Heute Morgen berichteten drei Gründungsmitglieder der Sektion Frauenfußball im ersten Teil unseres Interviews über den Re-Start der Sparte und auch Teil 2 ist äußerst lesenswert und aufschlussreich. Viel Spaß beim Lesen!

Sechzger.de: Bestehen denn auch Bestrebungen, Teams im Juniorinnenbereich aufzubauen?

Hannah Conrad: Wir hatten schon viele Anfragen von Müttern und Vätern, die ihre Töchter bei uns anmelden wollen. Leider können wir das noch nicht anbieten, da wir ja noch ganz am Anfang stehen.

Vroni Seemann: Wir wollen aber definitiv, dass der Bereich Frauenfußball bei Sechzig etabliert wird. Wir wollen erreichen, dass man beim Thema Frauenfußball in München sofort an die Löwen denkt. Auch im Verein wollen wir Frauenfußball als festen Bestandteil etablieren. Von Breitensport bis Leistungssport, von Kindern über Jugendliche bis zu  Erwachsenen. Es ist uns klar, dass das alles ein langer Weg sein wird. Aber das sind die Ziele, die wir uns gesteckt haben.

Silke Dehling: Wir bauen gerade das Fundament…

Vroni Seemann: …und dann schauen wir mal, wie groß das Haus wird, das wir da draufstellen können. Wir haben auf alle Fälle gemerkt, dass Bedarf da ist.

Sechzger.de: Die kleinen Schritte am Anfang sind wahrscheinlich die schwersten.

Vroni Seemann: Man muss sagen, der Verein ist echt super. Wir hatten die Sparte gerade offiziell gegründet und eine Stunde später war Frauenfußball auf dem Mitgliedsantrag, die E-Mail Adresse war innerhalb eines Tages eingerichtet. Das sind nur Kleinigkeiten, aber das hilft ungemein. Da merkt man halt, dass ein professionell geführter Verein dahintersteht, der uns unterstützt.

Hannah Conrad: Wir können auf bestehende Strukturen zurückgreifen, die es schon gibt. Aktuell haben wir mit der Organisation der Mannschaft schon so viel zu tun, dass wir drei uns fast täglich treffen. Da sind wir froh, dass wir diese kleinen Sachen nicht selbst machen müssen. Für uns ist das ja auch alles Neuland, aber der Verein hat bei jeder Frage ein offenes Ohr für uns.

Vroni Seemann: Dass wir auf den Ausrüster zurückgreifen können, ist für uns natürlich toll. Wir bekommen von denen ein Bestellformular und können bestellen. Das ist einfach super.

Sechzger.de: 11Teamsports rüstet Euch mit aus?

Vroni Seemann: Ja genau. Die haben auch mit dem e.V. einen Kooperationsvertrag und da können wir zu bestimmten Konditionen die Sachen, die wir brauchen, bestellen. Es ist für uns ja wichtig, auch nach Außen zu zeigen: Wir sind Sechzig! Da freuen wir uns natürlich, dass wir in den gleichen Klamotten auflaufen können wie die Herren.

Sechzger.de: Spielt Ihr dann in grün-gold, oder in weiß blau?

Silke Dehling: Wenn‘s nach mir geht, nehmen wir die türkisen Trikots.

Vroni Seemann: Ja die sind total schön.

Silke Dehling: Jetzt haben wir aber nur die Trainingsoutfits bestellt.

Vroni Seemann: Ja, wir haben eine Startförderung der „Unternehmer für Sechzig“ bekommen, dank der wir das komplette Team ausstatten können. Das verstärkt natürlich das Wir-Gefühl und gibt uns ein professionelleres Auftreten. Es hat was, wenn wir in den gleichen Klamotten trainieren wie die Profis oder die Jugend im NLZ.

Sechzger.de: Man kann also sagen, dass Ihr voller Stolz den Löwen auf dem Trikot tragt und für den TSV spielt?

Alle drei gleichzeitig: Ja, absolut.

Vroni Seemann: Das hat auch die Motivation innerhalb der Mannschaft noch weiter gesteigert. Die Mädels gehen jetzt teilweise extra joggen oder treffen sich am Wochenende zum Kicken und so weiter. Es ist wirklich unfassbar, was bei uns für eine tolle Stimmung herrscht und wie motiviert jede einzelne Spielerin ist.

Sechzger.de: Wie ist denn die Altersstruktur im Team?

Hannah Conrad: Die Jüngste ist 19.

Vroni Seemann: Die Älteste ist 36.

Silke Dehling: Der Schnitt liegt irgendwo Mitte zwanzig.

Vroni Seemann: Wie beim Leistungsniveau – von allem was dabei.

Sechzger.de: Es gibt ja unverständlicherweise immer noch Männer, die fußballspielenden Frauen eher ablehnend gegenüberstehen und dann Machosprüche raushauen. Wie geht ihr damit um?

Vroni Seemann: Seitdem die Pressemitteilung rauskam, gab es mir gegenüber keinen einzigen solchen Spruch mehr.

Hannah Conrad: Davor gabs das vereinzelt.

Vroni Seemann: Wir sind alle drei langjährige Stadiongängerinnen. Wenn wir auf solche Sprüche irgendetwas geben würden, hätten wir das alles gar nicht angefangen.

Hannah Conrad: Da gibts halt dann einen blöden Spruch zurück.

Vroni Seemann: Oder man überhörts einfach. Aber wie gesagt: Seit der Veröffentlichung kam gar nichts mehr. Ganz im Gegenteil. Auf einmal wollen alle unsere Physios, Betreuer, Getränkeholer, Scouts und was weiß ich nicht noch alles sein.

Sechzger.de: Die Reaktionen auf die Gründung der Sparte waren ja fast überall positiv. Nach dem Motto: Toll, endlich gibt es das wieder.

Hannah Conrad: Das Feedback ist so unwahrscheinlich toll, das bringt uns allen auch wieder eine Steigerung der Motivation. Einzige Ausnahme war ein Blog, der meint, dass wir den Profis Gelder für Spieler wegnehmen. Das entbehrt jeder Grundlage. Wir finanzieren alles selbst über unsere Mitgliedsbeiträge und die Hilfe von Sponsoren wie „Unternehmer für Sechzig“.

Silke Dehling: Ich war überrascht vom Inhalt des Artikel bei dem anderen Blog. Offenbar konnte der Autor nicht einmal die Pressemitteilung richtig lesen, denn in seinem Bericht war ja ich die Trainerin. Das stand aber nie zur Debatte. Im Bericht sind viele Fakten durcheinander gebracht worden. In den Kommentaren war ich plötzlich ein Ultramitglied einer Vereinigung, der ich nie angehörte. Wenn man über uns Artikel schreibt, dann sollen sie schon richtig recherchiert sein. Da sind mir Eure Artikel schon deutlich lieber.

Sechzger.de: Es kam ja dann auch nichts mehr von dieser Seite außer dem angesprochenen Artikel, wo zwischen den Zeilen quasi behauptet wird, die Gründung der Damenmannschaft hätte die Verpflichtung eines Spieler für die KGaA verhindert. Seither ist es dort still um Euch, oder?

Hannah Conrad: Das ist ja genau das Traurige. Da wird versucht, auf unserem Rücken Stimmung zu machen. Außerdem ist bekannt, dass sich jede Sparte im Verein selbst tragen muss. Wir suchen unsere Sponsoren selbst und nehmen niemandem Geld weg. Immerhin wurden diese Behauptungen von keinem anderen Medium aufgenommen. Stattdessen hatten wir einen sehr langen Videocall mit einer Journalistin von der Süddeutschen, die sehr interessiert war. Wenn alles wahrheitsgemäß geschrieben wird, dann freuen wir uns über jeden Bericht der über uns kommt. Wir hatten inzwischen auch schon Anfragen von anderen seriösen Medien, z.B. vom Bayerischen Rundfunk und vom Magazin 11FREUNDE.

Sechzger.de: Hannah hat Sponsorengespräche erwähnt. Habt ihr schon Sponsoren?

Vroni Seemann: Wir haben die Förderung der „Unternehmer für Sechzig“ bekommen und sind mit weiteren Sponsoren im Gespräch.

Hannah Conrad: Viele kamen tatsächlich von sich aus auf uns zu.

Vroni Seemann: Wir sind in guten Gesprächen, bald wird es erste Verträge geben. Wir sind für jede Unterstützung durch Sponsoren offen. Es kostet ja schon ein wenig Geld, wenn man das alles halbwegs vernünftig aufziehen möchte. Ich habe am Anfang ganz schön gestaunt, wie hoch die Kosten für das Equipment insgesamt sind. Man braucht 30 Bälle, Pylonen, Leiberl, dieses, jenes usw. Das läppert sich dann zusammen.

Sechzger.de: Es gab ja bis 1982 schon einmal eine Damenmannschaft beim TSV. Habt Ihr da Kontakte oder gibt es den Plan, sich mal mit den damaligen Spielerinnen auszutauschen, wie es damals so war für Sechzig auf Torejagd zugehen?

Vroni Seemann: Ja, da gibt es tatsächlich Kontakt und wir wollen uns auf alle Fälle mit so vielen ehemaligen Spielerinnen wie möglich treffen, um uns über diese Zeit zu informieren, Momentan haben wir erstmal mit uns selbst so viel zu tun, dass noch einige Zeit ins Land gehen wird, bis das umgesetzt werden kann. Demnächst wird es in der Vereinszeitung einen Aufruf an ehemalige Spielerinnen geben, sich bei uns zu melden.

Sechzger.de: Zum Abschluss noch eine Frage. Ihr seid ja alle auch Fans der ersten Mannschaft und geht ins Stadion. Wenn die Profis das entscheidende Spiel um den Aufstieg haben und ihr zeitgleich ein Ligaspiel hättet, was macht Ihr?

Silke Dehling: Wir verlegen unser Spiel. Normalerweise ist das im Amateurbereich kein Problem. Wenn es ein normales Ligaspiel der Profis wäre, geht natürlich das eigene Team vor, also die Frauenmannschaft. In diesem speziellen Fall würden wir versuchen, zu verlegen. Das würde, denke ich, auch jeder Gegner verstehen und uns keine Steine in den Weg legen.

Sechzger.de: Vielen Dank für das ausführliche Interview. Wir werden euren Weg gespannt verfolgen, und wünschen Euch den größtmöglichen Erfolg bei diesem spannenden Projekt.

Vroni Seemann: Danke für Euer Interesse!

Das Interview führten Bernd Winninger und Mane Forster.

 

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Das Foto, macht fuer mich, einen tollen, harmonischen Eindruck!!
Liebe Loewinnen, ich wuensche mir, am Sonntag ein gutes Spiel von euch,
am besten mit einem Sieg!! Ich halte dafuer fest beide Daumen!!

Einfach toll wie ihr euch reinkniet. Mich habt ihr auf alle Fälle als treuen Fan. Vielleicht werde ich dank euch wieder Vereinsmitglied. Auf 1n Neues Löwinen! Das Löwenherz habt ihr schon!

[…] Hier klicken für Teil 2 des Interviews; dort geht es u.a. um den Aufbau von Mädchenmannschaften, Sponsoring, die Teamstruktur und Vorurteile! […]