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Willkommen zur Taktiktafel für unser Heimspiel in der englischen Woche gegen den 1.FC Saarbrücken. Der Aufsteiger aus dem Saarland hat bisher mit äußerst positiven Ergebnissen und vor allem mit dem spielerischem Ansatz, den die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok auf den Platz bringt, viele überrascht.

Nach einer Woche Zwangserholungspause wegen des abgesagten Spiels gegen den MSV Duisburg konnten die Saarländer am Sonntag im Heimspiel gegen Unterhaching in letzter Sekunde den dritten Sieg im vierten Spiel einfahren.

 

Womit müssen wir am Mittwoch rechnen, was macht den Liganeuling so stark, dass er Halle, Rostock und auch die Münchner Vorstädter aus Unterhaching in die Schranken weisen konnte?

 

Hat Trainer Kwasniok die Saarländer in der vergangenen Saison in der Regionalliga Südwest noch meist mit einem laufintensiven 3-5-2 auf den Platz geschickt, so spielte Saarbrücken in den bisherigen Spielen in Liga drei immer mit Viererkette. Im bisher einzigen Auswärtsspiel gegen den Mitaufsteiger VFB Lübeck (Endstand 1:1) kam ein 4-1-4-1, wie es auch vom TSV 1860 München praktiziert wird, zum Einsatz.

Zuhause wurde bis dato jeweils auf ein 4-3-3 offensiv zurückgegriffen. 4-1-4-1, 4-3-3? Wird Kwasniok versuchen dem Spiel den Saarbrücker Stempel aufzudrücken oder reagiert man mit der taktischen Grundaufstellung lieber auf das, was man vom TSV 1860 München erwartet?

 

Feine Klinge oder Kettensäge? Fragen über Fragen.

 

Kwasniok – der die Prüfung zum Fußballlehrer mit 1,0 bestand – wird bestimmt in der Feinabstimmung auf die von ihm erwartete Taktik des Löwendompteurs eingehen, aber im großen und ganzen wird er meiner Meinung nach wohl seine Mannschaft darauf trimmen das Heft in die Hand zu nehmen um das Spiel an sich zu reißen.

Der 1.FC Saarbrücken versucht immer spielerisch ins Match zu kommen. Die mit äußerst präzisem Passspiel (86% Quote) agierende Offensive der Saarländer hat auch in den Zweikämpfen mit Ball (Dribblings/Laufduelle) oft die Oberhand gegen die bisherigen Gegner behalten, fast die Hälfte aller Offensivzweikämpfe gewinnt der 1.FCS – so erspielte man sich an der Saar bereits mannigfaltige Torgelegenheiten.

Bereits fünfzig mal kamen die Saarländer in den vier bisherigen Spielen zum Abschluss. Fünfundzwanzig dieser Schüsse (50%) gingen auf den Kasten und sage und schreibe neun mal klingelte es bereits beim Gegner. Es ist also absolute Vorsicht geboten und höchste Konzentration vonnöten um den 1.FC Saarbrücken in Schach zu halten.

 

Wo kann man die Saarbrücker Defensive knacken?

Ganz klar über hohe Flanken von Außen in den Strafraum. Das Kopfballspiel der Saarbrücker ist in allen Mannschaftsteilen als eher schwach einzuordnen. Auch Angriffe über die Halbpositionen führen gegen den FCS bisweilen zu guten Chancen. Das liegt am bevorzugten 4-3-3 System, dazu aber weiter unten mehr.

 

Nachdem Saarbrücken nur im ersten Saisonspiel auf das 4-1-4-1 zurückgegriffen hat beleuchte ich hier nun das 4-3-3 mit dessen Verwendung bereits drei Siege für Saarbrücken zu Buche stehen.

Die Stärken des 4-3-3:

Im Offensivspiel kann eine Mannschaft die ein 4-3-3 praktiziert sehr variabel auftreten, durch die drei Stürmer wird Stress für die Abwehr des Gegners ausgelöst. Das rührt daher, dass durch die Variabilität dem Wechselspiel beider Varianten die Angreifer schwer ausrechenbar sind, somit können in jedem Spielzug andere Laufwege zum Tragen kommen. Dadurch überlagern sich manchmal die im Raum zu verteidigenden Schnittstellen, wodurch eine Überzahl für die Angreifer bei kreuzenden Stürmern entstehen kann.

Wenn die Mannschaft die 4-3-3 spielt obendrein auf Ballbesitzfußball mit hohem Pressing gegen den Ball setzt, ist die Chance für sie andauernden Druck auf den Strafraum bzw. das Tor des Gegners auszuüben sehr hoch.

Dadurch, dass die beiden Außenstürmer mit relativ wenig Energieleistung zwischen Sturm und Mittelfeld pendeln können, ist auch eine gute Anpassung an das Spielsystem des Gegners möglich. Es kann gegen den Ball leicht eine Überzahl generiert werden, die für den Gegner wenn die Räume gut verteidigt werden zu Ballverlusten führen kann. Dafür müssen beide Außenstürmer gegen den Ball konsequent nach hinten mitarbeiten.

Mit drei Stürmern geht vom 4-3-3 obendrein eine hohe Gefahr für Kontergegenstöße nach Ballgewinn aus. Es kann schnell umgeschaltet werden und die Sturmreihe wird, auch wenn sich die Außenstürmer in der Rückwärtsbewegung ins Mittelfeld haben fallen lassen, schnell wieder besetzt sein, da der Außenstürmer vom Anforderungsprofil ein sehr schneller Spieler ist.

 

Die Schwächen des 4-3-3:

Wenn der Gegner schnell spielt entstehen Lücken im Raum die dann durch entstehende Überzahl ausgenutzt werden können. Schnelle Spieler im Mittelfeld gepaart mit vertikalem Spiel helfen den Gegnern diese Räume gegen ein 4-3-3 zu schaffen. Man erinnere sich an das Pokalfinale vor einigen Jahren. „Bruder… Spiel den Ball lang…“ war die Devise der Frankfurter gegen den Gegner aus der Säbener Straße, der damals dieses System auf den Platz brachte – und siehe da: Frankfurt gewann damit 3:1. Das ist zwar nicht gerade attraktiv, aber höchst effizient.

Im Defensivspiel gegen Positionsangriffe sind die Halbräume und/oder Außenbahnen eine Schwäche des 4-3-3, da diese mit nur drei Mittelfeldspielern und ohne Unterstützung der Außenstürmer nie vollständig zugestellt werden können.

Auch gegen diagonales Spiel (Seitenwechsel) ist das System wenn die Defensivunterstützung durch die Außenstürmer nicht konsequent geboten wird anfällig, weil in diesem Fall im Mittelfeld um beide Flanken abzudecken ein Spieler abgeht.

 

Die Schlüsselspieler des 1.FCS:

Der defensive Mittelfeldmann und Kapitän Manuel Zeitz (#8) ist der absolute Herrscher im Mittelfeld. Er ist der Spieler mit den meisten erfolgreichen Aktionen pro Spiel bei Saarbrücken. 88.7% Passquote in den bisherigen Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Er leitet die meisten Angriffe ein und auch in der Balleroberung übertrumpft Zeitz jeden seiner Mitspieler. 75 % gewonnene Defensivduelle hat er in der laufenden Saison zu Buche stehen. Bereits 52 mal eroberte er den Ball schon in des Gegners Hälfte.

Der junge Nicklas Shipnoski (#7) ist sowohl Antreiber als auch Vollstrecker auf der Außenbahn. Zwei Tore konnte der Flügelflitzer in den Spielen bisher beisteuern, und bei über 60% seiner Dribblings ist sein Gegenspieler nur Statist.

Mittelstürmer Sebastian Jacob (#24) glänzt bisher sowohl durch Vorlagen als durch Tore, von diesem Mann geht höchste Gefahr aus. Zwei Treffer und zwei Assists hat er auf seinem Konto.

Im Abwehrdrittel der Saarbrücker stechen die Innenverteidiger Steven Zellner (#5) und Marin Sverko (#3) mit den meisten gewonnenen Defensivzweikämpfen heraus. Woraus wir drei Schlüsse ziehen können:

1.) Dass in der Innenverteidigung sehr gut gearbeitet wird – und Saarbrücken hier wenig bis nichts anbrennen lässt.

2.) Dass entweder die Außenverteidiger oft Angriffe der gegnerischen Mannschaft nicht in den Griff bekommen.

3.) Dass Saarbrücken es nicht schafft, den Gegner vor erreichen der „roten Zone“ zum Spiel durch das Zentrum zu zwingen. Nichtsdestotrotz sind die beiden Gegentreffer die Saarbrücken bisher hinnehmen musste aus Angriffen auf das Abwehrzentrum entstanden.

Der reaktionsschnelle und bisher schwer zu überwindende Torhüter Daniel Batz (#1) der bisher 86% aller Schüsse auf sein Tor halten konnte ist ein sicherer Rückhalt für die Saarländer, dem die Abwehr auch bei hohen Bällen und im Eins gegen Eins, falls mal ein Spieler der Gegner durch die Viererkette bricht, vertrauen kann.

 

Damit sind wir für heute aber noch nicht am Ende angekommen, denn beim TSV 1860 wird wegen einer gelb-rot Sperre aus dem Rostock Spiel mit Phillip Steinhart ein Schlüsselspieler, wenn nicht sogar der diese Saison wichtigste Spieler überhaupt, fehlen.

Welche Möglichkeiten hat Trainer Michael Köllner ihn zu ersetzen? Es könnte Stephan Salger, der während seiner Zeit bei Arminia Bielefeld schon als linker Verteidiger Erfahrung gesammelt hat auf Steinharts Position rausrutschen. Der würde die Position wohl eher als Außenverteidiger und nicht wie Steinhart als Flügelverteidiger interpretieren, damit wäre die offensive auf der linken Außenbahn stark geschwächt. Klassen und Gresler wären weitere Alternativen für diese Position.

Die für mich logischte Variante: Salger spielt auf der linken Außenverteidigerposition, Erdmann rutscht zwischen Moll und Salger als Innenverteidiger in die Viererkette und Wein bekommt den Part im defensiven Mittelfeld.

Falls die Taktik geändert werden sollte, sehe ich die Möglichkeit gegen den Ball mit 5-4-1 flach auf den Platz zu kommen. Erdmann käme dann als dritter IV und Klassen in die Position des LV, dafür würde Wein vermutlich auf der Bank Platz nehmen. Das gäbe die Möglichkeit bei Ballgewinn zwischen den Boxen, wenn Moll und Erdmann aus der Abwehr aufrücken, zu einem 3-2-4-1 zu verschieben und sobald die gegnerische rote Zone erreicht ist, mit Lex und Tallig die dann nach vorne schieben um mit Mölders als Dreiersturm, wie es ja auch im gewohnten 4-1-4-1 oft der Fall ist, im 3-2-1-3 für Unruhe beim Gegner zu sorgen.

Damit würde allerdings Willsch (2 Vorlagen 1 Tor) zu einem defensiveren Verhalten als sonst gezwungen. Allerdings ist auch asymmetrisches Verschieben nach vorne (IV-DM / RV-RA) denkbar wenn Situationsbedingt über die Flügel gespielt wird und die Spieler das taktisch verinnerlichen können. Das wäre die defensive Variante. Mit 3er Kette gegen einen 3er Sturm anzutreten halte ich persönlich für Harakiri, bleibt als offensive Variante ein 4-1-3-2 bei dem vermutlich Tallig für Pusic weichen müsste. Auf die Auflösung dieses Rätsels bin ich schon sehr gespannt.

Es wird – egal welche Mannschaft Michael Köllner mit egal welchem System auf den Patz schickt – ein heißer Tanz am Mittwoch Abend unter Flutlicht auf Giesings Höhen. Ich bin mir jedoch sicher er wird einen Plan haben und trotz der widrigen Umstände die das Spiel aus Löwensicht begleiten eine gut eingestellte Mannschaft auf den Platz schicken, die dem Gegner alles abverlangt und hoffentlich die drei Punkte an der Grünwalderstraße behält.

Liveticker: sechzger.de tickert wieder live aus dem Sechzgerstadion – hier kommt ihr zum Liveticker TSV 1860 München – 1. FC Saarbrücken

3 KOMMENTARE

  1. Wie immer schön erklärt und toll geschrieben! Die durchscheinend Ratlosigkeit, wie man Saarbrücken Niederungen kann, macht mich ein bisschen nervös, hoffentlich kannst du nach dem Spiel beschreiben, wie genial unsere Löwen das gelöst haben.

    Anderes Thema: Ich kann von meinem Androidhandy mit Samsung Internet-Browser andere Kommentare (und auch von mir selbst geschriebene)leider nicht sehen.

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