So mancher Zuschauer dürfte sich beim gestrigen 0:0 der Löwen gegen den SV Wehen-Wiesbaden verwundert die Augen gerieben haben. Der Name Niederlechner fehlte auf der Aufstellung der Hausherren. Trainer Markus Kauczinski erklärte dies im Interview damit, dass Haugen, Hobsch und Steinkötter momentan “die Nase vorne haben”. Einen vierten Stürmer auf der Bank brauche er nicht, so musste sich der Ur-Löwe Niederlechner mit einem Platz auf der Tribüne begnügen. Er erfüllte aber dennoch Selfie- und Autogramm-Wünsche der Fans – sicherlich unzufrieden mit der Situation, aber eben auch ganz der Team-Player.
Keine Rücksicht auf große Namen
Nach fünf Siegen in Serie nahm Kauczinski auch vor dem Duell mit dem Tabellennachbarn aus Hessen keine Rücksicht auf große Namen und nahm nur kleinere Änderungen in der Startelf vor. Für den gesperrten Jacobsen kam Dordan als einziger echter verbleibender Sechser zum Zug. Als sich Dordan nach einem ordentlichen Match verletzte, kam der 18-jährige Husic aufs Feld. Philipp kam zudem für Wolfram in die Partie und setzte gleich offensive Akzente. Als Haugen in der Spitze müde wurde durfte Steinkötter ran und hatte noch eine Gelegenheit zum Siegtreffer.
Verlaat und Hobsch müssen zuschauen
90 Minuten auf der Bank schmoren mussten die Routiniers und Leistungsträger Hobsch und Verlaat. Der nominelle Kapitän erntete Szenenapplaus aus der weiß-blauen Ostkurve, als er sich eine gute Viertelstunde vor Schluss zu den sich aufwärmenden Spielern begab. Eingewechselt wurde er aber genauso wenig wie Hobsch. Die aus Voet, Reinthaler und Fassmann bestehende Dreierkette machte ihre Sache, abgesehen von der einen oder anderen unnötigen Ecke, wieder einmal gut und spielte erneut zu Null. Zwei Gegentore aus den letzten sechs Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Und dann bleibt Kauczinski auch seiner Devise treu und erfahrene Spieler müssen sich hinten anstellen. Namen oder Alter spielen da keine Rolle.
Im Kampf um die Spitze zählen nur Ergebnisse
Auf große spielerische Akzente legt man im Kampf um die ersten drei Plätze im Lager des TSV 1860 München schon seit Wochen keinen Wert mehr. Die Ergebnisse müssen stimmen und das tun sie auch. Sechs Spiele, 16 Punkte. Das sagt alles. Solange es so weitergeht, werden sich die großen Namen weiter hinten anstellen müssen. Nachdem es am Samstag keine größeren Verletzungen oder Sperren gab, dürfte auch in Duisburg wenig Veränderung zu erwarten sein. Jacobsen wird wohl für Dordan ins Zentrum zurückkehren. Ansonsten wären Wechsel zwischen Rittmüller und Lippmann, sowie Wolfram und Philipp denkbar. Der Rest des Teams dürfte auch an der Wedau gesetzt sein.
Rotation in Regensburg?
Das Pokalspiel beim SSV Jahn Regensburg könnte man bei den Löwen möglicherweise nutzen, um Spielern Einsatzzeit zu geben, die zuletzt nur in der zweiten Reihe standen. Im Toto-Pokal-Halbfinale geht es zwar um den Finaleinzug. Den DFB-Pokal wollen die Sechzger aber ohnehin über die Liga erreichen. Platz vier ist dafür nötig und der ist absolut in Schlagdistanz. Gut möglich also, dass Kauczinski diese Partie Ende März nutzt, um einigen Kickern die Gelegenheit zu geben, sich zu zeigen und für die Startelf in der Liga zu empfehlen.
Extra-Belohnung fürs Zähne zusammenbeißen
Sicherlich fällt es Spielern wie Verlaat, Niederlechner und Hobsch momentan nicht immer leicht, sich mit ihrer Reservisten-Rolle abzufinden. Doch sie werden sich auch weiterhin in den Dienst der Mannschaft zu stellen, im Training Vollgas zu geben um dann da zu sein, “wenn ein Fenster aufgeht”, wie es der Löwen-Trainer so gerne nennt. Steht dann am Ende der Saison einer der ersten drei Plätze zu Buche – was nach wie vor möglich ist – dann ist sicherlich auch der Ärger über die wenige Spielzeit verfolgen und die Routiniers dürfen sich eine Extra-Ehrenrunde mit den Fans gönnen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und so heißt es weiter Zähne zusammenbeißen – auch auf der Bank oder der Tribüne.
——————————————————————————————————
Die Giesinger Gedanken erscheinen regelmäßig als Kommentar und sind die persönliche Meinung eines Mitglieds unserer Redaktion oder eines Gastautors. Sie spiegeln nicht grundsätzlich die Meinung der gesamten Redaktion wider.















