserem YouTube-Channel.

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2 Comments
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Urloewe

Heute in der SZ im Münchner Teil sehr schöner Zeitzeugenbericht über den heutigen Tag vor 60 Jahren.
Sogar mit dem Witz vom Briefträger und vom Brunnenmeier

Roloe

Schade, dass der Artikel aufgrund der aktuellen Ereignisse etwas untergeht. Dank jedenfalls an den Zeitzeugen für seinen Bericht.