Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel TSV Havelse – TSV 1860 München.

Rüdiger Ziehl, Trainer der Niedersachsen, hat abgesehen von zwei Spielen seine Mannschaft immer mit drei Innenverteidigern aufs Feld geschickt. Das bedeutet: Gegen den Ball etabliert sich bei Havelse dann eine Fünferkette in der letzten Reihe. Die Systeme wurden trotzdem munter durchgewechselt. 3-5-2, 5-4-1, 3-1-4-2, 3-4-2-1 oder 5-3-2 waren die Grundaufstellungen bisher. Zweimal hat Ziehl auch das 4-1-4-1 spielen lassen, welches wir von unseren Löwen gut kennen. Beim Heimerfolg des TSV Havelse gegen Halle und bei der Auswärtsniederlage gegen Zwickau kam diese Formation jüngst zum Einsatz.

Da sich die Löwen gegen Fünferketten zumindest zu Beginn der Saison eher schwer getan haben, rechne ich mit einem dieser Systeme. Aufgrund der Systemwahl der Havelser bei den bisherigen Gegnern in der 3.Liga und der Offensivstärke unserer Löwen, rechne ich mit einer auf Absicherung ausgerichteten 5-4-1 Grundformation. Diese würde sich im Positionsspiel zunächst zu einem 3-5-2 und im letzten Drittel zu einem 3-4-3 mit flacher Raute im Mittelfeld verschieben.

Die wichtigsten Statistiken des TSV Havelse

  • Ballbesitz: 43%
  • Passgenauigkeit: 78%
  • Defensive Zweikampfquote: 60%
  • Flankengenauigkeit: 29%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion): 11,24

Die erwartete Taktik des TSV Havelse

Wie würde ich die Havelser taktisch auf den TSV 1860 einstellen, wenn ich in den Schuhen von Rüdiger Ziehl stecken würde? Ich würde eine strikt defensive Spielweise mit tiefer Pressinglinie und etwas vorgeschobener Defensivlinie wählen. Zweck des Ganzen wäre, das Mittelfeld für den TSV 1860 München so eng wie möglich zu machen, um das Kombinationsspiel durch konsequente Deckung derart zu erschweren, dass es zwangsläufig zu Fehlpässen beim Gegner kommt. Sobald ein solcher Fehler erzwungen wurde, muss das Umschaltspiel funktionieren. Mit den guten passsicheren Offensivspielern Froese (wird englisch Frose ausgesprochen), Damer und Lakenmacher sowie möglicherweise Jaeschke, der Düker ersetzen könnte und den gegnerischen Torhütern bisher durchaus Arbeit verschafft hat (56% seiner Schüsse gehen aufs Tor), hieße die Devise dann schnell sowie vertikal nach vorne zu spielen. Die vermutlich hoch stehende letzte Reihe des TSV könnte man so in der Rückwärtsbewegung mit Geschwindigkeit überbrücken und zügig zum Abschluss zu kommen.

So spielen die Gastgeber bisher

Die Zentrale im Mittelfeld, die durch die Mitte und über die Halbpositionen im bisherigen Saisonverlauf für die besten Gelegenheiten des TSV Havelse gesorgt hatte, ist auf alle Fälle unter Wert geschlagen worden. Zu oft konnten teils glänzend heraus gespielte Chancen im gegnerischen Strafraum nicht in Tore umgemünzt werden. Statistisch gesehen sollte Havelse sechs Treffer mehr auf dem Konto haben. Im Zentrum und auf den Halbpositionen sind die Havelser sehr gut besetzt.

Spielen die Havelser über die Außenpositionen bis ins letzte Drittel des Gegners, wird ihnen meist der Zahn relativ leicht gezogen. Das hat mehrere Gründe. Einerseits lässt die Flankengenauigkeit arg zu wünschen übrig, andererseits fehlt es auf den Außenpositionen an Geschwindigkeit, sodass der Spieler, der an der Seitenlinie vorstößt, mit den richtigen Verschiebungen oft leicht gedoppelt werden kann. Dadurch wird die Hereingabe oder in den Strafraum eindringen erheblich erschwert.

Stärken und Schwächen des 5-4-1

Stärken

In der Offensive kommt der Gegner aufgrund der Kompaktheit selten zum Abschluss. Bei der Formation mit flacher Vier im Mittelfeld sind zudem die Flügel jeweils doppelt besetzt. Die Formation begünstigt stark das Konterspiel.

Schwächen

Die Angriffe bieten mit nur einem echten Stürmer wenig Offensivkraft und kaum Überraschungsmomente. Mit flacher Vier im Mittelfeld können die Wege von Mittelfeldakteuren zum Angreifer lang werden. Mit Raute fehlt Gefahr über die Flügel.

Wegen dieser Stärken und Schwächen ist es von Vorteil, wenn die Außenverteidiger im Positionsspiel ins Mittelfeld nach vorne schieben und gleichzeitig einer der offensiven Mittelfeldspieler mit ins Sturmzentrum aufrückt. Es ergibt sich dann ein 3-5-2 (3-1-4-2).

Schlüsselspieler

Torhüter Norman Quindt (#1) ist ein reflexstarker Torhüter, der auch bei hohen Bällen im Strafraum sehr sicher agiert. Das Problem bei den Gegentoren waren bisher eher seine Vorderleute als er selbst.

Innenverteidiger Fynn Arkenberg (#19) gewinnt 71% seiner defensiven Zweikämpfe, ist aber nicht unbedingt kopfballstark. Da Havelse aus der Abwehr heraus oft den langen Ball spielt, ist er selten ein Faktor im Spielaufbau von hinten.

Kianz Froese (#15) ist die Schaltzentrale im Mittelfeld. Technisch brillant mit gutem Auge für den Mitspieler und starkem Passspiel nach vorn zieht er die Fäden in der Offensive des TSV Havelse. Auf diesen Spieler muss man aufpassen. Mit fünf Scorerpunkten ist er der gefährlichste Mann bei den Niedersachsen.

Seit fünf Spielen in der Stammformation und sehr gut im Zusammenspiel mit Kianz Froese ist Leon Damer (#14). Der Rechtsaußen, der oft auf die Halbposition ausweicht, ist dribbelstark, aber alles andere als ein Flankengott. Er hat oft Grund mit seinen Mitspielern zu hadern, wenn sie seine guten Vorlagen nicht verwerten können. Wie sein Kollege Froese ist er ein Spieler, auf den man mit Argusaugen aufpassen muss.

Mittelstürmer Fynn Lakenmacher (#18) erinnert nicht nur von der Frisur her an Erling Haaland von Borussia Dortmund. Seine Art, die Mittelstürmerposition zu interpretieren, ist dem Supertalent vom BVB sehr ähnlich. Nichtsdestotrotz fehlt es ihm im Gegensatz zum Norweger vor allem an Zielgenauigkeit bei den Abschlüssen. Diese Zielgenaugkeit bringt bis auf die Zahl hinterm Komma sein Kollege Yannick Jaeschke (#11) (zu Gast im sechzger.de Talk Folge 36) mit. Wie oben bereits erwähnt, bringt er mehr als 55% seiner Schüsse auf das gegnerische Tor und verschafft dem gegnerischen Torhüter Arbeit. Mit zwei Treffern in acht Spielen von Beginn an ist er bester Schütze beim TSV Havelse. Die Quote von 0,25 Toren pro Spiel erreicht keiner seiner Mitspieler.

Fazit

Wie soll das Fazit gegen den Tabellenletzten anders ausfallen, als dass wir dort siegen müssen. Dazu gibt es keine Alternative. Ob das klappt, hängt natürlich vor allem davon ab, ob die in einigen Situationen in den letzten beiden Spielen nicht gerade sattelfeste Defensive der Löwen wieder in die Spur findet. Unkonzentriertheiten in der Hintermannschaft wie gegen Osnabrück oder bei den Gegentoren im letzten Heimspiel gegen den MSV Duisburg sollten die Sechzger tunlichst vermeiden. Einladungen zum Toreschießen für die Gastgeber möchte ich keine sehen. Eine Mannschaft, die pro Spiel bisher zu knapp zehn Schüssen aufs Tor kommt, sollte in diesem Punkt von den Löwen besser in Zaum gehalten werden können als vom Rest der Liga, wenn man bedenkt zu was die Sechzger defensiv in der Lage sind, wenn sie konzentriert gegen den Ball arbeiten.

Dass der TSV 1860 in Hannover gegen Havelse Tore schießen wird, steht für mich außer Frage. Selbst wenn Havelse kompakt steht und die Räume so eng wie möglich macht, haben wir Spieler, die mit ihrer Geschwindigkeit durch die Reihen der Abwehr hindurch stoßen können. Wenn wie in den letzten Spielen konsequent in und um die kleine Box herum abgeschlossen werden kann, fallen mit Sicherheit Tore für den TSV 1860. Des Weiteren kann auch die Kopfballschwäche der Havelser dem TSV 1860 in die Karten spielen. Bereits zwölf Gegentreffer mussten die Niedersachsen durch Kopfballtreffer hinnehmen.

Der TSV 1860 München hat das Zeug dazu, jeden Gegner in dieser Liga zu besiegen. Deshalb kann gegen den TSV Havelse das Fazit nur lauten: Wir nehmen die Punkte mit nach Giesing.

So könnte der TSV Havelse morgen beginnen

Datenquelle: wyscout

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