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“Darf man?” Gastbeitrag von Löwenfan Tobi

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Unser Leser Tobi hat nach den aufwühlenden Ereignissen der vergangenen Tage rund umden TSV 1860 seine Gedanken und Gefühle niedergeschrieben und möchte sie auf diesem Weg mit den sechzger.de Leser*innen teilen. Hier geht es mal nicht analytisch, rational und prosaisch um einen gekündigten Kooperationsvertrag, eine Insolvenz, eine Spielberechtigung für die Regionalliga oder organisatorische Zukunftsfragen, sondern – irgendwie poetisch – um ganz persönliche Emotionen. Und um die Frage, was man darf.

Große Hoffnung noch vor einem Jahr

Darf man?

Das fragt die leise Stimme in meinem Hinterkopf, die mir bei jedem zweiten Gedanken an diesem Abend in mein Ohr flüstert.

Es scheinen sich die Puzzlestücke zu fügen, die negativen Emotionen von gestern umgeschlagen zu sein. Es fühlt sich ganz anders an, als vor circa einem Jahr, als ich mir diese Frage gar nicht mehr gestellt habe. Ich war mir damals so sicher und voller Freude, dass es schlichtweg keine Möglichkeit mehr gab, als hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Ich würde gerne Hoffnung haben.

Aber darf man?

Wandeln zwischen Trauer und Jubel

Unser Verein hat den zweiten Zwangsabstieg innerhalb der letzten neun Jahre hinnehmen müssen.
Wir wandeln seit einer gefühlten Ewigkeit zwischen himmelhochjauchzend und zutiefst betrübt.
Aufstiegsfavorit. Volland und Niederlechner kommen zurück. Ismaik hat verkauft. 4. Platz, aber nächstes Jahr steigen wir ganz sicher auf. Michi Köllner ist der beste Trainer der Welt. Aufstieg mit Biero.
8. Platz trotz Aufstiegskader. Wer zur Hölle ist diese Holding und warum verkündet man sowas ohne, dass alles sicher ist? Wieder nicht aufgestiegen. Michi Köllner will den Papst treffen und muss gehen. Biero wird unter Tränen verabschiedet.

Ich habe mich so oft gefreut, die Welle der Euphorie geritten, nur um kurz darauf wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen.
Ich würde mich gerade so gerne freuen.

Aber darf man?

Ich habe es immer wieder geglaubt. Dass es diesmal anders wird. Dass es uns nicht schon wieder erwischt. Dass die Versprechen ausnahmsweise keine leeren Versprechen sind. Ich würde gerne daran glauben.

Aber darf man?

“Es sollte mich kalt lassen!”

Ich könnte wahrscheinlich noch ewig so weiter machen. Die meisten von euch wahrscheinlich auch. Es ist die Angst, denselben Fehler zum hundertsten Mal zu machen. Zum hundertsten Mal auf die heiße Herdplatte zu greifen und überrascht zu sein, dass man sich wieder die Finger verbrennt. Das Misstrauen gegenüber der Sache, die für uns ein zentraler Lebensinhalt ist.
Diesmal dürfte ich nicht wieder darauf reinfallen. Fool me once, shame on you. Fool me 100 times, what the *** am I still doing here?
Nach allen Maßstäben von Logik und Rationalität sollte es mich kalt lassen.

Es ist nicht wie vor einem Jahr. Es fühlt sich anders an.
Aber trotzdem habe ich ein Grinsen im Gesicht. Trotzdem habe ich Hoffnung. Trotzdem freue ich mich. Trotzdem glaube ich wieder daran, dass alles besser wird.
Weil ich nicht anders kann. Weil es nichts bringt präventiv enttäuscht zu sein. Weil Sechzig nicht nur irgend ein Investment ist. Weil dieser Funke nie erlischt. Und weil er immer wieder zum Feuer mutiert.

Aber darf man?
Ich glaube nicht.
Wir dürfen nicht.

Wir müssen.

 

06.06.1927: SV 1860 gewinnt das Pfingstturnier in Paris

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Historie TSV 1860 München Giesing vor 111 jahren

Denkt man heutzutage an Fußball in Frankreich, fällt einem wohl unweigerlich Paris Saint-Germain ein. Seit Jahren dominiert der durch und durch unsympathische Club aus der Seine-Metropole das Geschehen im Nachbarland und spielt auch auf internationaler Ebene eine große Rolle. Vor 99 Jahren war PSG noch lange nicht gegründet und der SV 1860 siegte beim internationalen Pfingstturnier in Paris.

Der SV 1860 beim Pfingstturnier in Paris

Im Halbfinale trafen die Löwen, die damals nach der reinlichen Scheidung als SV 1860 antraten, auf Cercle Athlétic Paris. Vor 6000 Zuschauern, die natürlich den Franzosen die Daumen drückten, sorgte Franz Piehler mit einem Doppelschlag (52., 55.) für den Sieg der Gäste aus München.

Nur einen Tag später, also genau heute vor 99 Jahren, stieg das Endspiel des Pfingstturniers im Stade de Paris. Diesmal trafen die Löwen auf den Gastgeber und Turnierveranstalter Red Star Paris.

Piehler sorgt für den Turniersieg

Bereits nach 14 Minuten brach sich Torhüter Max Kob das Schienbein und musste das Spielfeld verlassen. Für ihn übernahm Mittelfeldspieler Eugen Kling die Position zwischen den Pfosten – und hielt den Kasten sauber.

Immer wieder verzweifelte Red Star an der Defensive der Löwen und in der zweiten Hälfte gelang Piehler sogar das Tor des Tages. Somit siegte der SV 1860 beim Internationalen Pfingstturnier in Paris.

Die Aufstellung der Löwen

Trainer Max Breuning setzte am 06.06.1927 auf folgende Elf der Löwen.

Kob (14. Vogl) – Harlander, Kammerloher – Rechenmacher, Pledl, Kling – Stiglbauer, Hornauer, Piehler, Faubel, Gabler

Die statistischen Daten wurden einmal mehr dem Löwen Kompendium von Thorsten Ruinys entnommen.

Aufruf des TSV 1860 München e.V.: Wir sind der Verein!

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Tsv 1860 Wir Sind Der Verein

Seit Mittwochabend überschlagen sich die Ereignisse an der Grünwalder Straße 114, und auch zwei Tage später nimmt der Trubel nicht ab. Erst das Lizenz-Aus, dann die Kündigung des Kooperationsvertrags seitens des TSV München von 1860 e.V. Bereits kurz nach dem Lizenz-Aus steckten die Löwenfans am Abend in Giesing ihre Köpfe zusammen und überlegten voller Tatendrang, wie man dem Verein – unserem Verein (!) – helfen kann.

Nun ruft auch der TSV München von 1860 e.V. über seine Vereinskanäle Mitglieder, Fans, Förderer*innen, Sponsoren und Freunde dazu auf, in dieser turbulenten Zeit die Löwen mit Stolz nach außen zu tragen. Diesem Aufruf wollen wir uns anschließen.

Aufruf des TSV 1860 München e.V.: Wir sind der Verein!

Hier findet ihr den Aufruf des Vereins in voller Länge:

Aufruf: Wir sind der Verein!

Liebe Mitglieder, liebe Fans, liebe Förderer/innen, liebe Sponsoren und liebe Freundinnen und Freunde des TSV 1860 München,

unser Verein steht vor einer der größten Herausforderungen seiner jüngeren Geschichte. Die wirtschaftlichen Verwerfungen in der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA haben tiefe Spuren hinterlassen. Sie haben für Unsicherheit gesorgt, Fragen aufgeworfen und manchen Zweifel genährt. Doch eines haben sie nicht zerstört: unsere Gemeinschaft als Sechzger.

Wir als Präsidium versichern euch: Wir unternehmen mit voller Kraft, mit höchster Sorgfalt und mit großem Verantwortungsbewusstsein alle organisatorischen, rechtlichen und formalen Schritte, die notwendig sind, um einen sportlichen Neustart zu ermöglichen. Tag für Tag arbeiten viele Menschen daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der TSV 1860 München in Zukunft wieder auf einem stabilen Fundament steht.

Dabei geht es um so viel mehr als nur um Fußball bei 1860: Es geht um unsere Identität. Um unsere Geschichte. Es geht um die Menschen, die diesen Verein über Jahre und Jahrzehnte geprägt haben. Es geht um die Kinder und Jugendlichen, die hier ihre sportliche Heimat haben. Es geht um die vielen Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit für unseren Verein opfern, und um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Herzblut bei der Sache sind. Und um euch alle, die den Löwen im Herzen tragen.

Wir befinden uns in einem Befreiungskampf von den Lasten der Vergangenheit. Einem Kampf, der nicht auf dem Spielfeld, sondern durch Zusammenhalt, Solidarität und den festen Glauben an unsere gemeinsame Zukunft entschieden wird. Deshalb bitten wir euch um ein klares Zeichen: Zeigt eure Verbundenheit im Alltag. Sprecht über unseren Verein. Tragt unsere Farben mit Stolz. Unterstützt uns auf den Sportplätzen, bei Veranstaltungen und in eurem persönlichen Umfeld. Zeigt auf Social Media bewusst und sichtbar, dass ihr hinter dem TSV 1860 München steht. Teilt Beiträge, setzt Zeichen der Unterstützung, widersprecht Mutlosigkeit und verbreitet Zuversicht.

Jeder einzelne Beitrag zählt. Jedes aufmunternde Wort. Jede helfende Hand. Jede Unterstützung aus dem Sponsoring. Jede einzelne Mitgliedschaft. Deshalb richten wir uns auch an alle, die unseren Verein lieben, aber bisher noch kein Mitglied sind. Wer jetzt Mitglied wird, hilft ganz konkret. Jede Mitgliedschaft stärkt unseren Verein, gibt ihm Rückhalt und schafft mehr Planungssicherheit für die Nachwuchsausbildung. Darüber hinaus sendet sie ein starkes Signal: Wir stehen zusammen. Wir glauben an die Zukunft unserer Löwen. Mitglied? Ehrensache!

Den Mitgliedsantrag findet ihr hier zum DOWNLOAD

Die kommenden Wochen und Monate werden Einsatz, Geduld und Zusammenhalt erfordern. Aber wir sind hundertprozentig überzeugt: Wenn wir geschlossen auftreten, uns gegenseitig unterstützen und den Blick nach vorne richten, werden wir diesen Neustart für den TSV 1860 München schaffen. Lasst uns gemeinsam zeigen, wozu wir Löwen fähig sind!

Nicht die Vergangenheit bestimmt unsere Zukunft. Unsere Gemeinschaft bestimmt unsere Zukunft! Seite an Seite können wir diese Herausforderung meistern. Und eines Tages werden wir gemeinsam stolz auf das sein, was wir erreicht haben.

Gemeinsam! Solidarisch! Entschlossen! Wir sind der Verein!

Präsidium des TSV München von 1860 e.V.

Verwaltungsrat des TSV München von 1860 e.V.

KGaA vor dem Aus – sagt Ismaik bereits leise Servus?

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Die Ereignisse an der Grünwalder Straße überschlagen sich weiter. Nachdem wir heute Vormittag bereits die vielen Baustellen analysiert haben, die der e.V. nun für den Regionalliga-Start abarbeiten muss, liefert ein aktueller Bericht der Süddeutschen Zeitung neue Einblicke. Während die Löwenfans der taumelnden KGaA offenbar endgültig den finanziellen Stecker ziehen, lassen die neuesten Äußerungen von Hasan Ismaik aufhorchen – denn sie klingen weniger nach einem erbitterten Kampf als vielmehr nach einem resignierten Abschied.

Wie von uns heute Vormittag bereits beleuchtet, liegt das Spielrecht für die Regionalliga Bayern beim e.V. – die aktuelle Spielbetriebsgesellschaft (KGaA) hat damit faktisch ihren Zweck verloren. Nach Informationen der SZ-Journalisten Markus Schäflein und Philipp Schneider steht die Gesellschaft nun unmittelbar vor dem endgültigen Kollaps.

Pflichtschuldige Gegenwehr statt Kampfansage

Gegenüber der SZ hat sich Hasan Ismaik nun erstmals konkret zur fristlosen Kündigung des Kooperationsvertrags geäußert. Wer eine feurige Kriegserklärung erwartet hatte, sieht sich bei genauerem Hinsehen wohl getäuscht. Zwar ließ der Jordanier verlauten:

Wir unsererseits werden diesen Schritt sorgfältig und unter rechtlichen Gesichtspunkten prüfen und dabei alle unsere vertraglichen Rechte wahren.

Liest man jedoch zwischen den Zeilen, klingt das weniger nach einem Investor, der die Klingen kreuzen will, sondern vielmehr nach der pflichtschuldigen Ankündigung von Gegenwehr. Dass Ismaik eigentlich schon “Servus” sagt und sich mit dem Ende der Zusammenarbeit abgefunden hat, zeigt sein darauffolgender Satz. Es stimme ihn traurig, dass „eine fünfzehnjährige Reise zu Ende gegangen ist, ohne dass es uns allen gelungen ist, das Maß an Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen, das der Verein gebraucht hätte, um voranzukommen.“

Wirtschaftliche Logik: Warum Ismaik keinen Cent mehr investieren wird

Dass Ismaik die KGaA nicht mehr retten will, ist zudem eine rein rationale Entscheidung. Denn hier kommt die bittere juristische Realität für den Investor ins Spiel: Seine millionenschweren Gesellschafterdarlehen, mit denen er die KGaA über Jahre gestützt hat, sind im Falle einer Insolvenz gesetzlich nachrangig.

Das bedeutet: Sollte noch irgendeine verwertbare Insolvenzmasse vorhanden sein, werden daraus zuerst alle anderen Gläubiger bedient – vom Dauerkarten-Käufer über Sponsoren bis hin zu den Angestellten der Geschäftsstelle. Erst wenn alle diese Forderungen zu 100 Prozent beglichen wären (was utopisch ist), würde Ismaik überhaupt einen Cent sehen. Da die KGaA ohnehin ihren eigentlichen Geschäftszweck – den Profispielbetrieb – verloren hat, wäre jeder weitere Euro von HAM sprichwörtlich in den Gulli geworfen. Eine schnelle, schmerzhafte Abwicklung oder Insolvenz der Alt-Gesellschaft ist damit der einzig logische Schritt.

Fans schaffen Fakten: Massenhafte Rückgabe von Dauerkarten

Während Ismaik wehmütige Töne anschlägt, sorgen die Löwen-Fans auf der wirtschaftlichen Ebene für vollendete Tatsachen. Wie die SZ berichtet, geben die Anhänger derzeit scharenweise und hochgradig organisiert ihre bereits erworbenen Drittliga-Dauerkarten für die Saison 2026/27 zurück. Beziehungsweise fordern sie die bereits bezahlten Euro für die Saisonkarten von der KGaA. Dafür kursiert in den Fan-Netzwerken bereits ein formelles Musterschreiben, mit dem die Käufer aufgrund „der aktuellen Entwicklungen und des Entzugs der Drittliga-Lizenz“ den Rücktritt vom Kauf erklären und die Erstattung des Kaufpreises fordern.

Baustelle Ticketing & Finanzen: Der absolute Super-GAU für die KGaA

Diese organisierten Rückforderungen dürften für die alte KGaA nun endgültig den Todesstoß bedeuten. Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass das Ticketing komplett neu aufgerollt werden muss und auf die Mitarbeiter der Geschäftsstelle massive Mehrarbeit zukommt. Die massenhaften Ticket-Stornierungen verschärfen diese Liquiditätskrise nun dramatisch. Zusammen mit der Sonderkündigung von Hauptsponsor „Die Bayerische“ und den nötigen Rückstellungen für den anstehenden Gerichtsprozess gegen den freigestellten Ex-Geschäftsführer Oliver Mueller ist der finanzielle Druck auf die KGaA laut SZ schlicht nicht mehr tragbar.
Der Weg in die Insolvenz ist unausweichlich.

Nach Kündigung des Kooperationsvertrags: Woran 1860 jetzt arbeiten muss

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Gesellschafterversammlung bringt wenig Neues
Die Gebäude des TSV 1860 München an der Grünwalder Straße 114

Seit Mittwochabend überschlagen sich die Ereignisse an der Grünwalder Straße. Nachdem Hasan Ismaik entschied, die geforderten 2,7 Mio. € Liquiditätsnachweis nicht zu bringen, musste der TSV 1860 München in die Regionalliga Bayern absteigen. Gestern Abend platzte dann die nächste Bombe: das Präsidium des e.V. kündigte den Kooperationsvertrag, womit das Ende der Zusammenarbeit zwischen 1860 und Hasan Ismaik endgültig eingeläutet ist. Wir versuchen, Euch einen ersten Überblick zu geben, an welchen Baustellen 1860 nun arbeiten muss, um am 25.07. in der Regionalliga an den Start zu gehen.

Was führte zur Kündigung des Kooperationsvertrags?

Nochmal kurz zusammengefasst, wie es so weit kommen konnte: ursächlich für die aktuellen Entwicklungen ist eine nicht gegenfinanzierte Budgeterhöhung des Spieleretats in Höhe von 1,8 Mio. € für die Saison 25/26. Diese wurde im Mai 2025 durch HAM-Vertreter gegen die Stimmen der e.V.-Vertreter im Aufsichtsrat beschlossen. Im Februar noch hatte HAM-Aufsichtsratsmitglied Biel Ballester Relat bestätigt, dass „wir unseren Verpflichtungen als Darlehensgläubiger wie bisher auch weiterhin nachkommen werden“. Am 21.05. nahm das Unheil dann seinen Lauf, als HAM ohne Angabe von Gründen zwei Darlehen kündigte, wodurch die Liquitätslücke von 2,7 Mio. € entstand.

e.V. und Ismaik konnten sich dann bis zur Deadline nicht auf einen neuen Darlehensvertrag einigen, so dass keine Zahlung einging und der DFB den Löwen die Drittligalizenz entziehen musste. Es lagen zwei Verträge auf dem Tisch. Eine Variante des e.V., die HAM nicht unterschreiben wollte und eine von HAM, die die e.V.-Vertreter wegen Verstößen gegen 50+1 nicht unterzeichnen konnten. Für die KGaA wären beide Varianten OK gewesen. Gestern ließ Hasan Ismaik mit der Nachricht aufhorchen, dass er eine Insolvenz der KGaA nicht verhindern werde. Daraufhin kündigte der e.V. den Kooperationsvertrag mit HAM aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung. Dieser wichtige Grund liegt in der nicht erfolgten Bereitstellung der für die KGaA nötigen Finanzmittel, zu der sich HAM im Kooperationsvertrag verpflichtet hat.

Was sind die Folgen der Kündigung des Kooperationsvertrags?

Wir möchten vorausschicken, dass die Verträge zwischen HAM und dem e.V. rund um die KGaA sehr komplex sind und wir auch nicht alle Inhalte kennen. Dennoch versuchen wir nun in der Folge, Euch die wichtigsten Auswirkungen der Kündigung darzustellen:

  • Verlust des Vorkaufsrechts auf die Anteile von Hasan Ismaik. Da die Zeichen eh auf Insolvenz oder Liquidation der KGaA stehen, scheint das kein großer Verlust zu sein.
  • Ismaik kann die GF-GmbH bei einem Fallen von 50+1 nicht mehr für 25.000 € übernehmen.
  • Der e.V. ist berechtigt, Mannschaften in jeder Spielklasse antreten zu lassen.

Da der BFV dem TSV 1860 München e.V. bereits schriftlich mitgeteilt hat, dass er das Spielrecht in der Regionalliga Bayern dem e.V. zugeteilt hat, wird also in der Saison 26/27 eine Mannschaft des e.V. und nicht der KGaA an den Start gehen. Dadurch kann die KGaA ihrem wichtigsten Geschäftszweck, nämlich den Spielbetrieb wahrzunehmen, nicht mehr nachkommen. Dennoch ist die KGaA jetzt wie vielfach behauptet keine “leere Hülle”.

Was verbleibt nach aktuellem Stand trotz Kündigung des Kooperationsvertrags in der KGaA?

Die KGaA steht als juristische Person immer noch im Zentrum der wirtschaftlichen und rechtlichen Aktivitäten von 1860 für den Profispielbetrieb sowei die U21 und die U19. So hält die KGaA alle Spieler- bzw. Ausbildungsverträge mit den Spielern der ihr bisher zugeordneten Mannschaften. Das sind bekanntlich die Profis, die U21 und die U19. Außerdem laufen derzeit noch weitere Verträge auf die KGaA, unter anderem:

  • Sponsoring-Verträge rund um die Profis,
  • Arbeitsverträge der Geschäftsstelle,
  • Vermarktungsverträge mit infront
  • Erbpachtvertrag für das Trainingsgelände an der Grünwalder Straße 114 und
  • Mietvertrag mit der Stadt München für das Grünwalder Stadion.

Außerdem liegen die Markenrechte wichtiger Marken von 1860 noch bei der KGaA. Ebenso ist die Zukunft der Merchandising GmbH (die ja komplett Hasan Ismaik gehört) komplett unklar.

Woran muss der TSV 1860 nun arbeiten?

Durch den Zwangsabstieg und die Kündigung des Kooperationsvertrag steht der e.V. nun vor einer Vielzahl von Aufgaben. Diese müssen in kürzester Zeit angegangen und abgeschlossen werden, damit die Löwen voraussichtlich am 25.07. ihr Auftaktspiel in der Regionalliga Bayern bestreiten können. Mit größter Priorität dürfte 1860 an der Zusammenstellung einer neuen Mannschaft und deren Finanzierung arbeiten. Schließlich spekuliert die Süddeutsche Zeitung, dass aktuell im Etat für die kommende Saison etwa 2,7 Mio. € fehlen. Von Außen betrachtet sollten also folgende Themen mit größter Priorität abgearbeitet werden:

  • Umstellung der Spieler-/Ausbildungsverträge auf den e.V. Da die KGaA nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt, müssen die Verträge mit den Spielern von KGaA auf den e.V. umgestellt werden. Natürlich müssen die Spieler einer solchen Umstellung zustimmen und können sich auch andere Vereine suchen. So muss wohl ein komplett neuer Kader für die Profis inklusive Trainerteam zusammengestellt werden.
  • Das selbe gilt für die Angestellten der KGaA. Auf diese kommt nun Einiges an Mehrarbeit zu und die KGaA wird höchstwahrscheinlich in Kürze keine Gehälter mehr zahlen können. Das gilt für alle Bereiche vom Ticketing über Finanzen bis zu Marketing und PR.
  • Vertragslage mit infront klären. Wird infront auch als Vermarkter für den e.V. in der vierten Liga agieren? Welche Konditionen gelten für diesen Fall? Oder wird der Verein auf Eigenvermarktung umstellen, um sich die Provisionen für infront zu sparen? Dann müssten allerdings auch entsprechende personelle Kapazitäten im e.V. aufgebaut werden.
  • Sponsoring-Verträge übertragen. Die Sponsoring-Verträge sind nichtig, da die KGaA ja nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt. Diese müssen also im Ideal- und einfach gedachten Fall auch auf den e.V. umgestellt werden.
  • Das Ticketing für die neue Saison muss komplett von vorne angegangen werden.
  • Ganz generell muss noch die bestehende Budgetplanung der KGaA auf die neue Situation angepasst werden.
  • Die Abwicklung der KGaA – sei es als Liquidierung oder als Insolvenz – muss ebenfalls durch den e.V. als Gesellschafter begleitet werden
  • Die zu erwartenden Rechtstreitigkeiten nach Kündigung der Darlehen und des Kooperationsvertrags werden ebenfalls Kapazitäten im e.V. erfordern (besonders für die Markenrechte).
  • Das sind sicher nicht alle Themen, an der TSV 1860 München e.V. nun mit Hochdruck arbeiten muss.

Möglich ist natürlich auch, dass der e.V. sich gleich einen neuen Partner sucht, der in eine neue Spielbetriebsgesellschaft investiert. Kaufinteressenten gab es offensichtlich einige. Dieser könnte sowohl Kapital als auch Kapazitäten zur Abwicklung der oben genannten Arbeiten zur Verfügung stellen. Wir halten Euch über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden.

sechzger.de Talk 265: Am Tag nach dem Lizenz-Aus

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Ganz anders, als eigentlich geplant, verläuft die Sommerpause im Hinblick auf unseren sechzger.de Talk. Aber das gilt ja irgendwie für den ganzen TSV 1860… Eigentlich wollten wir nach dem Livetalk in der vergangenen Woche nun mal ein paar Tage pausieren und dann kommenden Montag wieder mit einem – mehr oder weniger – zeitlosen Thema und einem externen Gast weitermachen. Doch dies ist nach der Entwicklung der vergangenen zehn Tage und insbesondere dem Mittwoch dieser Woche wohl nicht möglich. Daher finden sich am Abend des Fronleichnams-Feiertags fünf Redakteure zusammen, um einen besonderen sechzger.de Talk 265 aufzuzeichnen. In die Rekapitulation der Ereignisse der letzten Woche und des vorherigen Tages platzt dann die Bombe von der Kündigung des Kooperationsvertrags durch den e.V…. Verrückte Zeiten!

Die letzten zehn Tage und der Mittwoch in der Rückschau

Die Moderatoren Peter und Christian begrüßen mit Thomas Spiesl, Thomas Enn und Talk-Rückkehrer Edge drei Gäste, die den Moment der Verkündung, dass Hasan Ismaik die für eine Drittliga-Lizenz nötigen 2,7 Millionen Darlehen endgültig nicht bereitgestellt hat, an unterschiedlichen Orten miterlebt haben. Während der eine Thomas daheim den sechzger.de-Liveticker (mit Rekord-Zugriffszahlen!) betreute, war der andere Thomas mit den beiden besagten Moderatoren am Trainingsgelände an der Grünwalder Straße 114 zugegen, als die Bombe platzte. Ausführlich besprechen sie im Podcast nicht nur die Ereignisse vor Ort, sondern gehen natürlich auch nochmal auf die Entwicklungen seit dem 26. Mai ein.

Blick in die Zukunft – und der nächste Hammer

In den anschließend anstehenden Blick auf die Zukunft der Löwen in der Regionalliga Bayern flattert dann – quasi im Hintergrund – die Pressemeldung von der Kündigung des Kooperationsvertrags mit der HAM durch den e.V. Diese Nachricht stimmt die Runde ausnahmslos positiv und dennoch wirft diese nächste Entwicklungsstufe natürlich neue Fragen auf, die versuchsweise in diesem sechzger.de Talk 265 beantwortet werden. Wir geben aber freimütig (und anders als manch wenig reflektierter, selbsternannte Experte im Umfeld des TSV 1860) zu, dass wir beileibe nicht all die offenen Fragen beantworten können. Wir bitten dies zu entschuldigen!

Pokalauslosung am Samstag

Zum Abschluss der Sendung und vielleicht für alle fünf Protagonisten eine Chance, wieder ein wenig in die greif- und klärbare Realität zurückzukehren, reden wir noch über ein ganz ordinäres sportliches Thema: Am Samstag Abend um 18 Uhr wird im Rahmen der ARD-Sportschau die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal ausgelost. Wen wünschen sich Thomas, Thomas, Edge, Peter und Christian als Gegner? Und wen nicht? Und wie votieren die sechzger.de-Leser*innen bei der zu diesem Thema ganz aktuell laufenden Umfrage auf unserer Website? Hier im sechzger.de Talk 265 werden genau diese Fragen beantwortet. Versprochen!

Der sechzger.de Talk 265 als Video und Podcast

Ob Video oder Audio – den sechzger.de Talk gibts für Auge und/oder Ohr. Um keine Folge zu verpassen, könnt Ihr uns natürlich gerne auf YouTube bzw. diversen Podcast-Plattformen abonnieren:

Selbstverständlich freuen wir uns auch über jede positive Bewertung, über Kommentare und über Eure Verbesserungsvorschläge.

TSV 1860 e.V. kündigt Kooperations-Vertrag mit HAM auf

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Ismaik-Interview: "Zahle das Geld uns sei still"

Auch am Feiertag wurde an der Grünwalder Straße 114 fleißig gearbeitet. Den gesamten Tag über saßen die Verantwortlichen von e.V. und KGaA beisammen. Es ging darum, die Geschehnisse des gestrigen Tages aufzuarbeiten. Und natürlich darum, Wege zu finden, wie es in finanzieller und sportlicher Sicht weitergehen soll mit den Löwen. Der nächste HAM-mer folgte am Donnerstagabend. Der TSV 1860 München kündigte den Kooperations-Vertrag mit der HAM International Limited, sprich mit Hasan Ismaiks Firma, außerordentlich und fristlos auf.

1860 kündigt Kooperations-Vertrag mit HAM auf

Dies ist ein klares Zeichen, dass man Seitens der Löwen kein großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Jordanier und seinem Firmenkonstrukt haben dürfte. Hier die am Donnerstagabend veröffentlichte Pressemitteilung im Wortlaut:

TSV München von 1860 e. V. kündigt Kooperationsvertrag

Der TSV München von 1860 e. V. hat den am 30. Mai 2011 geschlossenen Kooperationsvertrag mit der HAM International Limited aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung gekündigt. Mit Blick auf die Saison 2026/2027 ergreift der TSV 1860 München alle organisatorisch und formalrechtlich erforderlichen Maßnahmen. Dem TSV München von 1860 e.V. liegt bereits die Zulassung des Bayerischen Fußballverbandes für die Regionalliga Bayern vor.

Präsidium des TSV München von 1860 e. V.

04.06.2026

 

Nach Zwangsabstieg: Wird Ismaik eine Insolvenz der KGaA verhindern?

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Nun ist die zweite “4” von Hasan Ismaik etwa 24 Stunden alt und Stück für Stück werden die Konsequenzen seiner Entscheidung sichtbar. Nachdem gestern Abend noch Hauptsponsor “Die Bayerische” die Notbremse zog und per Sonderkündigungsrecht das Sponsoring der TSV 1860 München KGaA einstellte, wird heute bekannt, dass Ismaik eine Insolvenz der KGaA nicht mit allen Mitteln verhindern würde.

Würde Ismaik eine Insovenz der KGaA zulassen?

Nachdem Hasan Ismaik die Frist zur Bereitstellung von 2,7 Mio. € zur Erlangung der Drittligalizenz verstreichen ließ, wird sich beim TSV 1860 Einiges ändern. Die Profifußballer stiegen natürlich erneut zwangsweise in die Regionalliga ab und die KGaA muss sich einen neuen Hauptsponsor suchen. Außerdem steht eine juristische Auseinandersetzung zwischen der KGaA und ihren 60%-igen Inhaber um die Kündigung der Darlehen bevor. Klar ist, dass der KGaA aktuell auch als Regionalligist für die kommende Saison Beträge in Millionenhöhe fehlen werden. Wo das Geld zur Sicherung des Spielbetriebs herkommen soll, ist derzeit natürlich noch unklar. Allerdings drängt die Zeit. Offenbar ist Hasan Ismaik diese Situation bewusst und er scheint bereit, eine Insolvenz der KGaA in Kauf zu nehmen.

Ismaik: “Keine Lösung, Jahr für Jahr neues Geld zur Verfügung zu stellen”

Wie die Süddeutsche Zeitung heute berichtet, liegt die Summe ironischerweise auch im Bereich von 2,7 Mio. €. Wir haben überschlagsmäßig einen Betrag in ähnlicher Höhe errechnet. Wie die SZ weiter berichtet, stellte Ismaik ihr gegenüber klar, dass er keine weiteren Finanzmittel zur Verfügung stellen wolle. „Ich glaube, mittlerweile ist allen klar, dass es keine Lösung sein kann, Jahr für Jahr einfach nur neues Geld zur Verfügung zu stellen,“ zitiert die Zeitung den Jordanier. Damit dürfte er mit den allermeisten Löwenfans endlich mal einer Meinung sein. Warum er aber vor diesem Hintergrund akzeptierte, dass das Budget für die vergangene Saison ohne Gegenfinanzierung noch im Mai 2025 erhöht wurde, führte er nicht aus.

Stattdessen fragt sich Ismaik, was ein Großteil der Löwenfans seit Jahren fordert, nämlich: “wie der Verein ein stabile Zukunft aufbauen will, die nicht jede Saison von Notfallfinanzierungen abhängig ist.” Möglicherweise wäre die alljährliche Erhöhung des Spieleretats kurz vor Saisonbeginn ein Weg gewesen, sich diverse Notfallfinanzierungen und Getöse um Wandlungen von Fremdkapital in Genussscheine zu ersparen. Sportlich hätte man dann natürlich auf kleinerer Flamme kochen müssen. Aber im Endeffekt führten die fast schon traditionellen Budgeterhöhungen auch nicht zum heiß ersehnten Aufstieg in die zweite Liga.

Muss die KGaA nun Insolvenz anmelden?

Viel Zeit, Lösungen zu finden, bleibt allen Beteiligten nicht, wenn man die KGaA noch vor der Insolvenz retten will. Die SZ spricht von einer “landläufigen” dreiwöchigen Frist im komplexen Insolvenzrecht, die KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula nun Zeit hat, um eine Insolvenz zu vermeiden oder entsprechend beim Amtsgericht anzumelden. Am 26.05. verkündete Paula, dass er wegen der ausbleibenden Zahlungen von Ismaik in die “Notgeschäftsführung” wechselte. Es bleiben nach der “landläufigen Frist” also noch etwa 1,5 Wochen.

Sollte eine Insolvenz der KGaA unvermeidlich sein, wäre es aus sportlicher Sicht ratsam, diese vor dem 30.06. anzumelden. Denn der BFV erklärte, dass diese dann noch vor der Saison 26/27 stattfinden würde. Damit würde sie aus Verbandssicht noch in die Saison 25/26 fallen und könnte nächste Saison nicht bestraft werden. Zahlreiche Löwenfans sehen wohl auch eine möglichst schnelle Insolvenz der KGaA als beste Lösung an. In diversen großen Gruppen in den sozialen Medien werden Aufrufe geteilt, seine Jahreskarte zu kündigen und die Finanznot der KGaA somit noch zu erhöhen.

Ismaiks Motive liegen mal wieder im Dunkeln

Wegen der ausbleibenden Zahlungen prüft die KGaA bereits rechtliche Schritte und auch Schadenersatzforderungen des zweiten Anteilseigners der KGaA (dem TSV 1860 München e.V.) sind durchaus denkbar. Denn durch die Nicht-Bereitstellung der notwendigen Finanzmittel verstieß Ismaik gegen den Kooperationsvertrag. Durch den Zwangsabstieg sind nun wertvolle Spieler wie Sigurd Haugen oder Sean Dulic ablösefrei, wodurch der KGaA und ihren Besitzern erhebliche Werte verloren gehen.

Vor diesem Hintergrund muss man sich nun erneut fragen, welche Motive Hasan Ismaik zur gestrigen Entscheidung getrieben haben. Verfügt er vielleicht schlicht und einfach nicht mehr über die geforderten Finanzmittel? Ebenso ist absolut nicht nachvollziehbar, wieso Ismaik seine Anteile in den letzten Monaten nicht verkauft hat. Dem Vernehmen nach lagen ihm mehrere Angebote in Höhe 20 Mio. € und mehr für seine 60% an der KGaA vor. Im Falle einer Insolvenz dürfte er leer ausgehen. Falls ihm vorher noch ein Verkauf seiner Anteile gelingen sollte, wird sicher niemand mehr Beträge in der genannten Höhe auf den Tisch legen. Damit bleibt mal wieder nur die Erkenntnis, dass man Ismaik und seine Entscheidungen mit rationalen Gedankengängen einfach nicht nachvollziehen kann.

Nach dem Lizenz-Aus: KGaA prüft rechtliche Schritte gegen Ismaik

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Regen an der 114, dank Ismaik?

Wie wir bereits in unserer detaillierten Analyse beleuchtet haben (siehe: Welche Folgen hat der Zwangsabstieg?), steht seit Kurzem endgültig fest: die vierte Liga ruft. Der TSV 1860 München muss in die Regionalliga absteigen. Nachdem die vom DFB geforderte finanzielle Lücke von 2,7 Millionen Euro nicht rechtzeitig bis zum Stichtag am Mittwoch um 17 Uhr geschlossen werden konnte, wurde den Löwen die Drittliga-Lizenz verweigert.
Nun hat die Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA in einem umfassenden Frage-und-Antwort-Katalog Stellung zu den dramatischen Entwicklungen der vergangenen Wochen bezogen. Dabei wird deutlich: Die KGaA wehrt sich vehement gegen das Vorgehen der Investorenseite und bereitet juristische Schritte vor.

Darlehenskündigung kam ohne Vorwarnung

Ausgangspunkt der aktuellen Insolvenzgefahr und des Lizenz-Verlusts war eine überraschende Kündigung bestehender Darlehen. Diese erfolgte durch Mitgesellschafter Hasan Ismaik (HAM International). Laut Angaben der KGaA erfolgte dieser Schritt am 21. Mai. Lediglich 13 Tage vor Ablauf der Frist für das Zulassungsverfahren – „ohne jegliche Vorwarnung und Vorverhandlung“. Zeitgleich sei ein umfangreicher Forderungskatalog an die KGaA und den e.V. übergeben worden.
Die KGaA betont in ihrer Mitteilung, dass eine plötzliche Finanzierungslücke zuvor faktisch nicht existiert habe. Die Finanzplanung für die kommenden Spielzeiten sei im Aufsichtsrat – in dem die HAM International den Vorsitz und die Stimmenmehrheit hat – noch im Juni des Vorjahres ordnungsgemäß und mehrheitlich beschlossen worden.

Kalkulierte Eskalation: HAM forderte faktischen Regelbruch

Neue Details, die durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung ans Licht kamen, dokumentieren die Verweigerungshaltung auf Seiten der Investoren auf der Zielgeraden. Der e.V. hatte noch am Dienstagvormittag eine Vertragsversion ausgearbeitet, die Ismaiks Forderungen akzeptierte – allerdings versehen mit dem zwingenden Vorbehalt: „soweit verbandsrechtlich zulässig“. Genau diesen entscheidenden Passus lehnten die Anwälte von HAM in der Nacht zum Mittwoch rigoros ab. Man verlangte eine Lösung „ohne Schlupflöcher“. Die Investorenseite forderte vom e.V. und der KGaA folglich die bedingungslose Umsetzung ihrer Vorgaben, selbst wenn diese gegen DFB-Statuten und die 50+1-Regel verstoßen hätten. Ein solches Vorgehen hätte den Lizenzentzug ohnehin unweigerlich nach sich gezogen.

HAM wollte Eintrittsgelder verpfänden

Als perfides Alternativszenario brachten die HAM-Anwälte laut SZ zudem eine Verpfändung aller Eintritts- und Dauerkartengelder der kommenden zwei Jahre an einen Dritten ins Spiel – gepaart mit der Vorgabe, keine neuen Schulden zu machen. Ein Konstrukt, das einem wirtschaftlichen Tod auf Raten gleichgekommen wäre. Stattdessen ließ Hasan Ismaik am Mittwochnachmittag um 17:24 Uhr, kurz nachdem die Frist endgültig abgelaufen war, die Öffentlichkeit per Whatsapp-Nachricht an die SZ lediglich lakonisch wissen: „Sad day.“

Drei Kanzleien einig: Kündigung ist rechtlich unwirksam

Die Geschäftsführung nimmt diese Entwicklung nicht kampflos hin. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, haben drei voneinander unabhängige Rechtsanwaltskanzleien den Sachverhalt geprüft. Sie kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Kündigung der Darlehen durch die HAM juristisch unwirksam sei.
Die KGaA bewertet das Vorgehen, die Gelder exakt zu dem Zeitpunkt zu entziehen, an dem sie planmäßig abgerufen werden sollten, als „nicht nachvollziehbar und auch nicht redlich“. Um die Interessen der Gesellschaft zu wahren und Schaden abzuwenden, kündigte die Geschäftsführung an, rechtliche Schritte gegen Hasan Ismaik und die HAM einzuleiten. Dass die Schuld an der Eskalation insolvenzrechtlich ausschließlich bei der HAM und nicht bei der KGaA oder dem Stammverein zu suchen ist, wurde durch entsprechende Beratungen untermauert.

Ausblick: Steht der Kooperationsvertrag vor dem Aus?

Während die KGaA aktuell im Modus einer Notgeschäftsführung agiert und gemeinsam mit Insolvenzrechtsexperten versucht, den Geschäfts- und Spielbetrieb für die Regionalliga aufrechtzuerhalten, bleibt der TSV München von 1860 e.V. als Mutterverein von den finanziellen Verwerfungen unberührt. Neben diesen existenziellen Überlebensfragen müssen im Hintergrund auch weitere Begleiterscheinungen des Abstiegs bewältigt werden – wie etwa der bereits anderweitig thematisierte Rückzug des Hauptsponsors „Die Bayerische“ sowie die anlaufende, unbürokratische Rückerstattung der Drittliga-Dauerkarten (per E-Mail an tickets@tsv1860.de).

Das Tischtuch ist zerschnitten

Doch die inhaltlichen Gräben zwischen den Gesellschaftern scheinen nach den Ereignissen der letzten Wochen endgültig unüberwindbar. Wenn die KGaA nun offen rechtliche Schritte gegen den eigenen Mitgesellschafter einleitet und ihm unredliches Verhalten vorwirft, ist die Basis für eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit de facto nicht mehr vorhanden. Vor diesem Hintergrund ist es sehr gut vorstellbar, dass als nächste weitreichende Konsequenz aus diesem Drama auch eine Kündigung des Kooperationsvertrages zwischen dem TSV 1860 e.V. und der HAM International folgen wird. Ein Festhalten an diesem Vertragswerk wirkt angesichts des nun eskalierenden Rechtsstreits und des entzogenen Vertrauens kaum noch realistisch.

Welche Folgen hat der Zwangsabstieg?

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TSV 1860 Dauerkarte dauerkarten

Der Schock war riesengroß in Giesing: Hasan Ismaik schickte die Löwen am Mittwoch bereits zum zweiten Mal binnen neun Jahren in die Regionalliga und führte den stolzen Verein aufgrund seiner ausbleibenden Zahlung der durch die aufgekündigten Darlehen entstandenen Deckungslücke in Höhe von 2,7 Millionen Euro in den zweiten Zwangsabstieg. Über die Geschehnisse des Mittwochs, der für viele Löwen tränenreich endete, haben wir Euch schon umfassend in unserem Live-Ticker und dem Artikel zum Zwangsabstieg informiert. Blicken wir auf die weiteren Auswirkungen – was bedeutet der Zwangsabstieg für die Fans?

Hauptsponsor steigt aus – TV-Gelder brechen weg

Der KGaA fehlen für die neue Saison in der Regionalliga nicht nur die 2,7 Millionen, die von HAM gestern nicht überwiesen wurden, sondern noch zahlreiche weitere Einnahmen. Hauptsponsor ‚Die Bayerische‘ machte von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch, damit fällt über eine weitere Million Euro an Einnahmen weg. MagentaSport bezahlt in der 3. Liga 23,6 Millionen oder 1,3 Millionen pro Verein für die Übertragungsrechte. In der vierten Liga gibt es nur Kurzzusammenfassungen und ein Live-Spiel pro Spieltag auf BR24 und in der ARD-Mediathek. Ob es für die Rechte Zahlungen an die Vereine gibt, ist nicht bekannt. Ein MagentaSport-Abo brauchen die Löwen-Fans für die Spiele der Sechzger jedenfalls ab sofort erst einmal nicht mehr.

Was passiert mit den Dauerkarten?

Etwa 8.000 Dauerkarten hat die KGaA in den letzten Wochen für die Drittliga-Saison 2026/27 verkauft, die es nun ja nicht geben wird. Dies entspricht Erlösen von drei bis vier Millionen Euro, die aktuell auf den Konten der KGaA liegen. ABER und davon muss man ausgehen, diese 8.000 Löwenfans werden nicht bereit sein, für viertklassigen Fußball im Schnitt etwa 400 Euro pro Spielzeit auszugeben. Auch in Sachen Dauerkarten ist also mit Einbußen im siebenstelligen Bereich zu rechen.

Hierzu ein Rechenbeispiel:
3. Liga: 8.000 Dauerkarten a durchschnittlich 400 Euro = 3.200.000 Euro
Regionalliga: 6.000 Dauerkarten a durchschnittlich 250 Euro = 1.500.000 Euro

Das sagt die Spielbetriebs-Gesellschaft dazu

Dazu schreibt die KGaA in ihren FAQs zur aktuellen Lage Folgendes:

„Wir arbeiten derzeit intensiv an einer Lösung, um eine angemessene Kompensation für bereits bezahlte Dauerkarten zu finden. Dabei steht die Zufriedenheit unserer Dauerkarteninhaber für uns im Fokus. Sobald die Details feststehen, werden wir alle Betroffenen umgehend informieren und bitten bis dahin um Verständnis und Geduld.“

Wie kann man seine bestellte Dauerkarte stornieren?

Wer sein Geld für die Jahreskarte zurückhaben möchte, muss nur eine einfache Willenserklärung abgeben. Dafür ist es nur nötig, eine formlose E-Mail an tickets@tsv1860.de schicken, darin den Rücktritt erklären und das Geld zurückfordern. Ob dies in der aktuellen Situation sinnvoll ist, muss jeder Löwen-Fans selbst entscheiden. Nähere Informationen zum genauen Ablauf und dem Umwandlungs-Angebot der KGaA sollen in den nächsten Tagen folgen. Vor allem sollte man die Informationen der KGaA abwarten, wie sich die Rückgabe einer Dauerkarte auf das Anrecht zum Erwerb eines Tickets für den DFB-Pokal auswirkt. Anfang kommender Woche darf wohl seitens der KGaA mit Vorschlägen für Dauerkartenbesitzer gerechnet werden. Eine Rückgabefrist gibt es bislang ohnehin nicht.

Verliert man durch eine Rückgabe sein Anrecht auf eine Dauerkarte?

Dem dürfte vermutlich nicht so sein. Wer seine Dauerkarte zurückgibt, wird vermutlich auch im Anschluss wieder die Gelegenheit bekommen, eine Regionalliga-Dauerkarte zu anderen und der Spielklasse angemessenen Konditionen, zu erwerben. Zumal man nicht davon ausgehen darf, dass die Euphorie nach dem zweiten Zwangsabstieg ähnlich groß sein wird, wie nach der Rückkehr in die Löwen-Heimat nach Giesing. Kapazität dürfte es im Grünwalder Stadion also geben, auch für Löwen-Fans die neue Dauerkarten kaufen wollen.

Was erwartet die Löwen in der Regionalliga?

Laut BFV wird die Regionalliga Bayern auf 19 Mannschaften erweitert. Im bisherigen Rahmenterminkalender des BFV wird von 18 Mannschaften ausgegangen. Der geplante Saisonstart am 25. Juli könnte sich also durchaus noch um eine Woche nach vorne verschieben. Dafür haben die Spieler und auch die Fans von Ende November bis Ende Februar knapp drei Monate Winterpause zum Durchschnaufen. Die Spielzeit endet dann analog zu den Profi-Ligen Ende Mai 2027. Der Meister der Regionalliga Bayern muss in der neuen Saison in der Relegation gegen den Meister der Regionalliga Nord antreten, das direkte Aufstiegsrecht liegt bei der Regionalliga (Nord-) Ost.

Wie geht es weiter mit der KGaA?

Aktuell wird hinter den Kulissen daran gearbeitet, die Fortführung des Spielbetriebs sicherzustellen und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter in der Geschäftsstelle so weit als möglich zu erhalten. Uns hat oftmals folgende Frage erreicht: „Droht der KGaA eine Insolvenz?“.
Dies müssen Fach-Anwälte und Insolvenz-Rechtler beantworten. Aber als Laien-Sicht kann die Antwort wohl nur ein „Ja“ sein, denn selbst deutlich reduzierte Bezüge der Mannschaft für die kommende Saison dürften aufgrund der enormen Summe an wegbrechenden Erlösen kaum zu decken sein. Wie es im Falle einer möglichen Insolvenz weitergeht, auch im Hinblick auf den Investor, ist schlichtweg nicht abzusehen.
HAM hat offensichtlich gegen den Kooperationsvertrag verstoßen, wonach HAM die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellt, sofern die Eigenmittel der Gesellschaft nicht ausreichen. Die Folgen sind aktuell nicht abzusehen. Die vom e.V. beauftragten Rechtsanwälte hatten die Kündigung der Darlehen allesamt als rechtswidrig bewertet, was rechtliche Konsequenzen haben dürfte.

Hat der Zwangsabstieg Folgen für den e.V. und das NLZ

Hierauf kann man mit einem klaren Nein antworten. Alle Mannschaften unterhalb der U19 (die U21 und der U19 sind der KGaA angegliedert) im NLZ des TSV 1860 werden vom TSV 1860 München e.V. betrieben und sind vom Zwangsabstieg nicht betroffen. Auch gibt es keinerlei finanzielle Folgen für den eingetragenen Verein.