Der TSV 1860 München befindet sich gerade nicht in rosigen Zeiten. Die Euphorie der vergangenen Rückrunde ist verflogen, manche beschreiben die Situation als trostlos. Soweit würde ich jetzt nicht gehen, aber das Interesse ist schon gewaltig gesunken gegenüber der letzten Saison. Das konnte man gestern in Lotte auch daran ablesen, dass sechzger.de als einziges Münchner Medium vor Ort im Stadion vertreten war. Die Löwen treten auf der Stelle, schrieb Jan Schrader gestern in seinem Spielbericht. Das trifft es für mich wesentlich besser als trostlos. Schaut man auf die Tabelle, bedeutet der gestrige Punkt sogar einen kleinen Rückschritt. Schaut man auf die Aufstellung, hat man vielleicht die Zukunft der Löwen gesehen. Stehen wir also vor der Zeitenwende in Giesing?

Mölders erstmals unter Köllner auf der Bank

Kapitän, Alpha-Tier, Führungsspieler, Torschützenkönig, Wampe von Giesing, was könnte man nicht noch alles über Sascha Mölders sagen? Der unglaublich beliebte und geradezu aus jeder Pore Fannähe verströmende Sascha Mölders saß gestern zum ersten Mal unter Michi Köllner bei Anpfiff auf der Bank. Das Gesicht der letzten Saison, in der er den weiß-blauen Kosmos besonders in der Rückrunde verzückte und als Leader die Aufholjagd in der Tabelle anführte. Unvergessen, wie er mit einer Halben Augustiner in Ingolstadt vor dem Stadion und später am Trainingsgelände mit den Fans trotz der verpassten Relegation feierte.

Persönlicher Faden gerissen

In den Giesinger Gedanken von letzter Woche habe ich mich gefragt, wo oder wann der Faden zu letzter Saison gerissen ist. Ich nehme an, dass diese Frage auch durch Saschas Kopf geistert. Traf er letzte Saison quasi mit jedem Schuss und war immer anspielbar, läuft es seit Saisonbeginn nicht mehr so für ihn und das gesamte Team. Die Gründe dafür sind schwer auszumachen.

Systemumstellung

Wir haben in der Reaktion in der vergangen auch intensiv diskutiert, was man ändern müsste, damit die Löwen wieder in die Spur kommen. Eine immer wieder genannte Antwort, war Mölders mal auf die Bank zu setzen und die Offensive umzustellen. Die Argumente waren:

  • neues, schwerer ausrechenbares System für den Gegner
  • Mölders in Formkrise, braucht mal eine Pause
  • mit mittlerweile 37 Jahren ist die Jokerrolle vielleicht eh besser für Sascha

Und tatsächlich! Michi Köllner brachte Sascha Mölders erstmals nicht in der Startaufstellung und setzte auf ein neues System. Bei Ballbesitz traten die Löwen in einem sehr variablen 4-3-3 auf. Bär, Lex und Biankadi tauschten ständig die Positionen und legten ein hohes Laufpensum an den Tag. Gegen den Ball sah es nach einem 4-1-5-0 aus.

Ist das System die Zukunft?

Haben wir also gestern die Geburt eines neuen Systems gesehen? Wurde gar die Zeitenwende in Giesing eingeläutet? Meine Antwort lautet: schwer zu sagen. In der ersten Halbzeit wussten die drei Stürmer durch ständiges Rochieren, hohe Laufbereitschaft und ein paar feine Kurzpasskombinationen zu überzeugen. In Halbzeit zwei kam nicht mehr so viel. Das lag aber auch daran, dass aus dem Mittelfeld der Löwen eigentlich kaum mehr brauchbare Pässe nach vorne kamen.

Eher Alternativsystem als Zeitenwende in Giesing

Ich glaube, dass Michi Köllner gestern einen richtigen Schritt getan hat und (endlich?) ein valides Alternativsystem zum 4-1-4-1 der Vorsaison hat spielen lassen. Natürlich ist die Abstimmung usw. noch verbesserungsfähig und die Löwen werden das im Training noch besser einstudieren müssen. Ich finde aber, dass der Schritt notwendig war, um endlich wieder variaber zu agieren und für die Gegner schwerer auszurechnen zu sein.

Ich hoffe, dass Michi Köllner in Zukunft zwei alternative Systeme zur Verfügung hat und diese je nach Gegner etc. zum Einsatz bringen wird. Das hieße, dass Sascha sicher auch wieder seine Einsätze von Beginn an kriegt, aber es Spiele geben wird, in denen er sich bei Anpfiff auf der Bank wiederfinden wird. Wie seht Ihr das?

Wir würden uns wieder über angeregte und sachlich fundierte Diskussionen in unserem Kommentarbereich freuen.

 

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alexk: “Unser Problem heisst Gorenzel/kein Netzwerk und als Manager leider auch nicht das Format für 60!”

Woher kommt die Erkenntnis, dass Gorenzel über kein Netzwerk verfügt? Das wird doch vor allem bei einem anderen Blog verbreitet. Ist das vielleicht Ihre Quelle? Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft, Herr Gorenzel würde sich zu seinem Netzwerk äußern, sodass das jemand fundiert beurteilen könnte? Könnte es vielleicht sein, dass GG bewusst darauf verzichtet ein Netzwerk zu Beratern aufzubauen, um diesen keine überteuerten Spieler abnehmen zu müssen?

Um vielleicht das Gedächtnis aufzufrischen: 2016/17 gab es vier vom Investor ins Amt gehobene Geschäftsführer: Gerges, Basha, Power, Ayre. Deren Format hat ausgereicht für einen Jahresverlust von 22 Mio. €, einen Doppelabstieg, Gesamtschulden von mehr als 60 Mio. € und dem Zerfall der Mannschaft. Welches Format muss bei Ihnen ein Geschäftführer aufweisen? Oder glauben Sie etwa ernsthaft an das auf einem Blog verbreitete Märchen, Horst Heldt hätte Interesse an einem Job bei 1860? Der hat bei Köln in einem Monat mehr verdient als 1860 ihm für ein Jahr vergüten könnte.

Und welche Vereine haben mit weniger Geld mehr Erfolge bei den Spielerverpflichtungen gezeigt? Nur zur Erinnerung: Tim Rieder galt bei 1860 als Unterschiedsspieler, beim FCK war er eine Katastrophe.

Sobald man die Arbeit bei 60 mal kritisiert, kommt sofort der Blog ins Spiel. Nein ich beziehe mein Annahmen und Infos nicht von Herrn Griss.Ich habe auch keine Lust mich an Richtig ist allerdings an deinem Post, dass sich ein Kader nach dem Budget
richtet. Unser Budget liegt im oberen Drittel der Liga,
das aktuelle Tabellenbild und die gezeigten Leistungen aber nicht!. Wer von Gorenzels Neuverpflichtungen hat den so 100% eingeschlagen? Der Richie noch am Ehesten! Aber was wirklich fehlt sind Anführer auf dem Spielfeld,,wenns mal nicht läuft! Ich hoffe für uns alle, dass ich mich täusche und die Löwen zurück kommen! Am Samstag muss Giasing mal wieder brennen und wer jetzt pfeift und nicht heiser nach Hause geht, soll am besten auch zu Hause bleiben!

ich sehe das Problem eher da drin, dass wir seit Beginn der Saison permanent Umstellungen innerhalb der Mannschaft haben..es gibt keine Stammformation, die Raumaufteilung/Laufwege sind nicht gut abgestimmt; in den guten Phasen der letzten Saison hat sich die Mannschaft praktisch von selbst aufgestellt; Qualität im Kader sehe ich durchaus, es mangelt an Selbstbewusstsein und auch Verantwortungsgefühl in schlechten Spielphasen…ausserdem sehe ich momentan keinen, der voran geht, wenns Tiefschläge während des Spiels gibt

@Thomas: es war das zweitemal unter Michael Köllner wo Sascha auf der Bank saß. das erstemal war ein Heimspiel gegen Rostock. nix für ungut.

Ich möchte noch Biankadi und Neudecker zu den
2.Liga fähigen Spielern dazufügen.

Leider fehlt es einfach an Qualität und Spielern die noch darauf hoffen und unbedingt zweite Liga
spielen wollen: B, Steinhart, Mölders, Moll, Salger-allesamt eher froh in Liga 3 noch kicken zu können, da einfach zu langsam. Von den Jungen aktuell nur Dressel und Hiller mit Potential nach oben. Deichmann und Bär gute aber keine herausragenden 3.Liga Spieler, die aber in einer funktionierenden Mannschaft den Unterschied zum machen könnten-nur funktioniert es halt nicht. Gorenzel muss eigentlich seine Konsequenzen ziehen, da der Kader so leider nicht stark genug ist.

Viele Spieler haben ihren Zenit überschritten (Mölders, Moll, Salger), andere sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben (Tallig, Dressel), Biankadi hat gestern außer dem schönen Tor nichts gebracht, Staude ist die ganze Saison ein Totalausfall. Lex gestern in der 1. Halbzeit stark, danach nicht mehr zu sehen. Es sind im Vergleich zur letzten Saison zu viele Spieler, die ihre Form verloren haben, auch Neudecker gehört dazu….

Die von mir genannten Spieler haben letztes Jahr überperformt und sind halt alle wieder ein
Stück älter geworden. Statt Jugendspielern einen Vertrag zu geben, die dann leider noch weit entfernt von dem Niveau sind, wäre evtl. ein schneller IV und ein MS von Nöten gewesen.
PS: andere Clubs haben mit weniger Kohle mehr Erfolg bei Neuzugängen.
Unser Problem heisst Gorenzel/kein Netzwerk und als Manager leider auch nicht das Format für 60!

alexk:

Oben haben Sie geschrieben, Sie möchten Kritik äußern. Dagegen dürfte nichts einzuwenden sein. Aber auch jetzt kommen Sie mit der Verschwörungsmythe aus dem Zensurblog mit der Behauptung: Gorenzel/kein Netzwerk. Das ist keine Kritik von Ihnen, sondern eine unbewiesenen und für mich gänzlich absurde Behauptung, für mich Fake News. Und ich darf mich gerne wiederholen: Hätten die von HAM installierten Manager Basha, Gerges, Power und Ayre dass für 1860 notwendige Format 2016/17 besessen, wäre sicherlich kein Jahresverlust von 22 Mio. € mit einem Doppelabstieg eingetreten. Und dann hätte 1860 vermutlich auch die finanziellen Mittel für Unterschiedsspieler wie ein schneller IV oder wen auch sonst noch immer zur Verfügung gestanden. Da aber HAM sowohl eine Kapitalerhöhung abgelehnt hat und auch nicht als Sponsor aktiv werden will, ist das Budget sehr begrenzt.

Und noch eine Ihrer unbewiesenen Behauptungen: “andere Clubs haben mit weniger Kohle mehr Erfolg bei Neuzugängen.” Welche Clubs denn bitte schön haben mit ca. 63 Mio. € Schulden eine Insolvenz verhindert und weniger Geld zur Verfügung gehabt?

Alexk: “Gorenzel muss eigentlich seine Konsequenzen ziehen, da der Kader so leider nicht stark genug ist.”

Welche Spieler verpflichtet werden, bestimmt sich auch nach dem Budget. Da kein Verein der 3. Liga auch nur annähernd die Schulden der TSV KGaA aufweist, bewegt sich das Spielerbudget im Mittelfeld der Vereine der 3. Liga. Insoweit kann ich keine Versäumnisse des Sport-Geschäftsführers bei der Kaderzusammenstellung erkennen, wobei meine Bewertung nicht die Meinung der User eines anderen Blogs wiedergeben.

Angesichts der aktuellen Situation wäre es sehr schön, wenn HAM einen Forderungsverzicht ausspräche und somit die KGaA entschuldete. Vielleicht könnte HAM neben der Bayerischen als weiterer Hauptsponsor einspringen.