Durch den Sieg gegen Energie Cottbus am Samstag Nachmittag haben unsere Löwen in dieser Saison nun 18 Punkte aus 13 Spielen errungen und belegen derzeit Tabellenplatz 13. Die vorsaisonal sehr intensiv gehegten Aufstiegsträume schienen – nach ergebnistechnisch eigentlich zufriedenstellendem Saisonstart – durch einen düsteren Herbst mit vier Niederlagen in fünf sieglosen Spielen in Serie schon frühzeitig wieder ausgeträumt. Die aktuelle Platzierung inklusive des erneuten Rückschlags bei Waldhof Mannheim am letzten Wochenende im Oktober verbieten eigentlich, das A-Wort im Zusammenhang mit 1860 derzeit überhaupt in den Mund zu nehmen. Und dennoch lohnt sich zu diesem Thema – speziell für Freunde von Fußballstatistiken – ein Blick in die Geschichte der 3. Liga.

Wir haben mal nachgeschaut: Wie oft landete ein Team, das nach 13 Spieltagen erst 18 oder weniger Punkte auf dem Konto hatte, noch in den Top-3 der Liga und stieg – gegebenenfalls über die Relegationsspiele – im folgenden Frühsommer in die 2. Bundesliga auf?

Rückblick auf 17 Spielzeiten

Im Jahr 2009 wurde die eingleisige Drittklassigkeit im deutschen Fußball eingeführt. Wir befinden uns derzeit also in der 18. Saison in diesem Format. Und können demnach 17 Spielzeiten zum Vergleich heranziehen. Vorneweg: Insgesamt neunmal hatten die am Saisonende jeweils auf den ersten drei Plätzen liegenden Teams nach 13 absolvierten Spielen mehr, teilweise deutlich mehr als 18 Punkte eingefahren. Achtmal aber auch weniger. Und vereinzelt auch deutlich weniger. Und dass sich in 17 Relegationen zwischen Liga zwei und drei zwölfmal der unterklassige Verein durchsetzte, ist in diesem Zusammenhang auch keine schlechte Nachricht.

2012/13: Aufstieg des KSC mit Kauczinski

Gleich die ersten vier Drittligaspielzeiten machen wenig Hoffnung. Mindestens 19, im Einführungsjahr der 3. Liga sogar 23 Zähler hatten die späteren Aufsteiger nach gut einem Drittel der Saison bereits auf dem Konto. Doch dann kam die Saison 2012/13. Ein gewisser Markus Kauczinski führte den Karlsruher SC – ein Jahr nach dem bitteren Abstieg in zwei Relegationspielen ohne Niederlage gegen Jahn Regensburg – als souveränen Drittligameister mit satten 79 Punkten zurück in die 2. Bundesliga. Nach 13 absolvierten Spielen hatten die Badener mit mageren 16 Punkten noch die untere Tabellenhälfte des Tableaus angeführt. Zum Ende der Hinrunde belegte man dann bereits Platz fünf. Nach 24 Spielen erklomm der KSC damals erstmals in der Saison die Tabellenspitze, die ab Runde 28 dann auch nicht mehr abgegeben wurde. Allerdings war hierfür eine unfassbar starke Rückrunde mit nur zwei Niederlagen und drei Unentschieden nötig. Mach’s nochmal, Markus!

Würzburg: Aufstieg nach 15 Punkten aus 13 Spielen

Zwei Jahre später lag Holstein Kiel mit 17 Punkten nach 13 Spielen auf dem 11. Tabellenplatz und schob sich im letzten Drittel der Saison auf den direkten Aufstiegsplatz zwei – um letztlich dann doch “nur” als Dritter über die Ziellinie zu gehen. Und was kam dann? Wir erinnern uns gut: In einer denkwürdigen Relegationsschlacht in der Allianz Arena scheiterten die Störche in letzter Sekunde am TSV 1860 und blieben – erstmal – in Liga drei.
Nur 15 Punkte und damit in dieser Betrachtung die zweitwenigsten nach 13 Spieltagen hatten die Kickers aus Würzburg im Herbst 2015 auf dem Konto. An einen Zweitligaaufstieg dachte am Dallenberg beim erst in jenem Sommer aus der Regionalliga Bayern aufgestiegenen Team von Trainer Bernd Hollerbach keiner. Erst fünf Runden vor Saisonende sprangen die Kickers auf den dritten Tabellenplatz, den sie dann auch nicht mehr hergaben und sich in der Relegation mit zwei Siegen souverän gegen den MSV Duisburg durchsetzten.

Regensburg 2017: Aufstieg gegen die Löwen

Ein weiteres Jahr später war es – und daran erinnern wir Löwen uns nur zu gut – ebenfalls ein Drittliganeuling, der sich in der Relegation durchsetzte und in die 2. Bundesliga aufstieg. Gegen 1860. Nach 13 Spielen hatte Jahn Regensburg in der Saison 16/17 exakt so viele Punkte auf dem Konto, wie unsere Löwen zum heutigen Zeitpunkt.
Und auch im Folgejahr sprang ein Team das nach 13 Spielen erst magere 16 Zähler eingesammelt hatte – nämlich wieder mal der KSC – am Ende noch auf den Relegationsplatz. Zum vierten Mal in Serie reichten also 18 oder sogar weniger Punkte für einen Platz unter den ersten drei. Für den Aufstieg langte es 2018 dann aber nicht. In der Relegation scheiterten die Karlsruher an Erzgebirge Aue und verblieben trotz starker Rückrunde in der 3. Liga.

2020 schon wieder Würzburg

Drei weitere Aufsteiger, die nach einem absolvierten Drittel der Saison noch deutlich unter der 20-Punkte-Marke lagen, können hier aufgezählt werden: Erneut die Würzburger Kickers, die in der seltsamen, weil zwischenzeitlich wegen der Coronapandemie unterbrochenen Saison 2019/20 als Zweitplatzierte (hinter den nicht aufstiegsberechtigten Seitenstraßlern) den ersten Aufsteiger stellten. Nach 13 Spielen hatten sie lediglich 16 Punkte auf dem Konto gehabt. Genauso viele, wie erst vor zwei Jahren Liganeuling Preußen Münster, die sich erst im letzten Saisonviertel auf den zweiten Platz schlichen und zusammen mit dem SSV Ulm als Aufsteiger durch die 3. Liga durchmarschierten.

Ein Punkt pro Spiel in 13 Spielen – am Ende Zweiter

Die niedrigste Punktzahl nach 13 Spielen, die ein gutes halbes Jahr später dann soweit aufgestockt worden war, um zum Aufstieg zu führen, ist allerdings noch ein Jahr früher vorzufinden. Und zwar in Osnabrück. Nur noch einen Platz vor den Abstiegsrängen lag der VfL Ende Oktober 2022. Nach einer (allerdings unfassbar unverdienten) 0:2-Heimpleite gegen Michael Köllners Löwen und einem 1:4 in Elversberg. In den bis dahin absolvierten 13 Spielen hatte man durchschnittlich nur je einen Zähler geholt. Die Abstiegsangst ging um an der Bremer Brücke. Dabei hatte man schon Ende August reagiert und Tobias Schweinsteiger als Hoffnungsträger auf die Trainerbank geholt. Der Trainereffekt (sofern es diesen überhaupt gibt) setzte dann erst zwei Monate nah Schweinsteigers Antritt ein. Dafür umso deutlicher. Bis zum Frühling 2023 waren die Lilaweißen in die Top-6 der Tabelle geklettert, schoben sich am vorletzten Spieltag auf den (wegen der auf Platz zwei liegenden Zweitvertretung des SC Freiburg) zum direkten Aufstieg berechtigenden dritten Rang und verteidigten diesen in einem Herzschlagfinale mit zwei Treffern in der Nachspielzeit nur aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber Wehen Wiesbaden, die dadurch in die – allerdings dann auch erfolgreiche – Relegation mussten.

Nachmachen, Löwen! Und optimistisch bleiben.

Fazit: Unsere Löwen haben uns in den letzten Wochen sehr klar aufgezeigt, dass die Euphorie, die vor der Saison – nicht nur, aber auch in unserer Redaktion – herrschte, vielleicht ein wenig übertrieben und vor allem verfrüht daherkam. Diese Spielzeit war, ist und wird kein Selbstläufer. Allerdings hat die Geschichte der letzten siebzehn Jahre – wie hier an ganz konkreten Beispielen und mit Zahlen unterfüttert vorgeführt – bewiesen, dass Ende Oktober oder Anfang November auch noch keine Zeit zum Trübsal blasen ist. Noch ist nichts entschieden in Sachen Aufstieg. Abgerechnet wird im Mai. Und wir bleiben optimistisch!

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Titelbild: Aufstiegsparty in Giesing. Auch diese Saison noch möglich. Die Geschichte beweist es.

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Aymen1860

Super interessanter Artikel. Danke 🙂

age

Ich träume davon in nächsten Spiel drei Punkte zu holen.

Und ich bleibe dabei, auch nach einem Trainerwechsel, Systemwechsel, Spielerverpflichtung XY, einen oder mehr erfolgreichen Spielen, und was weiß ich, das Wort Au… schon jetzt wieder in den Mund zu nehmen!

Kann man nicht mal ein bisschen auf dem Boden bleiben und auf die Zielgerade im Frühjahr 2026 warten?

Panthera-Leo

Warum gleich so dünnhäutig, wenn jemand sachlich dazu Stellung nimmt? “age” hat doch Recht.

Das macht grundsätzlich keinen Sinn, egal zu welchem Zeitpunkt.

Denn solche Vergleiche haben keinerlei Aussagekraft, da die Ligen und Teams jedes Jahr anders besetzt und völlig unterschiedlich stark waren bzw. sind.

Eine reine Zahlenspielerei, ohne dass davon etwas für die aktuelle Saison und insbesondere unsere Lage auch nur halbwegs seriös abgeleitet werden könnte.

1860ZELL

Jeder wird es akzeptieren, dass du kein Interesse für Statistiken bzw. Periodenvergleiche hast. Die Auswertung von Christian besagt für mich, dass es für 60 keinen Grund gibt die laufende Saison abzuschenken, sondern sich auf das nächste Spiel zu konzentrieren, um drei Punkte zu realisieren. Als Fan ist das doch eine erfreuliche Perspektive. Daraus abzuleiten, dass 60 noch aufsteigen wird, wäre sicherlich verfehlt.

_Flin_

Absolut. Wärs 6 Spieltage vor Schluss und wir hätten 5 Punkte Rückstand auf Platz 3, wären alle hochgradig optimistisch.

Momentan kann man nur eins sagen: Die Saison ist noch lang, und es kann noch alles passieren. Nach oben wie nach unten.

Last edited 5 Monate zuvor by _Flin_
Panthera-Leo

Ich beziehe meine Perspektiven aus der Leistung der Mannschaft und des Trainers der letzten Spiele, dazu die Situation der Ausfälle sowie die Formkurve der kommenden Gegner.

Das sind m.E. unter Anderem die relevanten Parameter für die aktuelle Situation.

Die Vorsaisons kann man aus den geschilderten Gründen nicht miteinander vergleichen bzw. seriöse Rückschlüsse daraus ziehen.

Für mich heißt das, dass wir die Saison natürlich nicht aufgeben brauchen, wir sollten aber aktuell noch dringender nach unten schauen, bis wir uns endlich gefangen haben und hoffentlich eine Siegesserie starten können.

_Flin_

Vielen Dank für diese historische Einordnung der aktuellen Situation. Ich mag solche Zahlenspielereien ja immer sehr gern.

Gerade diese Saison ist eine eher unübliche Saison, selbst für die normalerweise ausgeglichene 3.Liga. Der Blick auf den Tabellenplatz führt nämlich ein wenig in die Irre. Zum einen befinden wir uns mit dem 13.Platz gerade punktetechnisch fast genau im Mittelfeld. Zum Relegationsplatz sind es 5 Punkte, zum Abstiegsplatz sind es vier. In den letzten 3 Spielen (seit dem Antritt von Kauczinski) sind hier klare Fortschritte erzielt worden. Betrug der Abstand zum Relegationsplatz doch 7 Punkte und auf die Abstiegsränge nur 2 Punkte.

Diese Situation ergibt sich aus einerseits aus zwei außergewöhnlich schwachen Vereinen am Tabellenende. Andererseits dem Fehlen von ein oder zwei klaren Ausreißern an der Spitze der Tabelle. Und der außergewöhnlich hohen Dichte des Mittelfelds.

Sieht man sich die letzten 10 Saisons an, ist unser Abstand von 5 Punkten auf Platz 3 der drittniedrigste Abstand eines Platz 13 zu Platz 3. Nur in den Saisons 21/22 und 16/17 war dieser Abstand mit 4 bzw. 3 Punkten geringer. Üblich sind hier 6-8 Punkte, der größte Abstand betrug 13 Punkte in der Saison 17/18.

5 Punkte sind also ein sehr geringer Abstand. Die Erfahrung zeigt, dass einen Punkt pro Spiel aufzuholen bei guten bis sehr guten Leistungen im Rahmen des Erwartbaren liegen. Insofern sind 5 Punkte durchaus auf Tuchfühlung zur Spitze. Auch wenn das Tuch ruhig etwas dünner sein könnte. Die Messe ist jedenfalls noch nicht gelesen, und die Tabellenspitze ist näher, als es auf den ersten Blick scheint.