Mannschaft und Fans saßen am letzten Tag im Trainingslager im spanischen La Manga wohl größtenteils gerade am Frühstückstisch, als folgende Nachricht die Runde machte: Hirschberger in der „Bild am Sonntag“: „Ich will Präsident von 1860 München werden“. Fast Augenblicklich setzten die Diskussionen im Trainingslager, aber auch in den sozialen Netzwerken ein:

„Dem ist es derzeit wohl zu ruhig bei 1860“ oder „Warum beginnt der jetzt schon mit Wahlkampf“ waren mitunter die häufigsten Reaktion, Reaktionen in denen auch ein (kleiner) Vorwurf in Richtung Hirschberger zu erkennen ist. Aber zurecht?

Betrachten wir doch einmal, wie diese Aussage – vermutlich – zustande gekommen ist:  “Hans im Glück” hatte erst am Freitag bekannt gegeben, dass Hirschberger seinen 90% Anteil von an der Burgerkette verkauft. Das war fast allen großen Medien einen ausführlichen Artikel oder zumindest eine Nachricht wert, egal ob Spiegel, Focus, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, n-tv und unzählige andere: Hatte es “Hans im Glück” seit seiner Gründung 2010 auf eine stattliche Anzahl von über 80 Filialen und 150 Euro Millionen Jahresumsatz gebracht und ist aktuell DER Name in der Premium-Burger-Gastronomie.

Eine Erfolgsstory, die Hirschberger – der ja bereits die bekannte Cocktail-Kette Sausalitos erfolgreich gegründet und dann verkauft hatte – in den Augen vieler auch als 1860-Präsident befähigen würde. Andere fragen, warum er bzw. “Hans-im-Glück” denn mit seinen traumhaften Umsätzen bei 1860 nicht als Sponsor in Erscheinung getreten ist oder verweisen auf Hirschbergers bisherige Ambitionen, ein Amt bei 1860 zu bekleiden:

2009 wollte er Fußballabteilungsleiter werden und ging eigentlich als Favorit ins Rennen bei der Mitgliederversammlung in Unterschleißheim. Er lieferte eine wenig überzeugende Rede, wohingegen der Außenseiter mit einer mitreißenden Rede („ich will diesem Verein dienen“) Abteilungsleiter wurde – der bis dato eher unbekannte Robert Reisinger, der in der AZ dann vorgestellt wurde: Abendzeitung über die Wahl des Abteilungsleiters bei 1860 im Jahre 2009

2018 dann der Versuch mit dem „Team Profifußball“ in den Verwaltungsrat bei 1860 einzuziehen – wieder erfolglos: Einzelne Kandidaten des Teams hätten vermutlich eine realistische Chance gehabt, aber die Ankündigung, den gesamten Verwaltungsrat neu besetzen zu wollen kam bei den Mitgliedern gar nicht gut an und war taktisch auch eher unklug: erneut wurde es nichts mit einem Amt bei 1860.

Danach wurde es erst einmal still um Thomas Hirschberger bei den Löwen: das Mitglied auf Lebenszeit und bei den Unternehmern für Sechzig hielt sich in der Öffentlichkeit zurück – bis jetzt eben die Aussage in der Bild am Sonntag kam: Aber ist diese wirklich als Beginn des Wahlkampfes zu werten?

Vermutlich nicht: Es ist davon auszugehen, dass viele Medien sich in den letzten Tagen bei Thomas Hirschberger um ein Interview bemüht haben. Gut vorstellbar, dass folgende Frage gefallen ist: „Jetzt wo Hans im Glück verkauft ist – wirst Du Präsident bei 1860 werden?“ und dazu folgende eher flapsige Antwort: „Klar, warum nicht – jetzt hab ich ja wieder Zeit“.

Klar, dass da Bild-Zeitung und Blogger gleich eine Schlagzeile draus machen – das bringt Auflage und Klicks und somit Kohle. Der Löwenfan täte jedoch gut daran, nicht über jedes Stöckchen zu springen das ihm der Boulevard hinhält: derzeit herrscht Ruhe im Verein, es dringen keinerlei Informationen mehr nach außen, Investoren- und e.V-Seite waren beide im Trainingslager – es gibt derzeit keinen Grund für Diskussionen oder Streit.

Bis zum Beginn des tatsächlichen Wahlkampfes dürfte noch eine ganze Weile vergehen: Entspannt euch, ihr Löwen.

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