Der 26-jährige Sebastian Mrowca ist mittlerweile der dienstälteste Spieler des SV Wehen Wiesbaden und bereits seit 6 Jahren im Verein. Der gebürtige Rosenheimer wechselte im Sommer 2014 von Energie Cottbus nach Wiesbaden. Unter Ex-Löwentrainer Rudi Bommer gab Mrowca im Herbst 2013 sein Zweitligadebüt bei den Lausitzern. Die Löwen und das Grünwalder Stadion kennt der 6-malige polnische U-Nationalspieler bestens. Mrowca wuchs im ca. 50 km südlich von München gelegenen Hausham auf und durchlief die Jugendabteilung des FC Bayern.

Für sechzger.de nahm sich “Beppo”, der den Gästen aktuell aufgrund einer Knieverletzung fehlt, die Zeit für ein Interview.

sechzger.de: Servus Beppo, 
erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Die aktuell wohl wichtigste Frage vorneweg: 
Wie gehts dir und was macht dein Bein? Du wurdest ja im Oktober aufgrund einer Verletzung am Knie operiert. Kannst du schon sagen, wann du wieder mit dem Training anfangen kannst?

Sebastian Mrowca: Servus zusammen, danke der Nachfrage. Mir geht es gut und die Reha verläuft so wie sie soll. Ich möchte im neuen Jahr wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Wann genau das sein wird, kann ich allerdings noch nicht genau sagen. Ich möchte der Mannschaft aber natürlich so schnell wie möglich wieder helfen.

sechzger.de: Wie beurteilst du die bisherige Saison des SVWW?

Sebastian Mrowca: Ich denke, wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein. Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ist es wohl die fehlende Konstanz. Leider waren wir in einigen Spielen, die wir nicht hätten verlieren müssen, zu unkonzentriert und das spiegelt unsere Bilanz auch wider. Mit Blick auf die Tabelle können wir zufrieden sein, allerdings ist uns natürlich auch bewusst, dass man durch die Enge der Liga mit z.B. zwei Niederlagen am Stück auch schnell den Blick nach unten werfen muss.

sechzger.de: Welche Mannschaften überraschen dich bislang sowohl positiv als auch negativ am meisten?

Sebastian Mrowca: Positiv überrascht bin ich auf jeden Fall vom SC Verl und vom 1. FC Saarbrücken. Die Verler hatte ich vor dem Aufstieg nicht wirklich auf dem Schirm, umso mehr bin ich von Ihrer Spielweise angetan. Saarbrücken habe ich in der vergangenen Saison ein paar Mal gesehen, da hatte ich eine kleine Vorahnung, dass sie durchaus auch in der 3. Liga eine gute Rolle spielen können. Negativ überrascht mich aktuell der MSV Duisburg. Das hätte nach der vergangenen Spielzeit wohl keiner gedacht, dass sie heuer solche Schwierigkeiten haben. Ich denke aber, dass ihr Kader gut genug ist, um aus diesem Loch wieder herauszukommen.

Absteiger aus der 2. Bundesliga

sechzger.de: Nachdem ihr in der vorletzten Saison aus der 3. Liga aufgestiegen seid, folgte in der vergangenen Spielzeit im Unterhaus leider der direkte Wiederabstieg. Was waren die Gründe dafür?

Sebastian Mrowca: Die Gründe dafür auszumachen ist immer etwas schwierig. Wir dachten wir können mit unserer Spielweise und unserem System in der Liga bestehen. Allerdings haben vor allem die ersten Spieltage, in denen wir einfach zu wenig Punkte geholt haben, gezeigt, dass das nicht der Fall ist. Wir haben uns zwar im Laufe der Saison noch gesteigert, aber letzten Endes war es dann einfach zu wenig. Für alle Spieler und das Trainerteam war der Aufstieg und die Saison im Unterhaus dennoch eine super Erfahrung und ich glaube, dass jeder daraus gelernt hat. Wenn wir nochmal aufsteigen würden, wüssten wir auf jeden Fall, was wir besser machen müssen.

sechzger.de: Mit Rüdiger Rehm steht nach Rolf Landerl vom VfB Lübeck der zweitdienstälteste Trainer der 3. Liga an eurer Seitenlinie (Amtsantritt Februar 2017). Kannst du uns etwas zu ihm und seiner Philosophie erzählen?

Sebastian Mrowca: Der Trainer passt super zu unserem Team und auch ich persönlich kann mich gut mit ihm identifizieren. Er ist ein akribischer Arbeiter und erwartet von jedem Spieler immer 100 Prozent. Er möchte natürlich jedes Spiel gewinnen und lebt uns diese Mentalität vor. Lieber trainiert er einmal mehr als zu wenig und auch wenn man mal ein Wehwehchen hat, ist es ihm wichtig, dass die Mannschaft zusammenbleibt und wir alle zusammenhalten. Ich persönlich bin auch ein Spielertyp, der immer vorangehen möchte und daher passen wir, denke ich, auch ganz gut zusammen.

sechzger.de: Mit Jugend- und Leihspielern stehen stolze 14 Neuzugänge in eurem Kader, dem gegenüber ganze 22 Abgänge. Man kann hier definitiv von einem personellen Umbruch im Sommer sprechen. Wie gut habt ihr diesen deiner Meinung nach gemeistert und was sind die Schwierigkeiten?

Sebastian Mrowca: Ich denke, wir haben im Sommer einen guten Mix aus jungen, hungrigen und älteren, erfahrenen Spielern verpflichten können. Wir haben uns in der Breite mit Spielern aufgestellt, die physisch stark und robust sind, aber auch einige Techniker dazubekommen, die Situationen spielerisch gut lösen können. Mit Blick auf die Tabelle denke ich, dass wir eine gute Saison spielen. Die größte Schwierigkeit ist natürlich die, dass man nicht erwarten kann, dass so ein Umbruch von heute auf morgen passieren wird.

sechzger.de: Mit Manuel Schäffler, der auch eine Vergangenheit bei den Löwen hat, verließ euch im Sommer euer absoluter Topscorer in Richtung Nürnberg. Wie sehr schmerzt dieser Abgang?

Sebastian Mrowca: Natürlich ist es nicht schön, einen Spieler wie Cheffe ziehen zu lassen, sowohl sportlich als auch menschlich. Aufgrund seiner Leistungen war es für ihn persönlich der absolut richtige Weg und wir wussten, dass es schwer werden würde, ihn nach dem Abstieg über den Sommer hinaus zu halten. Nichts desto trotz war nicht nur Cheffe’s Abgang sehr schade, auch die Abgänge von Maximilian Dittgen und Daniel Kofi-Kyereh (beide nach St. Pauli), sowie jeder andere Wechsel sind für ein Team, das im Laufe der Zeit zusammengewachsen ist, sehr schade. Ich denke aber auch, dass wir unsere Abgänge mit den Neuverpflichtungen gut kompensieren konnten.

Durchwachsene Bilanz bisher

sechzger.de: Nach nun 16 gespielten Spielen stehen beim SVWW aktuell 7 Siege, 4 Unentschieden und 5 Niederlagen gegenüber. Eine eher durchwachsene Bilanz, unterm Strich zu wenig für euch und eure Ansprüche als Absteiger?

Sebastian Mrowca: Ich denke, wir können schon zufrieden sein. Wir haben jetzt 25 Punkte gesammelt, aber klar geht als Absteiger der Blick immer nach oben. Unser primäres Ziel diese Saison war dennoch, die 14 Neuzugänge zu integrieren und das ist uns auch ganz gut gelungen. Der Weg, den wir eingeschlagen haben, ist auf jeden Fall der richtige. Wie ich eingangs bereits erwähnt habe, ist unser großes Manko aktuell die fehlende Konstanz. Man hat auf der einen Seite Spiele wie jetzt am Dienstag, in dem wir 0:2 zurückliegen und am Ende 4:2 gewinnen, eine super Moral hinlegen und zeigen, was wir können. Auf der anderen Seite stehen Duelle gegen vermeintlich schlechtere Mannschaften, die man unnötig verliert, obwohl man weiß, dass man mit der vorhandenen Qualität in dieser Liga jeden schlagen kann. Daran müssen wir jetzt im Winter und in der Zukunft arbeiten, sodass wir in der Rückrunde die Punkte holen.

sechzger.de: Die dritte Liga gilt ja generell als sehr ausgeglichen und als eine Liga, in der jede Mannschaft jeden schlagen kann. Dies spiegelt auch die Bilanz zwischen dem SVWW und 1860 wieder. In bisher 6 Pflichtspielen konnten die Löwen zwei für sich entscheiden, bei einem Sieg für Wehen Wiesbaden und drei Unentschieden. Wie schätzt du die Löwen heuer ein?

Sebastian Mrowca: Ich habe die Löwen anfangs der Saison schon so eingeschätzt, dass sie oben mitspielen können. Das denke ich eigentlich immer, da ich die Löwen ja aufgrund meiner Vergangenheit doch etwas besser kenne und weiß, welches Potential im Verein schlummert. Vor allem von Sascha Mölders bin ich heuer ziemlich beeindruckt. Er hat ja letzte Saison schon stark gespielt, aber diese Saison definitiv nochmal einen drauf gepackt! Mal sehen, ob 1860 das über die komplette Saison durchziehen kann.

Vergangenheit in München

sechzger.de: Du hast es gerade bereits angeschnitten: Du kennst die Löwen und das Grünwalder Stadion aufgrund deiner Jugend ja bestens. Bis zur U19 hast du noch bei unseren Nachbarn aus der Säbener Straße gespielt und warst dort ebenfalls Kapitän.
 Stadtderbys sind dir also bestens bekannt.
 Auch wenn du heute verletzungsbedingt nicht auf dem Platz stehst, wie findest du unter normalen Umständen die Atmosphäre im Grünwalder Stadion und haben die Spiele gegen 1860 für dich eine besondere Bedeutung?

Sebastian Mrowca: Richtig, ich kenne den Verein und die Spiele noch aus meiner Vergangenheit. Da waren die Derbys natürlich immer das Saisonhighlight. 1860 hat nach wie vor eine große Strahlkraft und die Stimmung im Sechzger war bei den kleinen Derbys, oder auch bei unserem letzten Gastauftritt im Herbst 2018 (Anm. d. Redaktion: SVWW siegte 2:1) stets überragend. Die Löwen spielen aktuell eine gute Saison und ich glaube mit den Fans im Rücken wäre da durchaus noch mehr drin. Es gibt einem als Spieler immer nochmal eine Portion Extramotivation, wenn man weiß, dass man Fans im Rücken hat, die einen nach vorne peitschen. Das kitzelt schon nochmal das ein oder andere Prozent aus einem heraus. Ich will natürlich immer gegen die Löwen gewinnen, aber letzten Endes ist es für mich ein Spiel wie jedes andere und ich gehe generell in jedes Spiel mit dem Ziel, am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.

sechzger.de: Wie siehts da in deinem privaten Freundeskreis aus? Du bist ja abseits der Saison regelmäßig in deiner Heimat Hausham. Ist der Freundeskreis eher rot oder blau, oder doch alle mittlerweile Fans des SVWW ;-)?

Sebastian Mrowca: (lacht) Das ist eine gute Frage. Ich denke, das ist relativ bunt gemischt. Der Fußball steht in meinem privaten Freundeskreis nicht mal so im Fokus wie vielleicht anderswo. Einige sind Fans von internationalen Clubs wie Barca oder Real, aber natürlich hab ich auch Freunde, die den beiden Münchner Clubs die Daumen drücken. Hin und wieder gibts da schonmal ‘nen blöden Spruch, aber das hält sich alles im Rahmen und letzten Endes ist es auch völlig zweitrangig, solange man sich versteht und zusammenhält. Das ist das Wichtigste und kleine Frotzeleien untereinander gehören ja auch dazu. 🙂

sechzger.de: Zum Abschluss noch zwei Fragen:
 Wo siehst du den SVWW am Ende der Saison?
 Wie geht das Spiel am Freitag aus?

Sebastian Mrowca: Am Ende der Saison wollen wir natürlich so weit oben wie möglich stehen. Viele sehen uns als Absteiger natürlich im Favoritenkreis um den Aufstieg, aber nach unserem Umbruch ist dies eine schwierige Aufgabe. Wichtig für uns ist, dass wir von Spiel zu Spiel schauen und sehen wie die Saison verläuft. Dann sieht man, wohin die Reise am Ende geht. Aber jeder Spieler sollte das Mindset mitbringen, die Spiele gewinnen zu wollen. Für das heutige Spiel tippe ich, auch wenn ihr das nicht hören wollt, auf einen knappen 2:1-Sieg für uns. Beide Mannschaften sind gut drauf und können Fussball spielen. Ich glaube, es wird ein intensives und enges Spiel, in dem vielleicht eine kleine Unachtsamkeit den Unterschied machen kann.

sechzger.de: Beppo, vielen Dank für das Interview und dir eine gute und schnelle Genesung, schöne Weihnachtsfeiertage und alles Gute fürs neue Jahr.

Sebastian Mrowca: Danke, das selbe wünsche ich euch natürlich auch.

Beitragsbild: Anne Wild
Das Interview führte Sebastian Stachowiak.

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