Groß war die Euphorie nach dem 1:0 gegen Ingolstadt und groß ist der Katzenjammer nun nach dem 1:1 gegen Meppen. Das sind der TSV 1860 und  seine Anhänger, so wie man sie kennt. An einem Tag himmelhochjauchzend am nächsten zu Tode betrübt. Leider muss ich mich da auch ein wenig an der eigenen Nase fassen. Nach dem Sieg gegen Ingolstadt war ich vollkommen euphorisiert und habe meinen Endorphinen hier freien Lauf gelassen. Es hat so gutgetan, an diesem Montagabend nach dem Sieg ein Bierchen auf die Löwen zu trinken und in der einen allumwabernden Corona-Tristesse mal über etwas wirklich Positives schreiben zu können. Das tut der Seele in diesen Tagen wirklich gut. Und der der heißblütigen Löwenfans gleich 60 Mal mehr. Aber hat diese Euphorie die Lage der Löwen korrekt widergegeben?

Lasst uns nochmal nüchtern über die letzten beiden Spiele nachdenken. Ich schwör’s, ich habe heute weder vor noch während noch nach dem Spiel ein Bier oder sonst was Alkoholisches getrunken.

Rückblick auf das Spiel gegen Ingolstadt

Also, Rückblick auf Montagabend gegen Ingolstadt: Im Endeffekt war das ein sehr glücklicher Sieg für uns. Besonders in der zweiten Halbzeit hatte Ingolstadt deutlich mehr vom Spiel. Die Mannschaft von der Donau ist physisch sehr präsent und extrem zweikampfstark. Dafür sind sie mit Ball etwas weniger versiert und setzen im Spiel auf schnelle Angriffe und Platz für ihren Stürmer vor dem gegnerischen Tor. Und genauso traten sie auf, sie nahmen den Löwen mehr und mehr Bälle im Mittelfeld ab, aber Sechzig ließ trotzdem kaum Chancen – geschweige denn hochkarätige – zu. Stattdessen nutzte Sascha Mölders eigentlich die einzige wirkliche Gelegenheit für die Löwen zum 1:0. Sieg gegen einen direkten Aufstiegskonkurrenten. Da bricht bei den heißblütigen Löwenfans natürlich die Euphorie durch. Aber auch gegen Ingolstadt war nicht alles Gold, was glänzte. Mit einem Punkt hätte man mehr als zufrieden sein können. Wenn es dumm läuft, kann man das Spiel gegen Ingolstadt auch verlieren. Absolut geil, dass die Mannschaft so ein Spiel gewinnen kann!

Das Spiel gegen den SV Meppen

Und gestern? Viele dachten, da kommt der SV Meppen mitten im Abstiegskampf nach Giesing. Die nehmen wir im Vorbeigehen und dann auf nach Magdeburg und den nächsten Sieg einfahren. So einfach ist es aber in dieser dritten Liga nicht. Die Löwen versuchten, von Anfang das Spiel zu machen und Meppen unter Druck zu setzen. Das gelang auch nicht schlecht, aber man kam eigentlich nie gefährlich in den Strafraum der Emsländer. Nach etwa einer halben Stunde ließen die Meppener die Löwen dann vollends im Mittelfeld gewähren und beschränkten sich darauf mit 8 Mann den eigenen Strafraum abzusichern. Das funktionierte – leider – relativ gut. Bis auf einen abgefangenen Rückpass von Biankadi, der aber leider in letzter Sekunde von Domaschke gestoppt wurde, konnten sich die Löwen keine Großchancen gutschreiben lassen.

Die zweite Hälfte

Auch der zweite Durchgang begann zäh. Meppen hielt gut dagegen und Sechzig konnte aus der Feldüberlegenheit nicht wirklich Kapital schlagen. Ganz ähnlich wie Ingolstadt bei uns am Montag übrigens… Dann kam die 62. Minute. Nach einem Foul an Sascha Mölders einen Meter außerhalb des Strafraums schritt Richy Neudecker zum Freistoß. Dieser brachte ihn flach aufs Tor und letztendlich konnte Semi Belkahia den Fuß hinhalten und sein erstes Profitor erzielen. Irgendwie verdient, aber auch irgendwie glücklich.

Danach folgte die beste der Phase der Löwen. Sie spielten munter nach vorne und bekamen jetzt mehr Freiräume, die Emsländer mussten sich nach dem Gegentreffer wohl erstmal wieder sortieren. Leider sprang in dieser Phase bis auf einen satten Fernschuss von Biankadi auch keine wirkliche Tormöglichkeit heraus. Dann bekam Meppen einen unscheinbaren Einwurf auf Höhe des Strafraums, leider verliert Salger das folgende Kopfballduell, der Ball landet etwas unglücklich bei Bozic, der humorlos ins lange Eck vollstreckte (76. Minute). Danach ging nix mehr. Meppen ließ mit einer Mischung aus Pressing und engen Räumen um den Strafraum keine Chance von 1860 mehr zu.

Verlorene Punkte?

Schade, das sind zwei Punkte, die uns in der Endabrechnung sehr weh tun könnten. Keine Frage! Die Tabelle ist schon wieder sowas von eng. Bis Platz 9 sind es nur 6 Punkte Vorsprung. Vollkommen emotionslos (ich weiß, dass geht bei 1860 eigentlich nicht) betrachtet, hat Meppen heute das gemacht, was wir gegen Ingolstadt gemacht haben: die eine Chance im Spiel genutzt.

ABER: Wir haben gegen Ingolstadt mit dieser einen Chance drei Punkte geholt und nicht einen. Wir haben diese drei Punkte gegen einen direkten Konkurrenten geholt. Das ist wesentlich mehr wert als umgekehrt. Hätten wir gegen Ingolstadt unentschieden gespielt und heute gewonnen, lägen die jetzt einen Punkt vor uns. So sind wir punktgleich. Und man kann nicht in jedem Spiel Glück haben. Zumindest nicht auf unserer Seite der Grünwalder Straße.

Und wie geht’s weiter?

Es steht schon wieder eine englische Woche an. Am Mittwoch geht’s nach Magdeburg. Die haben im Hinspiel ausschließlich Beton angerührt und wir haben uns schwer getan gegen sie. Spannend wird sein, wie Michi Köllner den gelb-gesperrten Sascha Mölders ersetzen wird. Mölders wird fehlen, keine Diskussion. Aber so haben wir das Überraschungsmoment auf unserer Seite und Magdeburgs Trainer Hoßmang hat es nicht leicht, seine Defensive auf die Löwen vorzubereiten. Vielleicht rückt Köllner ja vom 4-1-4-1 ab und stellt auf 4-4-2 um. Wer weiß…

Wenn Ihr Euch übrigens in die Tiefe des Köllnerschen Systems einlesen wollt, sei Euch unser TAKTIKTAFEL Lexikon empfohlen. Ich empfehle, das dringend bis Mittwoch zu tun, dann müsst Ihr Euch nicht auf einen Magenta-Kommentator verlassen…

Zurück zum TSV: Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass wir bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielen. Vier Punkte aus den letzten beiden Spielen hätte ich sofort genommen, wenn man sie mir vorher angeboten hätte. Wir sind seit sechs Spielen ungeschlagen. Die Lage der Löwen ist mehr als gut. Wir sollten uns von „Rückschlägen“ nicht aus der Spur bringen lassen und weiter Ruhe bewahren.  Ich weiß, es fällt schwer. Wir sind ja schließlich bei 1860.

 

2 KOMMENTARE

  1. natürlich der Gegner gestern hat es für ihre Möglichkeiten sehr gut gemacht. zu gestern: ich will nicht über kritisch sein. aber mir hat das gestern überhaupt nicht gefallen: kein Spielaufbau, viel zu viel quergeschiebe. kein Spiel über die Flügel. kein schnelles Spiel um den Gegner zu Fehlern zu zwingen. natürlich der Gegner wurde gut eingestellt und der Platz war sicher nicht optimal. aber wir haben teilweise sehr sehr lange gebraucht bis wir überhaupt über der Mittellinie waren. das war schon im Heimspiel gegen Saarbrücken der Fall gewesen und das geht nicht finde ich. Mölders wurde leider sehr gut aus dem Spiel (zeitweise mit zwei Gegenspielern) genommen. er braucht auch mal Pausen. vielleicht ist ja genau der Mittwoch richtig für ihn. aber wir sind (wie gestern, gegen Saarbrücken oder Duisburg) viel zu ausrechenbar. das soll keine Kritik sein. wenn Sascha Mölders aus dem Spiel genommen ist, haben wir fast keine Möglichkeit. schon am Montag oder gegen die roten kam sehr wenig bis gar nichts von ihm. Neudecker, lex Dressel (nach Einwechslung) oder auch Biankadi hingen gestern doch sehr in der Luft. da kam auch zu wenig fand ich.

    • Servus Andi1860,

      bei sechzger.de darf man auch Kritik äußern! Allerdings werden wir mehr als so mancher anderer Blog im Umfeld von 1860 auf einen angemessenen Umgangstpon achten. Aber da gibt es ja bei Dir eh nix zu beanstanden. Ich sehe die Punkte, die Du ansprichst ähnlich. Da die detaillierte Spielanaylse ja immer in der Taktitakfel komt, wollte ich da nicht zu sehr in die Tiefe gehen. Aber es ist aus meiner Sicht schon, dass Sechzig sich gegen die Gegner, die spielerisch am wenigsten bieten, am schwersten tut. Hoffentlich wird das am Mittwoch besser, wobei ich denke, dass durch den Ausfall von Mölders etwas ziemlich Überraschendes auf uns und die magedeburger Defensive zukommen wird.

      Ciao

      Thomas Enn

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