Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, offiziell ist noch nichts. Dennoch möchte ich Euch über die Qualitäten der potentiellen Neuzugänge für den TSV 1860 München – Yannick Deichmann für die Offensive und Kevin Goden für die rechte Seite – informieren.

Yannick Deichmann (VfB Lübeck)

Beginnen wir beim gebürtigen Hamburger und den meisten schon bekannten Yannick Deichmann. Der rechtsfüßige Offensivspieler hat in seiner Profikarriere vom rechten Verteidiger bis zum Mittelstürmer schon jede denkbare Position gespielt. Die unterschiedlichen Portale sind sich deshalb über seine Position ein wenig uneinig. Bei transfermarkt.de ist er als zentraler Mittelfeldspieler mit den Nebenpositionen Rechtsaußen und Mittelstürmer gelistet. Unser Datenportal führt ihn als rechten Mittelfeldspieler mit Nebenpositionen auf der rechten Halbposition im zentralen Mittelfeld und ebenfalls als Mittelstürmer. In seiner gesamten Karriere hat er allerdings zunächst 76 Einsätze als Defensiver Mittelfeldspieler, später dann 67 als offensiver

Mittelfeldspieler absolviert. In weiteren 77 Partien, die sich auf die Regionalliga Nord, die 3. Liga, die 2. Bundesliga und diverse Pokalwettbewerbe erstrecken, verteilt sich sein Einsatzgebiet über sieben weitere Positionen auf dem Spielfeld. Vergangene Saison lief er zwölfmal als offensiver Mittelfeldspieler und elfmal als Mittelstürmer auf. Mit vierzehn Einsätzen auf der rechten Außenbahn verbrachte er in der abgelaufenen Spielzeit die meiste Zeit auf einer Position, die er in seiner gesamten Karriere zuvor nur sieben mal gespielt hatte.

Was kann Deichmann?

Seine größte Stärke offensiv ist klar das Dribbling in der 1 gegen 1-Situation. Mehr als die Hälfte seiner technisch geführten Zweikämpfe mit Ball am Fuß entscheidet er zu seinen Gunsten. In Laufduellen schneidet er nicht ganz so erfolgreich ab, bewegt sich aber noch in einem Rahmen, der klar als positiv für einen Offensivspieler gewertet werden kann. Die Genauigkeit seiner Pässe ins letzte Drittel und in die Box können sich ebenfalls sehen lassen. Mit knapp einem Drittel angekommener Flanken in seiner bisherigen Karriere hat er auch in dieser wichtigen Offensivkategorie einen brauchbaren statistischen Wert aufzuweisen. Um den Angriff der Sechzger zu verstärken, bringt er also durchaus brauchbare Werkzeuge mit.

Gegen den Ball arbeitet er ebenfalls stark mit. Seine Vergangenheit als Defensiver Mittelfeldspieler hilft ihm dabei natürlich. Er ist defensiv noch ein ganzes Stück erfolgreicher im Zweikampf als offensiv. Für die eher durchschnittliche Größe von 1,80 m ist er auch relativ erfolgreich bei Kopfballduellen.

Hat er Schwächen?

Schaut man generell auf Deichmanns Statistiken, könnte man auf die Idee kommen, sein Stellungsspiel wäre vielleicht eher verbesserungswürdig, denn bei den abgefangenen Pässe sah es vergangene Saison nicht ganz so gut aus. Im Mittelfeldzentrum zwischen den Strafräumen ist das aber ein Statistikwert, der wichtig ist, außen nicht ganz so. Allein seine Leistung der letzten Saison nun bezüglich dieser scheinbaren Schwäche heranzuziehen, wäre ein wenig unfair – zu schwach war die gesamte Mannschaft des VfB Lübeck um auf Dauer mit der Konkurrenz mitzuhalten. So zeichnet sich diesbezüglich im Vergleich mit anderen Spielzeiten ein schiefes Bild. Es ist so, dass die Möglichkeit, einen Ball abzufangen viel mit dem taktischen Konzept der Mannschaft zu tun hat. Denn aus diesem ergeben sich die möglichen Vorteile im Stellungsspiel.

Mit diesem Bus fuhr Yannick Deichmann bislang zu Auswärtsspielen

Sieht man sich an, wann er da bei welchem Team in welcher Liga wirklich gut war, und auf welchen Positionen er jeweils eingesetzt wurde, entpuppt sich diese vermeintliche Schwäche Deichmanns eher als Schwäche des taktischen Konzepts beziehungsweise als Schwäche der taktischen Möglichkeiten gegen den Ball in der jeweiligen Mannschaft oder aber auch als der Position geschuldet. Sowohl während Seiner Zeit beim VfR Aalen in Liga 3 als auch in der Regionalliga beim VfB Lübeck, wo er hauptsächlich im Zentrum zwischen den Boxen agierte, hat er hier um etwa 33% bessere Werte als vergangene Saison. Diese vermeintliche Schwäche ist also keine.

Auch alle anderen Werte, die in der letzten Spielzeit eher mau aussahen, haben viel mit dem Kollektiv des Teams zu tun bzw. mit der ungewohnten Position Rechts außen und sehen in Saisons, in denen Deichmann eine konkurrenzfähige Mannschaft um sich herum hatte und dort gespielt hat, wo er hingehört, besser aus.

Fazit

Was also den Betrieb in Liga 3 betrifft, ist Deichmann auf alle Fälle einer der Spieler, die eine Mannschaft besser machen können, wenn taktisch und personell ein Rad ins andere greift. Angesichts dessen, wie unser Trainerteam Spieler individuell und taktisch verbessern kann, komme ich zu dem Schluss, dass Yannick Deichmann zu verpflichten ein guter Schachzug sein kann. Er abgesehen von der Innenverteidigung überall auf der rechten Seite und in der Zentrale einsetzbar. Charakterlich sollte es auch passen. Drei Jahre beim FC St. Pauli, für den er neben seiner Haupttätigkeit in der zweiten Mannschaft auch vier Einsätze in der 2. Bundesliga zu verbuchen hat, und vier Jahre Tätigkeit beim VfB Lübeck sollten Beweis genug sein, dass dieser Spieler sich integrieren kann und in jeder Mannschaft seinen Platz findet. Wenn Michel Köllner einen Spieler holt, ist klar, dass er von dem Spieler und dessen Qualitäten überzeugt ist. Das sollte eigentlich jedem Fan des TSV 1860 München als Grund reichen, den Spieler gut zu finden.

Kevin Goden (1. FC Nürnberg)

Kommen wir nun zu Spieler Nummer zwei bei den Gerüchten: Kevin Goden. Der gebürtige Rheinländer (ausgebildet beim 1. FC Köln) ist 1,83 m groß, Rechtsfuß und stand zuletzt vier Jahre beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag. Er wurde zur Saison 19/20 für ein Jahr nach Braunschweig verliehen und hat unter Michael Köllner, der ihn seinerzeit nach Franken holte, bereits vier Einsätze als rechter Verteidiger und einen Einsatz als rechter offensiver Flügelspieler in der Bundesliga in seiner Vita stehen. Dreimal durfte Goden, der bei seinem Bundesligadebüt im September 2018 gegen den FSV Mainz 05 neunzehn Jahre alt war, dabei von Beginn an ins Geschehen eingreifen. Zweimal wurde er eingewechselt. Mit dem Ende von Michael Köllners Aufgabe in Nürnberg spielte auch Goden beim Club keine Rolle mehr in der 1. Mannschaft. Nun soll er angeblich den TSV 1860 München verstärken.

Was könnten wir von Goden erwarten?

Kevin Goden ist ein vielseitiger Allrounder für die rechte Seite. Zweikampfstark, kopfballstark und eine absolute Rakete was seine Schnelligkeit betrifft. Seine relevanten statistischen Werte zeigen keinerlei Schwächen im defensiven Bereich. Während seiner Zeit bei Eintracht Braunschweig vorletzte Saison hat er in seinen wenigen Einsätzen bewiesen, dass er ein Spieler ist, der die Position rechts hinten gut beherrscht.

Offensiv kann er eine absolute Waffe sein. Dribbelstärke vereint mit einer unfassbar hohen Schussgenauigkeit sind die Attribute, die Goden hier mitbringt. Die meisten anderen statistischen Werte liegen im Durchschnitt dessen, was man von einem Spieler auf seiner Position erwarten kann.

Kevin Goden – ein neuer Konkurrent für Marius Willsch?

Gibt es Schwächen?

Als einzige mögliche Schwäche offenbaren die statistischen Werte Godens das Passspiel, aber der Schein trügt. Erfolg und Misserfolg hat beim Passspiel hat aber immer drei Komponenten. Da wären natürlich der Passgeber und der Empfänger, aber auch die taktische Marschroute. Und wenn man sich seine Statistik unter den einzelnen Trainern ansieht, fällt auf, dass die Passgenauigkeit in seiner Zeit unter Michael Köllner, als er ein paar Spiele in der Bundesliga absolviert hat, höher ist als im kompletten Rest seiner statistisch erfassten Karriere.

Welche Gründe hat das?

Einerseits die höhere Qualität der Mitspieler, andererseits wahrscheinlich das bessere taktische Konzept. Und dass ein junger Spieler bessere Passquoten in der höchsten Spielklasse hat als in einer unterklassigen Liga, zeugt einerseits von seinem guten taktischen Verständnis, andererseits auch davon, dass speziell der Trainer, den er zu diesem Zeitpunkt hatte, weiß, wie er diesen Spieler offensiv taktisch einstellen muss, damit Fehlpässe Mangelware bleiben. Knapp 90% von Godens Pässen waren zu dieser Zeit nicht defensiv. Trotzdem hat er unter Michael Köllners Regie eine für einen Außenspieler gute Quote von 70% an nicht defensiven gelungenen Pässen vorzuweisen. Im Vergleich zu den niederklassigen Saisons unter anderen Coaches sind das Welten. Godens Passspiel entpuppt sich – wenn man den richtigen Blickwinkel einnimmt – also als gut für diese Position. Luft nach oben ist allerdings vorhanden.

Fazit

Die Fähigkeit, Godens in manchen Bereichen noch durchschnittlichen Werte zu verbessern, hat das Trainerteam des TSV 1860 München auf alle Fälle. Dass der Noch-Clubberer charakterlich gut zum Team passen wird, sollte außer Frage stehen. Der Trainer kennt ihn ja schon lange genug. Für mich steht hinter dieser Personalie kein Fragezeichen, sondern ein Ausrufezeichen. Wenn man den bekommen kann, sollte man ihn holen. Ein Spieler in diesem Alter, der trotzdem schon relativ viel Erfahrung gesammelt hat, ist als Backup ein guter Griff. Zudem heizt ein Talent auf dieser Position den Konkurrenzkampf mit Marius Willsch an und wird diesen ebenfalls besser machen.

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Vielen Dank für Deine – wie immer – profunde Analyse, Bernd.

Interessant ist es ja schon, wenn ein Spieler in einer höherklassigen Mannschaft bessere Werte zeigt als n einem unterklassigen Wettbewerb. Variable Spieler bieten ja immer einen Vorteil und einen Nachteil: Gut ist, sie sind vielseitig verwendbar und auch während eines Spiels bieten sie damit dem Trainer durch Umstellungen während des Spiels mehr taktische Möglichkeiten der Einflussnahme in den Spielverlauf. Nachteilig ist häufig, dass diese Spieler vieles gut können, aber eben nicht der Unterschiedsspieler sind. Das sage ich ganz wertfrei.

Mit dem Wissen über unseren Kader und das Leistungsvermögen der potentiellen Neuverpflichtungen: Wie hoch siehst Du die Wahrscheinlichkeit für eine Startelf-Option zu Saisonbeginn bei beiden und auf welcher Position würdest Du die Spieler jeweils als Hauptposition sehen?

Hallo Kassenwart. Zuallererst danke für das Lob. Und um Deine Fragen zu beantworten: ich sehe Beide wenn sie von Beginn an spielen auf ihrer angestammten Position. Bei Einwechslungen ist es immer Situationsabhängig. Da beide Variabel einsetzbar sind, hätte man die Bank theoretisch auf sechs Positionen verstärkt wenn beide verpflichted werden. Im Fall Deichmann wäre das offensiv hinter der/den Spitze/n und bei Goden rechts defensiv. Startelfoption ist immer eine heikle Frage. Ist aber sicherlich da. Vor allem Godens Aktien dürften in diesem Punkt nach oben geschnallt sein wenn man auf die mögliche Schwere von Willschs Verletzung blickt. Deichmann wird sich mit Staude um die Position in der Startelf battlen. Schau ma wer Ende Juli die Nase vorn hat.