Unser Vorbericht zum Montagsspiel der Löwen gegen Dresden

Denkbar unterschiedliche Gegner

Was für ein Kontrastprogramm: Am letzten Mittwoch traten die Löwen beim Tabellenletzten der 3. Liga mit dem niedrigsten durchschnittlichen Wert je Spieler an, der in der Vorsaison noch in der Regionalliga gekickt hatte und dieses Schicksal wohl auch für die Saison 2021/22 vor sich hat. Heute Abend empfängt der TSV 1860 den letztjährigen Zweitligaabsteiger, seines Zeichens Tabellenführer der 3. Liga und mit dem – mal abgesehen von der Zweitvertretung aus der Seitenstraße – mit Abstand wertvollsten Kader der Liga ausgestattet.

Der Saisonverlauf für Dynamo

Im einzigen Heimspiel der Löwen im ganzen März 2021 ist heute also die SG Dynamo Dresden der Gegner. Nach etwas holprigen Start in die Saison mit nur vier Siegen aus den ersten neun Spielen, hatten sich die Sachsen spätestens Mitte November dann doch an die neue Liga und die Herausforderung der für sie eher ungewohnten Rolle des Ligafavoriten gewöhnt. Das Hinspiel der heutigen Partie – ein 2:1-Sieg am 15. November – kann als eine Art Wendepunkt oder Initialzündung der Spielzeit für Dynamo gewertet werden. Zwei Wochen und weitere drei Siege später, belegte das Team von Trainer Markus Kauczinski erstmals einen Aufstiegsplatz. Und nach dem 15. Spieltag Mitte Dezember eroberten man die Tabellenführung, die seither auch nicht mehr abgegeben wurde.

Mit nur 23 Gegentreffern stellt die Mannschaft aus Elbflorenz die stärkste Abwehr der 3. Liga. Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle bleiben, dass unsere Löwen – mit nur zwei Gegentoren mehr – den zweiten Platz in dieser Statistik belegen. Während Löwentorwart Marco Hiller in keinem einziges Spiel mehr als zweimal hinter sich greifen musste, waren es bei Dresdens Kevin Broll aber immerhin zwei Spiele mit drei Gegentoren: Das 0:3 bei den kleinen Bayern in der Anfangsphase der Saison und der spektakuläre 4:3-Sieg im Heimspiel gegen Kaiserslautern Ende Januar.

Dritter Aufstieg aus der 3. Liga steht bevor

An einer Rückkehr der stärksten Auswärtsmannschaft der Liga in die 2. Bundesliga im Sommer 2021 hegt aktuell wohl keiner mehr einen Zweifel. Dies wäre nach 2011 und 2016 der dritte Aufstieg aus der 3. Liga. Dynamo Dresden steigt also alle fünf Jahre in die 2. Liga auf. Brauchte man allerdings beim ersten Mal drei Spielzeiten Anlauf und beim zweiten Mal zwei, hat es diesmal dann direkt im ersten Versuch geklappt. Auf die wechselhafte Geschichte eines der Aushängeschilder des Fußballs in der ehemaligen DDR wurde bereits im Vorbericht zum Hinspiel eingegangen. Nachfolgend beleuchten wir die Auftritte der gelb-schwarzen aus der sächsischen Landeshauptstadt in der bayerischen Landeshauptstadt etwas näher.

Dresden in München – was bisher geschah

Zum neunten Mal in der gesamtdeutschen Fußballgeschichte empfangen die Löwen heute Abend Dynamo Dresden zum Duell in München. Neben einer Niederlage in der ersten Pokal-Hauptrunde 1992 und einem Sieg in der Bundesliga auf Giesings Höhen 1995 kam es noch zu sechs Duellen in der 2. Liga. Nach einem 2:0-Sieg für Weiß-Blau im Olympiastadion im Herbst 2004 durfte der jeweils zahlreich anwesende Anhang der Dynamos in den folgenden vier Partien in der Arena vor den Toren der Stadt zwischen 2005 und 2014 drei Auswärtssiege bzw. einen Punktgewinn bejubeln. Ausgerechnet in der Abstiegssaison 2016/17 gelang dann mit einem schmutzigen 1:0 der erste und einzige Erfolg für die Löwen über Dresden in Fröttmaning. Mit einem Sieg heute Abend könnten wir die Heimbilanz gegen diesen Gegner zumindest ausgleichen.

2. Oktober 2011 – wieder Mal füllt eine stattliche Anzahl an Dynamo-Fans den Südwesten der Arena und erfreut sich später an einem 4:2-Sieg
3. Dezember 2016 – kurz nach Abpfiff des einzigen Löwensiegs gegen Dresden in Fröttmaning

Dresden und Demos: Zwei Erinnerungen

Besonders in Erinnerung geblieben sind dem Verfasser dieser Zeilen zwei Auftritte von Dynamo Dresden in München. Und zwar jeweils aus Gründen, die mit dem Begriff Demonstration verbunden sind. Allerdings keineswegs, wie man vielleicht vermuten mag, mit fußballerischen Demonstrationen auf dem grünen Rasen, sondern viel mehr mit Fan-Demos.

Dezember 2012: Protest der Dynamofans gegen die DFL

Am 16. Dezember 2012 blieb zu Beginn der Zweitligapartie in der Allianz Arena der Gästeblock zunächst komlett leer. Über dem Mittelrang hing ein Banner mit der Aufschrift AB SOFORT REDUZIERTES KARTENKONTINGENT. Nur einige wenige der rund 5000 anwesenden Gästefans kamen dann in einer kleinen Gruppe auf ihre Plätze und demonstrierten so das traurige optische Erscheinungsbild eines winzigen Fanblocks. Etwa fünf Minuten später folgte dann der große Rest der Anhänger in gelb-schwarz. Mit dieser durchaus gelungenen Aktion wurden die Folgen eines der Punkte im damals kursierenden Sicherheitspapier der DFL plastisch dargestellt: Gästefans sollten nach damaligen Plänen des Ligaverbands in beiden Bundesligen weniger Karten erhalten. Zahlreiche Beiträge zur Debatte um das besagte Sicherheitspapier aus der Saison 12/13 finden Interessierte hier.

16. Dezember 2012 – Im zunächst komplett leeren Gästeblock…
…demonstriert dann ein Häuflein Dynamofans, wie die Auswärtskurven nach Vorstellung der DFL aussehen würden…
…um kurz später aufzuzeigen, wie es sich das Erscheinungsbild eines Gästeblocks die Fans vorstellen.

April 1995 – Löwendemo für das Sechzgerstadion

Über 17 Jahre zuvor hatten die Löwenfans vor der Bundesligapartie zwischen beiden Vereinen ihren Unmut über den geplanten Umzug des TSV 1860 ins Olympiastadion, vorangetrieben von Präsident Karl-Heinz Wildmoser, auf die Straße getragen. Drei Stunden vor dem Anpfiff im Sechzgerstadion startete an diesem verregneten Samstag der Protestzug am Sendlinger Tor. Nicht zuletzt aufgrund des sportlichen Erfolgs – trotz des Durchmarschs von der Bayernliga in die Bundesliga wurde wenige Wochen später der Klassenerhalt im Oberhaus gesichert – konnte der Protest bei den Verantwortlichen kein Umdenken in Gang setzen. Ab der Saison 1995/96 absolvierten die Löwen neun Spielzeiten lang alle Bundesligaspiele im Olympiastadtion.

1. April 1995 – vor dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden ziehen zahlreiche Löwenfans vom Sendlinger Tor zum Stadion. Ein Protestzug für das geliebte Sechzgerstadion.
Flyer der Fan-Initiative TSV 1860 mit Argumenten gegen den Umzug ins Oly

MAGENTA für alle – und natürlich der sechzger.de-Ticker

Zurück in die Gegenwart. Nach der heutigen – hoffentlich erfolgreichen – Partie ist in der 3. Liga erstmal eine kleine Pause angesagt: Erst in zwölf Tagen, am Karsamstag führt der Spielplan die Löwen nach Lotte, in die aktuelle Heimstatt des KFC Uerdingen. Am kommenden Samstag steht erstmal der Totopokal auf dem Programm und – quasi als Generalprobe für den letzten Spieltag der 3. Liga – der TSV 1860 empfängt den Ligakonkurrenten FC Ingolstadt. Dann – genauso wie heute Abend – ist natürlich unser Tickerteam für Euch bereit und freut sich, Euch mit den wichtigsten Infos rund um die Partien zu versorgen. Das heutige Spitzenspiel wird übrigens – als Ergänzung zum Ticker – als frei empfangbare Version auf MAGENTA TV angeboten.

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