Heute Mittag habt Ihr auf sechzger.de den zweiten Teil unserer Kaderanalyse (zum Mannschaftsteil Mittelfeld) finden können.

Zur Kaffepause am Nachmittag hier nun ein paar Gedanken von Thomas Enn, die zur gestrigen, durchaus aufgeregten Stimmung rund um den Wechsel von Aaron Berzel passen.
Wir freuen uns, wenn wir zur Versachlichung der ganzen Diskussion beitragen können.

Seit ein paar Tagen ist klar: Die 3. Liga wird am 18.September in die Saison 20/21 starten. Damit ist wenigstens sichergestellt, dass gestartet wird und auch wann. Ob das dann mit oder ohne Zuschauer geschieht, bleibt noch offen. Aber sportlich ist damit geklärt, wie es weiter geht. Der Fahrplan für die Saisonvorbereitung kann erstellt werden. Wahrscheinlich wird die Vorbereitung wieder fünf bis sechs Wochen dauern und somit spätestens Anfang August starten, eventuell früher.

Aber mit welchem Kader wird diese Vorbereitung bei den Löwen in Angriff angenommen? In den geschätzt rund drei Wochen bis zum Saisonstart hat die sportliche Leitung des TSV 1860 unter den aktuellen wirtschaftlichen Voraussetzungen die Aufgabe, einen konkurrenzfähigen Kader an den Start zu bringen. Nach der abgelaufenen Saison würde „konkurrenzfähig“ bedeuten, dass der Kader dem Umfeld realistische Aufstiegsambitionen vermitteln kann.

Aktuell stehen laut transfermarkt.de 13 Spieler im Kader (Stand 13.07.2020), da ist also noch Handlungsbedarf zu sehen. Es ist keine 2 Wochen her, da beschloss der Aufsichtsrat der KGaA das Budget für die kommende Saison. Nach Medienberichten soll es wieder ca. 3 bis 3,5 Millionen Euro für den Spieleretat betragen. Außerdem wurde berichtet, dass Hasan Ismaik einen Betrag von sechs Millionen Euro als Sicherheit für die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise bereitstellt. In manchen Presseberichten entstand der Eindruck, dass Ismaik mit einem großen Koffer eingeflogen sei und ganz viel Geld bar auf den Tisch gelegt habe, das nun vollumfänglich der Kaderplanung zur Verfügung stehe. Das ist mitnichten so! Ich verstehe das Geschäft eher als eine eiserne Reserve, die nur im absoluten Notfall angetastet werden soll. Es handelt sich also um eine Sicherheit. Diese wurde dem Vernehmen nach von den Wirtschaftsprüfern gefordert, um eine positive Fortführungsprognose zu geben. Gäbe es diese Reserve nicht, wäre wohl die Insolvenz der KGaA zur Debatte gestanden.

Würde man das Geld nun mit beiden Händen auf dem Transfermarkt in Ablösesummen und hohe Spielergehälter investieren, wäre diese Reserve aufgebraucht, bevor man sie vielleicht wirklich benötigt. Außerdem würde die Verschuldung der KGaA ansteigen und die Konsequenzen Punktabzug etc. stünden wieder im Raum.

Die Geschäftsführer Günther Gorenzel und Marc-Nicolai Pfeifer sind also nun mit Coach Michael Köllner gefordert, mit den zu Verfügung stehenden Mitteln einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen. Dabei bietet es sich natürlich an, mit bewährten Spielern aus der letzten Saison weiterzuarbeiten, deren Verträge ausgelaufen sind. Allerdings sind die Auswirkungen von Corona nicht wegzudiskutieren und das Gehaltsniveau der Spieler wird in der von finanziellen Problemen gekennzeichneten 3. Liga sicher absinken.

Daher erscheint es nur logisch, Konditionen mit Spielern anzupassen. Wenn nun ein Spieler ein Angebot zu besseren Konditionen, als sie ihm 1860 im Moment bieten kann, woanders unterschreiben kann, ist das schade. Andererseits müssen die Spieler auch schauen, wo sie bleiben. Jeder von uns würde wahrscheinlich so handeln. Das ist einfach der Markt.

Und 1860 kann nicht schon wieder Geld ausgeben, das es nicht hat und Reserven angreifen, die für gravierende wirtschaftliche Engpässe gedacht sind. Das sollte mittlerweile jedem klar sein. So werden sich leider die Wege von 1860 und einigen Spielern trennen. Das schmerzt – keine Frage.

Dennoch lässt verantwortungsvolles Handeln im Moment nichts anders zu, sonst stehen Punktabzug und Insolvenz im Raum.

Ich glaube aber, dass im aktuellen Transfermarkt auch eine Riesenchance für 1860 liegt. Es gibt im Moment eine Vielzahl an vertragslosen Spielern, weil ähnliche Problem wie 1860 mindestens die ganze 3. Liga und die halbe 2. Liga plagen. Daher sollten Gorenzel und Köllner den Markt ganz genau sondieren und dann bei passenden Spielern mit passenden Konditionen zuschlagen. Der Geschäftsführer Sport sprach einmal davon, dass er Dateien auf seinem Laptop habe, in welchen er für jede Position mindestens zwei geeignete Spieler als Alternative vermerkt habe. Ich hoffe, dass er diese Datei nun mit Michael Köllner abgeglichen hat und im Hintergrund die Transferaktivitäten laufen. Dass nichts nach Außen dringt, werte ich als positives Zeichen, dass endlich mal fokussiert und in Ruhe gearbeitet wird.

Es sind noch mindestens drei Wochen Zeit!

Verfasser: Thomas Enn

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