Herzlich Willkommen zur TAKTIKTAFEL Analyse des Spiels TSV 1860 München gegen Viktoria Köln.

Der Grundtenor nach dem Spiel war, dass aufgrund der Serien von beiden Mannschaften vor dem Spiel und auch aufgrund des Spielverlaufs die Punkteteilung unter dem Strich gerecht gewesen wäre. Das ist auch meine Meinung. Allerdings war der TSV 1860 München gegen Viktoria Köln über die kompletten 90 Minuten gesehen das vielleicht nicht klar bessere, aber mit Sicherheit das aktivere Team.

Die Spielweisen der beiden Mannschaften

Wie erwartet kamen die Kölner im  4-2-3-1 auf den Platz und der TSV 1860 im flexiblen 4-1-4-1. Die Löwen hatten ihr Pressing diesmal auf vorderster Linie geplant. Die Defensive spielt folglich ebenfalls auf hoher Defensivlinie. Dieser Plan funktionierte, nach einer kurzen Findungsphase in den ersten paar Minuten des Spiels, bis zur Halbzeitpause auch vortrefflich.

Der TSV 1860 München schaffte es, Viktoria Köln in ihrer Spielfeldhälfte nahezu einzuschnüren. Nur durch lange Bälle, die oft unpräzise waren und so durch die glänzend aufgelegte Hintermannschaft der Löwen meist schnell erobert werden konnten, gelang es der Viktoria aus der Rheinmetropole, sich sporadisch Entlastung zu verschaffen.

Den Offensivdruck der Löwen federten die Kölner dennoch gut ab und gerieten keineswegs in große Stressphasen. Trotzdem gab es  Momente der Unachtsamkeit in der Kölner Defensive. Vor allem, als das Tor für den TSV 1860 München fiel.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit drehte sich das Spiel. Die Löwen standen nicht mehr so gut im Raum und auch etwas tiefer als noch im ersten Spielabschnitt. So konnte sich die Mannschaft von Olaf Janßen nach Ballgewinn selbst besser ins Spiel bringen und ihrerseits teilweise die Jagd nach dem Spielgerät bereits vor der Box der Sechzger starten.

In der Folge führte der höhere Druck der Kölner dann auch zu einigen wenigen Fehlern beim TSV 1860 München. Einer dieser Fehler wurde leider bestraft. Schlussendlich trennte man sich, nachdem auf den Ausgleich folgend beide Mannschaften mit offenem Visier die Entscheidung suchten, leitungsgerecht unentschieden.

Die statistischen Zahlen zum Spiel

TSV 1860Viktoria Köln
Ballbesitz52%48%
Passgenauigkeit83%87%
Defensive Zweikampfquote68%47%
Schüsse198
davon aufs Tor15
PPDA*22,3520,81
*(zugelassene Pässe pro Defensivaktion)

 

Neunzehn Mal geschossen, aber nur ein einziger Schuss geht tatsächlich aufs Tor des Gegners. Puh. Da muss man erst einmal durchschnaufen. Das entspricht einer Schussgenauigkeit von rund 5,3%. Aber ist das die ganze Wahrheit? Nein, natürlich nicht. Denn von diesen achtzehn Schüssen, die nicht auf das Tor gingen, wurden acht von einem Gegenspieler geblockt. Geblockte Schüsse, die durchaus aufs und möglicherweise auch ins Tor gegangen wären, wenn der Gegenspieler da seinen Haxen oder Schädel nicht dazwischen gebracht hätte, zählen statistisch leider nicht als aufs Tor geschossen.

Fokus auf die PPDA-Werte

Die nächste statistische Zahl, die zur Verwunderung veranlasst, ist die PPDA. Sie ist ein Indikator für Pressingintensität und es gilt: je niedriger, desto besser. Und wer das Spiel gesehen hat, kann über das Pressing der Löwen doch nur Gutes sagen. Die Viktoria wurde von den Sechzgern so hart wie noch kaum ein anderes Team gepresst. Warum ist die PPDA trotzdem so hoch?

Nun, das liegt, ähnlich wie beim Spiel gegen Magdeburg, als die PPDA ebenfalls hoch war, an der Art des Pressings. Die Löwen stellten geschickt die Räume für den kontrollierten Spielaufbau zu. Sie pressten also hoch und gut im Raum, aber nicht gegen den Mann. Man überließ den Kölnern den Ball, verwickelte sie nicht in Zweikämpfe. Die Sechzger steuerten die Kölner Angriffsmomente so, dass der Mannschaft von Olaf Janßen in den meisten Situationen nichts anderes übrig blieb als es mit dem hohen Ball nach vorne zu versuchen. Die PPDA zeigt die Aktionen gegen den Ball aber nicht über das komplette Spielfeld, sondern eben nur in den für das Pressing wichtigen Zonen an. Aktive Aktionen gegen den Ball fanden aber in diesen Zonen kaum statt. Daher kommt der hohe Wert in dieser statistischen Kategorie.

Der ebenfalls hohe PPDA Wert bei der Viktoria entsteht absolut gegensätzlich dazu aus der Tatsache heraus, dass beim Gegner der Löwen generell nur sporadisch gepresst wurde. Das war ganz zu Beginn der ersten Halbzeit, zu Beginn der zweiten Spielhälfte sowie zum Ende der Partie, als beide Mannschaften mit offenem Visier noch die Entscheidung suchten, der Fall.

Man sieht hier wieder deutlich: Hohe Werte in der PPDA ohne den zugehörigen Kontext zu kennen, können stark in die Irre führen.

Weitere Erklärungen zu den Zahlen vom Spiel zwischen 1860 München und Viktoria Köln

Das Pressing der Löwen, mit dem sie die Angriffe der Kölner steuerten, war jedenfalls unfassbar gut. Sowohl die Raumaufteilung der Löwenspieler zueinander als auch das Timing, wann der dritte und vierte Spieler aus dem Mittelfeld nach vorn schiebt, um die Passwege auf den Flügel oder ins Zentrum zuzustellen, waren hochklassig. Das war bei der Steuerung der gegnerischen Angriffe klar die bisher beste Saisonleistung.

Die langen Bälle, zu denen die Kölner Defensive im Aufbau gezwungen wurde, führten im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, die Köln in letzter Zeit absolviert hat, aber keineswegs zu ähnlich häufigem Gewinn des zweiten Balles, wie die Spieler der Viktoria es gewohnt sind. Sicherlich gab es auch die ein oder andere Situation, wo ein Spieler durchbrechen konnte. Die Frequenz war aber in einem deutlich überschaubaren Rahmen.

Die sehr hohe Passgenauigkeit in der Statistik der Kölner liegt an den vielen Quer- und Rückpässen vor dem eigenen Strafraum. 20% aller Pässe des Gastes fanden zwischen den Spielern der Viererkette plus Torhüter statt. Darin enthalten sind ganze fünf Vorwärtspässe. Die gleiche Statistik beim TSV 1860 München sieht zwar 30% aller gespielten Pässe in der eigenen Viererkette plus Torhüter, aber im Vergleich verzeichnen wir hier vierundzwanzig Vorwärtspässe, die meisten davon vom Zentrum auf einen der Flügel. Auch bei der Anzahl der Rückpässe liegt die Viktoria mit zwanzig mehr gespielten Rückpässen deutlich vorne.

Die Tore

Das 1:0

In der 38. Minute erobert Dennis Dressel den Ball gegen den Kölner Lorch in linker Position gerade noch in der Spielfeldhälfte der Kölner. Er spielt quasi während der Balleroberungsaktion schon nach außen zu Tallig. Tallig passt ein paar Meter nach vorne zu Biankadi, der drei Meter von der linken Seitenauslinie auf vorderer Höhe des Mittelkreises von drei Gegenspielern umgeben ist und umgehend quer ins Zentrum auf den völlig freien Neudecker ablegt. Richy Neudecker nimmt sofort Tempo auf und spielt einen Pass in die Schnittstelle auf die halblinke Seite des Strafraums zu Mölders. Dieser nimmt die Kugel an, macht noch zwei Schritte mit dem Ball und schließt dann an Mielitz vorbei aus elf Metern ins lange Eck ab.

Das völlig verdiente 1:0 der Löwen resultiert somit aus guter Pressingarbeit im Mittelfeld, einem Stellungsfehler von zwei Kölner Spielern, die bei der Verdichtung auf der eigenen rechten Seite das gesamte Zentrum offen lassen, sowie der guten Spielübersicht von Biankadi und Neudecker. Nicht vergessen wollen wir hierbei natürlich die eiskalte Verwertung durch Sascha Mölders.

Der Ausgleich zum 1:1-Endstand

Eine längere Ballbesitzphase der Kölner, die kein Spieler der Sechzger unterbrechen kann, endet in der 64. Minute damit, dass Wunderlich in halbrechter Position auf Höhe des Mittelkreises völlig frei in Ballbesitz kommt. Er schlägt einen langen Ball ins Zentrum vor die Box der Löwen auf Thiele. Der Stürmer kann den Ball per Kopf mehr oder weniger ungestört von den bei ihm befindlichen Sechzgern Willsch und Salger auf Klingenburg in den Strafraum weiterleiten. Der ungedeckte Klingenburg in halbrechter Position im Strafraum hat nur noch Hiller vor sich, zieht ab und trifft. Salger, der in den Schuss noch hineingrätschen will, kommt leider zu spät.

Wo genau lag der Fehler, dass sich Klingenburg so dermaßen frei im Strafraum der Sechzger bewegen kann? Mein erster Eindruck im Spiel sagt, dass Salger da hätte aufpassen müssen. Aber sowohl Belkahia etwas weiter vorn im Zentrum als auch Dressel waren in Klingenburgs Nähe und haben den Kölner diagonal in Position laufen lassen.

Abschließend kann ich hier nicht wirklich aufklären, wer nach Aufgabenverteilung zuständig gewesen wäre. Meine Vermutung diesbezüglich behalte ich für mich.

Fazit zum Unentschieden zwischen 1860 und Viktoria Köln

Summa summarum sieht die Statistik die Sechzger etwas besser als die der Viktoria. Diese mit Erfahrung (im Schnitt mit 27,6 Jahren die älteste Mannschaft der Liga) und Moral ausgestattete Truppe der Viktoria hat sich den Punkt in Giesing mit ihrer abgeklärten, ruhigen Spielweise in den eigenen Defensivreihen und dem Willen, vorne irgendwann zumindest einmal zuzuschlagen, redlich verdient. Wenn Köln es in Zukunft schafft, den Spielen noch mehr den eigenen Stempel aufzudrücken, muss man mit dieser Mannschaft irgendwann auf den vorderen Plätzen rechnen.

Ein tatsächlich gerechtes Unentschieden, das mich dennoch gestern Abend sehr geärgert hat. Im Nachhinein, mit einer Nacht drüber schlafen, sieht die Welt schon wieder besser aus. Die gestrigen Ergebnisse der Konkurrenz kennend, sogar sehr gut.

Wir haben ein spannendes und hochklassiges Drittligaspiel gesehen, bei dem die wenigen Fehler in der Defensive von beiden Mannschaften bestraft wurden.

Wenn die Löwen weiterhin ihrem erfrischenden Angriffsfußball treu bleiben, werden wir alle auch in den verbleibenden fünf Spielen viel Freude mit der Truppe haben. Wohin auch immer die Reise für den TSV 1860 München geht: Löwen, wir sind stolz auf Euch.

 

Datenquelle: wyscout

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