Fußball Europameisterschaft 2020 in 2021 – Eröffnungsspiel in Rom

Als ich im August 2019 mir erfolgreich Karten für Europameisterschaft sicherte, war die Freude groß. Für das Eröffnungsspiel in Rom, die Vorrundenspiele der Deutschen Nationalmannschaft in München und die beiden Halbfinale in London hatte ich Karten erhalten. Rom hatte ich schon lange auf der Liste der zu besuchenden Städte und dafür mit der besseren Hälfte ein paar schöne Tage eingeplant.

Dann kam Corona und eine Fußball-Europameisterschaft war so ungefähr das kleinste Problem, das ich in den letzten 1,5 Jahren hatte. Auch wenn die unzähligen Mails und Telefonate für die Rückerstattung von bereits gebuchten Flügen bzw. für den Erhalt von Vouchern viel Zeit gekostet haben.

Rom ohne Eröffnungsspiel – dafür ganz allein

Noch Anfang Juni 2020 – der Flugverkehr war weltweit seit einigen Wochen wegen Corona zum Erliegen gekommen – verschwendete ich keinen Gedanken an den noch existierenden Rom Flug. Plötzlich flogen wieder Flugzeuge und man durfte verreisen, auch wenn dringend davon abgeraten wurde. Was sprach gegen einen Rom-Trip? Vieles.

Was sprach dafür? Die Aussicht, die Stadt so leer wie vermutlich nie wieder zu bekommen. Also wurde geflogen. Wer lesen will, wie es sich anfühlt eine halbe Stunde lang Mutterseelenallein in der Kuppel vom Vatikan zu stehen und auf den menschenleeren Petersplatz zu starren, oder (fast) alleine durch Pompeji oder das Kolloseum zu marschieren, der kann das an dieser Stelle machen.

Sechs Wochen vor der Europameisterschaft – alle meine Tickets werden durch die UEFA gecancelt

Nachdem ich Rom 2020 ausführlich besichtigt hatte, war klar dass es zum Eröffnungsspiel in 2021 nur ein absoluter Kurztrip werden würde und der Flug wurde entsprechend gebucht. Sechs Wochen vor dem Start der Europameisterschaft dann die Nachricht durch die UEFA. Alle meine Tickets wurden wegen der reduzierten Stadionkapazität gecancelt. Im Hinblick auf die beiden Halbfinales in London und die derzeit damit verbundenen Reiseschwierigkeiten vermutlich sogar ganz praktisch. Um so mehr, weil drei Tage später eine Nachricht von easyjet kommt, dass meine London-Flüge gecancelt wären und ich dafür mein Geld zurückhaben könnte.

Flug nach Rom? Schlicht und ergreifend vergessen

Da nahezu zeitgleich mein Geschäft nach einem halben Jahr Lockdown wieder die Arbeit aufnehmen darf, ist extrem viel zu tun und der Flug nach Rom gerät in diesem Chaos in Vergessenheit. Bis er am Montag vor dem Eröffnungsspiel auf meinem Kalender aufblinkt. Höchste Zeit, sich erneut um eine Karte zu bemühen und das nach kurzer Zeit erfolgreich. Dass mir die Lufthansa kurz darauf mitteilt, dass meine Buchung wegen Covid bereits vor Monaten storniert wurde und ich diesbezüglich eine Mail erhalten hätte, ist nur eine Randnotiz. Immerhin kann ich mit dem gecancelten Flug kostenlos den gleichen (!) Flieger für den Hinflug buchen und der Rückflug liegt sogar etwas günstiger.

Jetzt aber endlich: Abflug nach Rom zum Eröffnungsspiel

Am Spieltag geht es also am späten Vormittag mit einem komplett ausgebuchten Flieger nach Rom. An Board wenige als Azzuri zu erkennende Italiener und ein gutes Dutzend Fans der türkischen Nationalmannschaft mit entsprechendem Migrationshintergrund. Dass diese sich zu 90% auf Deutsch unterhalten, ist eine bemerkenswerte Randnotiz.

Ebenso, dass das Leben am Münchner Flughafen nahezu wieder auf Normalbetrieb läuft, vor allem in den Gastronomiebetrieben. Was für ein Unterschied zu meinem letzten Flug vor gerade einmal fünf Wochen, als man für nahezu die gesamte Republik noch ein Aussätziger war, wenn man es gewagt hat getestet in ein Flugzeug mit lauter getesteten zu steigen.

In Rom selbst: Nichts von einem EM-Eröffnungsspiel zu merken

Die aus München importierten Fans sind bis zum frühen Abend das Einzige, was mich daran erinnert dass ich eigentlich zu einer EM-Eröffnung geflogen bin. In der Stadt selber ist davon nichts, aber auch gar nichts zu spüren. Keine Fangruppen die unterwegs sind, keine Kneipen sind dekoriert, keine Fahnen hängen aus den Fenstern. Zumindest seh ich keine. Der Nachmittag wird für eine ausgiebige Besichtigung der Engelsburg und einen erneuten Streifzug durch den Vatikan genützt. Es ist mehr los als vor einem Jahr, aber viel ist es immer noch nicht.

Zu Fuß vom Vatikan zum Olympiastadion in Rom

Am Vatikan treffe ich noch einen Bekannten und wir machen uns auf den Weg zu Fuß zum Olympiastadion, eine gute dreiviertel Stunde Fußmarsch. Je näher wir dem Stadion kommen, um so mehr fühlt es sich nach Fußball an. Aber eine EM-Eröffnung? Aber gut, es sind ja auch nur rund 18 600 Zuschauer zugelassen.

Dreifach kontrolliert auf dem Weg ins Olympiastadion in Rom

Auf dem Weg ins die Stätte des WM-Triumphes von 1990 werden wir bzw. wir, unsere auf dem Handy hinterlegten Tickets (via Bluetooth) und unsere Covid-Tests zusammen mit unseren Ausweisen dreimal kontrolliert. Dafür interessiert sich für die Inhalte unserer  Taschen niemand so wirklich. Mit einem Ticket auf einem anderen Namen wären wir an dieser Stelle vermutlich gescheitert. Es scheitern hier übrigens auch etliche Schwenkfahnen, die wohl etwas zu groß sind. Dutzende liegen konfisziert am Eingang.

Überraschung: Bier mit Alkohol im Stadion

Im Olympiastadion gibt es überraschenderweise Bier mit Alkohol. Die Sitze sind exakt markiert wo man sitzen darf und wo nicht. Optisch und akustisch haben die Türken ein Übergewicht. Zur Erinnerung: Wir befinden uns in Rom.

Die Eröffnungsfeier der Europameisterschaft: weniger ist mehr

Covid sei Dank fällt die Eröffnungsfeier nicht so üppig bzw. übertrieben aus wie ansonsten bei solchen Ereignissen üblich. Andrea Bocelli singt Nessund Dorma, es gibt Trommler die mit Seilen unter´s Dach vom Olympiastadion gezogen werden und ordentlich Pyro. Sehr ordentlich Pyro. Alleine diese Show wäre die Anreise wert gewesen. Dazu gibt es noch U2 – diese allerdings nur virtuell. Sie werden ins Stadion projeziert.

Das Spiel – Stewards, die hektisch Fans zum hinsetzen animieren

Wir sitzen in der Kurve hinter dem Tor, in welches Andreas Brehme 1990 einnetzte. Links von uns der türkische Block, ansonsten sind die Fans im Stadion eher gemischt. Zum Anpfiff werden die Fans von den Stewards immer wieder aufgefordert, sich hinzusetzen. Meist erfolgreich. Nur im türkischen Block wird es – soweit erkennbar – gar nicht erst versucht.

Stimmung & Atmosphäre

Die Stimmung ist – für ein Stadion, welches gerade einmal zu einem Viertel gefüllt ist – gut. Wobei der türkische Block mit zunehmendem Spielverlauf immer ruhiger wird. Zu einseitig ist das Spiel. Wir spekulieren auf einen dreckigen Konter und ein 1:0 für die Türkei, aber das wird letztlich nichts. Auffällig: Keinerlei Zaunfahnen hängen sichtbar. Mal schauen, wie das bei den Spielen der Deutschen Nationalmannschaft wird. Vermutlich unterhaltsam.

Das Publikum ist bunt gemischt. Überwiegend ganz normale Leute bzw. Fußballfans, die das Glück hatten in der UEFA-Ticketlotterie gezogen zu werden. Nach den Toren werden die Italiener immer lauter, aus dem türkischen Block fliegt noch ein – ziemlich massiver – Böller in den Innenraum. Ansonsten keine besonderen Vorkomnisse.

Nach einem eher langweiligen Spiel geht es zu Fuß wieder zum Vatikan bzw. dem Hotel direkt daneben und nach einer doch ziemlich kurzen Nacht wieder zum Flughafen. Im Zug zum Flughafen habe ich diesen Bericht angefangen, am Gate dann fertiggestellt. Für eine gründliche Überarbeitung/Korrektur vor dem Abflug war leider keine Zeit mehr, das bitte ich zu entschuldigen.

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Danke Stephan, gute Zeit und Heimreise. Vielleicht sehen wir uns mal demnächst im Biergarten Café Central Wasserburg unter vielen Löwen auf dem Weg nach Windischgarten ins Löwen-Trainingslager.