Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel des TSV 1860 München gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Sechs Spieltage vor der Winterpause trennte man sich bei Wehen Wiesbaden vom sympathischen Trainer Rüdiger Rehm. Nach zwei Spielen, in denen Co-Trainer Döring als Teamchef fungierte, wurde Markus Kauczinski als Chefcoach installiert, der bis zu letzten Rückrunde Dynamo Dresden trainiert hatte. Rein vom System hat sich damit bei den Wiesbadenern nicht viel geändert. Verloren haben die Hessen seit der Demission Rehm’s nur das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Kauczinski lässt seine Teams, so auch die Wehener seit er sie übernommen hat, meist im 4-2-3-1 antreten. Gegen den Ball kann der SVWW situationsabhängig gut zwischen direktem Pressing, das auf Balleroberung ausgelegt ist, und Angriffssteuerung umschalten. Auch die Offensive der Hessen kann ihre Spielweise gut an die defensive Herangehensweise der gegnerischen Teams anpassen.

Die wichtigsten statistischen Werte des SVWW

  • Ballbesitz 44% (drittletzter Platz in der Liga)
  • Passgenauigkeit 76% (vorletzter Platz in der Liga)
  • Defensive Zweikampfquote 64% (Platz zwei in der Liga)
  • Flankengenauigkeit 35% (4. Platz in der Liga)
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 10,7

So spielt Wehen Wiesbaden

Technisch guter Fußball, offensiv variabel mit viel Zug zum Tor und mit einer defensiv eher abwartenden Grundhaltung. So kann man die Spielweise des SVWW zusammenfassen. Vor allem die Fähigkeit sich schnell auf die gegnerische Spielweise einzustellen ist auffallend.

Den Gegner das Spiel machen lassen und selbst Nadelstiche setzen, in welcher Form auch immer, ist das Credo der Wiesbadener. Damit fahren sie auch durchaus gut.

Steht der Gegner defensiv tief, hat Wehen die Voraussetzungen sich in den Strafraum hineinzukombinieren. Presst der Gegner hoch, können die Wehener auch mit präzisem vertikalen Spiel Torchancen herausspielen.

Im letzten Spiel der Hinrunde gegen den Halleschen FC hätte Wehen bei diversen Chancen, die aus dem vertikalen schnellen Spiel entstanden, bereits zum Pausentee mit fünf Toren führen müssen, die alle solchen Situationen entsprangen.

Zum Rückrundenauftakt gegen den SC Freiburg kombinierte man sich durch die tiefstehende Defensive der Breisgauer Nachwuchself und siegte mit 2:0 Toren ein wenig unverdient, aber dennoch klar.

Das beliebte 4-2-3-1 System begünstigt den taktischen Ansatz den Kauczinski verfolgt. Durch die Doppelsechs mit drei torgefährlichen Mittelfeldspielern davor und mit dem aus dem Mittelfeld heraus gut unterstützten Sturm ist Wehen Wiesbaden, wenn sie ins letzte Drittel eindringen, sehr schlecht berechenbar. Die vier Offensivspieler haben zusammen 36 Scorerpunkte auf dem Konto. Hollerbach sticht dabei mit sechs Assists als bester Vorlagengeber heraus. Nilsson, der morgen coronabedingt fehlen wird, ist mit bereits elf Treffern bester Schütze.

Gegen den Ball wird – wie oben schon beschrieben – lieber auf Angriffssteuerung gesetzt als auf direkte Balleroberung bereits in der gegnerischen Spielfeldhälfte.

Stärken und Schwächen des 4-2-3-1

Die Stärken

Gegen den Ball ist das 4-2-3-1 in der Zentrale und Richtung eigener Box sehr kompakt. Es gibt den Gegnern kaum Raum, um dort vernünftiges Passkombinationsspiel aufzuziehen. Auch gegen zwei oder drei Stürmer ist man durch die beiden defensiven Mittelfeldspieler gut abgesichert. Nach Balleroberung kann das Spiel über die beiden Sechser relativ variabel gestaltet werden. Sowohl über die Flügel als auch über das Zentrum sind schnelle Angriffe möglich, wenn man die Lücken im Raum schnell erfasst und alle Offensivspieler ihre Laufwege situationsbedingt richtig anlegen. Oft schaltet sich einer der beiden Sechser auch aktiv und nicht nur als Ballverteiler in das Offensivspiel mit ein. Dadurch wird die Offensive als Ganzes schwerer auszurechnen.

Die Schwächen

Gegen den Ball ist ein Gegner, der gern über die Flügel angreift schwer zu kontrollieren, da die Wege zum Doppeln eines Spielers relativ weit sind und die Doppelung vom Angreifer oft schon erkannt wird, wenn sich der doppelnde Gegner aus seiner taktischen Grundposition löst. Das führt bei guter Spielübersicht und genauem Passspiel zu viel Raum für die angreifende Mannschaft. Die Mittelfeldspieler auf den Außenpositionen müssen außerdem ein extrem hohes Laufpensum bewältigen, wenn sie die gegnerischen Flügel unter Kontrolle halten wollen. Im Spiel nach vorne ist vor allem das Fehlen eines zweiten Stürmers ein großes Manko, da sich durch dessen Fehlen für den Spieler in der Sturmzentrale nur wenig Raum zur Entfaltung seiner Fähigkeiten bietet. Deshalb sind torgefährliche Mittelfeldspieler, die mit aufrücken zwingend erforderlich, um im 4-2-3-1 erfolgreich zu sein.

Die Schlüsselspieler bei Wehen Wiesbaden

Torhüter Florian Stritzel (#16), Neuzugang aus Darmstadt, hat Stammkeeper Tim Boss seit Saisonbeginn verdrängt. Der 27-jährige Deutsch – Österreicher ist ein sicherer Rückhalt, aber kein Torhüter der regelmäßig sogenannte unhaltbare Schüsse entschärft. Ob er wirklich die bessere Wahl als Tim Boss ist, wage ich persönlich zu bezweifeln. Momentan stellt sich aber die Frage nach Boss jedoch nicht, denn der laboriert seit Oktober an einem Meniskusriss.

Sascha Mockenhaupt (#4), Abwehrchef des SVWW, fällt wegen muskulärer Probleme aus. Er wird wahrscheinlich durch Florian Carstens (#17) ersetzt. Der 1,92 m große Hüne gewinnt 81% seiner Zweikämpfe, zeigt aber Schwächen im Aufbauspiel.

SVWW-Kapitän Sebastian Mrowca (#10) fehlte in der zweiten Hälfte der Hinrunde wegen einer Muskelverletzung. Ob er am Samstag fit ist und auflaufen kann, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass er – falls er fit ist – spielt. Gegen den Ball ist Mrowca im defensiven Mittelfeld eine Bank. Selbst wenn er seine Defensivzweikämpfe nicht gewinnt, stört er doch meist seinen Gegenspieler derart, dass dieser beim nächsten Verteidiger den Ball los ist. Im Spiel nach vorn sieht er als strategischer Aufbauspieler viele Bälle und verteilt diese mit Übersicht.

Benedict Hollerbach (#21) auf der rechten Seite der offensiven Dreierkette im Mittelfeld hat bereits sechs Vorlagen zu Buche stehen. Mit seiner Schnelligkeit, seiner überragenden Technik und seinem guten sowie präzisen Passspiel verblüfft er die gegnerischen Abwehrketten immer wieder. Die linke Abwehrseite des TSV 1860 wird von ihm sicherlich neunzig Minuten lang beschäftigt werden.

Gustaf Nilsson (#29), der 1,96 m große Mittelstürmer, ist diese Saison eine Naturgewalt. Bereits elf Treffer (drei per Kopfball) hat er in siebzehn absolvierten Spielen auf der Habenseite. Zum Leidwesen für die Wehener wird er dank Corona ausfallen. Er wird vermutlich durch Johannes Wurz (#8) oder John Iredale (#33) ersetzt

Fazit

Die Vorbereitung für den TSV 1860 München im Trainingslager in Belek lief hervorragend. Das gewonnene Testspiel gegen Hansa Rostock macht Lust auf mehr. Wehen Wiesbaden ist sicherlich ein unangenehmer Gegner, aber für mein Dafürhalten absolut schlagbar. Ich erwarte ein rassiges, kampfbetontes Spiel, in dem die Sechzger am Ende die Nase knapp vorne haben sollten. Der neu entfachte Teamgeist, von dem die ins Trainingslager mitgereisten Fans berichten, macht mir dabei große Hoffnung. Dass unser Trainer Michael Köllner das Team immer mit dem richtigen Plan aufs Feld schickt, sollte außer Frage stehen. Wenn die Mannschaft diesen Plan richtig umsetzt, wird Wehen Wiesbaden ohne Punkte zurück nach Hessen fahren. Voller Einsatz und höchste Konzentration ist jedoch die Voraussetzung für den TSV 1860, um das zu erreichen.

Mit dem Rückenwind aus den beiden guten Spielen vor der Winterpause und neu entfachten Konkurrenzkämpfen auf diversen Positionen befinden wir uns in einer hervorragenden Position, um eine Aufholjagd zu starten. Gehen wir es an – am besten mit einem Sieg.

So könnte Wehen Wiesbaden morgen beginnen

 

Datenquelle: wyscout

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