Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Toto-Pokalspiel unseres TSV 1860 München gegen Türkgücü München.

Die Bandbreite der Systeme, mit denen Türkgücü seine bisherigen Saisonspiele in der 3. Liga begann, ist sehr groß. Die Perlacher haben, von dem was momentan im modernen Fußball allgemein als brauchbar angesehen wird, bis auf die 4-4-2 Raute Aufstellung in dieser Saison alles gezeigt. In den letzten Spielen vor dem Duell gegen den TSV 1860 setzte Türkgücü hauptsächlich auf ein 4-2-3-1. Das ist – wie der aufmerksame Leser weiß – das beliebteste System in der Liga.

Statistische Werte von Türkgücü

  • Ballbesitz 47%
  • Passgenauigkeit 80%
  • Defensive Zweikampfquote 60%
  • Flankengenauigkeit 31,3%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 13,77

Es erwartet die Löwen im Pokalspiel vermutlich ein noch heißerer Tanz als beim Ligaduell im Herbst. Aus diesem Duell ging der TSV 1860 München allerdings trotz des Ergebnisses als klarer Punktsieger hervor. Die Benachteiligung durch den Schiedsrichter war damals offensichtlich. Der gleiche Herr pfeift übrigens heute Abend wieder.

Was muss der TSV 1860 gegen Türkgücü heute Abend erwarten? 

Aber genug aus der Vergangenheit. Türkgücü versucht die Aufgaben in der Offensive möglichst spielerisch zu lösen. Das Spielermaterial dazu ist definitiv vorhanden. In der Winterpause wurde die Mannschaft noch dazu auf mehreren Positionen in der Offensive verstärkt. Die individuelle Klasse der Offensivakteure ist nicht wegzudiskutieren. Die oberste Devise für unsere Löwen muss also sein,  in der Hintermannschaft Stabilität herzustellen. Die grundsätzlich stabile Defensive der Sechzger sollte aber mit dem Offensivdruck der spielstarken Mannschaft des Trainergespanns Serdar Dayat und Andreas Pummer ohne Probleme klarkommen.

So gut die Offensive des Teams aus dem Münchner Osten auch ist, so instabil geht es bei den Türken in der Hintermannschaft zu. Bei zugelassenen Schüssen sind nur der MSV Duisburg und der SV Meppen über die gesamte Saison gesehen schlechter. Genau dort müssen die Löwen den Hebel ansetzen. Unterhaching hat es im anderen Halbfinale der Drittligisten gezeigt. Das Spielgerät muss in den Strafraum. Im eigenen Sechzehner hat TGM seit Alexander Schmidt entlassen wurde Riesenprobleme. Der Unterhachinger Chancenwucher vergangenen Mittwoch war desolat. Eine abgezocktere Mannschaft führt in diesem Spiel bereits zur Halbzeit mit mindestens zwei Toren Unterschied.

Der Aufbau im Positionsspiel erfolgt bei Türkgücü bevorzugt aus der Viererkette heraus über die Flügel. Die zentral agierenden Mittelfeldspieler werden als Ballverteiler meist erst nach Überqueren der Mittellinie gesucht. Die offensiven Varianten im letzten Drittel bei Türkgücü sind mit der Verpflichtung von Niemann und Röser noch einmal größer geworden. Wie man Niemann aus dem Spiel nimmt, sollten seine ehemaligen Mannschaftskameraden in weiß-blau allerdings wissen.

Die generellen Stärken und Schwächen dieses Systems habe ich in vielen TAKTIKTAFELN dieser Saison schon beleuchtet, deshalb gibt es heute wieder nur Stichpunkte.

Stärken und Schwächen des 4-4-2

Die Stärken

  • Doppelt besetzte Flügel sorgen für großen Druck über Außen
  • Kurze Laufwege im Umschaltspiel machen das Spiel ökonomisch
  • Die kompakte Formation hilft gegen in der Kreativabteilung limitierte Gegner
  • Ausgewogenheit in allen Mannschaftsteilen
  • Mittelfeldpressing wird begünstigt

Die Schwächen

  • Bindung zwischen Mittelfeldzentrum und Sturm kann leicht gestört werden
  • Gegen Systeme mit nur einer Sturmspitze kann die Ausgewogenheit eine Schwäche darstellen

Die Schlüsselspieler

Torhüter René Vollath (#1) ist einer der besten Keeper der Liga. Er hat keine Schwächen, konnte bereits zehn Mal die Null halten und weist hinter Broll (Dresden) und Kolke (Rostock) die drittbeste Save-Percentage auf.

Der Innenverteidiger und Abwehrchef Alexander Sorge (#13) weist sehr gute Zweikampfwerte auf. Sein Stellungsspiel ist verbesserungswürdig, das größte Manko ist allerdings die fehlende Grundschnelligkeit.

Ünal Tosun (#8), der go-to guy im defensiven Mittelfeld, ist ein sehr guter Spieleröffner. Seine Leistung gegen den Ball ist ausbaufähig.

Sercan Sararer (#10) ist klar der Star dieser Mannschaft. Mit seiner Leistung steht und fällt das Offensivspiel von Türkgücü. Elf Vorlagen und neun Tore hat er in der Liga bisher erzielt. Auch gegen Unterhaching am vergangenen Mittwoch war er erfolgreich.

Mittelstürmer Petar Sliskovic (#25) ist nach der Winterpause nicht wiederzuerkennen. Die eingebaute Torgarantie ist ihm plötzlich abhanden gekommen. Allerdings durfte auch er gegen Haching wieder einen Scorerpunkt bejubeln. Sararers Treffer nach einem Eckball von Meier bereitete er mit dem Kopf vor.

Fazit

Wie vehement Türkgücü in den DFB Pokal will, hat uns die Verhandlungsposse im letzten Herbst gezeigt, als der Regionalligaaufsteiger sich erfolglos in den Wettbewerb klagen wollte. Wir sollten also davon ausgehen, dass die Perlacher alles dafür tun werden, um sich die Chance, über den Toto-Pokal in den DFB-Pokal einzuziehen, zu bewahren. Dieser Einzug wird meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich nach dem Spiel über ein Losverfahren entschieden. Die Chance sich über den Verbandspokal zu qualifizieren ist, je nachdem in welchem Verfahren gelost wird, 1:7 oder möglicherweise sogar kleiner. Daher bleibt der BFV Pokal / Toto-Pokal in diesem Jahr für alle Teilnehmer nicht mehr als ein Strohhalm, an den man sich klammern kann. Um diesen Strohhalm allerdings noch erreichen zu können, ist ein Sieg heute Pflicht.

In der Liga jedenfalls befindet sich Türkgücü momentan im freien Fall und der TSV 1860 München im Aufwind. Von daher hoffen wir, dass beide Teams den jeweiligen Trend auch im Pokal bestätigen. Über den Ausgang des Spiels möchte ich jedoch auf keinen Fall spekulieren. Bekanntlich hat der Pokal ja eigene Gesetze. Es wird, wenn beide Mannschaften den Wettbewerb ernst nehmen, ein heißes Match mit Derbycharakter.

So könnte Türkgücü gegen den TSV 1860 starten

TSV 1860 Türkgücü Toto-Pokal März 2021 Aufstellung

Datenquelle: wyscout

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Wir können gar nicht mehr anders, als im Elfmeterschießen. Die letzten vier Spiele im Toto-Pokal konnten wir nicht in der regulären Spielzeit für uns entscheiden. Jedes Mal waren wir erst im Elfermeterschießen erfolgreich, drei Mal davon hatte der Killer-Hiller einen entscheidenden Anteil.

Gut erklärt, danke Bernd. Was du nicht erwähnt hast, mit Aaron Berzel kehrt ihr Leader in die Abwehr zurück. Was den wackeligsten Mannschaftsteil sicherlich stabilisieren wird. Trotzdem denke ich, egal wen MK aufstellt. Mit der richtigen Einstellung schlagen wir die Türken. Wenn es sein muss halt wieder vom 11-Meter Punkt.

Servus Schorsch, Berzel habe ich nicht erwähnt weil er hinter Sorge, auch schon vor seiner Verletzung, leistungsmäßig, nur die zweite Geige in der Abwehr spielt.