Knapp sieben Monate ist es her, dass der 1. FC Magdeburg zum ersten und bislang einzigen Mal seine Visitenkarte beim TSV 1860 abgab. Am 25. Spieltag der Vorsaison trennte man sich in einem – speziell in der 2. Halbzeit aufregenden Spiel mit 1:1. Aaron Berzel hatte die Löwen per Kopf nach einer guten halben Stunde in Führung gebracht, welche der Magdeburger Jurgen Gjasula nach einer Stunde per Elfmeter ausglich. Dies war übrigens das vorletzte Heimspiel „vor Corona“. Das Hinspiel hatte 1860 im August 2019 noch sang- und klanglos mit 1:5 verloren.

Einen besonders nachdrücklichen Eindruck hinterließen bei ihrem ersten Auftritt bei den Münchner Löwen die mitgereisten Fans aus Sachsen Anhalts Hauptstadt. Der eine oder andere Beobachter sprach danach vom „besten Auswärtssupport“, den er jemals auf Giesings Höhen erlebt habe. In dieser Hinsicht wird es heute bekanntermaßen leider keine Wiederholung geben, aber zumindest dürfen die Fans an den TV-Geräten auf ein  kampfbetontes, intensives Spiel hoffen: Unsere Löwen werden heute Nachmittag um 14 Uhr mit der breiten Brust des Tabellenführers den heiligen Rasen von Giesing betreten, während die Gäste ihre zweite Saison nach dem Abstieg aus der 2. Liga mit einer 0:2-Niederlage im Derby gegen den Halleschen FC begonnen haben und somit schon ein wenig unter Druck stehen.

Der 1. FC Magdeburg war in der DDR eine der allersten Fußballadressen, 1974 sogar der einzige Europacupsieger, den dieser Staat in seiner 40jährigen Geschichte jemals hervorbrachte. Er gehörte aber zu den absoluten Verlierern der Wendezeit. Nach einem Vierteljahrhundert auf Regionalliga-Level bzw. noch tiefer gelang 2015 der lang ersehnte Aufstieg in die 3. Liga und dann schon in der dritten Spielzeit – nach zwei vierten Plätzen – sogar die Meisterschaft und der Sprung in die 2. Bundesliga. Diese verließ der FCM allerdings postwendend wieder, sodass heuer das insgesamt fünfte Jahr in der eingleisigen 3. Liga ansteht.

In der Vorsaisonging man – als Absteiger – mit vielen Vorschusslorbeeren und hohen eigenen Erwartungen ins Rennen. Nicht weniger als sieben Trainer der 3. Liga erwarteten, dass der Club, wie er auch genannt wird, auf einem der drei Spitzenplätze landen würde – darunter auch der damalige Löwencoach Daniel Bierofka. Und erinnern wir uns an das oben schon angesprochene 1:5 im Sommer 2019, so schien das anfangs auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Im Verlauf der – in vielerlei Hinsicht – verrückten Saison 2019/20 belegte der FCM aber lediglich kurz vor der Winterpause vorübergehend immerhin den 6. Platz – die meiste Zeit dümpelte man knapp über dem Tabellenkeller herum.  Den Gesetzen des Profigeschäfts folgend, wurde – nach sportlichen Enttäuschungen – der Trainer ausgewechselt. Und das sogar  zwei Mal: Der nach dem Abstieg aus Liga zwei vom KFC Uerdingen geholte Stefan Krämer, der bereits auf Ost-Erfahrungen in Erfurt und Cottbus zurückblicken konnte, wurde zwei Tage vor Weihnachten schon wieder entlassen und durch Pele Wollitz (aus Cottbus kommend) ersetzt, der wiederum nur bis zum vierten Spiel nach dem Re-Start das Zepter und seine launigen Reden schwingen durfte. Das Saisonfinale bestritt der FCM dann mit Thomas Hoßmang an der Seitenlinie, der – außer einem einjährigen Gastspiel als Spieler in Malaysia (!) – noch nie außerhalb der neuen Bundesländer fußballerisch aktiv war. Nach Krämer und Wollitz versucht man es an der Elbe also wieder einmal mit einem Trainer mit echtem ostdeutschen Stallgeruch. Hoßmang sieht in der aktuellen Spielzeit übrigens Dynamo Dresden und Hansa Rostock als sichere Aufsteiger. Die beiden Vereine, die kurz vor dem Ende der DDR den Fußball dort dominierten.

Zurück in die Gegenwart: Obwohl man der Tabelle nach dem ersten Spieltag nicht die ganz große Bedeutung beimessen muss (aber als tabellenführender Löwe natürlich gerne tut), empfängt am Samstag Nachmittag der Spitzenreiter den Tabellenletzten – wird das womöglich eine ganz klare Angelegenheit? Was von Magdeburg taktisch zu erwarten ist, haben wir Euch – wie gewohnt – bereits gestern Mittag an unserer TAKTIKTAFEL erläutert. Was unsere Löwen nach drei tollen Pflichtspielen zum Auftakt dieser Saison im vierten Auftritt auf den Rasen zaubern werden, kann auch heute wieder im Free-TV (ab 14.00 Uhr im  BR) begutachtet werden. Spätestens dann gibt es auch eine Antwort auf die Frage, ob Michael Köllner dem Rückkehrer Richie Neudecker zum Heimspielauftakt, vielleicht einen Startelfeinsatz gönnt, wie er in der gestrigen Pressekonferenz angedeutet hatte.

 

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