DFB-Pokal, Sechzig gegen Eintracht. Unsereins denkt da vermutlich zuerst an das grandiose 5:1 (Tore: Winkler 3, Rydlewicz, Stevic; Okocha) im September 1995, die älteren Semester erinnern sich jedoch natürlich unweigerlich ans Pokalfinale 1964, als unsere Löwen zum zweiten und bisher letzten Mal den Cup an die Grünwalder Straße holten. Unter den zigtausend Löwenfans, die sich damals auf den Weg ins Neckarstadion machten, war auch der Vater unseres Autors Stefan Kranzberg, der uns (und Euch) an seinen Erinnerungen teilhaben lässt. Viel Spaß!

Bereits am frühen Morgen des 13.06.1964 fuhren wir von München aus mit dem Auto nach Stuttgart. Wir, das waren ich (damals gerade 18 geworden), ein Arbeitskollege und zwei ältere Männer, mit denen wir schon des Öfteren auf einer Wiese an der Naupliastraße in Obergiesing Fußball gespielt hatten. Es war schon ein riesiges Erlebnis, wie viele Löwenfans mit ihren Fahrzeugen Richtung Schwaben unterwegs waren, um 1860 zu unterstützen. Der große Favorit war ja die Eintracht, zumal wir uns im Halbfinale beim 4:1 nach Verlängerung gegen Altona sehr schwer getan hatten.

Wir hatten eine große Sechzgerfahne dabei, die wir auch mit auf den Stuttgarter Fernsehturm nahmen. Für uns war das natürlich etwas ganz Besonderes, zumal es damals in München den Olympiaturm noch gar nicht gab. Aufgrund der Fahne wurden wir von vielen Besuchern jedoch nur belächelt, aber wie heißt es so schön: Wer zuletzt lacht, lacht am Besten.

Als wir im Stadion ankamen, war es bereits brütend heiß. Spielbeginn war um 16 Uhr, die Hitze war schier unerträglich und keiner von uns wollte mit den Spielern auf dem Platz tauschen. Trotzdem entwickelte sich ein spannendes Spiel mit vielen Tormöglichkeiten. Als Kohlars in der 43. Minute das 1:0 für die Löwen erzielte, war der Jubel natürlich riesengroß, denn schon vorher waren wir uns einig, dass die Mannschaft gewinnen würde, die zuerst trifft.

In der zweiten Halbzeit musste dann (wenn ich mich nicht täusche) Berti Kraus verletzungsbedingt raus und damals durfte ja noch nicht gewechselt werden. Diese Hitze und nun auch noch Unterzahl… Die Eintracht machte mächtig Druck auf unser Tor, doch die Löwen machten ihrem Namen alle Ehre und kämpften bis zum Umfallen. Umso größer war die Erleichterung als Rudi Brunnenmeier in der 63. Minute das 2:0 für 1860 erzielte und der Jubel kannte keine Grenzen. Uns war klar: Das lassen sich die Löwen nicht mehr nehmen!

Frankfurt gab sich zwar noch nicht geschlagen, doch trotz Unterzahl brachte Sechzig dieses Ergebnis souverän über die Zeit und sicherte sich den DFB-Pokal. Als Kapitän Rudi Brunnenmeier den Pokal überreicht bekam, floss nicht nur auf dem Platz die ein oder andere Freudenträne. Wie wir heute wissen, standen uns damals goldene Jahre bevor: Europapokalfinale und Meisterschaft sollten folgen. Damals jedoch genossen wir den Moment und die Heimfahrt war wie ein weiß-blaues Meer, da alle ihre Fahnen aus den Autos hängen ließen.

Autoren: HJF & Stefan Kranzberg

 

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[…] Vor 56 Jahren sah die Welt noch anders aus. Da brauchte es keinen Pep Guardiola, keinen Kevin de Bruyne und keinen Ferran Torres, um Angst und Schrecken zu verbreiten – damals reichten noch die Münchner Löwen! So gingen die Portugiesen mit gehörig Respekt ins Hinspiel der 2. Runde des Europapokals der Pokalsieger gegen den deutschen Titelträger. […]

[…] Das erste Mal. Als kleiner Bub an Vaters Hand. Mein Dad ist ein Blauer, war in den Sechzger Jahren bei den großen Triumphen dabei, fuhr des Öfteren auch auswärts mit und hat viel mit den Löwen mitgemacht. Als ich anfing, mich […]

[…] vor dem diesjährigen Cupspiel gegen die Eintracht ausführlich gewidmet. Unter anderem mit einem lesenswerten Zeitzeugenbericht von damals. Klickt Euch da gerne nochmal […]