Ein herzliches Grüßgott zur Taktiktafel vor dem richtungsweisenden Heimspiel des TSV 1860 München gegen den Tabellensiebzehnten FSV Zwickau. Es wird spannend auf dem Giesinger Berg. Trainer Michael Köllner ist angezählt. Die Gäste steht ebenfalls unter Druck. Was müssen wir von den Schwänen am Samstag erwarten?

Die Partie TSV 1860 gegen den FSV Zwickau ist möglicherweise ein Endspiel für beide Trainer. Joe Enochs, Trainer der Gäste, ließ seine Mannschaft bisher hauptsächlich im 4-4-2 mit Doppelsechs antreten. In jüngster Zeit trat der FSV allerdings – abgesehen vom Auswärtsspiel in Dresden, wo wieder im 4-4-2 (Doppelsechs) gespielt wurde – im 3-5-2 (3-4-1-2) an.

Gegen den Ball verschiebt sich Enochs Team aus dem 3-5-2 entweder zu einem 4-4-2 flach oder zu einem 5-3-2. Die Verschiebung auf die Variante mit zwei Viererketten erfolgt, indem der Außenspieler auf der ballfernen Seite in die Abwehrreihe abkippt und der Rest der Kette horizontal auf die ballnahe Seite verschiebt. Bei 5-3-2 kippen beide Mittelfeldaußenspieler ab.

Bevor wir nun genauer auf die Spielweise der Schwäne und darauf wie man sie knacken kann eingehen gibt es hier zunächst die wichtigsten statistischen Werte des kommenden Gegners.

Die wichtigsten statistischen Werte des FSV Zwickau

  • Ballbesitz 44%
  • Passgenauigkeit 73%
  • Defensive Zweikampfquote 61,3
  • Flankengenauigkeit 39%
  • PPDA (Zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 9,1

Wie spielt der FSV Zwickau, womit muss der TSV 1860 rechnen?

Bei Ballbesitz

Wenn die Schwäne selbst die Kugel haben, setzen sie auf schnelles, direktes und vertikales Spiel, das allerdings nicht zwingend den langen Ball als Stilmittel benötigt, um ins letzte Drittel des Gegners zu kommen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen die Westsachsen durchaus Fußball zu spielen und bringen das bis ins gegnerische letzte Drittel auch durchaus ansehnlich zustande. Das Problem der Zwickauer ist nicht das spielerische Element oder ein grober Mangel an Torchancen. Zwickau hat Probleme beim Abschluss. Die Schussgenauigkeit der Schwäne ist nicht gerade das, was man als zielsicher bezeichnen kann. In dieser Kategorie hat das Team von Joe Enochs im Ligavergleich die rote Laterne inne.

Wenn bei den Stürmern der Schwäne der Knoten einmal platzen sollte und das Tor für sie nicht mehr wie vernagelt scheint, werden die Kicker aus dem Vogtland mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit die nötigen Punkte holen, um sich den Ligaverbleib deutlich zu sichern.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass hier der Schein aus den von mir angesehenen Spielen nicht trügt ist einerseits die dritthöchste Anzahl geschlagener Flanken in der Liga und andererseits die hohe Genauigkeit dieser. Mit den oben bereits erwähnten 39% liegt der FSV ebenfalls auf Platz drei im Vergleich zur Konkurrenz.

Auch die Anzahl der Torschüsse zeigt, dass Zwickau durchaus fähig ist so nach vorne zu spielen, dass man sich vor niemandem verstecken muss. Hier liegt Zwickau nur 0,1 Schüsse pro Spiel hinter dem Ligadurchschnitt und nur vier Schüsse pro Partie hinter Tabellenführer Elversberg, die in dieser Kategorie den Platz an der Sonne einnehmen.

Zwickau schafft es dabei durchaus Chancen im Strafraum zu kreieren. Die Quote der Schüsse von außerhalb ist zwar hoch, aber die Schwäne befinden sich auch hier im Mittelfeld der Liga und nur 0,3 Schüsse pro Partie über dem Durchschnitt.

Gegen den Ball

Ist der Gegner im Ballbesitz, ziehen sich die Zwickauer schnell und diszipliniert in ihre jeweilige Defensivformation (4-4-2/5-3-2) zurück. Dabei stellen sie die Pressingline meist kurz vor der Mittellinie in der gegnerischen Hälfte sowie die Defensivlinie tief am oder nahe des eigenen Sechzehners auf.

Die Schwäne hatten vor der Pause in der Defensive oft das Problem nicht gut genug in die Zweikämpfe zu kommen. Daran scheint während der langen Unterbrechung erfolgreich gearbeitet worden zu sein.

Im Spiel gegen Oldenburg kam eine Zwickauer Mannschaft aufs Feld, die kaum etwas zuließ und die Niederlage gegen den VFB im Leben nicht kassieren hätte dürfen. Nur einen Schuss in der Box und fünf Ballkontakte dort ließ der FSV im Spiel gegen die Niedersachsen überhaupt zu.

Wenn man den am Samstag im Spiel des TSV 1860 gegen den FSV Zwickau in Giesing zu erwartenden Zwickauer Beton durchbrechen will, braucht man Geduld und gute Ideen.

Stärken und Schwächen des 3-5-2

Stärken

Das System ermöglicht bei Ballbesitz eine gute Staffelung in der Breite und Tiefe. So kann eine für Passkombinationen gute Raumaufteilung entstehen. Zwei Stürmer in der Spitze bringen starke Präsenz im Zentrum des gegnerischen Abwehrdrittels des Spielfelds. Durch ein kompaktes Mittelfeldzentrum lässt man dem Gegner gegen den Ball wenig Raum.

Schwächen

Es ergeben sich bei Ballverlust teilweise weite Abstände, die der Gegner bei schnellem Spiel gut ausnutzen kann. Die für die Flügelspieler langen Laufwege können in einem dynamischen Spiel mit viel Ballbesitzwechsel zu verfrühtem Kraftverlust der Außenspieler und damit zum Erlahmen des Drucks führen, der über die Flügel aufgebaut werden soll. Die Flügel sind nur einfach besetzt. Deshalb können entweder Defensive oder Offensive dort schwächeln. Gegen Systeme, in denen mit zwei oder mehr Stürmern agiert wird, kann es bei Kontern des Gegners oder bei zügigen Positionsangriffen leicht zu einer Unterzahl in der Hintermannschaft kommen.

Wie kann man Zwickau knacken?

Dominanz auf dem Feld. Präzision bei Pässen und Schüssen. Konzentration und Disziplin gegen den Ball. Diese Dinge sind die Schlüssel für die Mannschaft des TSV 1860 München, um den FSV Zwickau bezwingen zu können. Lässt man eine dieser Tugenden vermissen, wird es mit dem Sieg gegen eine Zwickauer Mannschaft, die sich in jedem von mir beobachteten Spiel, das sie verloren hat, mit Haut und Haaren gegen die Niederlage wehrte, nicht leicht.

Es wird am Samstag für den TSV 1860 München vor allem darum gehen seine eigenen Tugenden in die Waagschale zu werfen. Ob die Mannschaft des stark unter Druck stehenden Michael Köllner abrufen wird, was sie eigentlich kann, bleibt die große Frage bis das Spiel zumindest eine Halbzeit alt ist.

Schlüsselspieler

Abwehr

Torhüter und Kapitän Johannes Brinkies (#1), seit Jahren die klare Nummer eins der Schwäne, ist eine absolute Bank bei hohen Bällen in den Strafraum. Leichte Schwächen hat er auf der Linie und im eins gegen eins. Diese sind aber vernachlässigbar. Im großen und ganzen ist Brinkies einer der besten Keeper der Liga.

Abwehrchef Davy Frick (#19) ist mit 72% gewonnener Zweikämpfe der größte Stabilitätsfaktor in die Hintermannschaft des FSV. In der Spieleröffnung ist der erfahrene Frick sicher und mit einem guten Auge für den freien Mitspieler ausgestattet. Eine kleine Schwäche offenbart er bei Kopfballduellen, wo er nur knapp mehr als die Hälfte für sich entscheiden kann.

Mittelfeld

Mit Maximilian Jansen (#6) und Yannick Möker (#27) finden sich auf der Doppelsechs sowohl im 4-4-2 als auch im 3-5-2 beide Schlüsselspieler im defensiven Mittelfeld. Sowohl defensiv als auch offensiv sind beide Stützen des Teams von Joe Enochs. Beide sind sowohl auf der Sechser als auch auf der Achter-Position einsetzbar. Von daher teilen sie sich sowohl die Rolle des tiefen Sechsers als auch die des Box-to-Box Spielers auf. Dieses Wechselspiel sorgt hin und wieder für Verwirrung in den eigenen Reihen. Überhört der junge Möker ein Kommando seines Nebenmanns gibt es Lücken im Raum zwischen den Ketten. Diese können bei Ballverlust im Umschaltmoment problematisch werden.

Sturm

Ronny König (#15) der “alte” Mann im Sturmzentrum hat den Status Schlüsselspieler an Dominic Baumann (#28) verloren. Joe Enochs setzt neben Baumann also entweder auf Johann Gomez (#18) oder eben auf den alten Haudegen König. Keiner der drei konnte sich bisher so ins Rampenlicht spielen, dass man sagen müsste hier wird im Sturm Angst und Schrecken verbreitet. Sollte einem oder gar mehreren dieser drei irgendwann der Knoten platzen und die Schüsse, die fabriziert werden, finden ihr Ziel, wird Zwickau zwar keine Torfabrik werden, aber aufgrund der hohen Strafraumpräsenz und der Flankengenauigkeit dennoch ein ernstzunehmender Gegner für alle in der dritten Liga sein.

In Spielen, in denen König neben Baumann aufläuft, sitzt Gomez übrigens nicht zwingend auf der Bank. Der junge Mittelstürmer findet seine Rolle in diesen Fällen hinter den Spitzen als Schattenstürmer, der aus dem Mittelfeld heraus agiert.

Fazit: kann der TSV 1860 den FSV Zwickau schlagen?

Ohne Kampfeswille, Konzentration und Leidenschaft wird es am Samstag maximal einen Punkt für den TSV 1860 München gegen FSV Zwickau geben.

Ich hoffe natürlich, dass die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigt als vor der Pause und gegen Mannheim. Bei der momentanen Gemengelage fehlt mir mittlerweile allerdings ein wenig der Glaube an eine Besserung.

Es wäre schön, würde mich das Team am Samstag widerlegen und den Fußball spielen, den wir alle erwarten.

Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn. (Goethe, Faust I)

Mehr habe ich an dieser Stelle heute nicht zu sagen.

So könnte der FSV Zwickau gegen den TSV 1860 München starten

 

Datenquelle: Wyscout

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Danke für die Vorschau, Bernd!

Ich erwarte, dass viel von Brinkies abhält: macht der ein Topspiel und lässt lange keinen rein, dann könnte es sehr hektisch werden. Warten wir’s ab.

Übrigens scheint die mögliche Aufstellung “So könnte der FSV Zwickau starten” zu fehlen.

Liebe Grüße

Wilkins

Übrigens scheint die mögliche Aufstellung “So könnte der FSV Zwickau starten” zu fehlen.

Hast recht! Die wird heute Nachmittag nachgereicht.