Es ist die vielleicht letzte Chance für Löwenfans das Freiburger Dreisamstadion (noch einmal) zu besuchen. Aus diesem Grund hat sich auch der Verfasser dieser Zeilen kurzerhand dazu entschlossen, dem morgige Gastspiel im Breisgau ebenfalls beizuwohnen, nachdem sein bislang einziger Besuch vor Ort vom 24. Juli 1991 datiert. Die älteren erinnern sich: Es war ein Mittwoch und für viele junge Mitglieder der “Generation Bayernliga” war es ein historischer Tag: Das erste Sechzgerspiel im bezahlten Fußball. Dass an diesem Abend in Freiburg durch die 1:2-Niederlage eine Serie von 53 (!) ungeschlagenen Spielen unter Trainer Karsten Wettberg, der im Februar 1990 das Amt von Willi Bierofka (richtig: Dem Vater von Daniel) übernommen hatte, endete, gehört ebenfalls zu den Geschichten rund um diese Partie.

Viele Duelle mit den Freiburgs Profis zwischen 1995 und 2015

Aber sollte so ehrlich sein: Es hätte danach noch zahlreiche Gelegenheiten gegeben, das Stadion mit einem der – wie viele sagen – schlechteren Gästeblöcke im deutschen Fußball (zumindest was die Sicht von den Stehplätzen im Unterrang anbelangt) zu besuchen. Aber weder die acht Bundesligapartien, die zwischen 1995 und 2003 dort bestritten wurden, noch das legendäre 3:1 nach Verlängerung im DFB-Pokal am 20. Dezember 2005 und leider auch keines der fünf Zweitligaspiele zwischen 2006 und 2015 stand auf meiner persönlichen Agenda. Im Sommer 2022 stieg die Zweitvertretung des SCF in die 3. Liga auf und 1860 kehrte seitdem bislang zweimal ins Dreisamstadion zurück (die Profis aus Freiburg zogen bekanntlich schon im Herbst 2021 in eine neue und moderne Arena um): Im April 2022 gelang durch Tore von Richy Neudecker und Yannick Deichmann ein 2:1-Sieg, im November des gleichen Jahres unterlagen wir im Rahmen eines desaströsen Auftritts (auf dem Rasen – nicht auf den Rängen!) an einem tristen Mittwochabend völiig verdient mit 2:0. Das Spiel war Teil der Michael-Köllner-Abschiedstournee. Vier Partien später war das Wirken des Oberpfälzers an der Seitenlinie nach über drei Jahren Geschichte.

Freiburg so gut wie abgestiegen

Aber zurück in die Gegenwart:  Dass die “kleinen Freiburger” bereits als erster Absteiger in die Regionalliga Südwest feststehen, ist zwar rechnerisch noch nicht final entschieden, aber 20 Niederlagen und nur 20 Punkten, die nach 30 Spielen zu Buche stehen, kann durchaus die Vokabel “designierter Absteiger” zum Einsatz kommen. Der sportlich desaströse Saisonverlauf ist umso erstaunlicher, wenn man auf die vergangene Spielzeit zurückblickt: Da gingen die Breisgauer mit nur einem Punkt weniger, als Überaschungsaufsteiger SV Elversberg über die Ziellinie. Nur sieben Niederlagen bedeuteten den Liga-Bestwert – dürften Zweitvertretungen in die 2. Bundesliga aufsteigen, böte sich morgen gar keine Gelegenheit, das Dreisamstadion zu besuchen. Derartige Abstürze sind allerdings für zweite Mannschaften nichts ungewöhnliches. Wir erinnern uns: Die kleinen Roten verabschiedeten sich im Sommer 2022 als Meister der Vorsaison aus Liga Drei. In seiner Saisonvorschau prognostizierte unser Gastautor Xaver Neumann im Sommer Freiburg II übrigens bereits eine durchaus schwierige Spielzeit. Mit seiner erwarteten Platzierung zwischen elf und 14 wären die Breisgauer aber wahrscheinlich aktuell sehr happy.

Freiburg zuletzt im Aufwind

Und gleichwohl die Löwen als klarer Favorit ins Breisgau reisen, sollte das Team von Argirios Giannikis gewarnt sein: Das Formbarometer unserer Gastgeber zeigt zuletzt klar in eine Richtung: Drei ihrer bislang nur fünf Saisonsiege wurden aus den letzten fünf Partien seit Mitte Februar errungen. Zuletzt gelang ein emotionales 2:2 beim Konkurrenten im Abstiegskampf in Halle, wo in der siebten Minute der Nachspielzeit der umjubelte Ausgleich gelang. Unser Team wartet hingegen – nach tollem Rückrundenstart – seit 24. Februar auf zählbare Erfolge, musste sich zuletzt dreimal hintereinander ohne Punktausbeute von den Fans im Stadion verabschieden. Ein Sieg am Karsamstag und dann 41 Punkte auf dem Konto sollten den Klassenerhalt endgültig sicherstellen.

Wiedersehen mit Niki Lang

Ein Wiedersehen gibt es im Dreisamstadion mit Niki Lang, der im Winter – für viele etwas überaschend – nach Freiburg verliehen wurde, um dort Spielpraxis zu sammeln und im Sommer noch stärker als zuvor nach Giesing zurück zu kehren. Angesichts der dezimierten Abwehrreihe beim TSV 1860 (Glück fehlt nach seiner fünften Gelben Karte im Spiel gegen Münster, Verlaat und Reinthaler starteten die Freiburg-Vorbereitung am Dienstag zunächst nur mit einem speziellen Aufbautraining abseits des regulären Teamtrainings) würde man sich den gebürtigen Starnberger zurück in den Löwenkader wünschen. Vom ebenfalls zuletzt wieder angeschlagenen Joel Zwarts hingegen gab es diese Woche gute Nachrichten: Der Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen die Preußen steht morgen zur Verfügung und kann wieder auf Torejagd gehen. Im Kader fehlen wird dagegen weiterhin Marlon Frey. Er hat erst nach dem Freiburg-Spiel seine Rot-Sperre abgesessen.

Zwei gesperrte Freiburger

Die Gastgeber müssen im Spiel gegen die Löwen auch zwei disziplinarisch bedingte Sperren kompensieren: Mittelfeldspieler Julian Stark sah in der Schlußphase der Partie in Halle Rot, nachdem der Schiedsrichter eine Berührung des Gegenspielers Stark als Ellenbogencheck auslegte. Und der seit Sommer von Rapid Wien nach Freiburg ausgeliehene Pascal Fallmann sah beim Gastspiel in Sachsen-Anhalt zum fünften Mal in dieser Saison den gelben Karton.

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