Die letzte TAKTIKTAFEL des Jahres beschäftigt sich mit unserem heutigen Gegner. Was die Löwen beachten müssen, um die Englische Woche mit weiteren drei Punkten zu veredeln, lest ihr jetzt!

Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel unseres TSV 1860 München gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Der Motor der Mannschaft aus der Hessischen Landeshauptstadt stottert auswärts ein wenig. Seit der Englischen Woche Ende Oktober konnte die Truppe von Trainer Rüdiger Rehm kein Auswärtsspiel mehr siegreich gestalten und nur gegen den 1. FC Saarbrücken reichte die Leistung des SV, um einen Punkt zu ergattern. Für meine Herangehensweise an die Analyse der Spielweise des SV Wehen hat das aber nur geringe Bedeutung, denn auch bei Niederlagen der Wehener wie in Duisburg vergangenen Samstag konnte man durchaus sehen, dass der SV fähig ist guten Fußball zu spielen. Außerdem können die Wiesbadener ebenfalls ein Lied davon singen, dass über Sieg oder Niederlage in so einer knappen Liga manchmal Kleinigkeiten wie ein Schiedsrichterpfiff entscheiden. Nur einen Punkt hinter dem TSV bei gleich vielen Spielen rangieren die Wiesbadener momentan auf Rang fünf der Tabelle.

Die taktische Grundformation unserer Gäste

Rüdiger Rehm favorisiert wie viele seiner Kollegen in Liga drei ein eher defensiv ausgerichtetes 4-2-3-1 System. Nur zweimal in fünfzehn Spielen hatte die Startaufstellung mit dem uns sehr vertrauten 4-1-4-1 ein anderes Gesicht. Flügellastig mit leichter Tendenz für die linke Seite bauen die Wiesbadener ihre Angriffe auf. Erste Station im Spielaufbau ist meist der vom 1. FC Nürnberg an den Rhein gewechselte Jakov Medic (#13), bevor der Ball auf die Reise über die Flügel geschickt wird. Nominell ist er ein ballspielender Innenverteidiger, bei den Wehenern bekleidet er allerdings die Position des etwas defensiveren Sechsers in der Doppelsechs des 4-2-3-1 und sichert für seinen Nebenmann Marc Lais (#18) ab, der bei Ballbesitz der Wehener gerne auch mal den Weg mit nach vorne sucht. Aus dem defensiven Zentrum heraus gehen also die meisten Angriffe (76%) der Wehener zunächst über einen der beiden Flügel, vornehmlich über den Linken.

Um Räume zu öffnen arbeiten die Wiesbadener manchmal gerne mit Seitenwechseln im Mitteldrittel der gegnerischen Spielfeldhälfte. Progressive Läufe und Steilpässe der schnellen Außen sind jedoch die häufigste Waffe, um das zu erreichen. Der Weg in den Strafraum wird vom SV Wehen Wiesbaden in den meisten Fällen per Flanke oder Passspiel gesucht. Knapp jede dritte Flanke findet dabei auch ihr Ziel. Sehr selten kommt es vor, dass sich ein Spieler die Kugel schnappt und versucht mit Ball am Fuß in den Sechzehner des Gegners einzudringen. So kommen die Wehener pro Spiel durchschnittlich 24 mal in des Gegners Strafraum. Von zwölf Schussversuchen pro Partie gehen vier Stück so auf den Kasten der Gegner, dass der Torhüter eingreifen muss.

Gegen den Ball steht der SV Wehen lieber tief und versucht Räume eng zu machen, um das Spiel für die Gegner vor der Box schwer zu gestalten. Um in Ballbesitz zu gelangen sind Zweikämpfe weit weniger erfolgreich als das Einlaufen in Passwege durch gutes Stellungsspiel und Antizipation. Aus diesem Grund kommt es bei den Wiesbadenern nicht selten vor, dass daraus resultierend Konterangriffe gesetzt werden können. Viel Ballbesitz ist mit dieser taktischen Herangehensweise nicht zwingend nötig. Solange das Defensivbollwerk hält und schnell umgeschaltet wird, können die Wiesbadener aus jeder vernünftig verteidigten Situation vor ihrem Strafraum mit Hilfe ihrer schnellen Leute im Mittelfeld gefährliche Angriffe einleiten. Wenn es brenzlig wird, scheut die Elf vom Rhein allerdings auch nicht davor zurück, etwas Härte ins Spiel zu bringen und den Gegner mit unfairen Mitteln vom Ball zu trennen. Der SVWW ist die Mannschaft, die in der 3. Liga am häufigsten pro Spiel foult.

Generelle Stärken und Schwächen des Systems 4-2-3-1
Die Stärken

Gegen den Ball, ist das 4-2-3-1 in der Zentrale und Richtung eigener Box sehr kompakt. Es gibt den Gegnern kaum Raum, um dort vernünftiges Passkombinationsspiel aufzuziehen. Auch gegen zwei oder drei Stürmer ist man durch die beiden defensiven Mittelfeldspieler gut abgesichert. Nach Balleroberung kann das Spiel über die beiden Sechser relativ variabel gestaltet werden. Sowohl über die Flügel als auch über das Zentrum sind schnelle Angriffe möglich, wenn man die Lücken im Raum schnell erfasst und alle Offensivspieler ihre Laufwege situationsbedingt richtig anlegen. Oft schaltet sich einer der beiden Sechser auch aktiv und nicht nur als Ballverteiler in das Offensivspiel mit ein. Dadurch wird die Offensive als Ganzes schwerer auszurechnen.

Die Schwächen

Gegen den Ball ist ein Gegner, der gern über die Flügel angreift, schwer zu kontrollieren, da die Wege zum Doppeln eines Spielers relativ weit sind. Dadurch wird dieser Versuch vom Angreifer oft schon frühzeitig erkannt wird und das Lösen aus der taktischen Grundposition bemerkt. Bei guter Spielübersicht und genauem Passspiel führt das zu viel Raum für die angreifende Mannschaft. Die Mittelfeldspieler auf den Außenpositionen müssen außerdem ein extrem hohes Laufpensum bewältigen, wenn sie die gegnerischen Flügel unter Kontrolle halten wollen. Im Spiel nach vorne ist vor allem das Fehlen eines zweiten Stürmers ein großes Manko, weil sich dadurch für den Spieler in der Sturmzentrale nur wenig Raum zur Entfaltung seiner Fähigkeiten bietet. Mit aufrückende, torgefährliche Mittelfeldspieler sind für ein erfolgreiches 4-2-3-1 zwingend erforderlich.

Statistische Werte des SV Wehen Wiesbaden
  • Ballbesitz 49%:51%
  • Passquote 79%
  • defensive Zweikampfquote 58,5% (schlechter Wert)
  • 12 Schüsse pro Spiel  (davon 4 aufs Tor)
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion): 11,44
  • Angriffsverteilung: 41% Links, 24% Zentrum, 35% Rechts
Die Schlüsselspieler

Tim Boss (#1) im Tor war bis Ende letzter Saison Ersatzkeeper bei Dynamo Dresden. Er hat gute Reflexe und eine gute Strafraumbeherrschung. Die Statistik zeigt, dass er oft der Leidtragende der Fehler seiner Vorderleute ist. Trotz allem kann er diese aber durch seine starken Reflexe öfter ausbügeln als es den Gegnern lieb ist. Auch im eins gegen eins hat er große Stärken.

Innenverteidiger Sascha Mockenhaupt (#4) ist zweikampfstark, passicher und mit einer guten Antizipation ausgestattet. Er ist der kopfballstärkste Verteidiger des SVWW. Hohe Bälle auf seinen Gegenspieler sind wahrscheinlich keine gute Idee.

Der rechte Außenverteidiger Marvin Ajani (#22) wird bei manchen Statistikplattformen auch als Mittelfeldspieler gelistet. Er ist aber mehr Notlösung als alles andere für diese Position. Über seine Seite könnten sich für die Löwen Möglichkeiten ergeben.

Jakov Medic (#13) ist der Staubsauger im defensiven Mittelfeld. Er fängt die meisten Pässe ab. Zudem ist er zusammen mit seinem Nebenmann Lais für die Spieleröffnung zuständig.

Topscorer Maurice Malone (#11) ist sicherlich der Akteur, auf den die Löwen am meisten aufpassen müssen. Mit allen Freiheiten ausgestattet kann der wie ein Schattenstürmer agierende Spieler überall auftauchen und seine Mitspieler entsprechend in Szene setzen oder selbst den Abschluss suchen. 55% seiner Schüsse gehen aufs Tor. Fünf Vorlagen und sechs Tore hat er bisher auf dem Kerbholz.

Fazit

Der auswärtsschwache SV Wehen Wiesbaden kommt am Abend sicherlich nicht nach München, um freiwillig die Punkte dazulassen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass der TSV 1860 München drei Punkte im letzten Heimspiel des Jahres erzielen kann, wenn er konsequent, konzentriert und überlegt spielt. Ähnlich wie unsere letzten Gegner plagt auch die Wiesbadener eine Verletztenmisere. Der eigentliche Kapitän und sehr starke Innenverteidiger Sebastian (Beppo) Mrowca, der in Jugendtagen beim roten Stadtrivalen gespielt hat, wird wegen einer Operation am Knie ausfallen. Das Gleiche gilt für Stefan Aigner und fünf weitere Spieler aus dem 26 Mann starken Kader des SVWW. Es gilt für den TSV 1860 München in diesem letzten Spiel vor der kurzen Weihnachtspause noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und die gute Tabellenposition zu festigen. Bei Leistungen wie gegen Mannheim oder Kaiserslautern bin ich sehr zuversichtlich, dass das klappen wird.

Diese Aufstellung erwarte ich von unseren Gästen heute abend:

Verfolgen könnt ihr das Spiel in gewohnter Art und Weise in unserem sechzger.de – Liveticker.

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