Seit tausend Jahren ungeschlagen…

Spielbericht, 23. Spieltag, 08.02.2020

TSV 1860 München – SV Waldhof Mannheim 1:1 (0:0)

Die Sonne stand bereits recht tief über dem Grünwalder Stadion als der Schlusspfiff das 1:1-Unentschieden zwischen 1860 und dem SV Waldhof amtlich machte. Es wurde kühl und man war sich gar nicht mehr sicher, ob die Wärme davor von den Sonnenstrahlen ausging oder von dem packenden Duell auf dem Platz.

(Für die richtige Hintergrundatmosphäre beim lesen empfehlen wir, die Videos des heutigen Spiels auf unserem Youtube-Kanal sechzger_de im Hintergrund laufen zu lassen – Anmerkung der Redaktion ;)…)

Der geneigte Fußballkenner weiß natürlich auch um die Historie dieser Begegnung und wie oft diese bereits auch abseits des Platzes für „warme Ohren“ gesorgt hat – doch bevor wir dieses Fass aufmachen: auf bunte-ansichten.de gab es hierzu während der Hinrunde eine nette Zusammenfassung zu lesen, belassen wir es also dabei…

Die im Hinspiel hochüberlegenen Mannheimer (4:0) trafen auf eine nur auf zwei Positionen gegenüber Zwickau veränderte Löwenelf: vorne der wiedergenesene Niemann für Owusu sowie Klassen für den gesperrten Steinhart in der Viererkette. Gegenüber der Hinrunde jedoch trafen sie auf ein gänzlich anderes Team: 1860 mit zuletzt neun (!) Spielen ohne Niederlage – doch auch der SV Waldhof musste sich zuletzt Anfang November geschlagen geben (8x ungeschlagen) und hat Auswärts sein letztes Spiel am 12 Mail 2018 (!) verloren – damals beim SSV Ulm.

Zwei beachtliche Serien und bei so viel „breiten Brüsten“ blieb dann auch in weiten Teilen des Spiels nicht allzu viel Platz auf dem Rasen, auch wenn die Löwen insbesondere in der ersten Halbzeit mit enormem Aufwand diesen zu erobern versuchten. Echte Großchancen waren Mangelware und so dürften viele Anhänger der Weiß-Blauen der hervorragenden Gelegenheit aus der 8.min nachgetrauert haben: Bekiroglu setzte sich auf rechts durch, zog in den Strafraum und bewies mit einem überlegten Pass in den Rückraum viel Übersicht – doch der heraneilende Dressel kam beim Abschluss in Rücklage und lenkte das Leder über den Kasten.

Auch Sascha Mölders versuchte sich zweimal gefährlich und auf erstaunlich ähnliche Art und Weise,  schloss aber beide Male aus halbrechter Position etwas zu unpräzise ab (6./20.min). Die Stimmung auf den Rängen war hervorragend – auch von Seiten der rund 1.500 angereisten Mannheimer. Der SV Waldhof hielt sich auf dem Platz jedoch etwas zurück, machte aber einen stets wachen, lauernden Eindruck und agierte bei Tempogegenstössen mit bis zu vier Offensivkräften.

Beide Teams versuchten sich gegenseitig früh zu stören und arbeiteten konzentriert nach hinten. 1860 dennoch das aktivere Team: so erspielten sich die Löwen mehrfach durch frühes Forechecking den Ball und kurz vor Abschluss der ersten 30 Minuten auch zwei Freistöße, die – schön von Daniel Wein aus dem Mittelfeld dargereicht – für reichlich Hektik bei den Gästen sorgten. Auch eine sehenswerte Einzelaktion von Dressel, der erst zwei Mannheimer links liegen lässt und dann aus gut 18 Metern einen Strahl auf den Schlussmann des SV Waldhof abfeuert, brachte Gefahr. Mannheim wirkte in dieser Phase nicht mehr ganz so souverän, jedoch fehlte es 1860 an der absoluten Durchschlagskraft um mit einem 1:0 in die Kabine zu gehen.

Das diese fehlte, war möglicherweise auch einer anderen Offensivausrichtung geschuldet: so fiel mehrfach auf, dass der rechte Flügel der Löwen bei Angriffen unbesetzt blieb und auch Bekiroglu schien mit „Handbremse“ zu spielen, konzentrierte sich stark auf das zentrale Mittelfeld und machte wenig individuelle Ausflüge.

Nach dem Seitenwechsel ging es ähnlich weiter wie es in Hälfte eins aufgehört hatte. Beide Teams hochengagiert aber Sechzig mit den gefährlichen Nadelstichen. Mölders setzt eine Flanke von rechts an den linken Innenpfosten (50.min), dann bricht Willsch doch einmal wie sonst gewohnt über rechts durch – und scheint damit den SV Waldhof kalt zu erwischen: mit enormem Antritt kratzt er einen langen Ball von der recheten Seitenlinie, überläuft die Mannheimer Abwehr und bringt den Ball per Flanke ins Zentrum. Mölders fliegt unter dem Ball durch und so steht der junge Noel Niemann auf einmal alleine mit Ball vor dem Tor, legt sich das Leder zurecht und wuchtet das Leder aus kurzer Distanz auf den Mannheimer Schlußmann, der das Leder nach oben ablenkt, ehe ein Mannheimer beim Klärungsversuch auf der Linie die Kugel endgültig in den Maschen versenkt! Ein erdbebenartiger Torjubel erschallte nun durch Giesing – die Löwen hatten das Brecheisen herausgeholt!

Das 1:0 in der 54.min war nun auch absolut verdient. Mannheim musste sich auch nach Wiederanpfiff auf die Abwehr konzentrieren: erneut Niemann mit einem Schuss aus der zweiten Reihe! Doch gerade als 1860 wieder gefährlich vors Tor zu kommen schien, der entscheidende Fehler des Spiels: anstelle einer Flanke wird auf den vorgerückten Erdmann zurückgelegt, der die Kugel etwas überrascht verliert. Mannheim sofort im Tempogegenstoss-Modus: die schnell heranrauschenden Stürmer kombinieren sich gekonnt in den Löwenstrafraum und lassen Hiller keine Chance (62.min).

Der Ausgleich kam aus dem Nichts, wurde aber hocheffizient vorgetragen. Das Lauern hatte sich für Waldhof gelohnt… 1860 kurz darauf mit dem ersten Wechsel: Niemann erneut verletzt, Nico Karger durfte sein Comeback feiern. Die Löwen brauchten nun einen Moment ehe sie ins Spiel zurück fanden. Dafür aber dann so richtig: Dressel erneut mit starkem Dribbling und obendrein dann ein feiner Pass auf Mölders, der aus halbrechter Position aus 14m erneut am Keeper scheitert. Das hätte auch das 2:1 sein können – ärgerlich! Kurz darauf dann Gebhart für den inzwischen unauffälligen Bekiroglu. Mannheim zog sich nun etwas weiter zurück, verlagerte sich aufs Kontern, kam aber kurz vor Ende der Partie zu einer sehr großen Gelegenheit, als ein hoher Abpraller im allerletzten Augenblick vor der Linie und dem einköpfbereiten SV-Stürmer geklärt werden konnte. Schluss, Abpfiff!

Die Löwen müssen sich erneut nach Führung mit einer Punkteteilung zufrieden geben. Erneut hätten sie am Ende sogar mit leeren Händen dastehen können obwohl sie das etwas überlegenere Team waren. Die Spielweise unter Trainer Köllner macht Freude, scheint aber auch Kraft zu kosten. Es darf aber nicht vergessen werden, dass der SV Waldhof kein Kleinkaliber ist.  Dennoch ein wenig ärgerlich, dass keine der beiden letzten Partien einen Dreier abwarf – insbesondere angesichts des betriebenen Aufwands und der Anzahl der Torchancen der Gegner. Was bleibt sind dennoch sagenhafte zehn Spiele ohne Niederlage. Wann haben die Löwen das zuletzt in einer Bundesliga zu Stande gebracht? Erzählt es uns doch in den Kommentaren!

Florian K.