Ein herzliches Grüß Gott zur Taktiktafel vor dem Auswärtsspiel unseres TSV 1860 München beim FC Viktoria Köln. Olaf Janßen, seit Februar 2021 Trainer der Kölner, hat systematisch keine großen Überraschungen parat. Wie die meisten Trainer der 3.Liga lässt auch er seine Mannschaft meist im 4-2-3-1 auflaufen.

Der TSV 1860 München trifft am Samstag auf die Viktoria, was erwartet die Sechzger in Köln? Das 4-2-3-1 lässt Olaf Janßen durchaus variabel verschieben. Bei eigenem Ballbesitz wird im Aufbau mit einem asymmetrischen Außenverteidiger gearbeitet (meist auf der rechten Kölner Seite), der ins Mittelfeld vorstößt, um dort Überzahl zu erzeugen. Im Zuge dessen schiebt auch einer der beiden Sechser, meist Moritz Fritz als Box-to-Box Spieler nach vorn. Einer der beiden offensiven Mittelfeldspieler auf der Halbposition rückt im letzten Drittel ballfern auf die Außenposition im Sturm während sein ballnahes Pendant zur Unterstützung des Mittelstürmers ebenfalls nach vorne schiebt.

Gegen den Ball stellen die Kölner sehr schnell nach Ballverlust ein tief angelegtes 4-4-2 bzw. 4-4-1-1 her, bei dem sowohl Pressing- als auch Defensivlinie tief angelegt sind.

Kommen wir nun zu den statistischen Werten der Kölner.

Statistische Werte FC Viktoria Köln

  • Ballbesitz 48%
  • Passgenauigkeit 81%
  • Defensive Zweikampfquote 66%
  • Flankengenauigkeit 37%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion 10,79

Wie spielt die Viktoria?

Offensive

Köln versucht im Positionsspiel meist zunächst über einen der beiden Sechser, also durch das Zentrum aufzubauen. Je nachdem wie der Gegner sich defensiv formiert, läuft das Spiel dann wahlweise über eine der Außenpositionen oder über die Halbpositionen. Sehr selten wird bereits im Aufbau direkt durchs Zentrum vorgestoßen. Das hebt sich Köln für Kontergegenstöße auf, die durchaus gefährlich werden können. 60% ihrer Konter schließen die Kölner mit einem Schuss ab.

Köln schießt insgesamt nicht sehr häufig auf den gegnerischen Kasten – aber wenn, dann mit hoher Genauigkeit. Bei der Schussgenauigkeit liegt die Viktoria aus Köln nur ein halbes Prozent hinter unserem TSV 1860.

Defensive

Gegen den Ball steht Köln wie oben schon erwähnt gerne tief. Sie lassen den Gegner fast bis zur Mittellinie relativ ungestört vorrücken, um dann mit einem engmaschigen Netz gut gestaffelter Spieler gegen den Angriff vorzugehen. Die Kölner verschieben das 4-2-3-1 zeitig auf 4-4-1-1. Im eigenen letzten Drittel wird daraus sogar ein 4-5-1. Das macht es dem Gegner sehr schwer Räume und gute Abschlussmöglichkeiten zu finden.

Die zweitbeste Mannschaft der Liga sowohl in Puncto abgefangene Pässe als auch bei gewonnenen Defensivzweikämpfen stellt zur Zeit das Team von Olaf Janßen. Es wird also vor dem gegnerischen Tor am Samstag schwer werden.

Wie kann man Köln knacken?

Geduld ist die oberste Devise. Lieber einen Angriff abbrechen und neu aufbauen, als mit der Brechstange über Weitschüsse zu versuchen das Tor zu treffen.

Viel Bewegung, variable Verschiebungen der offensiven Mittelfeldspieler, konsequentes Nachrücken aus der Defensivabteilung auf den Außenpositionen, hohes Pressing – das sind die Faktoren, mit denen man Köln unter Druck setzen kann. Wenn man damit genug Stress in der Kölner Defensive auslöst, zwingt man die Viktoria zu Fehlern. Früher oder später wird dann das ein oder andere Tor für den TSV 1860 fallen.

Stärken und Schwächen des 4-2-3-1

Die Stärken

Gegen den Ball ist das 4-2-3-1 in der Zentrale und Richtung eigener Box sehr kompakt. Es gibt den Gegnern kaum Raum, um dort vernünftiges Passkombinationsspiel aufzuziehen. Auch gegen zwei oder drei Stürmer ist man durch die beiden defensiven Mittelfeldspieler gut abgesichert.

Nach Balleroberung kann das Spiel über die beiden Sechser relativ variabel gestaltet werden. Sowohl über die Flügel als auch über das Zentrum sind schnelle Angriffe möglich, wenn man die Lücken im Raum schnell erfasst und alle Offensivspieler ihre Laufwege situationsbedingt richtig anlegen. Oft schaltet sich einer der beiden Sechser auch aktiv und nicht nur als Ballverteiler in das Offensivspiel mit ein. Dadurch wird die Offensive als Ganzes schwerer auszurechnen.

Die Schwächen

Gegen den Ball ist ein Gegner, der gern über die Flügel angreift, schwer zu kontrollieren. Die Wege, um einen Spieler zu Doppeln, sind relativ weit und die Doppelung wird vom Angreifer oft schon erkannt, wenn sich der doppelnde Gegner aus seiner taktischen Grundposition löst. Das führt bei guter Spielübersicht und genauem Passspiel zu viel Raum für die angreifende Mannschaft.

Die Mittelfeldspieler auf den Außenpositionen müssen außerdem ein extrem hohes Laufpensum bewältigen, wenn sie die gegnerischen Flügel unter Kontrolle halten wollen. Im Spiel nach vorn ist vor allem das Fehlen eines zweiten Stürmers ein großes Manko, da sich für den Spieler in der Sturmzentrale nur wenig Raum zur Entfaltung seiner Fähigkeiten bietet. Deshalb sind torgefährliche Mittelfeldspieler, die mit aufrücken, zwingend erforderlich, um im 4-2-3-1 erfolgreich zu sein.

Schlüsselspieler

Abwehr

Tohüter Ben Voll (#1) kam aus Rostock an den Rhein. Der erst 21 Jahre alte Keeper ist bisher ein starker Rückhalt seines Teams. Er kassiert statistisch gesehen im Schnitt pro Spiel ein Tor weniger als es der xGa (expected Goals against) Wert vermuten ließe. Der junge Tormann hat überragende Reflexe. Wie bei allen jungen Torhütern fehlen noch einige Komponenten, welche mit der Erfahrung auf dieser Position in den Profiligen unweigerlich dazukommen. Strafraumbeherrschung und eins gegen eins sind logische Schwächen in seinem Alter.

Christoph Greger (#15), vor einem Jahr vom Hachinger Bach an den Rhein gewechselt, kistallisiert sich auch in dieser Saison als Abwehrchef heraus. Ein Spiel musste er wegen einer Gelb/Rotsperre aussetzen. Er hat exorbitante Werte im Defensivzweikampf, ein gutes Stellungsspiel und eine gute Spieleröffnung. In den für die Defensive wichtigen Kategorien hat er keine Schwächen.

Mittelfeld

Der eigentliche Schlüsselspieler im defensiven Mittelfeld Jeremias Lorch fehlt aufgrund eines Kreuzbandrisses noch bis Dezember. Somit müssen andere Kollegen diese tragende Rolle übernehmen. Bisher ist es so, dass Moritz Fritz (#23) die Rolle des tiefen Sechsers einnimmt. Fritz verliert kaum einen Defensivzweikampf, und ist auch den meisten seiner Gegenspieler bisher im Luftzweikampf überlegen gewesen. Für den Aufbau ist sein Kollege Patrick Sontheimer (#6) in der Box-to-Box Rolle zuständig.

In der Mittelfeldzentrale hatte in den letzten beiden Spielen der Neuzugang vom SVWW Kevin Lankford (#18) die Zügel in der Hand. Auffälligster Spieler war jedoch in meinen Augen bisher Simon Handle (#7). Sowohl Lankford als auch Handle sind technisch überragende Spieler, die man nicht zur Entfaltung kommen lassen darf. Ich denke Lankford braucht noch ein wenig, um sich vollständig an die neue Umgebung und die Mannschaft anzupassen. Wenn Lankford ins „Rollen“ kommt ist er ein überragender Spieler, der mit Tempo aus dem Mittelfeld Druck machen kann. Zwei Vorlagen hat er bereits auf dem Konto. Handle mit einem Tor und einer Vorlage steht dem in nichts nach.

Sturm

Robin Meißner (#14) hat bereits drei Tore auf seinem Konto. Der vom HSV ausgeliehene Jungprofi offenbart sich als guter Griff der sportlichen Leitung. Exakt die Hälfte seiner Schüsse gehen so aufs Tor, dass der gegnerische Keeper auch Arbeit bekommt. Meißner ist stark im Dribbling, allerdings auch ein wenig eigensinnig. In vier Spielen hat er erst einen Torschuss aufgelegt.

Fazit

Der TSV 1860 München fährt zum FC Viktoria Köln um zu siegen, das ist klar. Ob das so leicht wird, steht auf einem anderen Blatt Papier. Köln ist gut aus den Startlöchern gekommen. Mit Dresden und Wiesbaden hat man zwei Teams in die Schranken verwiesen, denen man auf dem Papier mehr zugetraut hätte und zudem einen hohen Sieg auswärts gegen Rot Weiß Essen eingefahren.

Auf derm Papier ist der TSV 1860 München klarer Favorit gegen den FC Viktoria Köln. Ich werde diesmal aber nicht wie vergangene Woche eine garantierte Niederlage für den Gegner der Löwen prophezeihen. Dazu ist Köln zuhause bisher zu stark aufgetreten.

Mir persönlich würde nach dem Traumstart auch ein Punkt in diesem Auswärtsspiel genügen.

Natürlich hoffe ich – wie wir alle – auf einen Sieg der Löwen in der Domstadt. Dass dieser möglich ist, ist auch jedem klar denke ich. Wichtig ist, dass Einsatz, Wille und Leidenschaft auf dem Platz zu sehen sind. Wenn diese Faktoren stimmen, wird der TSV 1860 München Punkte aus Köln mitnehmen.

So könnte Viktoria Köln gegen den TSV 1860 beginnen

Datenquelle: Wyscout

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Ja diesmal wirklich eine sehr gute Analyse, nur Phillip wurde vergessen, der eine echte Waffe ist.

Bernd, sehr gute Analyse. Ich denke mal auf unsere Innenverteidiger und unseren Sechser kommt morgen viel Arbeit zu. Ich würde mir wünschen keine zweiten Bälle für die Kölner zu zulassen. Neben Risse und Lankford haben die noch einen Philipp, der momentan nur von der Bank kommt, aber letzte Saison richtig performt hatte.

Die Löwen bringen aus der Domstadt mindestens einen Punkt mit.

Starke Arbeit Herr Winninger.