Oliver Mueller ist also nicht mehr Geschäftsführer des TSV 1860 München. Bitter genug, dass sich die Löwen bereits nach sieben Monaten gezwungen sahen, das Geschäftsverhältnis mit einem leitenden Angestellten, von dem man sich Vieles erhofft hatte, bereits wieder beenden zu müssen. Es wird gute Gründe gegeben haben, das Image des TSV 1860 leidet aber in erster Linie nicht unter dieser Trennung, sondern vor allem unter der Art und Weise, wie diese kommuniziert bzw. nicht kommuniziert wurde. Ein Kommentar der Redaktion.
Reloaded: What the fuck is this now?
Vor gar nicht allzu langer Zeit schrieb ein sechzger.de Redakteur seine Giesinger Gedanken unter dem Titel What the fuck is this now? nieder. Damals bezog er sich vor allem auf die sportliche Situation, jetzt könnte man dieses Zitat von Ismaik-Statthalter Andrew Livingston auch bestens auf die Gesamtsituation an der Grünwalder Straße 114 anwenden.
Der TSV 1860 München zeigt sich in diesen Tagen leider von einer Seite, die man nie mehr sehen wollte. Die jüngste Beurlaubung von Geschäftsführer Oliver Mueller ist ein weiteres Beispiel dafür, wie schlecht sich die Löwen immer wieder in der Öffentlichkeit präsentieren. Was auf den ersten Blick wie eine nüchterne Personalentscheidung wirken mag, entpuppt sich als Desaster in der Außendarstellung – für Verein und KGaA.
Ungewohnte Zurückhaltung der Medien
Wie kann es sein, dass vermutlich alle Pressevertreter – sei es nun seriöse Tageszeitung, Boulevard oder diverse Blogs – bereits seit Ende letzter Woche vom Zerwürfnis mit Oliver Mueller wissen und es weder KGaA noch e.V. bis Donnerstagmittag geschafft haben, eine entsprechende Pressemitteilung zur Thematik zu veröffentlichen? Um es jedoch gleich klarzustellen: Diese Kritik richtet sich explizit nicht an die Pressestelle des TSV 1860, sondern ans Präsidium des Vereins und den Aufsichtsrat der KGaA!
Vermutlich scharrten spätestens seit Freitag alle Pressevertreter mit den Hufen, um ihre vorbereiteten Artikel zur Causa Mueller veröffentlichen zu können. Völlig ungewohnt preschte keiner voran, man wollte dem TSV 1860 die Möglichkeit geben, mit dieser unerfreulichen Nachricht zuerst an die Öffentlichkeit zu gehen.
Katastrophale Kommunikation seitens der Löwen
Erst am Mittwoch wagte die BILD den ersten Vorstoß und kündigte – zumindest ist das unser Wissensstand – dem TSV 1860 gegenüber die Veröffentlichung ihres Artikels für den Nachmittag an. Die Reaktion? Fehlanzeige.
Seitdem wird in den Medien und Kommentarspalten wild spekuliert, geschimpft, kritisiert, beleidigt und nach Schuldigen gesucht. Und warum? Weil die Kommunikation seitens des TSV 1860 katastrophal war und ist! Es stellt sich die Frage, wieso bei den Löwen in diesem Bereich nichts funktioniert, wie es bei professionellen Strukturen der Fall sein sollte.
Causa Mueller: Alleingang des Präsidiums?
Darüber hinaus drängt sich die Frage auf, wieso das Präsidium die Abberufung Muellers mutmaßlich im Alleingang entschieden hat, ohne dabei andere Gremien einzubeziehen oder zumindest zu konsultieren. Handelte das Führungsteam über die Köpfe des Beirats hinweg? Wenn ja, warum? Ein Verein wie 1860, der sich auf die Fahnen schreibt, professionell und zukunftsorientiert zu agieren, sollte in wichtigen Personalfragen mehr Transparenz und Rückhalt von allen Entscheidungsträgern zeigen.
Diese jüngste Episode um die Beurlaubung von Oliver Mueller erinnert stark an frühere Fehltritte und Missstände beim TSV 1860. Völlig zurecht wurden damals Funktionsträger für ihre Entscheidungen kritisiert und auch jetzt ist Kritik angebracht – völlig unabhängig davon, ob man die generelle Ausrichtung des Vereins nun unterstützt oder nicht.
Es gibt keine Gewinner
Dass die beiden Geschäftsführer bei der HAM keinen leichten Stand haben, ist vermutlich kein großes Geheimnis. Fakt ist zudem, dass es mehrere öffentliche Attacken seitens HAM in Richtung Dr. Christian Werner und Oliver Mueller gab. Bei unserem Treffen im Hotel mit Hasan Ismaik wurde uns der Vertrag mit dem Geschäftsführer Finanzen unter die Nase gehalten und gesagt, man werde alles dafür tun, dass Mueller nicht Geschäftsführer der Löwen bleibt.
Nun ist es also tatsächlich so weit, wenn auch aus anderen Gründen, die sich auf fachlicher und menschlicher Ebene befinden sollen. Aber darf sich da nun jemand als Gewinner fühlen? Mitnichten. Es gibt nur Verlierer, vor allem den TSV 1860 München.
Das Image des TSV 1860 leidet einmal mehr
Es bleibt zu hoffen, dass Sechzig endlich die richtigen Lehren aus diesen Vorkommnissen zieht. Man braucht eine klare Strategie, wie man den TSV 1860 aus dieser Spirale der Fehlentscheidungen herausführt – und vor allem eine stärkere Einbeziehung aller Gremien und eine größere Transparenz in Entscheidungsprozessen. Nur so kann das Vertrauen der Fans zurückgewonnen werden.
Solange aber gegeneinander gearbeitet wird, Funktionsträgern Strafanzeigen angedroht werden, wichtige Personalentscheidungen wie die Beurlaubung von Oliver Mueller hinter verschlossenen Türen getroffen werden und die Kommunikation nach außen katastrophal bleibt, wird der TSV 1860 weiter das Image eines chaotischen Vereins pflegen – zur großen Frustration seiner Anhänger.