Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Auswärtsspiel unseres TSV 1860 München beim SV Waldhof Mannheim.

Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Auswärtsspiel unseres TSV 1860 München beim SV Waldhof Mannheim. Patrick Glöckner hat für seine Waldhöfer eine ganze Reihe an Systemen im Köcher und möchte meist offensives Kombinationsspiel mit seiner Mannschaft zeigen. Schaut man sich die verschiedenen Systeme, die der SVW seit dem 5:0 für die Löwen im Hinspiel auf den Platz gebracht hat, auf den Seiten der Fußballdatenbanken an, fällt auf, dass sowohl mit Viererkette als auch mit Dreier- respektive Fünferkette gegen den Ball höchst unterschiedliche Erfolge erzielt werden konnten. Grundsätzlich versuchen die Mannheimer, bei variabler Systematik, meist im 4-2-3-1 aber auch im 4-4-2 oder im 3-5-2 immer einen technisch guten Kombinationsfußball auf den Rasen zu bringen.

Ein großes Problem, mit dem der Waldhof momentan zu kämpfen hat ist übrigens ein nicht gerade kleines Lazarett. Schwer wiegen hier die Ausfälle der beiden nominellen Außenverteidiger Marcel Hofrath (#31) und Marcel Gottschling (#24). Außerdem sind Max Christiansen (#13) und Arianit Ferati (#10) verletzt, die als wichtige Stützen im Mittelfeld gelten. Zudem sind mit Dirling, Roczen und Ünlücifci drei weitere Spieler von Waldhof Mannheim gegen den TSV 1860 München nicht einsatzfähig.

Kommen wir aber erst einmal zu den statistischen Fakten.

Die statistischen Werte des SV Waldhof Mannheim

  • Ballbesitz 54%
  • Passgenauigkeit 82%
  • Gewonnene Defensivduelle 60,7%
  • Flankengenauigkeit 28,4%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 9,86

Bei eigenem Ballbesitz wird die Viererkette entweder dynamisch, indem sich ein defensiver Mittelfeldspieler fallen lässt und beide Außenverteidiger hochschieben oder über einen Außenverteidiger gependelt zur Dreierkette. Beim Spiel mit Dreier- bzw. Fünferkette ist das vom System immer so. Wie weit die Außen im Spiel nach vorne hochschieben, hängt dann von der taktischen Ausrichtung ab. Deshalb tun sich manche Sportjournalisten auch mit der Unterscheidung dieser Varianten sehr schwer. Hochschiebende Außenverteidiger oder abkippende Mittelfeldaußen? In einigen taktischen Schemata der Presse ist beispielsweise für den SV Waldhof ein 3-4-3 eingepflegt, in anderen ein – auf dem Papier – noch abenteuerlicher anmutendes 3-1-4-2. Derartige Verschiebungen finden immer nur bei eigenem Ballbesitz statt. Es gibt kein System, in dem mit nur drei Mann auf der letzten Linie gegen den Ball gearbeitet wird.

Defensiv wird fast jedes System mit Dreierkette durch abkippende Mitelfeldaußen zu einer Fünferkette verschoben. In seltenen Fällen, wenn der Trainer auf ein Team mit großem taktischen Verständnis zurückgreifen kann, kommt es vor, dass situativ asymmetrisch aus dem Mittelfeld zur Viererkette verschoben wird. Die Verschiebung findet dann sowohl in der Vertikalen (Dreierkette bewegt sich nach links oder rechts) als auch in der horizontalen Linie (ein Mittelfeldaußen kippt ab) statt.

In den von mir beobachteten Spielen der Mannschaft aus der Quadratestadt wurde die Dreierkette, wenn sie gespielt wurde, gegen den Ball immer über doppelt abkippende Außen zu einer Fünferkette.

Taktische Variabilität

Welches System wir am Samstag von den Kurpfälzern erwarten müssen, lässt sich aufgrund der Variabilität, die Patrick Glöckner offensichtlich bei der Wahl seines Systems an den Tag legt, schwer vorhersagen. Darum muss ich mir die Frage stellen: Was würde ich an Glöckners Stelle gegen den TSV 1860 München systematisch bei Waldhof Mannheim auf den Platz stellen und was wäre meine taktische Ausrichtung?

Nun gibt es in der 3. Liga kaum eine Mannschaft, die in der gegnerischen Spielfeldhälfte ähnlich variabel spielt wie der TSV 1860 München. Was macht man da als Trainer? Spontan könnte man sagen, dass die Variante 4-2-3-1 wohl am sichersten wäre wegen der Kompaktheit. Einerseits das beliebteste System der Liga, andererseits aber auch etwas, was die Löwen schon öfter als einmal deutlich zerlegt haben.

Es bleiben für mich, wenn wir das 4-2-3-1 verwerfen, zwei Möglichkeiten. Es geht hier um eine Mannschaft, die mit nur sieben Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge um jeden Punkt fighten muss. Nur so stellt man sicher, dass man die Klasse hält. Es bleibt gegen den Ball also entweder das 4-4-2 (flach) tief gestaffelt, oder ein noch defensiveres 5-4-1. Beide Systeme können auf Konterfußball auslegt werden. Bei eigenem Ballbesitz im Umschaltspiel würde dann auf 4-2-2-2 im Falle des 4-4-2 oder 3-4-1-2  verschoben werden, wenn das 5-4-1 zugrunde liegt.

Im Positionsspiel würde ich die Variante mit der flachen Raute (4-1-2-1-2) aus dem 4-4-2 heraus wählen. Für das sehr defensive 5-4-1 würde ich im Positionsspiel auf ein 3-2-3-2 setzen und die Mannschaft anweisen, bis vor das letzte Drittel auf Flügelspiel zu setzen. Die hinterlaufenden Außenverteidiger sollte man dabei stark einbinden. Das zieht das Spiel in die Breite und schafft so mehr Räume im Zentrum

Welche dieser Varianten wäre nun die erfolgsversprechendere?

Dass das 4-4-2 (flach) mit zwei Sechsern gegen den TSV 1860 München funktionieren kann, haben wir diese Saison schon gesehen.

Obwohl die Mannheimer oft ein sehr aggressives Pressing spielen, fällt auf, dass Balleroberungen hauptsächlich im Mittelfeld oder im letzten Drittel erfolgen. Die vielen Aktionen gegen den Ball vorne laufen also des Öfteren ins Leere. Die niedrige PPDA zeigt leider nicht an, wie erfolgreich die ihr zugrundeliegenden Aktionen sind.

Diese Fakten als Grundlage für die “Systemorakelei” kennend würde ich mich abschließend wahrscheinlich für das 4-4-2 (flach) mit zwei defensiven Mittelfeldspielern und hängender Spitze entscheiden.

Stärken und Schwächen des 4-4-2

Die Stärken

Mit den doppelt besetzten Flügeln kann man großen Druck über die Außenpositionen erzeugen. Kurze Laufwege im Umschaltspiel helfen der Mannschaft im 4-4-2 kraftsparend zu spielen. Das kann am Ende einer Partie der entscheidende Faktor für Sieg oder Niederlage sein. Die kompakte Formation gegen den Ball kann Mannschaften, die kreativ limitiert sind, vor Probleme beim Eindringen in die Box stellen. Durch die Ausgewogenheit in allen Mannschaftsteilen kann man gegen manche andere Systeme mit geringen Verschiebungen für Überzahl sorgen. Mittelfeldpressing wird stark begünstigt.

Die Schwächen

Wenn die Stürmer vom Gegner gut isoliert werden, ist es für die Offensive schwer eine Bindung zwischen Mittelfeldzentrum und Stürmern herzustellen. Daher geschieht der Aufbau häufig über die Außenpositionen. Im Spiel gegen Mannschaften, die ein System mit nur einer Sturmspitze spielen, kann die Ausgewogenheit in beide Richtungen auch eine Schwäche darstellen. Nämlich dann, wenn die Stürmer gegen den Ball nicht mit nach hinten arbeiten und bei Ballbesitz beide Stürmer gleich in vorderster Front anzutreffen sind.

Schlüsselspieler

Der Torwart

Timo Königsmann (#1) hat seit achtzehn Spielen den Platz im Tor vom vorherigen Stammkeeper Behrens übernommen und macht seine Sache im Großen und Ganzen sehr gut. Zu den Top Torhütern der Liga gehört er allerdings nicht.

Der Kapitän

Marcel Seegert (#5) ist Innenverteidiger, Abwehrchef und Kapitän der Waldhöfer in einem. Er ist sehr zweikampf- sowie kopfballstark und hat obendrein ein gutes Stellungsspiel. Auch sein Kollege in der Innenverteidigung Jesper Verlaat (#4) ist definitiv ein Schlüsselspieler. Statistisch hat er noch bessere Werte in den für diese Position wichtigen Kategorien.

Die Mittelfeldspieler

Marco Schuster (#6) ist der Mittelfeldstratege auf der Sechserposition. Er ist kopfballstark, defensiv zweikampfstark, hat eine wahnsinnig gute Übersicht und das wahrscheinlich genaueste Passspiel aller Drittligaspieler auf dieser Position. Dass er für das Spiel gegen den TSV 1860 München gelbgesperrt fehlt, wird Patrick Glöckner mittlere bis große Kopfschmerzen bereiten. Aktuell ist er außerdem offensichtlich beim SC Paderborn im Gespräch. Gerrit Gohlke (#27), eigentlich Innenverteidiger scheint mir am ehesten geeignet ihn zu vertreten, aber auch Benedict dos Santos (#21) wäre eine mögliche Option.

Marcel Costly (#17) auf der rechten Außenbahn gehört zu den schnellsten Mittelfeldaußen der Liga. Obendrein ist er stark in eins gegen eins Situationen und steht auch in Situationen gegen den Ball durchaus seinen Mann. Sechs Vorlagen und vier Tore hat er auf dem Konto.

Der Torjäger

Mittelstürmer Dominik Martinovic (#11), Topscorer beim SV Waldhof, hat 11 Tore und 7 Vorlagen auf dem Kerbholz. Schafft man es ihn kalt zu stellen, ist für die Defensive viel gewonnen. Seine Schussgenauigkeit ist sehr gut. Die für einen Stürmer wahnsinnig hohe Passgenauigkeit mit über 70% im Durchschnitt lässt einen auch aufhorchen. Im Dribbling ist er stärker als bei offensiven Laufduellen. Der junge Stürmer ist sich nicht zu schade hinten mitzuhelfen und nötigenfalls auch in der eigenen Spielfeldhälfte gegen den Ball zu arbeiten.

Wie muss der TSV 1860 München an das Spiel herangehen, damit man Waldhof Mannheim besiegen kann?

Nun darf man nicht davon ausgehen, dass es wieder ein Schützenfest wie im Hinspiel und bei der jüngsten Partie der Mannheimer gegen den 1.FC Saarbrücken werden wird.

Die Tugenden aus den letzten Spielen, die beim Spiel gegen den Ball aus sauberer Pressingarbeit über Angriffssteuerung und direktem Pressing zu vielen Balleroberungen außerhalb der eigenen Gefahrenzone führte, müssen auf jeden Fall weiter gezeigt werden.

Auch weitere Aspekte des Spiels gegen Köln waren positiv und sollten beibehalten werden. Am Dienstag gelang es die langen Bälle der Viktoria aus Köln in die sogenannte Pressingfalle zu zwingen. Außerdem wägte man die direkten Attacken auf den ballführenden Spieler im Aufbauspiel des Gegners ab. Das richtige Rezept fürs Pressing zu finden ist der Schlüssel.

Rückschlüsse von der Partie Saarbrücken – Mannheim

Bedenkt man Passgenauigkeit und Spieltempo der Waldhöfer sollte das Rezept, das gegen Köln funktioniert hat, auch gegen Mannheim ein adäquates Mittel sein. Ob das auch wie gegen die Viktoria auf der vordersten Linie stattfinden muss oder ob man das so anlegt wie Saarbrücken am Mittwoch gegen die Mannheimer, ist eine weitere Frage, die man sich stellen muss.

Saarbücken hat dem SVW viel Raum in der eigenen Hälfte gelassen und erst kurz vor der Mittellinie begonnen, die Passwege zu behindern. Der Raum für Mannheims Positionsspiel wurde somit in der Saarbrücker Spielfeldhälfte sehr eng gemacht, um dann bei Ballgewinn überfallartig die Schwächen in der Rückwärtsbewegung des SV Waldhof auszunutzen.

Meine Tendenz für unser Spiel am Samstag geht zu einer etwas tieferen Pressinglinie als noch gegen Köln mit allerdings relativ hoher Defensivlinie, um dem Gegner möglichst wenig Raum anzubieten und das eigene Stellungsspiel gegen den Ball, das gegen Mannheim sehr entscheidend zum Erfolg sein wird, zu begünstigen.

Wie man offensiv gegen den Waldhof vorgeht, ist wie bei jedem anderen Gegner auch natürlich eine Frage dessen, was man angeboten bekommt. Die variable taktische Herangehensweise, die Trainer Michael Köllner in der Offensive beim TSV 1860 München etabliert hat, braucht dazu auch keinen starren Plan. Die Offensive ist mit einem großen Arsenal an Möglichkeiten ausgestattet, um dem Gegner Schwierigkeiten zu bereiten. Die Spieler der Sechzger sind zudem intelligent genug, um innerhalb der vorgegebenen Marschroute selbst kreativ in den ihnen zugewiesenen Räumen in der Offensive so zu agieren, dass man das mögliche Maximum an Chancen herausspielen kann. Aufgrund dessen, was ich in den letzten Spielen der Mannheimer beobachtet habe, wird es an Momenten nicht mangeln die geeignet sind, um dieses Auswärtsspiel erfolgreich zu gestalten.

Fazit

Ob der Waldhof so spielen wird, wie ich es tun würde oder ob Patrick Glöckner lieber doch bei der von Mannheim im Normalfall gezeigten offensiven Ausrichtung bleibt, werden wir am Samstag ab 14:00 Uhr in Erfahrung bringen können.

Löwentrainer Michael Köllner wird wie immer die richtige Marschroute ausgeben und die Mannschaft des TSV 1860 München wird alles dafür tun, um für sich und uns drei Punkte aus der kurpfälzischen Quadratestadt mitzubringen.

Dass ein Sieg unserer Mannschaft immer im Bereich des Möglichen liegt, wissen wir. Hoffen wir darauf, dass der Matchplan des Trainers aufgeht und das Team die Chancen, die sich mit Sicherheit ergeben werden, konsequent nutzen wird.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was uns beim Waldhof erwartet. Den letzten Auftritt dort, noch unter der Ägide von Daniel Bierofka, habe ich nicht in guter Erinnerung. Hoffen wir, dass unsere Mannschaft dieses Erlebnis verblassen lässt.

Diese Startaufstellung von Waldhof Mannheim ist gegen den TSV 1860 München denkbar

 

Datenquelle: wyscout

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