Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Auswärtsspiel unseres TSV 1860 München bei Borussia Dortmund II in der altehrwürdigen Rote Erde-Kampfbahn zu Dortmund.

Diese Woche wird es nicht nur darum gehen was Dortmund II wohl auf den Platz bringt, sondern auch welche Möglichkeiten die Sechzger – systematisch und taktisch – nach dem Möldersbeben unter der Woche haben.

Schauen wir aber dennoch zuerst wie üblich darauf wie Dortmund II Fußball spielt und wo die Stärken sowie Schwächen der Dortmunder liegen.
Die Dortmunder U23 ist mit einem Marktwert von 11,95 Mio. € klar die wertvollste Mannschaft in der Liga. Systematisch passt sich die U23 dem Spiel der Erstligatruppe nicht an. Bei der zweiten Mannschaft wird im Gegensatz zur ersten hinten mit Dreierkette agiert. Genauer gesagt im System 3-4-3 bzw. einer seiner Varianten 3-4-2-1 oder 3-4-1-2. Zu Saisonbeginn ließ der Coach Enrico Maaßen auch zweimal ein 3-1-4-2 spielen. Seit dem Unentschieden gegen Saarbrücken am 4.Spieltag kam das allerdings nicht mehr zum Einsatz.

Die statistischen Werte von Borussia Dortmund II

  • Ballbesitz 54%
  • Passgenauigkeit 82% (drittbester Wert der Liga)
  • Defensive Zweikampfquote 60%
  • Flankengenauigkeit 38% (drittbester Wert der Liga)
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 7,59 (drittbester Wert der Liga)

Wie spielt Dortmund II?

Wie bei den meisten U-Mannschaften von Bundesliga-Clubs steht die Weiterentwicklung der Spieler in der zweiten Mannschaft im Vordergrund. Daher spielt der BVB mit dem 3-4-3 bzw. seinen Varianten ein System, das eher auf technische Finesse und Geschwindigkeit setzt als auf Kampf mit der Brechstange. Wir müssen uns also auf technisch geprägtes Offensivspiel einstellen. Mit fünf Offensivakteuren vor zwei technisch begabten Sechsern und der Dreierkette entfacht Dortmund nach vorne ein äußerst variables Feuerwerk an Offensivfußball. Das Dreigestirn Tachie – Taz – Pherai in vorderster Front kommt auf sage und schreibe 28 Scorerpunkte (15 Vorlagen / 13 Tore). Bei 52 bisher möglichen Scorerpunkten ein ziemlich guter Wert für das Offensivtrio.

Der Spielaufbau aus der eigenen Defensive im Positionsspiel erfolgt zunächst ruhig und überlegt. Hat Dortmund dann die erste Pressingreihe des Gegners überspielt, wird meist das Tempo angezogen und über schnelle Passkombinationen nach vorn gespielt. Bevorzugt bringen die Dortmunder den Ball mit technischen Mitteln ins Zentrum vor das gegnerische Tor. Passkombinationen sowie Einzelaktionen, um einen Gegenspieler zu überlaufen, sind an der Tagesordnung. Trotz der hohen Flankengenauigkeit bringt Dortmund den Ball eher durch diagonales Spiel an und in den Strafraum als von außen Flanken zu schlagen. Mit neun Flanken pro Spiel schlagen die U23 Borussen die wenigsten Flanken überhaupt in der Liga. Trotzdem finden sie häufig den Weg in den gegnerischen Strafraum. Die zweite Mannschaft des BVB hat ligaweit die drittmeisten Ballkontakte im Strafraum des Gegners zu verbuchen.

Gegen den Ball verschiebt sich das 3-4-3 meist zu einem 5-4-1. Aber auch asymmetrische Verschiebungen, bei denen nur der ballnahe Mittelfeldaußenspieler zurück in die Kette fällt, hat man schon gesehen. Das ist meist dem System des Gegners geschuldet, dem man sich gegen den Ball durchaus versucht anzupassen.

Die Stärken und Schwächen des Systems

Stärken

Das 3-4-3 bietet mit seiner exzellenten Tiefenstaffelung im Zusammenspiel mit taktischer Disziplin im Positionsspiel sehr variantenreiche Spielzüge im Aufbau. Gerade für spielstarke Teams ist dieses System daher eine wahnsinnig effektive Waffe. Angriffspressing und Gegenpressing können mit der Überzahl an Offensivspielern gut umgesetzt werden. Diese Überzahl verhilft der Mannschaft im 3-4-3 auch im letzten Drittel zu hoher Variabilität.

Schwächen

Die Dreierabwehrkette muss situativ immer wieder aus dem Mittelfeld heraus verstärkt werden, wenn der Gegner sich aus dem Pressing befreien kann. Das 3-4-3 stellt hohe Anforderungen an die individuelle Stärke der Spieler sowohl mit als auch gegen den Ball. Wenn die Spieler ihre Rollen im taktischen Konzept nicht akribisch einhalten, kann das Spiel im 3-4-3 leicht zum Debakel werden. Außerdem ist es sehr konteranfällig.

Die Schlüsselspieler

Der Erstztorwart Stefan Drljaca (#40) ist bei hohen Bällen und Standards nicht der sicherste. Abgesehen davon ist er ein solider Torwart mit guten Reflexen, dem allerdings in einigen Momenten noch die Erfahrung fehlt, um wirklich auf dieser Position zu glänzen. Er ersetzt den etatmäßigen Stammkeeper Luca Unbehaun, der seit einigen Wochen mit einer Handverletzung pausieren muss.

Innenverteidiger Lennard Maloney (#4): Kopfballstark, passicher und gutes Stellungsspiel besitzend, manchmal etwas ungestüm, mit Bundesligaerfahrung bei der ersten Elf des BVB ist er der wohl beste der einsatzfähigen Innenverteidiger des BVB II. Vor allem beim Luftkampf ist er eine wirkliche Macht. Seine Kollegen Dams und Finnsson fallen verletzt aus.

Im defensiven Mittelfeld ist Franz Pfanne (#23) der Spieler, auf den es zu achten gilt. Von zehn defensiven Zweikämpfen verliert er nur drei, seine Passquote ist ebenfalls sehr gut. Normalerweise übernimmt die Aufgabe des Spielaufbaus von hinten heraus der gelbgesperrte Antonios Papadopoulos (#18). In wie weit Pfanne zusammen mit dem für Papadopoulos wahrscheinlich auflaufenden Marco Hober (#8) diese Aufgabe im defensiven Mittelfeld ähnlich gut ausfüllen kann wird sich zeigen. Die Sperre ist für den BVB II aber wahrscheinlich ohne größere Probleme zu kompensieren.

Das Trio ganz vorne ist als solches der Schlüssel im Angriff des BVB II. 28 Scorerpunkte und damit mehr als die Hälfte aller Scorerpunkte der Borussia vereinigen diese drei auf sich. Berkan Taz (#10), Richmond Tachie (#11) und Immanuel Pherai (#28) sind alle drei brandgefährlich und müssen unbedingt unter Kontrolle gehalten werden. Schnell, dribbelstark, passsicher und mit einer guten Schussgenauigkeit ausgestattet sind diese drei eines der gefährlichsten Offensivtrios in der Liga.

Wie wird sich der TSV 1860 ohne Mölders präsentieren?

Jetzt steht natürlich noch die Frage im Raum: “wie spielen die Löwen ohne Sascha Mölders?”. Hoffentlich erfolgreich möchte man als erstes sagen, das ist klar. Aber wie wird sich das System verändern bzw. wird es sich überhaupt verändern? Eine der besten Leistungen der letzten Saison wurde beim Sieg in Magdeburg gezeigt, als Mölders ebenfalls abwesend war. Gut, Magdeburg war zu dem Zeitpunkt ein Schatten dessen, was es nun darstellt und wir hatten eine echt gute Phase in der Saison. Aber die Idee ohne echten Stürmer mit sehr flexiblem offensivem Mittelfeld zu agieren, bei dem die gegnerische Abwehr immer wieder Lösungen für die variablen Angriffe finden musste und dies häufig nicht schaffte, hat mir in diesem besagten Spiel sehr gut gefallen. Das wäre eine gute Möglichkeit.

Man kann auch das 4-1-4-1 weiterhin beibehalten, allerdings kann Linsbichler meiner Meinung nach den Part des Zielspielers noch nicht so umsetzen wie es ein Sascha Mölders in Topform könnte. Von daher müsste man auch ein wenig an der Taktik feilen und weniger als bisher auf den langen Ball setzen. Das täte allerdings auch der offensiven Attraktivität gut. Mit unseren technisch versierten Spielern kann das Spiel durchs Zentrums durchaus gut aussehen. Das Spieltempo, vor allem beim Aufbau nach Ballgewinn im eigenen letzten Drittel, müsste sich allerdings signifikant erhöhen, um dann erfolgreich zu sein.

Die letzte Variante wäre ein 4-4-2 System, mit z.B. Bär und Linsbichler als Sturmduo. Dahinter eine flache Raute mit einem defensiven Mittelfeldspieler. Gegen den Ball müsste einer der beiden Stürmer aber unbedingt ins Mittelfeld zurückfallen, da durch das 3-4-3 sonst eine Überzahl entstünde, die aufgrund der technischen Versiertheit der Dortmunder sehr gefährlich würde.

Ohne Mölders wird es auch beim Verteidigen der defensiven Standards anders aussehen als zuletzt. Man konnte doch in dem ein oder anderem Spiel sehen, dass die ausführenden Gegenspieler den Ball oft dorthin spielten, wo Mölders als Gegenspieler zugeteilt war. Nun wird der Gegner eine andere Schwachstelle finden müssen, um bei Standards gegen die Löwen erfolgreich zu sein.

Fazit

Wenn der Paukenschlag Freistellung vom Mannschaftstraining für den Kapitän, der offensichtlich nicht mehr gut in der Mannschaft integriert war, das Team wieder zusammenschweißt und eine Einheit auf dem Platz steht, wird der TSV 1860 München dieses Spiel auf jeden Fall offen gestalten, und auch gewinnen, können.

Es stellte sich ja nie die Frage, ob die Mannschaft wirklich schlecht ist, sondern nur warum sie es denn plötzlich sind. Wenn mit Mölders nun der dafür verantwortliche faule Apfel aus dem Korb entfernt wurde, der die anderen verdorben hatte, dann solls mir recht sein. Ich erwarte volle Konzentration, höchsten Einsatzwillen und gnadenlosen Kampf um jeden Millimeter Boden.

Nichts anderes als drei Punkte sollten die Löwen aus dem Ruhrpott mit nach Hause bringen. Ob das gelingt, hängt natürlich auch vom Gegner ab. Selbstläufer wird es sicherlich keiner. Kann die Mannschaft des TSV 1860 jedoch annähernd Normalform erreichen, wird es für mindestens einen Zähler im Stadion Rote Erde reichen. Ich bin wie gesagt recht zuversichtlich, dass es drei Punkte werden könnten.

Sollte man verlieren, ist es immer eine Frage wie es dazu gekommen ist. Hat man sich abschießen lassen oder wurde bis zum Ende gekämpft? Eine Niederlage der letzteren Art würde nach dieser turbulenten Woche sicher keiner krumm nehmen. Ein weiteres mal so ein blutleeres Gekicke wie gegen Magdeburg oder in der ersten Halbzeit gegen Mannheim will keiner sehen und würde wohl auch weitere Fragen als die zumindest bis Samstag noch offenen aufwerfen.

Wie auch immer: Ich gehe von einer Reaktion der Mannschaft aus, und davon, dass die Sechzger in Dortmund drei Punkte holen.

So könnte die Dortmunder Borussia beginnen

Datenquelle: wyscout

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