Endlich mal wieder ein Sieg gegen eine Spitzenmannschaft! Wie gerne würde ich jetzt über den Kampfgeist, die konzentrierte Mannschaftsleistung über 95 Minuten, den platzierten Flachschuss von Philipp Steinhart und die Paraden von Marco Hiller schreiben. Aber all das tritt für mich in den Hintergrund. Stefan Schneider hat gestern Abend nach dem Spiel per (wahrscheinlich) selbstverfasster Pressemitteilung seinen Rücktritt als Stadionsprecher des TSV 1860 München bekannt gegeben.

Rücktritt von Stefan Schneider

Stefan war über 28 Jahre und über 600 Spiele Stadionsprecher der Löwen. Er hat Löwentore im Olympiastadion, in der Heimstätte der Roten an der A9 und dem Sechzger-Stadion angesagt. Er ist ein blaues Original und viele – gerade jüngere Löwen – werden sich an kein Spiel ohne seine Stimme erinnern können.

Ich weiß jetzt gar nicht genau, wer sein direkter Vorgänger war. Wahrscheinlich war es Ralf Exel. Ich kann mich auch nicht genau an Stefans erstes Spiel erinnern, aber der Mann ist mir mit seiner authentischen blauen Art sofort ans Herz gewachsen. Das war einer, der mitfühlte, der mitlitt, der mitjubelte. Der auch mal einen frechen Spruch machte und einen Wortwitz brachte. Nicht so ein weichgespülter Marketing-Fuzzi wie seine Vorgänger Exel und Schulze-Erdel, deren Hauptaugenmerk auf der Präsentation des weiß-blauen Riesenschusses oder ähnlichem Werbequatsch in der Halbzeitpause lag.

Ich – als Eishockeyfan – habe ihn auch einige Jahre als Stadionsprecher des EC Hedos und des EHC München, als das „Red Bull“ noch nicht im Namen war, erleben und persönlich kennenlernen dürfen. Stefan ist ein Löwe durch und durch. Er sagt, was er denkt, er hat immer ein Herz für Fananliegen gehabt und war als Typ einfach immer gerade aus!

“Münchens große Liebe!”

Mit Stefan Schneider verlässt tatsächlich eine Identifikationsfigur den TSV 1860 München. 28 Jahre TSV 1860 München! Über 600 Spiele! Die Hintergründe und seine Motivation sind bisher unklar. Anlass zur Spekulation gibt der Passus mit den Markenrechten an „Münchens große Liebe“. Gab es im Hintergrund Streit um die Marke? Überträgt er sie wirklich dem TSV 1860 München e.V.? Oder doch der Merchandising GmbH? Wurde eventuell sogar Druck auf ihn ausgeübt? Ich hoffe, wir werden es bald erfahren und Stefan hat sich für das Richtige entschieden.

Oder hat es ihn einfach zermürbt, Ansagen in einem menschenleeren Stadion zu machen?

Das letzte Tor im vollen Sechzger

Ich hätte Dir einen triumphalen Abschied im knallvollen Sechzger gewünscht. Ein letztes „Danke!“ – „Bitte!“ in Deinem Biotop, in dem die Chemie zwischen Dir und dem Publikum immer gestimmt hat. So wird das phantastische Tor von Prince Owusu beim 4:3 gegen Chemnitz auf ewig nicht nur als das letzte Tor vor dem Lockdown in Erinnerung bleiben, sondern auch als das letzte von Dir angesagte Tor in einem Stadion mit Zuschauern. Schauen wir es uns nochmal an:

Ich werde nie vergessen, wie ich mit meinem Sohn bei diesem Tor unter vier vollkommen wahnsinnig jubelnden Löwen lag und der Kleine so laut wie er konnte “OWUSU, OWUSU” geschrien hat. Und jetzt ist das das letzte Tor, das Du in einem vollen Stadion angesagt hast. Geschichten, wie sie nur 1860 schreibt!

Was auch immer es war: Stefan, danke für diese Zeit! „Stehhalle, ist jemand zu Hause?“ ist jetzt schon ein geflügeltes Wort in unserer Familie und wird uns immer an Dich erinnern. Wahnsinn, wie schnell 28 Jahre vorbei gehen! Alles Gute für die Zukunft! BLAU BLEIBEN, aber das muss ich Dir ja nicht sagen.

Gegen den Tabellenführer gewonnen und doch verloren. Gibt’s auch nur bei uns…

7 KOMMENTARE

  1. Hi Alex64,

    ich hoffe natürlich auch, dass er die Marke dem e.V. überschreibt und vielleicht sogar mit der Bedingung, diese nicht an Dritte weiterzugeben. Aber es gibt ja sogar im engeren Umfeld von KgaA und e.V. Leute, die das nicht genau unterscheiden können.

    Servus

    Thomas

    • Der Verein ist für mich immer der e.V., die KGaA die ausgegliederten Profifußballer. Im Endeffekt gehört natürlich beides zusammen und nur zusammen ist man stark und hat Erfolg.

  2. Also für mich ist das eigentlich ziemlich eindeutig, dass Stefan mit Verein den e.V. meint. Sonst hätte er es anders geschrieben. Aber mal schaun, was da noch so alles ans Licht kommt.

  3. Stefan schreibst doch selber: “Als Inhaber der Markenrechte des Slogans “Münchens große Liebe” – Ausdruck des Lebensgefühls der Sechzger – übertrage ich selbstverständlich und gerne alle Rechte dem Verein unentgeltlich und in Gänze. Der Claim soll lange Zeit noch das beschreiben, was uns Löwen ausmacht”.
    Für mich ziemlich eindeutig, auch weil er ja weiter schreibt “Ein besonderer Dank gilt allen Medienkollegen von der Presse für die faire uns respektvolle Zusammenarbeit von Anfang an, ebenso Marc Pfeifer und die Verantwortlichen des Vereins”.
    Aber man darf gespannt sein, was da noch raus kommt.

      • Zur Info:
        Seinen markenrechtlich geschützten Slogan „Münchens große Liebe“ hat Schneider dem Verein unentgeltlich übertragen. Dass in diversen Foren nun versucht wird, daraus ein Politikum zu stricken, stößt dem Münchner sauer auf. „Darum möchte ich an dieser Stelle in aller Unmissverständlichkeit sagen: Ich übertrage die Rechte an Sechzig. Die Frage e.V. oder KGaA hat mich noch nie interessiert und wird es auch nicht. Ich habe mich über all die Jahre aus vereinspolitischen Diskussionen herausgehalten, so werde ich das auch weiterhin handhaben.“

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