Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass der Zaun im Grünwalder Stadion vor der Stehhalle nicht erniedrigt oder gar abgebaut werden darf. Die Sichtbehinderungen für die ersten Reihen sowie die Rollstuhlfahrer bleiben daher weiterhin bestehen. Auf Anfrage von sechzger.de hat sich nun die Polizei München zu ihrer Entscheidung geäußert, den Zaun weiterhin beibehalten zu wollen.
Polizei München: Zaun vor der Stehhalle kann “typische Gefahren” abwehren
Über ein Monat ist bereits vergangen, seitdem die Abendzeitung darüber berichtete, dass der Zaun vor der Stehhalle im Grünwalder Stadion in der aktuellen Form beibehalten werden muss. Bürgermeisterin Verena Dietl hatte sich dafür eingesetzt, in dieser Hinsicht eine Verbesserung für den TSV 1860 München zu erreichen. Sie blieb dabei allerdings ohne Erfolg – die Sicherheitsbehörden machten ihren Planungen einen Strich durch die Rechnung. So musste Dietl gegenüber der AZ zugeben, dass der Zaun vor der Stehhalle bleiben wird. Sie wolle sich aber weiterhin dafür einsetzen möglicherweise doch eine positive Veränderung in dieser Hinsicht zu schaffen.
Viele Löwenfans fragten sich, wieso der Zaun den Sicherheitsbehörden ein solch wichtiges Anliegen ist. Schließlich trennt dieser nur den Zuschauerbereich vom Rasen, auf dem das Spiel stattfindet. sechzger.de fragte daher beim Kreisverwaltungsreferat sowie der Polizei München zum Thema Zaun vor der Stehhalle nach. Während die Redaktion vom KVR bislang nur eine Eingangsbestätigung erhielt, wurde die Anfrage intern bei der Polizei München mittlerweile von der zuständigen Stelle für Sporteinsätze beantwortet.
DFB schreibt bauliche Trennung von Zuschauerbereich und Spielfeld vor
Demnach diene der Zaun der Abwehr von “typische[n] Gefahren, welche im Rahmen von Fußballspielen auftreten“. In die Entscheidungsfindung zur Beurteilung der Fanlandschaft floss darüber hinaus nicht nur das laut Polizei unkooperative Verhalten der Anhänger beim Auswärtsspiel gegen die SpVgg Unterhaching mit ein. Auch das Übersteigen von Zäunen vor dem Heimspiel gegen Viktoria Köln im April wurde den Löwenfans angekreidet. Damals sorgte ein Ausfall der Lautsprecheranlage für eine Verzögerung von über einer Stunde. Bei sommerlichen Temperaturen unterstützten sich die Anhänger mit der Versorgung von Getränken aus dem Innenbereich des Grünwalder Stadions.
Bei der Frage, wieso die Polizei München weiterhin auf den Zaun besteht, obwohl dieser nicht mehr als zeitgemäß angesehen werden kann, verweisen die Sicherheitsbehörden auf die Richtlinien des DFB. Tatsächlich ist dort die Abtrennung der beiden angesprochenen Bereiche im Anhang IV: Regelwerk für Stadien und Sicherheit beschrieben. Dort heißt es im Artikel 31 Absatz 10:
Die Zuschauerplätze müssen vom Stadion-Innenraum durch mindestens 2,20
m hohe Abschrankungen abgetrennt sein.
Eine Ausnahme findet sich allerdings direkt einen Absatz später. Sofern im mit den zuständigen Behörden abgestimmten Sicherheitskonzept ausreichend nachgewiesen wird, dass eine entsprechend hohe Abschrankung nicht erforderlich ist, kann diese auch niedriger ausfallen oder möglicherweise sogar entfallen. Entsprechende Zäune wie im Grünwalder Stadion finden sich im deutschen Profifußball nur äußerst selten. Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus, dass eine Verbesserung der Situation erreicht werden kann.
Fragen und Antworten im Überblick
Welche Gefahren können aus Ihrer Sicht mit dem Zaun vor der Stehhalle abgewehrt werden?
Durch die Beibehaltung des Zaunes in der jetzigen Höhe vor der Nordtribüne können typische Gefahren, welche im Rahmen von Fußballspielen auftreten, abgewehrt werden. Hier möchten wir zum Beispiel das Phänomen der Spielfeldstürmung nennen. Des Weiteren konnte in der vergangenen Spielzeit bei Teilen der Fanszene ein nicht unbedenkliches strafrechtlich relevantes, gefahrenverursachendes Verhalten festgestellt werden. Dies zeigte sich zum Beispiel im Rahmen der Begegnung des TSV 1860 München gegen Viktoria Köln, wo bereits im Außenbereich Zäune und Zaunanlagen überstiegen wurden.
Wieso bestehen Sie weiterhin auf den Zaun, obwohl eine solche Installation in den Stadien deutscher Profifußball-Vereine nicht mehr zeitgemäß ist?
Diesbezüglich möchten wir Sie auf die Richtlinien des DFB verweisen. Dort werden die Vorgaben zu einer baulichen Trennung zwischen Zuschauerbereich und Innenbereich (Spielfeld) geregelt.
Seit 2017 hat der TSV 1860 München weit über 100 Heimspiele in Giesing durchgeführt. Dabei verhielten sich die Anhänger größtenteils vorbildlich, auch in Ausnahmesituationen wie beispielsweise einem Stromausfall oder dem Ausfall der Lautsprecheranlage. Welche Anhaltspunkte ziehen Sie für ihre Bewertung der Entwicklung des Verhaltens in der Anhängerschaft heran?
Wie bereits bei der Frage zur Gefahrenabwehr zeigten Teile der Fanszene in der Vergangenheit ein strafrechtlich relevantes, gefahrenverursachendes und unkooperatives Verhalten.
Im Artikel der Abendzeitung wird auch beschrieben, dass das Verhalten der Fans des TSV 1860 beim zurückliegenden Auswärtsspiel in Unterhaching mit in die Bewertung eingeflossen ist. Durch die szenekundigen Beamten dürfte die Polizei das Wissen besitzen, dass das angesprochene Verhalten in Unterhaching von Fans ausging, die bei Heimspielen des TSV 1860 München größtenteils in der Westkurve anzutreffen sind. Wieso fließt diese Situation bei einem Auswärtsspiel in Unterhaching in die Beurteilung der Lage bei der Stehhalle und somit in einem anderen Stadionbereich im Grünwalder Stadion mit ein?
Durch die Polizei findet eine Nachbereitung aller relevanten Fußballspiele statt. Aus diesem Grund fanden auch die Vorkommnisse in Unterhaching Einfluss in der Lagebeurteilung. Jedoch sind diese Erkenntnisse nur ein Teil der Lagebewertung gewesen, welche zu der polizeilichen Einschätzung der Beibehaltung des Zaunes führten.