Den Auf- bzw. Rückenwind aus dem Sieg gegen Duisburg wollte man mitnehmen. Emotion und Kampfeswillen wollte man konservieren. Mit großer Vorfreude auf von Neu-Trainer Markus Kauczinski wachgeküsste Löwen ging man als Löwenfan in das Wochenende und hoffte auf eine ähnliche Leistung gegen den ungeliebten Waldhof. Doch eigentlich sollten wir es ja schon längst besser wissen, denn – bei 1860 muss man fast sagen – naturgemäß kam es anders. Es war über das ganze Spiel eher ein laues Lüftchen, das man mitgebracht hatte und der Rückfall in alte Muster war zeitweise eklatant. Ich versuche mich in diesen Giesinger Gedanken an einer Analyse der Situation aus Fansicht, die aber sicherlich mehr dem eigenen Frustabbau dient, als konkrete Lösungen zu präsentieren.
Es scheint zu klappen? Dann lehnen wir uns zurück
Wer die Anfangsphase des Spiels versäumt haben sollte, für den war der gestrige Kick sicher noch schwerer zu ertragen. Denn da begannen die Löwen tatsächlich couragiert und hatten das Spiel im Griff. Frühe Ballgewinne, zielstrebiges Spiel nach vorne, gekrönt vom schönen Treffer durch Max Christiansen. Die Offensivsituationen wurden nicht immer optimal ausgespielt und die Suche nach dem Abschluss dauerte oft zu lange, aber immerhin ging es in die richtige Richtung. Warum man dann ab Minute 20, spätestens aber nach dem mindestens ebenso sehenswerten Ausgleich das Spiel so aus der Hand gibt und den Mannheimern die Kontrolle überlässt ist mir nicht erklärlich.
Da scheint der unbedingte Sieges- und der Wille sich zu Quälen zu fehlen, der eigentlich die “Löwen-DNA” ausmachen sollte. Natürlich war der Gegner griffig und giftig, natürlich hätte man mindestens einen Elfmeter bekommen müssen, natürlich hatte man – insbesondere Sigurd Haugen – oft Pech beim finalen Zuspiel. So zurückschalten darf man aber in keinen Fall. Das, gelinde gesagt, “zurückhaltende” Abwehrverhalten des schon verwarnten Max Christiansen, eigentlich des gesamten Mittelfelds, spricht Bände und bringt mich zu meinem zweiten großen Problem.
Im Mittelfeld muss sich was ändern!
Platt gesagt, aber wenn ich es im genauesten Detail erörtern könnte, wäre ich Trainer und würde meine Gedanken nicht hier zum Besten geben. Das zentrale (defensive) Mittelfeld ist das Sorgenkind seit Beginn der Saison. Insbesondere die Kombination Jacobsen und Christiansen sorgt nicht für Freudensprünge bei Fußballfreunden, die es mit den Löwen halten. Eine Besserung war nach der Hereinnahme von Tunay Deniz gegen den MSV Duisburg zusehen. Warum man jetzt wieder den zwei Herren das Vertrauen schenkt, erschließt sich mir nicht. Insbesondere von Thore Jacobsen verlangt man meiner Ansicht nach Dinge, die er einfach nicht leisten kann. Kreatives Spiel nach vorne? Fehlanzeige. Rasches Ballverteilen um die defensiven Ketten des Gegners zu bewegen? Fehlanzeige. Und auch defensiv sind beide Akteure bisher nicht mit gutem Stellungsspiel und überzeugender Zweikampfführung aufgefallen.
Geht es nach mir, braucht es in der Schaltzentrale einen neuen Impuls, eine größere Umstellung. Warum nicht mal Philipp Maier als Zerstörer? Warum nicht dem hochveranlagten Samuel Althaus eine Chance geben, dem Spiel mit seiner Kreativität eine andere Richtung zu verleihen? Solange sich ein Florian Niederlechner im Mittelfeld aufreiben muss, weil er keine Bälle bekommt und Kevin Volland dort Löcher stopfen muss, weil das Stellungsspiel nicht passt, wird es wenig Besserung geben. Doch auch bei den zwei genannten Altstars ist nicht alles eitel Sonnenschein.
Volland und Niederlechner zusammen?
Oft habe ich mir die Frage gestellt, ob nicht einer der Rückkehrer auf einmal die die bessere Lösung für das Spiel der Löwen wäre. Auch in unserem Kommentarbereich kam dieses Problem mehrfach auf. Mittlerweile scheint für mich klar, dass das Duo (zumindest Momentan) nicht so funktioniert, dass es die Mannschaft nach vorne bringt. Niederlechners Geschwindigkeitsdefizite sind um einiges schlimmer als ich mir gedacht hatte und in der aktuellen Mannschaftsform geht er zu oft im Mittelfeld unter, als seine Stärken als Zielspieler ausnutzen zu können. Kevin Volland auf der anderen Seite passieren immer wieder technische Fehler, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Jetzt hat gestern auch der Trainer bestätigt, dass er noch nicht wieder bei 100% Prozent ist.
Gegen Mannheim wurden dann auch noch beide gleichzeitig ausgetauscht, gefühlt ein Novum in dieser Saison. Große Besserung brachte das aber leider auch nicht. Ich plädiere dafür, beide unabhängig voneinander einzusetzen. Volland von Beginn und Niederlechner als Joker gegen eine müde Hintermannschaft des Gegners? Klingt für mich gar nicht so schlecht. Einen erfahrenen Leitlöwen auf dem Platz scheint die Mannschaft zu brauchen, zwei sind vielleicht zu viel des Guten.
Fehlende Überzeugung, gepaart mit Ideenlosigkeit
Insbesondere zum Schluss war die Ratlosigkeit der Mannschaft gegenüber stark kämpfenden Kurpfälzern nicht mehr zu übersehen. Statt einer großen Druckphase zum Ende der Partie, musste man ständig hoffen vom Waldhof nicht noch eins zu bekommen. Warum man noch kurz und flach spielt, wenn der Trainer mit Reinthaler schon einen Innenverteidiger in der Offensive, einwechselt ist für mich unbegreiflich. Aber auch sonst fehlt mir in vielen Aktionen die letzte Überzeugung. Immer möchte man den Ball vor dem Tor noch einmal Aufspielen, viele Pässe geraten zu leicht oder man lässt sich im Zweikampf vom energischeren Gegner abkochen.
Insbesondere Sigurd Haugen wirkt mit dem Ball am Fuß, insbesondre auf dem Flügel, oft extrem unsicher was zu tun ist, je näher er dem Tor kommt. Dadurch häufen sich falsche Entscheidungen, die Großchancen zu Nichte machen. Sogar der eigentlich immer verlässliche Sean Dulic lässt sich mittlerweile davon anstecken, was für mich ein Alarmzeichen ist. Ich hoffe auf Markus Kauczinski. Darauf, dass er es schafft das Vertrauen der Spieler in ihre eigenen Fähigkeiten zu stärken und als Ideengeber zu fungieren, sodass auf dem Platz keine Ratlosigkeit mehr aufkommen kann.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf!
Trotz schlechter Leistungen auf dem Platz, sich anbahnenden Unruhen in der Fußballabteilung und großer Enttäuschung nach einer (viel zu euphorischen, aber ehrlich so gefühlten) Sommerpause weigere ich mich aber die Hoffnung aufzugeben. Wir Löwen machen zwar immer wieder dieselben Fehler, erleiden immer wieder die gleichen Enttäuschungen und haben oft hauptsächlich Frust, was das Sportliche angeht. Doch eine unbelehrbare Natur und starke Resilienz zeichnet uns aus! Also liebe Löwen, lasst euch nicht unterkriegen, vergesst Mannheim und freut euch auf Cottbus und habt vielen Dank, dass ihr euch meine Ergüsse bis hierhin angetan habt!