Die Diskussion um die Zukunft des Grünwalder Stadions nimmt mal wieder Fahrt auf, eine Machbarkeitsstudie wurde beauftragt und auf sechzger.de wird bereits diskutiert, welche Bestandteile des bisherigen Stadions unbedingt erhalten werden müssen. Auch unser Leser Stefan hat sich in seinem Gastbeitrag Gedanken darüber gemacht, wie es am Standort Giesing weitergehen kann.
Gastbeitrag: Wie geht’s weiter am Standort Giesing?
Wo stehen wir jetzt? Wir haben ein ziemlich geiles, uriges, etwas ranzliges Stadien mit vielen Macken und Besonderheiten. Und wir haben eine Stadionkommission, die nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hat, um herauszufinden, wie wir unsere geile, alte Hütte aufs “next level” heben können.
Dabei wird uns nicht alles erhalten bleiben, was uns lieb und teuer ist. Manches werden wir voraussichtlich auch nicht mehr wiedererkennen.
Beim letzten Stammtisch der Freunde des Sechzgerstadions wurden Infos verteilt, gemäß derer die Machbarkeitsstudie wohl die technische Machbarkeit nachweisen, aber im Gegensatz zur 2021er-Studie keine Pläne vorlegen.
Wenn man dieser Aussage Glauben schenken darf, dann ist es also jetzt zu früh, um für den Erhalt von Anzeigentafel, Westkurve oder Flutlichtmasten auf die Barrikaden zu gehen. Das folgt dann im übernächsten Schritt, wenn es nach der Machbarkeit und der Finanzierung an die konkrete Planung geht.
Was kann die Einbeziehung von Fans bewirken?
Spätestens dann wird uns das Thema mit voller Wucht erwischen. Aber es ist richtig, im Vorfeld schon abzuklopfen, welches Detail denn nun welche Priorität hat. Und es ist auch notwendig, entsprechende Duftmarken zu setzen, damit diese Prio später in der Planung nicht übergangen wird.
Als Beispiele dafür, was man erreichen kann, wenn sich die Fans auf die Hinterbeine stellen, seien erwähnt:
- Die Fans in Freiburg haben es geschafft, dass der Stehplatzbereich nicht durch Ober- und Unterrang getrennt wird, sondern dass sie eine durchgehende Tribüne haben.
- Die Fans von Rapid Wien haben es geschafft, dass die Zugänge zu ihrer Westkurve nur neben und unter dem Block sind. So haben sie eine durchgehende Tribüne ohne “Mundlöcher” geschaffen, die vor allem bei Choreos richtig geil wirkt.
Jede Tribüne mit eigener Geschichte
Bei unserem Stadion würde ich ganz gern ausholen: Dieser Platz wird seit 1906 bespielt. Anfänglich mit einem kleinen Lattenzaun außenrum, wurde später ein erstes Haupttribünen-Zündholzschachterl gebaut. Aus dem Schutt des Weltkriegs entstand eine Westkurve, die jetzige Gegengerade wurde nach einem Sturm 1977 errichtet. Und die jetzige Ostkurve wiederum entsprang 2013 einem Planungsmurks.
Jede Tribüne, jedes Detail im Stadion hat seine Geschichte und ist Geschichte. Aber auch jede Geschichte hat eine andere Geschichte ersetzt und so ist das Stadion für sich auch lebende Geschichte. Das Stadion ist aber nicht nur Geschichte, sondern auch Sinnbild für den Wandel, der an diesem Ort stattgefunden hat – und auch ein wenig für Vergänglichkeit.
Ich stelle mir oft die Frage, was ich an diesem Stadion am liebsten habe. Für mich ist es diese “lebendige Geschichte”, dieses Nebenherleben verschiedener Generationen. Und dass jede Generation seit 120 Jahren ihren eigenen Charme ins Stadion getragen hat.

Welche Details sollen erhalten bleiben?
Für mich persönlich wäre es ein Graus, wenn genau an dieser Stelle stattdessen ein seelenloser Wellblechbau errichtet würde, der genauso auch in Wiesbaden, Chemnitz oder Mainz stehen kann. Gleichzeitig ist mir jedoch absolut klar, dass sich viele existenzgebende Merkmale nicht erhalten lassen werden.
Ich kann mir vorstellen, dass wir von jeder Stadiongeneration ein ehrenes Detail erhalten können. Spontan kommt mir in den Sinn:
- Die Reliefs hinter der Ostkurve
- Das oktogonale Mundaugenende des Spielertunnels auf der Haupttribüne
- Die Anzeigentafel – welche unbedingt durch eine “echte” Anzeigentafeln ergänzt werden muss
- Bei der Gegengerade kann ich mir vorstellen, dass es einen optisch abgegrenzten Bereich gibt, an welchem die Sitzschalen der unterschiedlichen Epochen verbleiben
Was wird aus der Westkurve?
Wie stehe ich zur Westkurve? Mir wurde die Frage noch nicht beantwortet, ob wir uns weiterhin im 2010 proklamierten “Bauen im Bestand” befinden, oder ob wir mittlerweile von einem Neubau sprechen. Wenn es ein Stadionumbau ist, dann werden wir um den Erhalt der alten Westkurve nicht herumkommen, zumal sie technisch mit den dortigen Gegebenheiten ja nicht schlecht gelöst ist. Wenn es zum Neubau kommt, sehe ich eigentlich die bereits genannten Möglichkeiten wie “tiefer legen” oder ähnliches gar nicht. Das gibt die Hanglage einfach nicht her.
Auch kann ich mir hier noch nicht vorstellen, wie das Tribünendach nach hinten abgefangen werden soll, ohne irgendwie den Berg abzutragen. Wobei ich die Notwendigkeit, das Dach nach hinten abzufangen, absolut sehe. Gerade im Hinblick auch, dass die Kurve selbst wegen Choreos stützenfrei sein muss und die Sichtachse auf Spielfeld immer frei sein soll.
Flutlichtmasten: ja oder nein?
Wie stehe ich zu den Flutlichtmasten? Wir diskutieren am Candidplatz aktuell über ein aktuell sinnfreies Bauprojekt, das der “Blickfang des Viertels” werden soll. Aber sind wir uns doch ehrlich: Wenn man von Sendling aus über die Isar fährt, dann kann es hier überhaupt keinen anderen Blickfang als unsere Flutlichtmasten geben. Allerdings müssen wir uns auch die Frage stellen: Brauchen wir die Flutlichtmasten noch? Hansa Rostock hat eine Unmenge Geld ausgegeben, um ihre Masten zu erhalten, ohne dass sie diese noch brauchen. Ich würde unsere auch gerne erhalten, gerade weil ich den Prio-Blick nicht an dieses Candidprojekt verlieren will. Und weil man eben von weitem sehen muss: Da vorne, da steht unser Sechzgerstadion.
Aber wenn wir schließlich vor der Frage stehen, ob uns die Flutlichtmasten für 1.000 zusätzliche Plätze im Weg sind oder ob uns der Erhalt so viel Geld kostet, dass es den Rahmen sprengt, dann spring auch ich über den Schatten und sage: Dann lieber weg damit. Vor allem, weil sie seit 2013 sowieso hässlich sind.
Was kann weg? Wenn wir irgendwann mal in der Situation sind, dass Fans (wie bei Union Berlin geschehen) selbst den Presslufthammer ansetzen, dann reiße ich zuallererst den überflüssigen Polizeicontainer in der Ostkurve ab. Den braucht kein Mensch.

Erbpachtlösung als Chance zur Selbstbestimmung
Ich finde es wichtig, dass wir vorausschauend planen und unsere Duftmarken setzen. Sollte es zur Erbpachtlösung kommen und wir diese auch finanzieren können, dann haben wir viel mehr Spielraum, das Stadion so zu gestalten wie wir es wollen. Dann wird der Spielertunnel innen grafisch zur Löwenhöhle und die Umläufe unter Westkurve und Gegengerade sind nicht mehr grau und grün, sondern endlich blau und voll mit schönen Graffitis. Das alles darf 1860 bislang ja nicht, weil man derartige Änderungen bisher bei der Stadt anfragen und anschließend abwarten muss, ob die “anderen Mieter” sich dadurch brüskiert fühlen könnten. Mei bin i froh, wenn die Seitenstraßler endlich draußen sind und nicht mehr mitschnabeln können.
Trotzdem gibt es Maßnahmen, die auch jetzt schon umgesetzt werden können. Über den Zaun vor der Gegengerade diskutieren wir ja jetzt schon seit Jahren. Aus irgendeinem Grund wird dieser – trotz mehrfacher Zusicherung – einfach nicht abgebaut.
Weniger Barrieren, mehr Stimmung
Viel mehr nerven mich aber die Zäune innerhalb der Westkurve zwischen den Blöcken F1/F2/G/H/J. Ich weiß um die entsprechenden Vorschriften aus der Bauordnung. Aber ich weiß auch, dass es in gemeinsamer Abstimmung zwischen Sicherheitsbehörden und Stadionbetreiber möglich ist, auf diese Abtrennungen zu verzichten. So wie es beispielsweise alle anderen Profivereine Bayerns auch handhaben. Nur bei uns ist es nicht möglich. Dabei würde der Verzicht auf diese Zäune so dermaßen viel an der Stimmung verbessern.
Als Dauergast in F2 bemerke ich regelmäßig, dass die Stimmung einfach nicht durch den Zaun aus Block G rüberkommt. Wäre dieser Zaun nur noch hüfthoch, würde automatisch der Nachbar wieder animiert mitzumachen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich dieses Themas mal jemand annehmen würde, befürchte jedoch eine ähnliche Hängepartie wie beim Zaun vor der Gegengerade.
Werbebanden vielseitiger nutzen
Ein anderes Thema, das Sechzig eigentlich selbst lösen könnte: Ist es denn nicht möglich, beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung diese auch auf der LED-Werbebande anzuzeigen? Das sollte doch technisch kein Problem sein, oder? Genauso wünsche ich mir, dass auf der Werbebande in einem Feld ständig Spielzeit und Spielstand angezeigt werden.
Ich meine: Es wird ständig gefordert, dass wir eine “zeitgemäße Anzeigentafel” brauchen, um Sponsoren zu befriedigen. Dann haben wir eine sponsorenbefriedigende Werbebande, warum sollen wir sie nicht auch als Anzeigentafel nutzen?
Gastbeiträge werden durch Leser von sechzger.de verfasst und spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung einzelner Redakteure bzw. der gesamten Redaktion wider.






































