Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Heimspiel unseres TSV 1860 München gegen die SG Dynamo Dresden.

Trainer Markus Kauczinski lässt seine Elf seit dem Hinspiel im November zwischen dem TSV 1860 und Dynamo Dresden meist in einer 3-5-2 Formation auflaufen. Das bedeutet viel Laufarbeit für die Mittelfeldaußenspieler. Mit diesem System und der taktischen Herangehensweise der Dresdner lässt sich im Mittelfeld sehr leicht eine Überzahl generieren. Aber das Mittelfeld erweist sich tatsächlich nicht als das einzige Prunkstück dieser Mannschaft. Noch besser zeigt sich die Qualität der SGD im Sturm. Die exzellenten Stürmer der Dynamos treffen nämlich öfter als statistisch erwartet.

Dazu kommt, dass bei den defensiven Verschiebungen die Abläufe gut stimmen. Die Mittelfeldspieler schieben sich vor die gegen den Ball entstehende Fünferabwehrkette. Die Mittelfeldaußen agieren als Verteidiger mehr störend als tackelnd. All das sorgt dafür, dass der Gegner kaum vielversprechende Chancen einleiten kann. Das Stellungsspiel der taktisch wahnsinnig klug agierenden Dresdner gegen den Ball ist hervorragend. Wenn die Gegner also zum Schuss kommen, passiert das oft aus Positionen, in denen ein Treffer eher unwahrscheinlich ist. Dynamo Dresden hat, wenn man die Gegentore (23) als Maßstab nimmt, die beste Abwehr der 3.Liga.

Die wichtigsten statistischen Werte der SGD

  • Ballbesitz 52%
  • Passgenauigkeit 80%
  • Defensive Zweikampfquote 60%
  • Flankengenauigkeit 31%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 10.52

Mit was muss der TSV 1860 München gegen Dynamo Dresden rechnen?

Mit dem grundsätzlich offensiven System, das Dresden auf den Platz bringt, ist es ein klares Ziel sowohl bei eigenem Ballbesitz als auch gegen den Ball immer ein personelles Übergewicht im Mittelfeld herzustellen. Wenn die Qualitäten der Spieler dafür gegeben sind, führt dies zu permanentem Druck für den Gegner. Die gute Tiefenstaffelung, die in Systemen mit Dreierkette erreicht wird, hilft sowohl beim Aufbauspiel als auch beim Gegenpressing immens, um den Gegner zu schnellen Aktionen zu zwingen, die dann in der Offensive oft ungenau und in der Defensive zu spät erfolgen.

Gegen den Ball verschiebt Dresden äußerst variabel und gegnerabhängig im letzten Drittel entweder auf eine links gependelte Viererkette oder auch auf eine Fünferkette, bei der sich beide Mittelfeldaußen zurückfallen lassen.

Drei exzellente Stürmer im Kader und ein sehr torgefährlicher offensiver Mittelfeldspieler machen Dynamo was die Offensive angeht sehr schwer ausrechenbar. Das variable Spiel, das sich mit Hilfe der permanenten Überzahl nach vorn entwickelt, funktioniert bei Dresden über die komplette Breite des Platzes. Die Dresdner stechen da hinein, wo sie Platz finden und lösen ihre offensiven Aufgaben meist bis ins gegnerische letzte Drittel sehr gut. Erstaunlicherweise erzeugen sie dort nicht so viele Torchancen. Die sich bietenden werden aber vom Offensivpersonal eiskalt genutzt. Hinzu kommt, dass vor allem die Ecken der Dynamos eine wahre Waffe sind. Mit acht Treffern führt man diese Statistik bei Toren nach Eckstößen ligaweit an.

Stärken und Schwächen des 3-5-2

Stärken

Das System ermöglicht bei Ballbesitz eine gute Staffelung in der Breite und Tiefe. Dadurch kann eine für Passkombinationen gute Raumaufteilung entstehen. Zwei Stürmer in der Spitze bringen starke Präsenz im Zentrum des gegnerischen Abwehrdrittels. Durch ein kompaktes Mittelfeldzentrum lässt man dem Gegner gegen den Ball wenig Raum.

Schwächen

Es ergeben sich bei Ballverlust teilweise weite Abstände, die der Gegner bei schnellem Spiel gut ausnutzen kann. Die für die Flügelspieler langen Laufwege können in einem dynamischen Spiel mit viel Ballbesitzwechsel zu verfrühtem Kraftverlust und damit zum Erlahmen des Drucks über die Flügel führen. Die Flügel sind nur einfach besetzt. Deshalb können entweder Defensive oder Offensive dort schwächeln. Gegen Systeme, in denen mit zwei oder mehr Stürmern agiert wird, kann es bei Kontern des Gegners oder zügigen Positionsangriffen leicht zu einer Unterzahl in der Hintermannschaft kommen.

3-4-3 statt 3-5-2?

In manchen Schemata, die man auf diversen Sportportalen sieht wird das System der Dresdner in manchen Spielen als 3-4-3 dargestellt. Ich bezweifle jedoch, dass Markus Kauczinski bei den betreffenden Spielen tatsächlich dieses System im Kopf hatte. Das 3-5-2 entwickelt sich vielmehr im Offensivspiel dorthin. Wenn Dresden viele Spielanteile in der gegnerischen Hälfte hat, ist ein Reporter, der über das Spiel berichtet, vielleicht der Meinung ein 3-4-3 gesehen zu haben. Ich halte das aber für nicht zutreffend, denn persönlich sehe ich das 3-4-3 als absolutes “Harakiri” System an.

Die Schlüsselspieler

Torwart Kevin Broll (#1) hat sowohl in der Strafraumbeherrschung als auch im Eins gegen Eins sowie bei der Reaktionsschnelligkeit bei Schüssen aus der Nahdistanz große Stärken. Bei 1,86 m Größe bringt Broll nur 77 kg Gewicht mit und ist somit für einen Torhüter heutzutage eher schmächtig, dafür aber sehr beweglich. Bereits zwölf Mal hielt er seinen Kasten sauber.

Innenverteidiger und Kapitän Sebastian Mai (#26) ist vor allem im Stellungsspiel gegen den Ball eine Macht. So gelingt es ihm viele Bälle abzufangen. Bei den defensiven Zweikämpfen ist er stark tagesformabhängig.

Winterneuzugang Heinz Mörschel (#8) vom KFC Uerdingen ist mit acht Saisontoren, von denen er seit seinem Wechsel am 20.01. vier für Dynamo erzielt hat, der torgefährlichste Mittelfeldspieler in Reihen der Dresdner.

Stürmer Christoph Daferner (#33) hat bisher 10 Treffer auf dem Konto. Sein Nebenmann ist Philipp Hosiner (#14). Beide Spieler können in einem Spiel für Dresden der Schlüssel zum Erfolg sein. Auch Pascal Sohm (#9) mit sieben Scorerpunkten in 18 Spielen ist als dritter Stürmer im Bunde nicht zu unterschätzen.

Fazit: kann der TSV 1860 gegen Dresden Punkte erzielen?

Die Spieler des TSV 1860 München werden am Abend den heißesten Tanz bisher auf Giesings Höhen erleben. Doch es gilt natürlich ohne Angst und wie es Günther Gorenzel und Michael Köllner in der Pressekonferenz am Freitag gesagt haben mit Leichtigkeit im Kopf in dieses Spiel zu gehen, bei dem sicher der Gast als Favorit im Sechzgerstadion antreten wird. Ohne Nervosität, aber mit voller Konzentration an diese Aufgabe herangehen, so kann man punkten.

Es wird mit Sicherheit das schwerste Saisonspiel bisher. In solchen Spielen kann man nur gewinnen. Entweder Punkte oder Erfahrung – im besten Falle sogar beides.

Über die Einstellung und den Willen der Sechzger brauchen wir uns wohl keine Gedanken zu machen. Der war bisher in jedem Spiel deutlich erkennbar und das wird auch in diesem Spiel so sein. Ob Michael Köllner es schafft die Taktik so zu wählen, dass man die Sachsen zumindest an den Rand einer Niederlage bringt oder sogar darüber hinaus, werden wir sehen.

Ich bin wie immer guter Dinge, dass wir ein tolles Spiel sehen werden, in dem die Löwen ihre Tugenden zum Einsatz bringen. Ob sich der TSV 1860 München am Ende gegen Dynamo Dresden auch belohnt? Lassen wir uns überraschen. Ein Punkt gegen den Tabellenführer wäre schön. Ein Sieg hingegen überragend.

So könnte Dynamo Dresden heute auflaufen

TSV 1860 München Dynamo Dresden Aufstellung
Dynamo Dresden im beschriebenen 3-5-2

 

Unsere Datenquelle: wyscout

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