Freunde, war ich nervös gestern vor dem Spiel! Im Rennen um den Aufstieg war gestern ein Sieg Pflicht. Im Kampf um Platz 4 (direkte Qualifikation für den DFB-Pokal) wären Punkte kein unbedingtes Muss, aber doch eine schöne Beruhigung gewesen. Und wir wissen es ja alle: solche Tage gehen bei unserem geliebten TSV 1860 München mal gerne mal komplett in die Hose. Umso froher bin ich, dass gestern ALLES von A-Z gut gegangen ist und wir uns am Gesamtkunstwerk 1860 erfreuen konnten.

„Das Gefühl, wenn vor einem Spiel langsam die Nervosität im Körper aufsteigt“

Los ging es gegen Mittag. Der Alltagskram ist erledigt und das Kribbeln vor dem Spiel beginnt. Ich tausche mich mit meinem Freunden vor dem Spiel aus. Einer schreibt „Ich mag das Gefühl, wenn vor einem Fußballspiel langsam die Nervosität im Körper aufsteigt.“ Mag ich eigentlich auch. Dazu noch 1-2 Pre-Match Bierchen und für einen frühen Samstagnachmittag befindet man sich in einer perfekten Gefühlswelt. Aber gestern war es nicht dieses normale Kribbeln bei mir, sondern ein ziemlich nervöses. Gegen Türkgücü haben wir es schon zwei Mal versucht in dieser Saison und beide Male haben wir uns sehr schwer getan. Im Ligaspiel sprang immerhin ein Unentschieden raus, im Totopokal setzte es eine knappe, aber verdiente Niederlage. Außerdem geht es für Türkgücü ja nicht mehr um viel in dieser Saison und ich hatte den Eindruck, dass den Löwen in die Suppe zu spucken, das letzte Saisonziel des Vereins aus Neuperlach sein könnte. Der dringend benötigte Sieg gegen Türkgücü würde schwere Arbeit werden, das war mir klar.

Abreise aus Giesing

So etwa eine Stunde vor Anpfiff erreichten mich die ersten Bilder und Videos aus Giesing. Der Mannschaftsbus fährt am Stadion vorbei und den Candid Berg hinunter. Die Straßen sind gesäumt von Löwenfans, die singen und der Mannschaft mit Rauchtöpfen und Bengalos Mut machen für dieses so wichtige Spiel. Nicht ganz legal, aber großartig anzusehen und ein tolles Zeichen, dass wir Fans auch in diesen nicht einfachen Zeiten voll hinter dieser tollen Mannschaft stehen.

Die Ankunft im Olympiapark

Es kursieren weitere Bilder. Auf dem Olympiaberg sieht man einige blaugewandete Menschen, hinter den Zäunen von Münchens zugigstem Stadion erspäht man blaue Supporter. Während des Spiels bilde ich mir ein, Wechselgesänge zu hören. Bisher habe ich auch nichts von Ausschreitungen oder Räumungen durch die Polizei gehört. Die Löwenfans haben sich also ganz gut benommen.

Das Spiel oder besser diese Mannschaft

Diese Mannschaft ist eine der sympathischsten Truppen von der Grünwalder Straße, an die ich mich erinnern kann. Man merkt einfach, dass da eine Einheit am Werke ist, die nicht nur die Elf der Startaufstellung umfasst, sondern ein Kollektiv von ca. 25 Mann, die am selben Strang ziehen. Fabian Greilinger gibt auf einmal den Linksverteidiger. Merveille Biankadi rennt wie ein Wahnsinniger (das ist positiv gemeint, Merv! Bitte google nicht die medizinische Bedeutung von Wahnsinn, die kenne ich!), ist immer anspielbar, spielt uneigennützige Pässe zu seinen Mitspielern. Marius Willsch, mehr Rechtaußen als rechter Mann in der Viererkette. Dafür lässt sich Spielmacher Richy Neudecker nach hinten fallen, um abzusichern, wenn Willsch über den Flügel nach vorne eilt. Semi Belkahia, abgezockt wie Mittdreißiger. Der Junge ist erst 22 Jahre alt und schießt dann noch das entscheidende 2:0! Ich könnte jetzt noch lange über dieses von Michael Köllner entwickelte Gesamtkunstwerk 1860 auf dem Platz schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.

Die Löwen haben es mal wieder spannend gemacht

Nur kurz zum Spielverlauf, Ihr habt es ja wahrscheinlich eh alle gesehen. Eigentlich muss der TSV 1860 München in der ersten Hälfte schon mit zwei oder gar drei Toren in Führung liegen. Sascha Mölders hatte zwei Großchancen, Richy Neudecker einen knallharten Fernschuss und Stefan Lex hätte aus spitzem Winkel auch mal wieder treffen können. Das 0:0 zur Pause war schmeichelhaft für die Gastgeber, obwohl diese die ersten 15 Minuten durchaus überlegen waren.

Türkgücü kam wieder stärker aus der Kabine. Aber in der 59. Minute war es dann Richy Neudecker, der mit einem perfekt platzierten Schuss von der Strafraumlinie das erlösende 1:0 markierte. Die Szene vor dem Tor vereinte alles, was 1860 in dieser Saison ausmacht: ein feiner Angriff über Belkahia und Biankadi, die den Ball gefährlich auf Mölders in den Strafraum bringen. Dieser verliert den Ball zunächst. Aber die Löwen setzen mit vereinten Kräften nach, erobern den Ball zurück und dann zieht Neudecker einfach eiskalt ab und versenkt ihn. Tolle kollektive Leistung!

Und direkt danach die einzige Großchance von Türkgücü durch den Ex-Löwen Sebastian Maier. Aber Marco Hiller ist zur Stelle und sorgt dafür, dass 1860 in Führung bleibt. In der 83. Minute bleibt es dann Semi Belkahia vorbehalten, per Abstauber nach einem Mölders-Schuss den Deckel drauf zu machen.

Natürlich haben es sich die Löwen mal wieder etwas schwieriger gemacht als es nötig gewesen wäre. Aber wenn dem nicht so wäre, wären es ja auch nicht unsere Löwen.

Nach dem Spiel geht’s dann erst richtig los

In Blickpunkt Sport äußert Sascha Mölders auf seine unnachahmliche Art seine Meinung zu Türkgücü und deren Ambitionen, wir berichteten bereits. Dann richtete Coach Michi Köllner in der Pressekonferenz sehr warme Worte an die Anhängerschaft und bedankte sich für den Support bei der Abreise aus Giesing vor dem Spiel. Und sechzger.de eröffnete den virtuellen Grünspitz, um den Löwenfans wenigstens ein virtuelles Zuprosten auf diesen Sieg und den weiteren Fortgang der Jagdsaison zu ermöglichen. Zugebenermaßen ist es natürlich nicht ansatzweise so cool, wie „in Echt“ zusammen auf die Löwen anzustoßen. Aber die Resonanz hat uns sehr erfreut. Löwen von Hamburg über Luzern bis New Jersey stießen gemeinsam auf das Gesamtkunstwerk 1860 an. Es macht mich so stolz, ein Teil dieses Gesamtkunstwerks zu sein, das wir alle sind!

Und weil wir schon bei Kunst und künstlerischen Ausdrucksformen sind, lasse ich jetzt Töne und Bilder sprechen, bevor ich meinen Veitstanz anlässlich des 12. Zu-Null-Spiels von Marco Hiller in dieser Saison auf meinem Wohnzimmerparkett zelebriere!

Nothing’s gonna stop the Gesamtkunstwerk 1860 on the road to Gelsenkirchen!

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weiterhin gut spielen und positiv bleiben, löwen!